StaatsanleihenFehlen nur noch 1.000 Milliarden

Wie die Regierungen der Euro-Zone die Käufer von Staatsanleihen beruhigen wollen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy bei einer Pressekonferenz in Brüssel

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy bei einer Pressekonferenz in Brüssel

G20 , die sich in der vergangenen Woche an der französischen Mittelmeerküste versammelt hatten, wenig zustande. Die klaren Worte von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy aber werden überdauern. Sie stellten Griechenland unmissverständlich vor die Wahl: harte Reformen – oder raus aus dem Euro .

Vielleicht wird Cannes einmal als Ort einer historischen Zäsur in die Geschichtsbücher eingehen. Weniger wegen der offiziellen Beschlüsse, denn an konkreten Ergebnissen brachten die Staatenlenker der

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Deutschland und Frankreich haben damit einen Grundpfeiler der Währungsunion verschoben. Bislang war der Euro gedacht als Bund für die Ewigkeit. Jetzt ist er ein Arrangement auf Zeit. Wer sich nicht an die Regeln hält, der muss gehen. Auch in Berlin bereitet man sich inzwischen insgeheim auf eine Zukunft ohne Krisenstaaten vor. Es geht nicht mehr um eine Rettung aller um jeden Preis, sondern um den Schutz des Kerns der Währungsunion. Eine gewaltige Brandmauer soll die Ausbreitung der Krise verhindern – allein, die Arbeiten kommen nicht voran.

Dabei drängt die Zeit. An den Finanzmärkten sorgt der deutsch-französische Kurswechsel für erhebliche Verunsicherung. Wie schon im Sommer, als das Versprechen gebrochen wurde, kein Staat der Euro-Zone werde umschulden, müssen sie sich jetzt wieder auf eine neue Realität einstellen. Künftig können Euro-Länder nicht nur pleitegehen, sie können auch aus dem Hartgeldverbund ausscheiden.

Für die potenziellen Käufer von europäischen Staatsanleihen bedeutet das: Ihnen droht nicht nur ein Schuldenschnitt, sondern obendrein auch noch eine Währungsreform. Laut Joachim Fels, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Morgan Stanley, haben die Europäer die »Büchse der Pandora« geöffnet. Fels ist nicht der Einzige, der das so sieht. Reihenweise werfen Investoren Staatsanleihen der angeschlagenen Länder Südeuropas auf den Markt.

Je länger die Kapitalflucht aus Italien anhält, umso bedrohlicher wird es

Die Folgen sind dramatisch: Belgien ist unter Druck, selbst Frankreich musste ein Sparprogramm verabschieden. Inzwischen geraten auch die Deutschen in den Abwärtsstrudel. Die Aufträge der Firmen aus dem europäischen Ausland sind zuletzt regelrecht eingebrochen. Schätzungen zufolge wird die hiesige Wirtschaft im letzten Quartal des Jahres schrumpfen.

Im Zentrum des Geschehens aber steht Italien. Das Land müsste derzeit mehr als sieben Prozent Zinsen bezahlen, wenn es sich für zehn Jahre frisches Geld borgen wollte. Das ist zum Teil eine Reaktion auf den mangelnden Reformwillen der Regierung. Italien ist ein reiches Land, das seine Schulden eigentlich bedienen kann. Doch je höher die Kapitalflucht die Zinsen steigen lässt, desto mehr der verbliebenen Investoren ziehen ihr Geld ab, weil sie fürchten müssen, dass Italien unter der steigenden Zinslast zusammenbricht. Es droht ein Teufelskreis. Als Irland und Portugal in eine ähnliche Lage gerieten, mussten sie unter Europas Rettungsschirm.

Deshalb brüteten die Finanzminister der EU zu Wochenbeginn über Plänen für eine neue Rettungsoffensive. Wenn Investoren darauf zählen können, dass die Staatengemeinschaft bei einem drohenden Zahlungsengpass einspringt, so die Hoffnung der Ressortchefs, dann engagieren sie sich auch wieder in Südeuropa – und verschaffen den Krisenländern Zeit, um ihre Wirtschaft auf Vordermann zu bringen. Nach Schätzungen der Ministerrunde sind 1.000 bis 1.500 Milliarden Euro an verfügbaren Mitteln nötig, um die Märkte zu beruhigen.

Die Zentralbank könnte sich entschließen, Geld zu drucken

Das Problem: Der Rettungsfonds EFSF kann nur 440 Milliarden Euro bewegen. Und so hat eine verzweifelte Suche nach neuen Geldquellen begonnen. Den Fonds auszuweiten ist nur schwer möglich. Die EFSF hilft den Krisenländern, indem sie, abgesichert durch die Garantien der Euro-Staaten, am Markt Geld aufnimmt und dieses Geld dann an die angeschlagenen Regierungen verleiht.

Leserkommentare
    • joG
    • 12.11.2011 um 15:41 Uhr

    ....verfügbare Mittel? 1.000 bis 1.500 Milliarden Einlage wäre wohl richtiger. Die Idee ein Schuldenproblem damit zu lösen, dass man verspricht es zu lösen mit neuen Krediten einer Zweckgesellschaft, die man lediglich garantiert, damit sie SPIVs mit Kapital und CDS ausstattet, sich leveragen kann mit Geld, das sie auf dem Markt in aller Welt zusammensucht....

    Ach, ja! Man will neue Worte finden für SPIVs und nennt die CDS Versicherungen.

    Also für mich hört sich das an, wie Klein Fritz sich die Arbeit der Heuschrecken und Bankster vorstellt.

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    Wie sagte mal ein Politiker so schön: "Niemand will eine Mauer errichten ...".

    So klingt das, wenn Brandstifter eine Brandmauer bauen. Der Satz von Mark Schieritz:"Eine gewaltige Brandmauer soll die Ausbreitung der Krise verhindern" bleibt mir glatt im Hals stecken.

    Vermutlich sitzen wir dann alle diesseits der Mauer, wenn dann hier weiter gezündelt wird.

    Wie sagte mal ein Politiker so schön: "Niemand will eine Mauer errichten ...".

    So klingt das, wenn Brandstifter eine Brandmauer bauen. Der Satz von Mark Schieritz:"Eine gewaltige Brandmauer soll die Ausbreitung der Krise verhindern" bleibt mir glatt im Hals stecken.

    Vermutlich sitzen wir dann alle diesseits der Mauer, wenn dann hier weiter gezündelt wird.

  1. Was der Artikel beschreibt, ist doch ein Erpressungsszenario....entweder Geld oder alle haften oder keine Aufträge mehr....na, dann lassen wir es doch mal drauf ankommen....und schauen mal auf die Reaktionen der Gläubiger, wenn ihre Schuldner gar nichts mehr zahlen....diese Drohung geht, erkennt Herr Schieritz richtig, in erster Linie gegen D.

    Wer einmal einer Erpressung nachgab, wird dies immer wieder tun...wehret also dem Anfang!

    5 Leserempfehlungen
  2. Wieso sollten bei Eurobonds niedrige Zinsen garantiert sein wenn sich die halbe Währungsunion bereits jetzt schon auf Ramschniveau zubewegt ?

    Jede Woche dasselbe. Dieses und jenes muss aufgestockt werden, zuerst Griechenland, dann Portugal und Irland , nun Italien und nach der nächsten Aufstockung ist Spanien dran. Dann reicht es wieder nicht, es muss wieder aufgestockt werden und dann kommt Frankreich als nächstes an die Reihe.

    Das ist nicht finanzierbar , gerade diejenigen von SPD und Grünen möchte ich mal sehen wenn Eurobonds, welche diese beiden fordern , kommen und Deutschland massiv mehr für seine Kredite zahlen muss und Kürzungen anstehen. Dann will man bei diesen beiden Parteien doch wieder generell gegen Eurobonds gewesen sein.

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    • WiKa
    • 12.11.2011 um 15:55 Uhr

    … es werden alle Rechnereien und Rechenspiele nicht helfen, solange nicht die Ursache der Krise beseitigt wird. Weder mehr Weggabe an Kompetenzen nach Brüssel, noch zusätzliche Gelddruckerei werden das Problem lösen. Es ist frustrierend mit anzusehen wie der normalbegabte Bürger hier verladen wird und Maßnahmen ergriffen werden, die in jedem Falle zur weiteren Eskalation führen müssen, allein um den Preis etwas Zeit zu gewinnen.

    Das (Schuld)-Geld-System an sich ist faul und nciht tragfähig, weil es ein exponentielles Wachstum des Geldes bewirkt, was der Arbeitskraft des Menschen auf der anderen Seite nicht möglich ist. Es wird so etwas von gründlich an dem Thema vorbei gearbeitet, dass man sagen darf es ist sträflich und kriminell … zum Schaden der Menschen in Europa.

    Es wird ein VWL und BWL-Voodoo-Zauber beschworen und uns ein Affentanz aufgeführt, der so scheint mir, ausschließlich der Ablenkung von eben diesem kleinen aber überlebenswichtigen Umstand dient.

    Wenn sie nachvollziehen möchten was dieses System bewirkt und ausmacht, hier bitte: „Jesus Euro Cent vs. Mammons Renditeziel“ … Link, da können selbst die Kinder das System verstehen. Nehmen sie es als vorgezogene Weihnachtsgeschichte.

    Dann gehen sie bitte hin und ersetzen das Wort Schuldenkrise bitte gedanklich ein für alle mal durch das Wort „Guthabenkrise“, es ist nichts anderes als die Kehrseite dieses kaputten Systems, aber es könnte helfen zu verstehen.

    4 Leserempfehlungen
    • keibe
    • 12.11.2011 um 15:57 Uhr

    "Eine gewaltige Brandmauer soll die Ausbreitung der Krise verhindern ... ." (siehe Artikel)

    Na, wer wars:

    "Die Mauer wird so lange bleiben, wie die Bedingungen nicht geändert werden, die zu ihrer Errichtung geführt haben. Sie wird auch noch in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt sind."

    Wenn Sie wissen, wer es war, kann man auch bei diesem Artikel hier über den Sinn und die Dauerhaftigkeit der ins Auge gefassten Mauer ins Grübeln kommen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Wieso auch sollte China Europa Geld leihen ?
    Europa führt sich auf wie das Sozialamt der Welt , und Menschen deren einzige Lebensleistung darin besteht herzukommen und die Hand aufzuhalten bekommen mehr als ein chinesischer Arbeiter der 60 Stunden die Woche plackern muss.
    Es wundert mich nicht das China den eigenen Volk nicht erklären kann warum man jemandem Geld leihen sollte der nichtmal bereit ist eine solche Ausnutzung seiner Sozialsysteme zu beenden.

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    nicht nur um Einfluss zu gewinnen, sondern auch um ihre wertlose Dollar-Billion loszusein! Geld das bei den derzeitigen Bestrebungen die Inflation weltweit voranzutreiben (billiges Geld von FED und EZB überschwemmt den Markt) dazu genutzt wird das Casino aufrecht zu erhalten. Mit diesem Geld wird China also bald nicht mehr viel kaufen können1

    • klaro
    • 12.11.2011 um 21:23 Uhr

    Besser kann man es nicht beschreiben! Zum Dank darf man sich dann intern noch beschimpfen lassen, und der Rest der Welt lacht uns aus.

    nicht nur um Einfluss zu gewinnen, sondern auch um ihre wertlose Dollar-Billion loszusein! Geld das bei den derzeitigen Bestrebungen die Inflation weltweit voranzutreiben (billiges Geld von FED und EZB überschwemmt den Markt) dazu genutzt wird das Casino aufrecht zu erhalten. Mit diesem Geld wird China also bald nicht mehr viel kaufen können1

    • klaro
    • 12.11.2011 um 21:23 Uhr

    Besser kann man es nicht beschreiben! Zum Dank darf man sich dann intern noch beschimpfen lassen, und der Rest der Welt lacht uns aus.

  4. Ich plädiere ja dafür diese Attribute endlich einmal wegzulassen. Radikal ist weder das Eine, noch das Andere. Radikal im eigentlichen Sinne, also die Ursachen behebend, sind weder Eurobonds noch Notenpresse.

    Radikal wären Maßnahmen, die endlich die "Zockerbuden schließen" helfen (um es mal wirklich radikal auszudrücken). Radikal wäre die irrsinnige Entstaatlichung der letzten Jahre - Privatisierungen, Privatisierungsbestrebungen, Scheinprivatisierungen, Steuersenkungen, Aufheben staatlicher Wohlfahrt - zurück zu drehen. Radikal wäre die Eliten zu entfilzen, das "Primat der Politik über die Märkte" durch Demokratisierung, Transparenzförderung und Lobbyverbote wieder herzustellen. Radikal wäre eigenständig zu denken und sich nicht von Ackermann Gesetzes- und Richtlinienentwürfe diktieren zu lassen.

    Und "radikalere Maßnahmen" zu diskutieren empfinde ich ebenso als Hohn. Seit 2008 geht diese komische Krise nun, aber diskutiert hat man Lösungen für die Krise noch nicht? Sitzen wohl zu viele Karrieristen, Opportunisten und Konformisten in den Entscheider-Sesseln?

    3 Leserempfehlungen
  5. "Die Aufträge der Firmen aus dem europäischen Ausland sind zuletzt regelrecht eingebrochen. Schätzungen zufolge wird die hiesige Wirtschaft im letzten Quartal des Jahres schrumpfen."

    Oh Wunder, oh Wunder!
    Das wird sich wohl mit jedem neuen Spardiktat noch weiter verschärfen. Aber so einfache Zusammenhänge ignoriert man lieber.
    Die Austeritätspolitik stürzt nicht nur Griechen, Portugiesen, Iren, Italiener und Spanier ins Unglück. Nein, wenn deren Wirtschaft endgültig einbricht, können sie auch unsere tollen Exportartikel nicht mehr kaufen. Merkels Politik der harten Hand gegen die Südländer wird am Ende auf uns zurückschlagen.

    2 Leserempfehlungen
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    Zumindest stärkt sie damit die heimische Tourismusbranche, denn in Südeuropa können wir uns auf absehrbare Zeit nicht mehr blocken lassen.

    Zumindest stärkt sie damit die heimische Tourismusbranche, denn in Südeuropa können wir uns auf absehrbare Zeit nicht mehr blocken lassen.

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