SystemkritikKapitalismus in der Reichtumsfalle

Mehr Schulden statt mehr Wohlstand – das Wirtschaftssystem, wie wir es kennen, funktioniert nicht mehr gut. Warum es sich lohnt, nach Alternativen zu fragen. von 

Unter Reichen: Der "Rolls-Royce Hamptons Brunch" im US-amerikanischen Watermill

Unter Reichen: Der "Rolls-Royce Hamptons Brunch" im US-amerikanischen Watermill  |  © Michael Loccisano/Getty Images

Viele Tausend Jahre vor Beginn der großen Finanzkrise lebte in der Wüste Kalahari in Südwestafrika das Volk der !Kung*. Zähe, klein gewachsene Männer und Frauen waren das, die Antilopen und Zebras mit vergifteten Pfeilen töteten. Bevor sie das Fleisch aßen, verteilten sie es. Die Beute des einen gehörte auch den anderen, so war das bei den !Kung.

Anfang der 1980er Jahre lebten die !Kung noch immer in der Kalahari. Auch sonst hatte sich dort wenig verändert. Der Rest der Welt hatte das Auto, die Atombombe und den Aktienhandel erfunden. Die !Kung schossen noch immer ihre Pfeile ab. Noch immer waren sie es gewohnt, zu teilen. Aber nicht mehr lange.

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Wenig später meldete ein amerikanischer Anthropologe gravierende Neuigkeiten aus den Dörfern der !Kung. Die Jäger blieben zu Hause, die Hütten standen jetzt so, dass die Nachbarn nicht mehr hineinsehen konnten, fast jede Familie hatte sich eine Kiste angeschafft, in der sie ihr Eigentum aufbewahrte. An den Kisten hingen Schlösser.

Was genau war geschehen?

Nicht viel. Die Regierung von Botswana hatte begonnen, Handel mit den !Kung zu treiben. Die Marktwirtschaft war in die Kalahari gekommen, ein kleines, bis dahin überaus genügsames Volk hatte Gefallen am Eigentum gefunden, das war alles.

Für die !Kung war es der Anfang vom Kapitalismus . Für uns war es der Anfang vom Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.

Infografik Wirtschaftssystem
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Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.  |  © ZEIT-Grafik

Um das zu verstehen, hilft es, ein Bild heranzuziehen, das der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter im Jahr 1942 kreierte, um das Wesen des Kapitalismus zu beschreiben. Es ist das Bild der Maschine. Ein durchaus passendes Bild, war der Aufstieg der Marktwirtschaft doch untrennbar mit technischen Erfindungen verknüpft, mit Dampfmaschinen, Lokomotiven, Hochöfen, Fließbändern. Da liegt es nahe, das ganze System als eine einzige große Maschine zu begreifen. Eine Maschine, die Dinge erzeugt, immer mehr davon, von Jahr zu Jahr.

Der Durchschnittsdeutsche von heute besitzt: Fernseher, Bücher, Möbel, Digitalkamera, Elektroherd, Waschmaschine, Mobiltelefon, Auto, Computer. Insgesamt: 10.000 Gegenstände. Die Maschine war ziemlich erfolgreich.

Damit sie weiterlaufen kann, damit die Unternehmen weitere, neue Dinge produzieren, brauchen sie Menschen, die sie ihnen abkaufen. In diesem Sinne bekam die große Maschine Ende der achtziger Jahre neuen, ungeahnten Schwung. Nach dem Mauerfall breitete sich der Kapitalismus rund um die Welt aus, bis in den letzten Winkel Osteuropas, Asiens, Afrikas, und überall fand er: neue Märkte. Er kam zu den Ukrainern und Rumänen, Indern und Chinesen, Vietnamesen und Kambodschanern. Und zu den !Kung.

Seit seiner Entstehung in den Industrieländern Europas und Nordamerikas hat sich der Kapitalismus in mehreren Schüben um den Globus verbreitet. Immer waren diese Expansionsphasen mit hohem Wirtschaftswachstum verbunden. Nun, da die Marktwirtschaft endgültig gesiegt hatte, war es keine Überraschung, dass die kapitalistische Maschine in den Industrieländern erneut auf Hochtouren lief. Dass die Wirtschaft so stark wuchs wie nie zuvor.

Besser gesagt: Es wäre keine Überraschung gewesen. Aber es ist nicht geschehen. Das Gegenteil ist eingetreten, etwas Seltsames, völlig Unerwartetes: Die kapitalistische Maschine der großen Industrieländer funktioniert nicht mehr richtig.

Leserkommentare
    • Harzer
    • 11. November 2011 18:32 Uhr

    ... leuchtet mir nicht richtig ein.

    Auch bei uns gibt es immer mehr Arme, wenn auch auf hohem europäischen Niveau. WENIGE Reiche werden tatsächlich noch reicher ... .

    Wo aber bitte ist die Reichtumsfalle in Afrika oder der anderen 3. Welt ??!

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    • Daimon
    • 11. November 2011 20:01 Uhr

    wachsen könnte der Rest vom Produktivitätswachstum Profitieren so passiert das Gegenteil schon wegen der wachsenden Konkurenz um resourcen der steigenden Preisen und fallenden Löhnen, alles durch das Bevölkerugswachstum.

    Ansonsten haben viele "Kapitalisten" das eigene System nicht Kapiert. Man kann zwar bei entsprechnder Macht und den entsprechenden Strukturen beliebig Umverteilen (von unten nach oben) aber das
    bedeutet dann das System aus zu saugen und nicht zu bewirtschaften. Die Folge ist der Stillstand beste Beispiele dafür ist Indien das aber von den "Kapitalisten" als Umverteilungsvehikel entdeckt wurden und deshalb scheinbar aus dieser Falle ausgebrochen sind.
    Man sollte eben nicht zu viel abschöpfen.
    Es ist genug Geld da aber eben nicht in bewegung.

    Wozu mehr Reichtum anhäufen, wenn man damit nur in mehr Produktionsmittel investiert für Produkte die sich keiner mehr leisten kann weil alle ausgebeutet werden?

    Eine Umverteilung von oben nach unten kann das ganze wieder in gang bringen.

    Ich habe diesen Artikel mit Interesse gelesen. Allerdings möchte ich zwei Bemerkungen abgeben.

    Zunächst einmal ist es schade, dass Herr Uchatius zwar andeutet, dass es Alternativen gibt, diese aber nicht benennt.

    Zum zweiten entdecke ich in seiner Analyse einen großen Irrtum. Herr Uchatius identifiziert den Reichtum in der westlichen Welt als Ursache für unsere heutige Krisensituation. Damit hat er meiner Meinung nach aber nicht zu Ende gedacht. Nicht der Reichtum in der Welt ist der Grund für die Krise, sondern unser Geldsystem mit Zins und Zinseszins. Dieser Zins bewirkt, dass unser Wirtschaftsmotor immer schneller laufen muss, ansonsten können die Zinsen nicht mehr bedient werden und es kommt zum Kollaps.

    Für Interessierte hier ein Link mit mehr Informationen (und Videos) zu diesem Thema: http://www.petersdurchbli...

  1. fragt mal jemand. Bitte halten Sie das Thema oben, denn es ist an der Zeit nach neuen Wegen zu suchen!!!

    Ein System, bei dem die Kurve immer nach oben gehen muss, um die Börse zu befriedigen wird nicht mehr funktionieren, ist nicht nachhaltig und setzt die Menschheit unter Druck. Wirtschaft ist halt nicht alles, dass sollte auch in Bezug auf Europa mal begreifen. Wenn Europa kein Herz hat und die Menschen nicht mitnimmt wird es kläglich versagen. Europa wird dann zu einem Fremdkörper, wobei es erst die Völker und Menschen sind die es tragen müssen.

    Beste Grüße.
    FSonntag

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    • jkluge
    • 12. November 2011 0:08 Uhr

    Warum der Artikel nicht seriös ist:

    1.) Romantisierung des Urzustands - was passiert eigtl., wenn ein !Kung krank wird? Und wie hoch ist die Säuglings-Sterberate?

    2.) Verwechslung von Bestand/Stromgrößen: Wenn das BIP um 380Mrd wächst, dann ist das PRO JAHR - wenn die Schulden um 380Mrd wachsen, dann ist das INSGESAMT im Verlauf von 8 Jahren.

    3.) Burn-Out - gab's früher nicht? Falsch - es findet nur langsam und erst jetzt den Weg zur sozial akzeptierten Krankheit. Das ist eine gute Entwicklung!

    4.) Wachstum = mehr Abfall? Falsch - Wachstum kann genau so gut weniger Abfall bedeuten. Beispiel: E-Mail! Kaum eine Erfindung hat so viel Papier gespart - und deshalb für Wachstum gesorgt.

    Einen ernsthaften Diskurs über das System kann es nur geben, wenn die Kapitalismus-Kritiker sich von Verschwörungstheorien und romantischen Vorstellungen von Naturzuständen befreien.

    zum Zahlen- und Diagramm-Fetischismus ...
    wahrscheinlich weil es so muehelos geworden ist, per Computer schöne Diagramme erstellen zu laasen - und die muessen immer nach 'oben' verweisen ... dahinter offenbart sich der Fetischismus ...
    man muesste einer mehr qualitativen Bewertung Raum geben anstatt per Diagrammen und Kurven Magie zu betreiben

  2. In einem Mainstream-Medium erscheint ein Artikel, der tatsächlich mal endlich ernsthaft die Systemfrage formuliert?
    Ich bin hin und weg, ja geradezu gerührt. Das ich das noch erleben darf :-)

    >>Man kann diese Frage wegwischen, kann ihre Beantwortung auf morgen verschieben und heute die Maschine am Laufen halten, irgendwie, bis zur nächsten großen Krise. Das ist der erste Weg.<<

    Wir können die Frage nicht länger wegwischen, schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Denn die nächste Große Krise der Maschine hat einen Namen: Krieg.
    Schon Orwell hat festgestellt, daß dies die einzige Methode ist, massive Produktion um der Produktion willen zu betreiben(Rüstungsindustrie) und immer wieder Werte zu vernichten, die ersetzt werden müssen (die Kriegsschäden).

    >>Am Elend wird der Kapitalismus nicht zugrunde gehen, aber vielleicht am Reichtum. Die Not der Massen hat er gelindert, an eine Revolution von unten ist kaum zu denken. An einen neuen Systementwurf von oben sehr wohl.<<

    Einen neuen Systementwurf von oben wird es nicht geben, da kommt allerhöchstens Kosmetik. Man sieht es doch an der nicht stattfindenden Regulierung der Finanzmärkte in den letzten drei Jahren.
    Ganz oben schwimmen die Fettaugen, die vom System am meisten profitieren. Und etablierte Systeme neigen nun einmal zum Selbsterhalt, und zwar ums Verrecken.
    Wenn es einen neuen Systementwurf gibt, dann wird er von unten kommen und auch kommen müssen.
    Ansonsten sind wir alle Toast.

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    Die Antwort auf die Frage "Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus?" lautet JA, und sie besteht in der evolutionsprozess-logisch folgenden Fortschrittsordnung des KREATIVEN Evolutionspfades. Sie ist auf evolutionstheoretischer Grundlage erkannt. Diese wird organisiert durch den evolutionsprozess-logisch zu Ende gedachte öko-soziale Umfinanzierungsansatz. Gesellschaftliche simulierte Knappheit von Energie- und Sachkapitaleinsatz - realisiert durch Energie- und Kapitalstock-Steuern statt z.B. arbeitskostenfinanzierte Arbeitgeberbeitrag zur Sozialverischerungen in Höhe von über 240 Mrd. € p.a. in D -

    Angela Merkel hat mit ihrer G20-Initiative CHARTA-für-nachhaltiges-Wirtschaften - insgeheim - die Weichen für den Ordnungsübergang gestellt. Die Ordnung-des-KREATIVEN-Evolutionspfades ist das Ziel des (Originalton Angela Merkel ) 'weiterentwickelten ORDOliberalismus'. Siehe dazu ihr BILD-Beitrag v. 22.5.2009 über Ludwig Erhard.

    Ein ZEIT-Journalist müßte Angela Merkel nur nach der Dimension ihrer CHARTA_Initiative v. April 2009 fragen. Sie würde diesem Frager ihr Epochenwechselwissen sicherlich nicht vorenthalten. Wer heute schon wissen will, wie die folgende post-kapitalistiche Fortschrittsordnung funktioniert und auf welcher Evolutionsprozess-Theorie sie aufbaut, der muß nur auf die Webseite der Initiatoren/Träger dieser Weltrevolution gehen: www.die-kreativen-partei.de

    • Afa81
    • 14. November 2011 15:30 Uhr

    "In einem Mainstream-Medium erscheint ein Artikel, der tatsächlich mal endlich ernsthaft die Systemfrage formuliert?
    Ich bin hin und weg, ja geradezu gerührt. Das ich das noch erleben darf :-)"

    Solche Artikel gab es doch schon öfters. Sie sind nur sehr langweilig und deshalb so selten (keine Kritik jetzt a.d. Autor), weil sie nur wieder die Frage stellen, die sich jeder 15jährige schon im Bett gestellt hat...und keine Antworten liefert. Die, die Antworten liefern bleiben jeden Beweis schuldig und argumentieren wenn überhaupt mit Dogmen.

    • PeterMK
    • 11. November 2011 18:40 Uhr

    Das ist einer der besten systemkritischen Artikel, die ich in letzter Zeit gelesen habe und ich finde Wolfgang Uchatius hat völlig Recht: Es gibt nur zwei Alternativen. Entweder der Kapitalismus existiert durch mehr Wachstum und Raubbau und mit einer sich ständig erhöhenden Krisenfrequenz weiter oder es gibt einen Systemwechsel von oben.

    Allerdings finde ich es bedauerlich, dass Herr Uchatius sich im Rahmen des Artikels nicht traut, hier konkretere Vorschläge für ein Alternativsystem anzubieten. Wie sollen unsere Wirtschaft und die für uns alle notwendigen Anreizsysteme konkret gestaltet sein? Wie kann unser System alternativ konfiguriert werden, ohne unsere kapitalistische Sozialisation zu ignorieren und ohne die durchschnittliche Lebenszufriedenheit zu senken? Wir brauchen hier konkrete Ideen und ich würde mich freuen, wenn Wolfgang Uchatius auch dazu einen Beitrag leisten könnte.

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    ...Herr Uchatius blendet auch Probleme aus, die nicht in dieses Schema passen. Die Wohlstandsverteilung etwa oder die Tatsache, dass die noch vorhandene Arbeit ungleich verteilt ist.

    Er wärmt die alte plausible (aber falsche) These von der Sättigung auf, die man schon bei der ersten Weltwirtschaftskrise bemühte. Dabei lebten die Menschen damals unvergleichbar schlechter. Was durchaus gesättigt ist, sind die Märkte, aber nicht weil alle Menschen (manche durchaus) zuviel haben, sondern weil sie nicht mehr nachfragen können, mangels Geld. Ich persönlich schiebe teure Anschaffungen seit Jahren vor mir her.

    Aber eine Alternative liegt eigentlich auch auf der Hand: die öffentliche Hand übernimmt sukzessive die Beschäftigung all der Arbeitslosen. Nicht damit diese im Leerlauf Nix tun, sondern damit sie das tun, was heute aufgrund verfehlter Politik ausgedünnt ist: Forschung, Bildung, nationale Großprojekte, Kultur usw. Das verbessert unseren Wohlstand, ganz ohne dass wir dafür zwangsweise immer mehr Produkte konsumieren müssen. Und niemand muss sich überflüssig fühlen. Quasi Sozialismus 2.0 ;-)

    Das verlangt aber nach wichtigen Nebenbedingungen:

    1) Finanzierung: es kann nicht sein, dass das dafür notwendige Geld verzinst von den Reichen geliehen werden muss

    2) die ö. Hand muss wesentlich demokratischer, offener und effizienter werden, sonst erdrückt sie irgendwann sämtliches anderes Wirtschaftsleben

    Hat man 1) gelöst, dann verschwindet das Problem wahrscheinlich von selbst.

    Es ist schon ein gewaltiger Fortschritt, dass ein so kluger Artikel seinen Platz in einer Zeitung wie Die Zeit finden konnte. Aber das kann momentan nur das vorläufige Ende der Fahnenstange bedeuten.
    Es gibt zwar Ansätze für eine Alternative zum Kapitalismus (z.B. das bedingungslose Grundeinkommen, BGE) aber das Problem ist, dass es nationale Ansätze sind. Heute muss eine Alternative in mindestens 50 Ländern der Welt konsensfähig sein, um überhaupt weiter entwickelt zu werden. Sonst zerbricht sie an der erstbesten Grenze oder am erstbesten Export/Import. Die erste Westmark war die HIV-Infektion der DDR!
    Wie kann aber ein weltweiter Konsens entstehen, wenn man auf die Kooperation mit Hochschulen, großen Verlagen, privaten Stiftungen und Regierungen angewiesen ist,um den Meinungsaustausch (Reisen, akademische Ehren, Publikationen, Medien ohne die man ein "Herr Niemand" ist) zu ermöglichen? Diese Institutionen leben vom heutigen System und werden sich mit Sicherheit nicht an dessen Ablösung beteiligen.
    Das BGE (das ich zumindest mit den heutigen nicht durchdachten Vorstellungen nicht mag) konnte sich im deutschsprachigen Raum vor allem mit Götz Werners Millionen durchsetzen. Hätte es Lieschen Müller erfunden, würde heute niemand darüber reden.

    http://www.wissensmanufak... (1:17 min)

    des weiteren empfehle ich Leopold Kohr zu lesen. Beide haben und hatten gute Ansätze und Ideen. Auf einmal merkt man, ich bin nicht der Spinner, andere haben und machen sich Gedanken, die man aufgreifen kann ;-)

    • dacapo
    • 17. November 2011 5:36 Uhr

    ........ Ihnen einen Ausweg vorgeben können. Er hat doch deutlich beschreiben, dass es eine Lösung, die aus diesem Dilemma rausführt, nicht so ohne weiteres gefunden werden kann, hat von sich aus keine Lösung angeboten. Im Gegensatz zu Herrn Uchatius haben aber reichlich viele Teilnehmer hier einen Ausweg anzubieten. Sie können alle unsere Fehlleistungen aufzeigen, aber halten sich mit ihren Lösungsvorschlägen vornehm zurück.

    Aber eines können wir uns gemeinsam hinter die Ohren schreiben: Wir sind trotz heftiger Kritik am "System" mitschuldig. Wir können nicht schwärmerisch von den !Kung erzählen, aber dabei vergessen, dass wir alle ein bisschen zu den Zuständen beigetragen haben. Jeder auf seine Art und seinem jeweiligen sozialem Standort.

    Aber einfache Systemlösungen gibt es nicht. Die immer anwesenden, es sich leicht machenden Besserwisser können sicherlich am wenigsten zur Lösungen beitragen, sonst wären es ja keine Besserwisser, sondern hätten konstruktive Ideen und wären somit nicht anwesend.

  3. Also für eine Systemkritik sollte man auch einen kritischen Artikel schreiben.

    "381 Milliarden Euro. Er beziffert den Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2000 bis 2007, also noch vor Beginn der Finanzkrise, ermittelt vom Statistischen Bundesamt. Umgerechnet auf die 82 Millionen Bundesbürger bedeutet das: Das Einkommen des durchschnittlichen Deutschen ist in diesen Jahren um 4.646 Euro gestiegen."

    Wer bitte ist der durchschnittliche Deutsche? Ist bei allen der gleiche Betrag angekommen, der dann auch hätte verkonsumiert werden können?

    "Lösen lässt sich das Problem, indem man die Leute dazu bringt, zu kaufen, ohne zu konsumieren. Also noch mehr Bücher ins Regal, noch mehr Kleider in den Schrank, noch mehr Spielsachen ins Kinderzimmer zu packen und sie dann möglichst schnell zu vergessen und wieder neue zu kaufen."

    Viele Leute würden sich gerne neue Bücher, Kleider und Spielsachen kaufen. Das Problem ist nicht, daß ALLE satt sind.

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    ... wenn dann einer alles hat ist das Spiel zu ende.
    Der Kapitalismus zielt aus Kapitalakkumulation ab, d.h. das Eigentum und Leistung der Einzelnen wird auf immer kleineren Raum akkumuliert. Nur kommt dann eben auch das wirtschaften zum erliegen, weil die Einen schon alles haben und die Anderen sich das notwendigste nicht leisten können. Ohne die Schuldenmacherei wäre das Ganze schon aufgeflogen, so wird der Chrash noch ein bisschen hinausgezögert.
    Nach dem Chrash sind die Reichen wieder ein bisschen ärmer und müssen wieder einkaufen, die Armen dürfen dann wieder Verkäufer sein.

    ...warum ging es den !Kung so gut vor dem Kapitalismus - und so schlecht danach? Teilen ist das Zauberwort, so wie die ZEIT und ihr Autor Uchatius den Artikel mit uns teilen. !Danke dafür!

  4. Das Problem ist, daß die reichen 10% nicht mehr konsumieren, weil schon alles doppelt und dreifach vorhanden ist. Selbst die Reichen brauchen keine zwei Fernseher auf dem Gäste-WC.
    Also wird das "überschüssige" Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen und auf den Finanzmarkt geworfen. Man läßt sein Geld für sich "arbeiten".
    Eine breite Masse in Deutschland würde gerne konsumieren. Leider fehlt das Geld für das neue Auto, den Zweitfernseher.

    Der Markt ist lange nicht gesättigt. Das Problem ist die völlige Schieflage in der Verteilung des Reichtums. So lange dies so ist, wird es auch keinen wie auch immer gearteten Aufschwung geben

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    • MeIkor
    • 11. November 2011 21:59 Uhr

    Einzig anzumerken ist meiner Meinung nach, dass 90% der hart arbeitenden Bevölkerung den 10% Reichen und 1% Superreichen den Wohlstand erarbeiten.

    • Stejo
    • 12. November 2011 11:59 Uhr

    Dass Problem ist doch eher, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der uns eingeredet wird, das Zweitfernseher und ein neues Auto erstrebenswert wären. Dadurch empfinden wir es als schmerzhaft wenn wir uns diese nicht leisten können obwohl niemand einen 3D-Fernseher (und schon gar keinen zweiten) braucht und ein gebrauchtes Auto vollkommen ausreicht. Ich kann das Verlustgefühl vieler Menschen wenn es mal für das neueste Statussymbol nicht reicht nicht nachvollziehen. Es drängt sich mir dabei immer das Gefühl auf, dass dieses Menschen sich zu sehr über ihren Konsum definieren.

    Oft wird dieses Brainwashing sogar noch gesteigert und wir werden daran erinnert, dass es unsere Pflicht ist zu konsumieren um dieses System zu erhalten und das egal ob dies sinnvoll ist und wieviel Ressourcen dabei unnötig verschwendet werden. Wer nicht mitzieht wird dann als Konsumverweigerer bezeichnett und daran, das dies dann tatsächlich als Schimpfwort gemeint it sieht man wie tief das Aufwachsen in unserem System die Menschen daran hindert sich mit dessen Wertesystem und Auswirkungen unvoreingenommern auseinanderzusetzen.

    Peter Licht hat dies einmal sehr treffend zusammengefasst wenn er einen Protagonisten in einem Lied in den Mund legt "und einen Beruf haben wir auch - wir sind Endverbraucher"

    • RobR
    • 14. November 2011 19:50 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele. Denn der Artikel hat einen großen Fehler. Herr Uchatius schreibt zwar: "381 Milliarden Euro. Er beziffert den Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2000 bis 2007, also noch vor Beginn der Finanzkrise, ermittelt vom Statistischen Bundesamt. Umgerechnet auf die 82 Millionen Bundesbürger bedeutet das: Das Einkommen des durchschnittlichen Deutschen ist in diesen Jahren um 4.646 Euro gestiegen.". Er übersieht oder vergisst dabei zu erwähnen dass der Zuwachs nur auf den Konten einiger Wenigen gelandet ist, auf den Konten derjenigen, die tatsächlich kein weiteres Auto, kein weiteres Haus, keine weitere Stereoanlage und keine weitere Restaurantbesuche mehr brauchen.
    Die große Mehrheit hat davon nichts. Viele Menschen fahren ziemlich alte Autos, nicht unbedingt weil sie ihre Fahrzeuge so lieben sondern weil sie sich neuere nicht leisten können. Viele Menschen würden gerne noch weitere Urlaubsreisen, bessere HiFi-Anlagen oder schönere Klamotten kaufen. Sie machen es nur nicht, weil sie es sich nicht leisten können.
    Der Kapitalismus sitzt also nicht in der Reichtumsfalle, sondern in der Verteilungsfalle.

    • chefDLC
    • 23. November 2011 23:27 Uhr

    Ich glaube kaum, dass es das Hauptproblem des Kapitalismus ist, dass die Menschen nicht genug konsumieren können. Wenn die Menschen Arbeit hätten, die sie mit einem tieferen Sinn erfüllt und bei der sie sich nicht immer länger arbeiten müssten bis zur völligen Erschöpfung, das ganze Leben ein bisschen entschleunigt würde, könnten wohl viele auch getrost auf den Flachbildfernseher verzichten. Das Zeug ist doch eh nur zum hinwegtrösten der Menschen gedacht.

    • gl1963
    • 26. November 2011 21:38 Uhr

    des Reichtums von oben nach unten, währen wir zu einem spätern Zeitpunkt wieder da wo wird derzeit stehen.

    Nachdem auch der "ärmere" Teil der Bevölkerung konsumgesättigt ist.

    Immerhin kann bis dahnin Zeit gewonnen werden um ein neues System zu erschaffen. Möglicherweise ist es gerade das was derzeit passiert...

  5. ...Lahme GEHEN...

    ...ich bin SPRACHLOS!

    6 Leserempfehlungen
  6. zu der Systemfrage. Da wird oft mit der Angst argumentiert, wie es so oft der Fall ist. Hier möchte ich nur hervor heben, dass ein Systemwechsel nicht gleich Krieg, Kampf der Kulturen ect. sein muss. Auch wenn das Licht aus geht, läuft das Leben weiter, dieser Planet ist weiter in der Lage uns mit Essen zu versorgen. Man muss sich grundsätzlich mal Fragen was denn für ein Leben lebensnotwendig ist. Nach dem Farbfernsehen kam der Flachbildschirm, dann der Flachbildschirm, der 3 D kann, aber brauchen wir das? Gibt es nicht ein Level an Fortschritt, auf dem man erstmal die nächsten fünf Jahre "stagnieren" kann (Stagnation aus heutiger sich ein sehr hässliches Wort)? Ich will den Fortschritt ja nicht begrenzen, ihm einen Riegel vorschieben, aber ich bezweifele, dass der uns oft vorgegaukelte Fortschritt überhaupt einer ist! Wir täten einfach mal zu ENTSCHLEUNIGEN. Auch muss man sich mal sich Werten fragen, denn Weihnachten hatte mal einen Sinn und Zweck und war nicht eine Periode des Jahres im Rahmen von Konsumwirtschaft!

    Beste Grüße.
    FSonntag

    15 Leserempfehlungen
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    ... ja welchen denn? dort gab es auch schon 'geschenke', oder habe ich das etwas falsch in erinnerung?

    jedes jahr dieselbe 'alte leier', sorry, aber anders kann ich es nicht ausdruecken. stets vor weihnachten immer gesund sog. 'konsumkritik' ueben! ebenso verhaelt es sich mit den spenden - kinder sind anscheinend auch nur einmal im jahr 'beduerftig'!

    ohne 'konsum' geht es nicht! und es gaebe ohne konsum auch keinen fortschritt, da die forschung bsp. in neue sog. 'produktinnovationen' obsolet waere. wir haetten heute ohne konsum noch nicht einmal eine zentralheizung!

    was ich vermisse sind grundsaetzlich vorschlaege, wie personen, welche die sog. 'heutige form des kapitalismus'(was immer sie damit meinen) ablehnen, anders zu leben gedenken! die linke macht es ja gerade vor in deutschland - mag der porsche auch noch so alt sein...

    cheers

    • Afa81
    • 14. November 2011 15:53 Uhr

    ...dass Angst vor Systemwechseln nicht von irgendwoher kommt. Fast jeder Systemwechsel ging mit unvorstellbarer Gewalt einher. Zu sagen, dass ein Systemwechsel kein Krieg ist, ist das gleiche wie zu sagen, dass eine Eroberung kein Krieg ist. Klar, es gab auch schon Ausnahmeannektierungen, welche friedlich von sich gingen... i.d. Regel verläuft das jedoch nicht so glimpflich. Dann bleibt da noch die Frage, was danach kommt. Ich hätte eine riesige Angst vor einem plötzlichen Systemwechsel. In Ghandies neuer Welt würde ich als Ingenieur wohl keine zwei Wochen überleben - ganz abzusehen, dass es nicht meinem Bild einer perfekten Welt entspricht. Da sind wir schon beim nächsten Problem - Perfekt ist relativ.
    Neues System - gerne. Aber erstmal müssen wir uns eines ausdenken. Eine sehr große Zahl evtl. kluger Köpfe hat aufgegeben und resigniert mit Marx und Engels. Man überlegt sich nichts neues und kommt von den alten Dogmen nicht los.
    Im Moment bin ich sehr pessimistisch, was ein neues System angeht. Immernoch schaffen es die meisten Sozialingenieure nicht, über ihren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.
    Jeder schafft das perfekte System für sich uns seine Leidensgenossen. Ein System welches wirklich alle einbezieht, darüber wird doch noch nichtmal nachgedacht. "Klassenkampf ist Bürgerpflicht". Wenn der Mörtel für das neue System schon Intoleranz und Gewalt ist - dann sind wir noch sehr weit weg von einer Alternative - so traurig das ist.

    Grundsätzlich ist es lobenswert wenn Journalisten anfangen nach Systemfehlern zu suchen, anstatt bequem auf Politiker einzudreschen. Leider bleibt diese Suche regelmäig in einer Denkschleife hängen: "Die Ursache ist das fehlende Wirtschaftswachstum".

    Warum funktioniert unser System nicht mehr wenn der Ideal-Zustand erreicht ist: Null-Wachstum, alle laufenden Bedürfnisse werden befriedigt, keine Bedürfnisse bleiben unbefriedigt.

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