SystemkritikKapitalismus in der Reichtumsfalle

Mehr Schulden statt mehr Wohlstand – das Wirtschaftssystem, wie wir es kennen, funktioniert nicht mehr gut. Warum es sich lohnt, nach Alternativen zu fragen.

Unter Reichen: Der "Rolls-Royce Hamptons Brunch" im US-amerikanischen Watermill

Unter Reichen: Der "Rolls-Royce Hamptons Brunch" im US-amerikanischen Watermill

Viele Tausend Jahre vor Beginn der großen Finanzkrise lebte in der Wüste Kalahari in Südwestafrika das Volk der !Kung*. Zähe, klein gewachsene Männer und Frauen waren das, die Antilopen und Zebras mit vergifteten Pfeilen töteten. Bevor sie das Fleisch aßen, verteilten sie es. Die Beute des einen gehörte auch den anderen, so war das bei den !Kung.

Anfang der 1980er Jahre lebten die !Kung noch immer in der Kalahari. Auch sonst hatte sich dort wenig verändert. Der Rest der Welt hatte das Auto, die Atombombe und den Aktienhandel erfunden. Die !Kung schossen noch immer ihre Pfeile ab. Noch immer waren sie es gewohnt, zu teilen. Aber nicht mehr lange.

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Wenig später meldete ein amerikanischer Anthropologe gravierende Neuigkeiten aus den Dörfern der !Kung. Die Jäger blieben zu Hause, die Hütten standen jetzt so, dass die Nachbarn nicht mehr hineinsehen konnten, fast jede Familie hatte sich eine Kiste angeschafft, in der sie ihr Eigentum aufbewahrte. An den Kisten hingen Schlösser.

Was genau war geschehen?

Nicht viel. Die Regierung von Botswana hatte begonnen, Handel mit den !Kung zu treiben. Die Marktwirtschaft war in die Kalahari gekommen, ein kleines, bis dahin überaus genügsames Volk hatte Gefallen am Eigentum gefunden, das war alles.

Für die !Kung war es der Anfang vom Kapitalismus . Für uns war es der Anfang vom Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.

Infografik Wirtschaftssystem
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Um das zu verstehen, hilft es, ein Bild heranzuziehen, das der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter im Jahr 1942 kreierte, um das Wesen des Kapitalismus zu beschreiben. Es ist das Bild der Maschine. Ein durchaus passendes Bild, war der Aufstieg der Marktwirtschaft doch untrennbar mit technischen Erfindungen verknüpft, mit Dampfmaschinen, Lokomotiven, Hochöfen, Fließbändern. Da liegt es nahe, das ganze System als eine einzige große Maschine zu begreifen. Eine Maschine, die Dinge erzeugt, immer mehr davon, von Jahr zu Jahr.

Der Durchschnittsdeutsche von heute besitzt: Fernseher, Bücher, Möbel, Digitalkamera, Elektroherd, Waschmaschine, Mobiltelefon, Auto, Computer. Insgesamt: 10.000 Gegenstände. Die Maschine war ziemlich erfolgreich.

Damit sie weiterlaufen kann, damit die Unternehmen weitere, neue Dinge produzieren, brauchen sie Menschen, die sie ihnen abkaufen. In diesem Sinne bekam die große Maschine Ende der achtziger Jahre neuen, ungeahnten Schwung. Nach dem Mauerfall breitete sich der Kapitalismus rund um die Welt aus, bis in den letzten Winkel Osteuropas, Asiens, Afrikas, und überall fand er: neue Märkte. Er kam zu den Ukrainern und Rumänen, Indern und Chinesen, Vietnamesen und Kambodschanern. Und zu den !Kung.

Seit seiner Entstehung in den Industrieländern Europas und Nordamerikas hat sich der Kapitalismus in mehreren Schüben um den Globus verbreitet. Immer waren diese Expansionsphasen mit hohem Wirtschaftswachstum verbunden. Nun, da die Marktwirtschaft endgültig gesiegt hatte, war es keine Überraschung, dass die kapitalistische Maschine in den Industrieländern erneut auf Hochtouren lief. Dass die Wirtschaft so stark wuchs wie nie zuvor.

Besser gesagt: Es wäre keine Überraschung gewesen. Aber es ist nicht geschehen. Das Gegenteil ist eingetreten, etwas Seltsames, völlig Unerwartetes: Die kapitalistische Maschine der großen Industrieländer funktioniert nicht mehr richtig.

Es gibt einen Geldbetrag, der das sehr gut veranschaulicht: 354 Milliarden Euro. Er beziffert den Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2000 bis 2006, also noch vor Beginn der Finanzkrise, ermittelt vom Statistischen Bundesamt. Umgerechnet auf die 82 Millionen Bundesbürger bedeutet das: Der durchschnittliche Deutsche ist in diesen Jahren um 4.317 Euro reicher geworden. Das ist weniger als früher, aber man soll ja nicht gierig sein. 4.317 Euro, davon kann man sich schon ein paar weitere Dinge kaufen.

Die wahre Bedeutung der 354 Milliarden erschließt sich erst, wenn man sie mit einer zweiten Zahl vergleicht. Sie beziffert den Zuwachs der deutschen Staatsverschuldung in den Jahren 2000 bis 2006. Diese zweite Zahl lautet: 342 Milliarden Euro.

Schon im Deutschland vor der Krise wurde der neue Wohlstand also fast vollständig durch neue Schulden erkauft. Man hat ihn sich geborgt. Das Wachstum ist ein Scheinwachstum. Die deutsche Wirtschaftsmaschine läuft, aber sie dreht leer.

Das allein muss einen nicht am Kapitalismus zweifeln lassen. In diesen ersten Jahren des neuen Jahrtausends hatten es die deutschen Unternehmen nicht leicht. Die Lohnkosten waren hoch, die Konkurrenz auf den Weltmärkten war groß, die deutsche Wirtschaft galt als überreguliert. Gut möglich also, dass es sich hier nicht um ein Problem des Kapitalismus handelt, sondern um ein Problem der Deutschen. Schließlich gibt es die kapitalistische Maschine in verschiedenen Ausführungen, nicht nur in der deutschen, auch, zum Beispiel, in der französischen, der amerikanischen, der japanischen. Jede ist ein bisschen anders, geformt von Gesetzen und Arbeitsverträgen, Regierungen und Gewerkschaften.

In den anderen großen Industrieländern könnte die Maschine rasant weitergelaufen sein.

Ist sie aber nicht. Egal, ob man den amerikanischen Laisser-faire-Kapitalismus betrachtet, den französischen Zentralkapitalismus oder das japanische Konsenssystem: Zieht man die Schulden ab, bleibt vom Wirtschaftswachstum nicht viel übrig.

Zum Weiterlesen

Elmar Altvater: "Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen". Verlag: Westfälisches Dampfboot. 2011

Tim Jackson: "Wohlstand ohne Wachstum. Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt". Verlag: Oekom. 2011

Richard Layard: "Die glückliche Gesellschaft". Verlag: Campus. 2005

Meinhard Miegel: "Exit: Wohlstand ohne Wachstum". Verlag: List. 2010

An dieser Stelle muss man betonen, dass es hier nicht darum geht, das Schuldenmachen zu verurteilen. Im Gegenteil, Schulden gehören zum Wesen der Marktwirtschaft. Der Kapitalismus, wie wir ihn kannten, funktioniert so: Irgendjemand leiht sich Geld , sagen wir eine Million Euro, ob es der Staat ist oder ein Unternehmer, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass er das Geld nutzt und damit Dinge produziert, die die Leute haben wollen. Dass er, sagen wir, die eine Million Euro in Stahl investiert, dass er davon Werkzeug kauft und Arbeiter bezahlt und am Ende eine Reihe Autos baut, die so gut sind, dass er sie für zwei Millionen Euro verkaufen kann.

So entstehen Mehrwert, Wohlstand, echtes Wirtschaftswachstum. So kommt die Reichtumsmaschine ins Laufen, so werden zehntausend Dinge zu zwanzigtausend.

Im Kapitalismus, wie wir ihn heute in den meisten hoch entwickelten Industrieländern erleben, leiht sich der Staat eine Million Euro, und es entsteht: kaum Mehrwert, kaum Wohlstand. Nur ein Mehr an Schulden.

Irgendetwas muss es geben auf der Welt, was die kapitalistische Maschine bremst. Dieses Etwas muss neu sein, denn vor wenigen Jahrzehnten ist die Wirtschaft in Deutschland , Japan und Amerika noch kräftig gewachsen. Es muss stark sein, stärker als der Schwung, den die kapitalistische Maschine durch die riesigen neuen Märkte in Osteuropa und Asien erhielt. Und es kann seinen Ursprung nicht in nationalen Eigenheiten haben, sonst wäre das Phänomen des Leerlaufs nicht in so vielen ungleichen Ländern gleichzeitig zu beobachten. Was also haben die Deutschen, Franzosen, Japaner und Amerikaner von heute gemeinsam?

Ihren Reichtum .

Wenn Wirtschaftsfachleute von Menschen sprechen, nennen sie diese oft nicht Menschen, sondern Konsumenten. Das hat seinen Sinn, denn das ist ihre Funktion im Wirtschaftskreislauf. Statt konsumieren kann man auch kaufen sagen. Früher, irgendwann einmal, bedeutete das dasselbe. Neu gekaufte Bücher wurden gelesen, neue T-Shirts getragen, mit neuem Spielzeug wurde gespielt.

Allerdings kostet das Zeit. Wenn der Durchschnittsdeutsche die 10.000 Dinge, die er inzwischen besitzt, alle erst einmal ausführlich benutzt, bleibt wenig Raum, um sich neue zu kaufen. Der Konsum, eigentlich essenziell für den Kapitalismus , wird dann zum Bremsklotz der Maschine. Denn damit die Wirtschaft wächst, müsste ständig neu gekauft werden.

Lösen lässt sich das Problem, indem man die Leute dazu bringt, zu kaufen, ohne zu konsumieren. Also noch mehr Bücher ins Regal, noch mehr Kleider in den Schrank, noch mehr Spielsachen ins Kinderzimmer zu packen und sie dann möglichst schnell zu vergessen und wieder neue zu kaufen. Mit geschickter Werbung lässt sich das schon bewerkstelligen, aber es ist schwierig, es ist teuer, und irgendwann schafft man es nicht mehr. So wird die kapitalistische Maschine erst langsamer. Dann bleibt sie stehen.

Offenbar nähern sich die meisten hoch entwickelten Industrieländer diesem Punkt. Die Geschäfte sind nicht leer, keineswegs, die Leute kaufen ein, aber sie kaufen nur ungefähr so viel wie im vergangenen Jahr oder im Jahr davor. Damit die Maschine läuft, damit die Wirtschaft wächst, müssen sie mehr kaufen und dann noch mehr, jedes Jahr.

Das aber ist schwierig. Die Märkte sind satt. Hier und da schlucken sie noch ein besonders kluges Smartphone, einen besonders schicken Laptop. Mehr geht nicht mehr hinein.

Eigentlich wundervoll. Satt sein. Das jedenfalls glaubte ein berühmter Wirtschaftswissenschaftler. Er wagte sich an etwas, das selten gelingt: eine Vorhersage der fernen Zukunft. Er prophezeite, dass seine Enkel, wenn sie einst erwachsen seien, achtmal so viel Reichtum angehäuft haben würden wie seine eigene Generation. Er sagte ferner voraus, dass in dieser Welt des Reichtums alle wesentlichen Bedürfnisse gedeckt sein würden. Die Wirtschaft würde aufhören zu wachsen, der Kapitalismus würde seine Aufgabe, den Mangel zu überwinden, erfüllt haben. Die Menschen würden zufrieden sein.

Der Wirtschaftswissenschaftler, der das prognostizierte, ist der Brite John Maynard Keynes . Er beschrieb diese Sicht in dem Essay Wirtschaftliche Aussichten für unsere Enkel. Das war im Jahr 1930. Die Enkel sind wir.

Tatsächlich ist das Pro-Kopf-Einkommen in den hoch entwickelten Industrieländern seit damals fast um das Achtfache gestiegen. Tatsächlich ist das Wirtschaftswachstum weitgehend zum Erliegen gekommen. Tatsächlich dürften das viele Leute als gar nicht so unangenehm empfinden. Die persönliche Lebenszufriedenheit wächst in Ländern wie Deutschland oder Amerika schon lange nicht mehr, irgendwann in den siebziger Jahren hat sie aufgehört zu steigen, bei einem Besitz von 6.000 Dingen vielleicht oder 7.000. Was danach noch gewachsen ist, ist die Zahl der Burn-out -Fälle, der Tablettensüchtigen, der psychisch Kranken. Da hört sich Kapitalismus ohne Wachstum nicht schlecht an. Es klingt wie: Wohlstand ohne Stress.

Finanzen, Banken, Schulden – das Problem ist das fehlende Wachstum

Wenn man dann noch die Einkommen ein wenig gleichmäßiger verteilt, die bestehende Arbeit auf alle umlegt, sodass jeder etwas zu tun hat, dann können sich die Bewohner der Moderne darauf beschränken, zu genießen, was sie haben. So malte Keynes sich das aus. Er dachte, die kapitalistische Maschine ließe sich abschalten. Er glaubte, das System ließe die Leute in Ruhe.

Um zu erkennen, warum das nicht geht, genügt es, die Zeitung aufzuschlagen, den Fernseher einzuschalten, ein paar Internetseiten zu öffnen. Man kann dann der Demonstration dieses Trugschlusses beiwohnen, wie einer Aufführung in einem Freilufttheater.

Das Stück, das da seit der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 gegeben wird, heißt Finanzkrise . Es handelt aber nicht von einer Finanzkrise, auch nicht von einer Bankenkrise oder einer Schuldenkrise. Oder es handelt schon davon, aber diese Begriffe beschreiben keine Ursachen, sie beschreiben Folgen.

Am Anfang der Krise setzten Finanzinvestoren mit neuartigen Wertpapieren auf ein weiteres Wachstum des amerikanischen Immobilienmarkts . Sie spekulierten darauf, dass noch mehr Häuser, noch mehr Wohnungen gebaut würden. Aber der Markt war satt. Die Wertpapiere verloren ihren Wert. So begann die Finanzkrise.

Viele der Finanzinvestoren waren Banken . Ihr traditionelles Geschäft besteht darin, wachsende Märkte mit Krediten zu versorgen, zum Beispiel Autoherstellern neues Geld zu leihen. Aber die Märkte wuchsen nicht mehr recht. Deshalb verlegten sich viele Banken vom alten Kreditgeschäft auf das neue Investmentgeschäft. Als dieses wegen der Finanzkrise einbrach, hatten sie nichts mehr, um die Verluste auszugleichen. So begann die Bankenkrise.

Um die Banken zu retten, blieb den Industriestaaten nichts anderes übrig, als riesige Kredite aufzunehmen. Leider waren sie schon vorher hoch verschuldet. Jahrelang hatten sie darauf gehofft, die Verbindlichkeiten durch höheres Wirtschaftswachstum und, damit verbunden, höhere Steuereinnahmen begleichen zu können. Das Wachstum blieb aus, die Steuereinnahmen blieben auch aus, jetzt, durch die Bankenrettung, stiegen die Verbindlichkeiten ins Unermessliche. So begann die Schuldenkrise.

Finanzen, Banken, Schulden. Das Problem ist das fehlende Wachstum.

Alle politischen Maßnahmen, die in den drei Jahren der Krise ergriffen wurden, zielten darauf ab, das Wirtschaftswachstum zu erhöhen, die Maschine wieder zum Laufen zu bringen, auch daran erkennt man die wahre Natur dieser Krise. Die deutsche, die amerikanische, die japanische Regierung senkten Steuern, zahlten Zuschüsse, schrieben Abwrackprämien aus. Immer ging es darum, die Leute in die Geschäfte zu bringen.

Vielleicht klappt es ja. Vielleicht fangen die Leute auf wundersame Art wieder an zu kaufen, und die Unternehmen wachsen. Vielleicht sind bald die Inder und Chinesen so reich, dass sie ganz allein all die neuen Autos und Waschmaschinen bestellen, die deutsche Fabriken jedes Jahr produzieren. Vielleicht erfindet jemand ein sensationelles Produkt, das riesigen neuen Konsumhunger entstehen lässt. Ein Handy, mit dem man fliegen kann, zum Beispiel.

Wenn nicht, bleiben der industrialisierten Welt nur zwei Wege in die Zukunft. Der erste liegt darin, um jeden Preis Wachstum zu erzeugen und die Wirtschaft am Leben zu halten, so wie bisher, durch weitere Staatsausgaben, weitere Schulden. Und weiteren Abfall.

Der Abfall ist das Klimagas CO₂, das die kapitalistische Maschine ausstößt. Seine Menge ist eng verbunden mit der Zahl der Dinge, die die Leute besitzen. Sie ist gewachsen, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Das war schon bisher schwer zu rechtfertigen, aber früher konnte man die Emissionen noch als Preis für etwas Gutes ansehen, als Tribut für neue Arbeitsplätze und wachsenden Mehrwert. Man konnte sogar argumentieren, nur bei zunehmendem Wohlstand sei genug Geld da, um neue Umwelttechnologien zu finanzieren.

Wenn das Wachstum aber bloß noch Scheinwachstum ist und nur dazu dient, den nächsten Börsencrash zu verhindern, dann stellt sich die Frage, mit welcher Berechtigung die Industrieländer noch mehr Öl verbrennen und Gas verheizen.

Man kann diese Frage wegwischen, kann ihre Beantwortung auf morgen verschieben und heute die Maschine am Laufen halten, irgendwie, bis zur nächsten großen Krise. Das ist der erste Weg.

Am Elend wird der Kapitalismus nicht zugrunde gehen. Vielleicht am Reichtum

Der zweite Weg ist mühsamer, steiler und führt ins Unbekannte. Er liegt darin, Antworten zu suchen auf weitere, noch größere, schwierigere Fragen.

Lässt sich eine Gesellschaft organisieren, die sich damit begnügt, den Wohlstand zu bewahren statt zu mehren? Wie schafft man es, so zu wirtschaften, dass die Zufriedenheit der Menschen wächst, nicht der Umsatz der Unternehmen ? Ist es möglich, der Natur einen Wert zu geben, der über dem der 10.000 Dinge liegt?

Oder kurz gefragt: Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus?

Eigentlich ist diese Frage uralt, Tausende Male wurde sie gestellt in Hunderten von Jahren, von Marxisten, Romantikern, Befreiungstheologen, Arbeiterführern, Dritte-Welt-Aktivisten. Aber immer wurde sie aus der Perspektive der Armen formuliert, immer ging es um den Vorwurf, der Kapitalismus schaffe es nicht, das Elend zu beseitigen. Und immer war es das Ziel, ein System zu erfinden, das die Armut schneller beseitigt, als die Marktwirtschaft das schafft.

Versuche und Ideen gab es viele: die Lehren Mahatma Gandhis in Indien zum Beispiel, denen zufolge jeder Dorfbewohner seine Kleidung und seine Nahrung selbst herstellen sollte, um unabhängig zu werden von den Märkten. Oder die Träume von einer anarchistischen Selbstverwaltung, derzufolge sich kein Mensch persönlich bereichern kann und die während des Spanischen Bürgerkriegs kurzzeitig Wirklichkeit wurde. Und schließlich der Sozialismus in seinen verschiedenen Varianten, der in dem Glauben antrat, die halbe Menschheit in eine bessere Welt führen zu können, und am Ende von diesen Menschen abgeschafft wurde.

All diese Versuche sind gescheitert, die Träume geplatzt, letztlich waren sie unsozialer als die kapitalistische Maschine, die nicht nur mitunter obszön anmutenden Überfluss produzierte, sondern auch viele Hundert Millionen Chinesen, Inder, Südkoreaner, Vietnamesen und Brasilianer aus der Armut befreite.

Am Elend wird der Kapitalismus nicht zugrunde gehen, aber vielleicht am Reichtum. Die Not der Massen hat er gelindert, an eine Revolution von unten ist kaum zu denken. An einen neuen Systementwurf von oben sehr wohl.

Das Geld, das zum Ende des 20. Jahrhunderts zu den !Kung gekommen war, blieb nicht lange bei ihnen. Diamanten wurden vermutet unter dem roten Sand der Kalahari. Die !Kung wurden von ihrem Land vertrieben. Manche verdingen sich heute als Dienstboten auf Farmen oder als billige Landarbeiter. Andere sind dem Alkohol verfallen oder leben zurückgezogen in Reservaten, wo sie versuchen wieder auf die Jagd zu gehen, wie früher. Vielleicht sind es nicht nur die Industrieländer, die eine Alternative zum Kapitalismus benötigen. Die !Kung brauchen sie auch.

* Das Ausrufezeichen steht für einen Klicklaut. Die Sprache der !Kung enthält viele solche Laute.

Wir haben in diesem Text die Zahl zum Wirtschaftswachstum in den Jahren 2000 bis 2006 berichtigt: In dieser Zeit wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 354 Milliarden Euro statt wie in einer ersten Fassung berechnet um 381 Milliarden Euro . Die Staatsverschuldung stieg im gleichen Zeitraum um 342 Milliarden Euro.

 
Leserkommentare
    • Harzer
    • 11.11.2011 um 18:32 Uhr

    ... leuchtet mir nicht richtig ein.

    Auch bei uns gibt es immer mehr Arme, wenn auch auf hohem europäischen Niveau. WENIGE Reiche werden tatsächlich noch reicher ... .

    Wo aber bitte ist die Reichtumsfalle in Afrika oder der anderen 3. Welt ??!

    8 Leserempfehlungen
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    • Daimon
    • 11.11.2011 um 20:01 Uhr

    wachsen könnte der Rest vom Produktivitätswachstum Profitieren so passiert das Gegenteil schon wegen der wachsenden Konkurenz um resourcen der steigenden Preisen und fallenden Löhnen, alles durch das Bevölkerugswachstum.

    Ansonsten haben viele "Kapitalisten" das eigene System nicht Kapiert. Man kann zwar bei entsprechnder Macht und den entsprechenden Strukturen beliebig Umverteilen (von unten nach oben) aber das
    bedeutet dann das System aus zu saugen und nicht zu bewirtschaften. Die Folge ist der Stillstand beste Beispiele dafür ist Indien das aber von den "Kapitalisten" als Umverteilungsvehikel entdeckt wurden und deshalb scheinbar aus dieser Falle ausgebrochen sind.
    Man sollte eben nicht zu viel abschöpfen.
    Es ist genug Geld da aber eben nicht in bewegung.

    Wozu mehr Reichtum anhäufen, wenn man damit nur in mehr Produktionsmittel investiert für Produkte die sich keiner mehr leisten kann weil alle ausgebeutet werden?

    Eine Umverteilung von oben nach unten kann das ganze wieder in gang bringen.

    Ich habe diesen Artikel mit Interesse gelesen. Allerdings möchte ich zwei Bemerkungen abgeben.

    Zunächst einmal ist es schade, dass Herr Uchatius zwar andeutet, dass es Alternativen gibt, diese aber nicht benennt.

    Zum zweiten entdecke ich in seiner Analyse einen großen Irrtum. Herr Uchatius identifiziert den Reichtum in der westlichen Welt als Ursache für unsere heutige Krisensituation. Damit hat er meiner Meinung nach aber nicht zu Ende gedacht. Nicht der Reichtum in der Welt ist der Grund für die Krise, sondern unser Geldsystem mit Zins und Zinseszins. Dieser Zins bewirkt, dass unser Wirtschaftsmotor immer schneller laufen muss, ansonsten können die Zinsen nicht mehr bedient werden und es kommt zum Kollaps.

    Für Interessierte hier ein Link mit mehr Informationen (und Videos) zu diesem Thema: http://www.petersdurchbli...

    • Daimon
    • 11.11.2011 um 20:01 Uhr

    wachsen könnte der Rest vom Produktivitätswachstum Profitieren so passiert das Gegenteil schon wegen der wachsenden Konkurenz um resourcen der steigenden Preisen und fallenden Löhnen, alles durch das Bevölkerugswachstum.

    Ansonsten haben viele "Kapitalisten" das eigene System nicht Kapiert. Man kann zwar bei entsprechnder Macht und den entsprechenden Strukturen beliebig Umverteilen (von unten nach oben) aber das
    bedeutet dann das System aus zu saugen und nicht zu bewirtschaften. Die Folge ist der Stillstand beste Beispiele dafür ist Indien das aber von den "Kapitalisten" als Umverteilungsvehikel entdeckt wurden und deshalb scheinbar aus dieser Falle ausgebrochen sind.
    Man sollte eben nicht zu viel abschöpfen.
    Es ist genug Geld da aber eben nicht in bewegung.

    Wozu mehr Reichtum anhäufen, wenn man damit nur in mehr Produktionsmittel investiert für Produkte die sich keiner mehr leisten kann weil alle ausgebeutet werden?

    Eine Umverteilung von oben nach unten kann das ganze wieder in gang bringen.

    Ich habe diesen Artikel mit Interesse gelesen. Allerdings möchte ich zwei Bemerkungen abgeben.

    Zunächst einmal ist es schade, dass Herr Uchatius zwar andeutet, dass es Alternativen gibt, diese aber nicht benennt.

    Zum zweiten entdecke ich in seiner Analyse einen großen Irrtum. Herr Uchatius identifiziert den Reichtum in der westlichen Welt als Ursache für unsere heutige Krisensituation. Damit hat er meiner Meinung nach aber nicht zu Ende gedacht. Nicht der Reichtum in der Welt ist der Grund für die Krise, sondern unser Geldsystem mit Zins und Zinseszins. Dieser Zins bewirkt, dass unser Wirtschaftsmotor immer schneller laufen muss, ansonsten können die Zinsen nicht mehr bedient werden und es kommt zum Kollaps.

    Für Interessierte hier ein Link mit mehr Informationen (und Videos) zu diesem Thema: http://www.petersdurchbli...

  1. fragt mal jemand. Bitte halten Sie das Thema oben, denn es ist an der Zeit nach neuen Wegen zu suchen!!!

    Ein System, bei dem die Kurve immer nach oben gehen muss, um die Börse zu befriedigen wird nicht mehr funktionieren, ist nicht nachhaltig und setzt die Menschheit unter Druck. Wirtschaft ist halt nicht alles, dass sollte auch in Bezug auf Europa mal begreifen. Wenn Europa kein Herz hat und die Menschen nicht mitnimmt wird es kläglich versagen. Europa wird dann zu einem Fremdkörper, wobei es erst die Völker und Menschen sind die es tragen müssen.

    Beste Grüße.
    FSonntag

    22 Leserempfehlungen
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    • jkluge
    • 12.11.2011 um 0:08 Uhr

    Warum der Artikel nicht seriös ist:

    1.) Romantisierung des Urzustands - was passiert eigtl., wenn ein !Kung krank wird? Und wie hoch ist die Säuglings-Sterberate?

    2.) Verwechslung von Bestand/Stromgrößen: Wenn das BIP um 380Mrd wächst, dann ist das PRO JAHR - wenn die Schulden um 380Mrd wachsen, dann ist das INSGESAMT im Verlauf von 8 Jahren.

    3.) Burn-Out - gab's früher nicht? Falsch - es findet nur langsam und erst jetzt den Weg zur sozial akzeptierten Krankheit. Das ist eine gute Entwicklung!

    4.) Wachstum = mehr Abfall? Falsch - Wachstum kann genau so gut weniger Abfall bedeuten. Beispiel: E-Mail! Kaum eine Erfindung hat so viel Papier gespart - und deshalb für Wachstum gesorgt.

    Einen ernsthaften Diskurs über das System kann es nur geben, wenn die Kapitalismus-Kritiker sich von Verschwörungstheorien und romantischen Vorstellungen von Naturzuständen befreien.

    zum Zahlen- und Diagramm-Fetischismus ...
    wahrscheinlich weil es so muehelos geworden ist, per Computer schöne Diagramme erstellen zu laasen - und die muessen immer nach 'oben' verweisen ... dahinter offenbart sich der Fetischismus ...
    man muesste einer mehr qualitativen Bewertung Raum geben anstatt per Diagrammen und Kurven Magie zu betreiben

    • jkluge
    • 12.11.2011 um 0:08 Uhr

    Warum der Artikel nicht seriös ist:

    1.) Romantisierung des Urzustands - was passiert eigtl., wenn ein !Kung krank wird? Und wie hoch ist die Säuglings-Sterberate?

    2.) Verwechslung von Bestand/Stromgrößen: Wenn das BIP um 380Mrd wächst, dann ist das PRO JAHR - wenn die Schulden um 380Mrd wachsen, dann ist das INSGESAMT im Verlauf von 8 Jahren.

    3.) Burn-Out - gab's früher nicht? Falsch - es findet nur langsam und erst jetzt den Weg zur sozial akzeptierten Krankheit. Das ist eine gute Entwicklung!

    4.) Wachstum = mehr Abfall? Falsch - Wachstum kann genau so gut weniger Abfall bedeuten. Beispiel: E-Mail! Kaum eine Erfindung hat so viel Papier gespart - und deshalb für Wachstum gesorgt.

    Einen ernsthaften Diskurs über das System kann es nur geben, wenn die Kapitalismus-Kritiker sich von Verschwörungstheorien und romantischen Vorstellungen von Naturzuständen befreien.

    zum Zahlen- und Diagramm-Fetischismus ...
    wahrscheinlich weil es so muehelos geworden ist, per Computer schöne Diagramme erstellen zu laasen - und die muessen immer nach 'oben' verweisen ... dahinter offenbart sich der Fetischismus ...
    man muesste einer mehr qualitativen Bewertung Raum geben anstatt per Diagrammen und Kurven Magie zu betreiben

  2. In einem Mainstream-Medium erscheint ein Artikel, der tatsächlich mal endlich ernsthaft die Systemfrage formuliert?
    Ich bin hin und weg, ja geradezu gerührt. Das ich das noch erleben darf :-)

    >>Man kann diese Frage wegwischen, kann ihre Beantwortung auf morgen verschieben und heute die Maschine am Laufen halten, irgendwie, bis zur nächsten großen Krise. Das ist der erste Weg.<<

    Wir können die Frage nicht länger wegwischen, schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Denn die nächste Große Krise der Maschine hat einen Namen: Krieg.
    Schon Orwell hat festgestellt, daß dies die einzige Methode ist, massive Produktion um der Produktion willen zu betreiben(Rüstungsindustrie) und immer wieder Werte zu vernichten, die ersetzt werden müssen (die Kriegsschäden).

    >>Am Elend wird der Kapitalismus nicht zugrunde gehen, aber vielleicht am Reichtum. Die Not der Massen hat er gelindert, an eine Revolution von unten ist kaum zu denken. An einen neuen Systementwurf von oben sehr wohl.<<

    Einen neuen Systementwurf von oben wird es nicht geben, da kommt allerhöchstens Kosmetik. Man sieht es doch an der nicht stattfindenden Regulierung der Finanzmärkte in den letzten drei Jahren.
    Ganz oben schwimmen die Fettaugen, die vom System am meisten profitieren. Und etablierte Systeme neigen nun einmal zum Selbsterhalt, und zwar ums Verrecken.
    Wenn es einen neuen Systementwurf gibt, dann wird er von unten kommen und auch kommen müssen.
    Ansonsten sind wir alle Toast.

    39 Leserempfehlungen
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    Die Antwort auf die Frage "Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus?" lautet JA, und sie besteht in der evolutionsprozess-logisch folgenden Fortschrittsordnung des KREATIVEN Evolutionspfades. Sie ist auf evolutionstheoretischer Grundlage erkannt. Diese wird organisiert durch den evolutionsprozess-logisch zu Ende gedachte öko-soziale Umfinanzierungsansatz. Gesellschaftliche simulierte Knappheit von Energie- und Sachkapitaleinsatz - realisiert durch Energie- und Kapitalstock-Steuern statt z.B. arbeitskostenfinanzierte Arbeitgeberbeitrag zur Sozialverischerungen in Höhe von über 240 Mrd. € p.a. in D -

    Angela Merkel hat mit ihrer G20-Initiative CHARTA-für-nachhaltiges-Wirtschaften - insgeheim - die Weichen für den Ordnungsübergang gestellt. Die Ordnung-des-KREATIVEN-Evolutionspfades ist das Ziel des (Originalton Angela Merkel ) 'weiterentwickelten ORDOliberalismus'. Siehe dazu ihr BILD-Beitrag v. 22.5.2009 über Ludwig Erhard.

    Ein ZEIT-Journalist müßte Angela Merkel nur nach der Dimension ihrer CHARTA_Initiative v. April 2009 fragen. Sie würde diesem Frager ihr Epochenwechselwissen sicherlich nicht vorenthalten. Wer heute schon wissen will, wie die folgende post-kapitalistiche Fortschrittsordnung funktioniert und auf welcher Evolutionsprozess-Theorie sie aufbaut, der muß nur auf die Webseite der Initiatoren/Träger dieser Weltrevolution gehen: www.die-kreativen-partei.de

    • Afa81
    • 14.11.2011 um 15:30 Uhr

    "In einem Mainstream-Medium erscheint ein Artikel, der tatsächlich mal endlich ernsthaft die Systemfrage formuliert?
    Ich bin hin und weg, ja geradezu gerührt. Das ich das noch erleben darf :-)"

    Solche Artikel gab es doch schon öfters. Sie sind nur sehr langweilig und deshalb so selten (keine Kritik jetzt a.d. Autor), weil sie nur wieder die Frage stellen, die sich jeder 15jährige schon im Bett gestellt hat...und keine Antworten liefert. Die, die Antworten liefern bleiben jeden Beweis schuldig und argumentieren wenn überhaupt mit Dogmen.

    Die Antwort auf die Frage "Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus?" lautet JA, und sie besteht in der evolutionsprozess-logisch folgenden Fortschrittsordnung des KREATIVEN Evolutionspfades. Sie ist auf evolutionstheoretischer Grundlage erkannt. Diese wird organisiert durch den evolutionsprozess-logisch zu Ende gedachte öko-soziale Umfinanzierungsansatz. Gesellschaftliche simulierte Knappheit von Energie- und Sachkapitaleinsatz - realisiert durch Energie- und Kapitalstock-Steuern statt z.B. arbeitskostenfinanzierte Arbeitgeberbeitrag zur Sozialverischerungen in Höhe von über 240 Mrd. € p.a. in D -

    Angela Merkel hat mit ihrer G20-Initiative CHARTA-für-nachhaltiges-Wirtschaften - insgeheim - die Weichen für den Ordnungsübergang gestellt. Die Ordnung-des-KREATIVEN-Evolutionspfades ist das Ziel des (Originalton Angela Merkel ) 'weiterentwickelten ORDOliberalismus'. Siehe dazu ihr BILD-Beitrag v. 22.5.2009 über Ludwig Erhard.

    Ein ZEIT-Journalist müßte Angela Merkel nur nach der Dimension ihrer CHARTA_Initiative v. April 2009 fragen. Sie würde diesem Frager ihr Epochenwechselwissen sicherlich nicht vorenthalten. Wer heute schon wissen will, wie die folgende post-kapitalistiche Fortschrittsordnung funktioniert und auf welcher Evolutionsprozess-Theorie sie aufbaut, der muß nur auf die Webseite der Initiatoren/Träger dieser Weltrevolution gehen: www.die-kreativen-partei.de

    • Afa81
    • 14.11.2011 um 15:30 Uhr

    "In einem Mainstream-Medium erscheint ein Artikel, der tatsächlich mal endlich ernsthaft die Systemfrage formuliert?
    Ich bin hin und weg, ja geradezu gerührt. Das ich das noch erleben darf :-)"

    Solche Artikel gab es doch schon öfters. Sie sind nur sehr langweilig und deshalb so selten (keine Kritik jetzt a.d. Autor), weil sie nur wieder die Frage stellen, die sich jeder 15jährige schon im Bett gestellt hat...und keine Antworten liefert. Die, die Antworten liefern bleiben jeden Beweis schuldig und argumentieren wenn überhaupt mit Dogmen.

  3. Das ist einer der besten systemkritischen Artikel, die ich in letzter Zeit gelesen habe und ich finde Wolfgang Uchatius hat völlig Recht: Es gibt nur zwei Alternativen. Entweder der Kapitalismus existiert durch mehr Wachstum und Raubbau und mit einer sich ständig erhöhenden Krisenfrequenz weiter oder es gibt einen Systemwechsel von oben.

    Allerdings finde ich es bedauerlich, dass Herr Uchatius sich im Rahmen des Artikels nicht traut, hier konkretere Vorschläge für ein Alternativsystem anzubieten. Wie sollen unsere Wirtschaft und die für uns alle notwendigen Anreizsysteme konkret gestaltet sein? Wie kann unser System alternativ konfiguriert werden, ohne unsere kapitalistische Sozialisation zu ignorieren und ohne die durchschnittliche Lebenszufriedenheit zu senken? Wir brauchen hier konkrete Ideen und ich würde mich freuen, wenn Wolfgang Uchatius auch dazu einen Beitrag leisten könnte.

    7 Leserempfehlungen
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    ...Herr Uchatius blendet auch Probleme aus, die nicht in dieses Schema passen. Die Wohlstandsverteilung etwa oder die Tatsache, dass die noch vorhandene Arbeit ungleich verteilt ist.

    Er wärmt die alte plausible (aber falsche) These von der Sättigung auf, die man schon bei der ersten Weltwirtschaftskrise bemühte. Dabei lebten die Menschen damals unvergleichbar schlechter. Was durchaus gesättigt ist, sind die Märkte, aber nicht weil alle Menschen (manche durchaus) zuviel haben, sondern weil sie nicht mehr nachfragen können, mangels Geld. Ich persönlich schiebe teure Anschaffungen seit Jahren vor mir her.

    Aber eine Alternative liegt eigentlich auch auf der Hand: die öffentliche Hand übernimmt sukzessive die Beschäftigung all der Arbeitslosen. Nicht damit diese im Leerlauf Nix tun, sondern damit sie das tun, was heute aufgrund verfehlter Politik ausgedünnt ist: Forschung, Bildung, nationale Großprojekte, Kultur usw. Das verbessert unseren Wohlstand, ganz ohne dass wir dafür zwangsweise immer mehr Produkte konsumieren müssen. Und niemand muss sich überflüssig fühlen. Quasi Sozialismus 2.0 ;-)

    Das verlangt aber nach wichtigen Nebenbedingungen:

    1) Finanzierung: es kann nicht sein, dass das dafür notwendige Geld verzinst von den Reichen geliehen werden muss

    2) die ö. Hand muss wesentlich demokratischer, offener und effizienter werden, sonst erdrückt sie irgendwann sämtliches anderes Wirtschaftsleben

    Hat man 1) gelöst, dann verschwindet das Problem wahrscheinlich von selbst.

    Es ist schon ein gewaltiger Fortschritt, dass ein so kluger Artikel seinen Platz in einer Zeitung wie Die Zeit finden konnte. Aber das kann momentan nur das vorläufige Ende der Fahnenstange bedeuten.
    Es gibt zwar Ansätze für eine Alternative zum Kapitalismus (z.B. das bedingungslose Grundeinkommen, BGE) aber das Problem ist, dass es nationale Ansätze sind. Heute muss eine Alternative in mindestens 50 Ländern der Welt konsensfähig sein, um überhaupt weiter entwickelt zu werden. Sonst zerbricht sie an der erstbesten Grenze oder am erstbesten Export/Import. Die erste Westmark war die HIV-Infektion der DDR!
    Wie kann aber ein weltweiter Konsens entstehen, wenn man auf die Kooperation mit Hochschulen, großen Verlagen, privaten Stiftungen und Regierungen angewiesen ist,um den Meinungsaustausch (Reisen, akademische Ehren, Publikationen, Medien ohne die man ein "Herr Niemand" ist) zu ermöglichen? Diese Institutionen leben vom heutigen System und werden sich mit Sicherheit nicht an dessen Ablösung beteiligen.
    Das BGE (das ich zumindest mit den heutigen nicht durchdachten Vorstellungen nicht mag) konnte sich im deutschsprachigen Raum vor allem mit Götz Werners Millionen durchsetzen. Hätte es Lieschen Müller erfunden, würde heute niemand darüber reden.

    http://www.wissensmanufak... (1:17 min)

    des weiteren empfehle ich Leopold Kohr zu lesen. Beide haben und hatten gute Ansätze und Ideen. Auf einmal merkt man, ich bin nicht der Spinner, andere haben und machen sich Gedanken, die man aufgreifen kann ;-)

    • dacapo
    • 17.11.2011 um 5:36 Uhr

    ........ Ihnen einen Ausweg vorgeben können. Er hat doch deutlich beschreiben, dass es eine Lösung, die aus diesem Dilemma rausführt, nicht so ohne weiteres gefunden werden kann, hat von sich aus keine Lösung angeboten. Im Gegensatz zu Herrn Uchatius haben aber reichlich viele Teilnehmer hier einen Ausweg anzubieten. Sie können alle unsere Fehlleistungen aufzeigen, aber halten sich mit ihren Lösungsvorschlägen vornehm zurück.

    Aber eines können wir uns gemeinsam hinter die Ohren schreiben: Wir sind trotz heftiger Kritik am "System" mitschuldig. Wir können nicht schwärmerisch von den !Kung erzählen, aber dabei vergessen, dass wir alle ein bisschen zu den Zuständen beigetragen haben. Jeder auf seine Art und seinem jeweiligen sozialem Standort.

    Aber einfache Systemlösungen gibt es nicht. Die immer anwesenden, es sich leicht machenden Besserwisser können sicherlich am wenigsten zur Lösungen beitragen, sonst wären es ja keine Besserwisser, sondern hätten konstruktive Ideen und wären somit nicht anwesend.

    ...Herr Uchatius blendet auch Probleme aus, die nicht in dieses Schema passen. Die Wohlstandsverteilung etwa oder die Tatsache, dass die noch vorhandene Arbeit ungleich verteilt ist.

    Er wärmt die alte plausible (aber falsche) These von der Sättigung auf, die man schon bei der ersten Weltwirtschaftskrise bemühte. Dabei lebten die Menschen damals unvergleichbar schlechter. Was durchaus gesättigt ist, sind die Märkte, aber nicht weil alle Menschen (manche durchaus) zuviel haben, sondern weil sie nicht mehr nachfragen können, mangels Geld. Ich persönlich schiebe teure Anschaffungen seit Jahren vor mir her.

    Aber eine Alternative liegt eigentlich auch auf der Hand: die öffentliche Hand übernimmt sukzessive die Beschäftigung all der Arbeitslosen. Nicht damit diese im Leerlauf Nix tun, sondern damit sie das tun, was heute aufgrund verfehlter Politik ausgedünnt ist: Forschung, Bildung, nationale Großprojekte, Kultur usw. Das verbessert unseren Wohlstand, ganz ohne dass wir dafür zwangsweise immer mehr Produkte konsumieren müssen. Und niemand muss sich überflüssig fühlen. Quasi Sozialismus 2.0 ;-)

    Das verlangt aber nach wichtigen Nebenbedingungen:

    1) Finanzierung: es kann nicht sein, dass das dafür notwendige Geld verzinst von den Reichen geliehen werden muss

    2) die ö. Hand muss wesentlich demokratischer, offener und effizienter werden, sonst erdrückt sie irgendwann sämtliches anderes Wirtschaftsleben

    Hat man 1) gelöst, dann verschwindet das Problem wahrscheinlich von selbst.

    Es ist schon ein gewaltiger Fortschritt, dass ein so kluger Artikel seinen Platz in einer Zeitung wie Die Zeit finden konnte. Aber das kann momentan nur das vorläufige Ende der Fahnenstange bedeuten.
    Es gibt zwar Ansätze für eine Alternative zum Kapitalismus (z.B. das bedingungslose Grundeinkommen, BGE) aber das Problem ist, dass es nationale Ansätze sind. Heute muss eine Alternative in mindestens 50 Ländern der Welt konsensfähig sein, um überhaupt weiter entwickelt zu werden. Sonst zerbricht sie an der erstbesten Grenze oder am erstbesten Export/Import. Die erste Westmark war die HIV-Infektion der DDR!
    Wie kann aber ein weltweiter Konsens entstehen, wenn man auf die Kooperation mit Hochschulen, großen Verlagen, privaten Stiftungen und Regierungen angewiesen ist,um den Meinungsaustausch (Reisen, akademische Ehren, Publikationen, Medien ohne die man ein "Herr Niemand" ist) zu ermöglichen? Diese Institutionen leben vom heutigen System und werden sich mit Sicherheit nicht an dessen Ablösung beteiligen.
    Das BGE (das ich zumindest mit den heutigen nicht durchdachten Vorstellungen nicht mag) konnte sich im deutschsprachigen Raum vor allem mit Götz Werners Millionen durchsetzen. Hätte es Lieschen Müller erfunden, würde heute niemand darüber reden.

    http://www.wissensmanufak... (1:17 min)

    des weiteren empfehle ich Leopold Kohr zu lesen. Beide haben und hatten gute Ansätze und Ideen. Auf einmal merkt man, ich bin nicht der Spinner, andere haben und machen sich Gedanken, die man aufgreifen kann ;-)

    • dacapo
    • 17.11.2011 um 5:36 Uhr

    ........ Ihnen einen Ausweg vorgeben können. Er hat doch deutlich beschreiben, dass es eine Lösung, die aus diesem Dilemma rausführt, nicht so ohne weiteres gefunden werden kann, hat von sich aus keine Lösung angeboten. Im Gegensatz zu Herrn Uchatius haben aber reichlich viele Teilnehmer hier einen Ausweg anzubieten. Sie können alle unsere Fehlleistungen aufzeigen, aber halten sich mit ihren Lösungsvorschlägen vornehm zurück.

    Aber eines können wir uns gemeinsam hinter die Ohren schreiben: Wir sind trotz heftiger Kritik am "System" mitschuldig. Wir können nicht schwärmerisch von den !Kung erzählen, aber dabei vergessen, dass wir alle ein bisschen zu den Zuständen beigetragen haben. Jeder auf seine Art und seinem jeweiligen sozialem Standort.

    Aber einfache Systemlösungen gibt es nicht. Die immer anwesenden, es sich leicht machenden Besserwisser können sicherlich am wenigsten zur Lösungen beitragen, sonst wären es ja keine Besserwisser, sondern hätten konstruktive Ideen und wären somit nicht anwesend.

  4. Also für eine Systemkritik sollte man auch einen kritischen Artikel schreiben.

    "381 Milliarden Euro. Er beziffert den Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2000 bis 2007, also noch vor Beginn der Finanzkrise, ermittelt vom Statistischen Bundesamt. Umgerechnet auf die 82 Millionen Bundesbürger bedeutet das: Das Einkommen des durchschnittlichen Deutschen ist in diesen Jahren um 4.646 Euro gestiegen."

    Wer bitte ist der durchschnittliche Deutsche? Ist bei allen der gleiche Betrag angekommen, der dann auch hätte verkonsumiert werden können?

    "Lösen lässt sich das Problem, indem man die Leute dazu bringt, zu kaufen, ohne zu konsumieren. Also noch mehr Bücher ins Regal, noch mehr Kleider in den Schrank, noch mehr Spielsachen ins Kinderzimmer zu packen und sie dann möglichst schnell zu vergessen und wieder neue zu kaufen."

    Viele Leute würden sich gerne neue Bücher, Kleider und Spielsachen kaufen. Das Problem ist nicht, daß ALLE satt sind.

    30 Leserempfehlungen
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    ... wenn dann einer alles hat ist das Spiel zu ende.
    Der Kapitalismus zielt aus Kapitalakkumulation ab, d.h. das Eigentum und Leistung der Einzelnen wird auf immer kleineren Raum akkumuliert. Nur kommt dann eben auch das wirtschaften zum erliegen, weil die Einen schon alles haben und die Anderen sich das notwendigste nicht leisten können. Ohne die Schuldenmacherei wäre das Ganze schon aufgeflogen, so wird der Chrash noch ein bisschen hinausgezögert.
    Nach dem Chrash sind die Reichen wieder ein bisschen ärmer und müssen wieder einkaufen, die Armen dürfen dann wieder Verkäufer sein.

    ...warum ging es den !Kung so gut vor dem Kapitalismus - und so schlecht danach? Teilen ist das Zauberwort, so wie die ZEIT und ihr Autor Uchatius den Artikel mit uns teilen. !Danke dafür!

    ... wenn dann einer alles hat ist das Spiel zu ende.
    Der Kapitalismus zielt aus Kapitalakkumulation ab, d.h. das Eigentum und Leistung der Einzelnen wird auf immer kleineren Raum akkumuliert. Nur kommt dann eben auch das wirtschaften zum erliegen, weil die Einen schon alles haben und die Anderen sich das notwendigste nicht leisten können. Ohne die Schuldenmacherei wäre das Ganze schon aufgeflogen, so wird der Chrash noch ein bisschen hinausgezögert.
    Nach dem Chrash sind die Reichen wieder ein bisschen ärmer und müssen wieder einkaufen, die Armen dürfen dann wieder Verkäufer sein.

    ...warum ging es den !Kung so gut vor dem Kapitalismus - und so schlecht danach? Teilen ist das Zauberwort, so wie die ZEIT und ihr Autor Uchatius den Artikel mit uns teilen. !Danke dafür!

  5. Das Problem ist, daß die reichen 10% nicht mehr konsumieren, weil schon alles doppelt und dreifach vorhanden ist. Selbst die Reichen brauchen keine zwei Fernseher auf dem Gäste-WC.
    Also wird das "überschüssige" Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen und auf den Finanzmarkt geworfen. Man läßt sein Geld für sich "arbeiten".
    Eine breite Masse in Deutschland würde gerne konsumieren. Leider fehlt das Geld für das neue Auto, den Zweitfernseher.

    Der Markt ist lange nicht gesättigt. Das Problem ist die völlige Schieflage in der Verteilung des Reichtums. So lange dies so ist, wird es auch keinen wie auch immer gearteten Aufschwung geben

    54 Leserempfehlungen
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    • MeIkor
    • 11.11.2011 um 21:59 Uhr

    Einzig anzumerken ist meiner Meinung nach, dass 90% der hart arbeitenden Bevölkerung den 10% Reichen und 1% Superreichen den Wohlstand erarbeiten.

    • Stejo
    • 12.11.2011 um 11:59 Uhr

    Dass Problem ist doch eher, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der uns eingeredet wird, das Zweitfernseher und ein neues Auto erstrebenswert wären. Dadurch empfinden wir es als schmerzhaft wenn wir uns diese nicht leisten können obwohl niemand einen 3D-Fernseher (und schon gar keinen zweiten) braucht und ein gebrauchtes Auto vollkommen ausreicht. Ich kann das Verlustgefühl vieler Menschen wenn es mal für das neueste Statussymbol nicht reicht nicht nachvollziehen. Es drängt sich mir dabei immer das Gefühl auf, dass dieses Menschen sich zu sehr über ihren Konsum definieren.

    Oft wird dieses Brainwashing sogar noch gesteigert und wir werden daran erinnert, dass es unsere Pflicht ist zu konsumieren um dieses System zu erhalten und das egal ob dies sinnvoll ist und wieviel Ressourcen dabei unnötig verschwendet werden. Wer nicht mitzieht wird dann als Konsumverweigerer bezeichnett und daran, das dies dann tatsächlich als Schimpfwort gemeint it sieht man wie tief das Aufwachsen in unserem System die Menschen daran hindert sich mit dessen Wertesystem und Auswirkungen unvoreingenommern auseinanderzusetzen.

    Peter Licht hat dies einmal sehr treffend zusammengefasst wenn er einen Protagonisten in einem Lied in den Mund legt "und einen Beruf haben wir auch - wir sind Endverbraucher"

    • RobR
    • 14.11.2011 um 19:50 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele. Denn der Artikel hat einen großen Fehler. Herr Uchatius schreibt zwar: "381 Milliarden Euro. Er beziffert den Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2000 bis 2007, also noch vor Beginn der Finanzkrise, ermittelt vom Statistischen Bundesamt. Umgerechnet auf die 82 Millionen Bundesbürger bedeutet das: Das Einkommen des durchschnittlichen Deutschen ist in diesen Jahren um 4.646 Euro gestiegen.". Er übersieht oder vergisst dabei zu erwähnen dass der Zuwachs nur auf den Konten einiger Wenigen gelandet ist, auf den Konten derjenigen, die tatsächlich kein weiteres Auto, kein weiteres Haus, keine weitere Stereoanlage und keine weitere Restaurantbesuche mehr brauchen.
    Die große Mehrheit hat davon nichts. Viele Menschen fahren ziemlich alte Autos, nicht unbedingt weil sie ihre Fahrzeuge so lieben sondern weil sie sich neuere nicht leisten können. Viele Menschen würden gerne noch weitere Urlaubsreisen, bessere HiFi-Anlagen oder schönere Klamotten kaufen. Sie machen es nur nicht, weil sie es sich nicht leisten können.
    Der Kapitalismus sitzt also nicht in der Reichtumsfalle, sondern in der Verteilungsfalle.

    Ich glaube kaum, dass es das Hauptproblem des Kapitalismus ist, dass die Menschen nicht genug konsumieren können. Wenn die Menschen Arbeit hätten, die sie mit einem tieferen Sinn erfüllt und bei der sie sich nicht immer länger arbeiten müssten bis zur völligen Erschöpfung, das ganze Leben ein bisschen entschleunigt würde, könnten wohl viele auch getrost auf den Flachbildfernseher verzichten. Das Zeug ist doch eh nur zum hinwegtrösten der Menschen gedacht.

    • gl1963
    • 26.11.2011 um 21:38 Uhr

    des Reichtums von oben nach unten, währen wir zu einem spätern Zeitpunkt wieder da wo wird derzeit stehen.

    Nachdem auch der "ärmere" Teil der Bevölkerung konsumgesättigt ist.

    Immerhin kann bis dahnin Zeit gewonnen werden um ein neues System zu erschaffen. Möglicherweise ist es gerade das was derzeit passiert...

    • MeIkor
    • 11.11.2011 um 21:59 Uhr

    Einzig anzumerken ist meiner Meinung nach, dass 90% der hart arbeitenden Bevölkerung den 10% Reichen und 1% Superreichen den Wohlstand erarbeiten.

    • Stejo
    • 12.11.2011 um 11:59 Uhr

    Dass Problem ist doch eher, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der uns eingeredet wird, das Zweitfernseher und ein neues Auto erstrebenswert wären. Dadurch empfinden wir es als schmerzhaft wenn wir uns diese nicht leisten können obwohl niemand einen 3D-Fernseher (und schon gar keinen zweiten) braucht und ein gebrauchtes Auto vollkommen ausreicht. Ich kann das Verlustgefühl vieler Menschen wenn es mal für das neueste Statussymbol nicht reicht nicht nachvollziehen. Es drängt sich mir dabei immer das Gefühl auf, dass dieses Menschen sich zu sehr über ihren Konsum definieren.

    Oft wird dieses Brainwashing sogar noch gesteigert und wir werden daran erinnert, dass es unsere Pflicht ist zu konsumieren um dieses System zu erhalten und das egal ob dies sinnvoll ist und wieviel Ressourcen dabei unnötig verschwendet werden. Wer nicht mitzieht wird dann als Konsumverweigerer bezeichnett und daran, das dies dann tatsächlich als Schimpfwort gemeint it sieht man wie tief das Aufwachsen in unserem System die Menschen daran hindert sich mit dessen Wertesystem und Auswirkungen unvoreingenommern auseinanderzusetzen.

    Peter Licht hat dies einmal sehr treffend zusammengefasst wenn er einen Protagonisten in einem Lied in den Mund legt "und einen Beruf haben wir auch - wir sind Endverbraucher"

    • RobR
    • 14.11.2011 um 19:50 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele. Denn der Artikel hat einen großen Fehler. Herr Uchatius schreibt zwar: "381 Milliarden Euro. Er beziffert den Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2000 bis 2007, also noch vor Beginn der Finanzkrise, ermittelt vom Statistischen Bundesamt. Umgerechnet auf die 82 Millionen Bundesbürger bedeutet das: Das Einkommen des durchschnittlichen Deutschen ist in diesen Jahren um 4.646 Euro gestiegen.". Er übersieht oder vergisst dabei zu erwähnen dass der Zuwachs nur auf den Konten einiger Wenigen gelandet ist, auf den Konten derjenigen, die tatsächlich kein weiteres Auto, kein weiteres Haus, keine weitere Stereoanlage und keine weitere Restaurantbesuche mehr brauchen.
    Die große Mehrheit hat davon nichts. Viele Menschen fahren ziemlich alte Autos, nicht unbedingt weil sie ihre Fahrzeuge so lieben sondern weil sie sich neuere nicht leisten können. Viele Menschen würden gerne noch weitere Urlaubsreisen, bessere HiFi-Anlagen oder schönere Klamotten kaufen. Sie machen es nur nicht, weil sie es sich nicht leisten können.
    Der Kapitalismus sitzt also nicht in der Reichtumsfalle, sondern in der Verteilungsfalle.

    Ich glaube kaum, dass es das Hauptproblem des Kapitalismus ist, dass die Menschen nicht genug konsumieren können. Wenn die Menschen Arbeit hätten, die sie mit einem tieferen Sinn erfüllt und bei der sie sich nicht immer länger arbeiten müssten bis zur völligen Erschöpfung, das ganze Leben ein bisschen entschleunigt würde, könnten wohl viele auch getrost auf den Flachbildfernseher verzichten. Das Zeug ist doch eh nur zum hinwegtrösten der Menschen gedacht.

    • gl1963
    • 26.11.2011 um 21:38 Uhr

    des Reichtums von oben nach unten, währen wir zu einem spätern Zeitpunkt wieder da wo wird derzeit stehen.

    Nachdem auch der "ärmere" Teil der Bevölkerung konsumgesättigt ist.

    Immerhin kann bis dahnin Zeit gewonnen werden um ein neues System zu erschaffen. Möglicherweise ist es gerade das was derzeit passiert...

  6. ...Lahme GEHEN...

    ...ich bin SPRACHLOS!

    6 Leserempfehlungen
  7. zu der Systemfrage. Da wird oft mit der Angst argumentiert, wie es so oft der Fall ist. Hier möchte ich nur hervor heben, dass ein Systemwechsel nicht gleich Krieg, Kampf der Kulturen ect. sein muss. Auch wenn das Licht aus geht, läuft das Leben weiter, dieser Planet ist weiter in der Lage uns mit Essen zu versorgen. Man muss sich grundsätzlich mal Fragen was denn für ein Leben lebensnotwendig ist. Nach dem Farbfernsehen kam der Flachbildschirm, dann der Flachbildschirm, der 3 D kann, aber brauchen wir das? Gibt es nicht ein Level an Fortschritt, auf dem man erstmal die nächsten fünf Jahre "stagnieren" kann (Stagnation aus heutiger sich ein sehr hässliches Wort)? Ich will den Fortschritt ja nicht begrenzen, ihm einen Riegel vorschieben, aber ich bezweifele, dass der uns oft vorgegaukelte Fortschritt überhaupt einer ist! Wir täten einfach mal zu ENTSCHLEUNIGEN. Auch muss man sich mal sich Werten fragen, denn Weihnachten hatte mal einen Sinn und Zweck und war nicht eine Periode des Jahres im Rahmen von Konsumwirtschaft!

    Beste Grüße.
    FSonntag

    16 Leserempfehlungen
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    ... ja welchen denn? dort gab es auch schon 'geschenke', oder habe ich das etwas falsch in erinnerung?

    jedes jahr dieselbe 'alte leier', sorry, aber anders kann ich es nicht ausdruecken. stets vor weihnachten immer gesund sog. 'konsumkritik' ueben! ebenso verhaelt es sich mit den spenden - kinder sind anscheinend auch nur einmal im jahr 'beduerftig'!

    ohne 'konsum' geht es nicht! und es gaebe ohne konsum auch keinen fortschritt, da die forschung bsp. in neue sog. 'produktinnovationen' obsolet waere. wir haetten heute ohne konsum noch nicht einmal eine zentralheizung!

    was ich vermisse sind grundsaetzlich vorschlaege, wie personen, welche die sog. 'heutige form des kapitalismus'(was immer sie damit meinen) ablehnen, anders zu leben gedenken! die linke macht es ja gerade vor in deutschland - mag der porsche auch noch so alt sein...

    cheers

    • Afa81
    • 14.11.2011 um 15:53 Uhr

    ...dass Angst vor Systemwechseln nicht von irgendwoher kommt. Fast jeder Systemwechsel ging mit unvorstellbarer Gewalt einher. Zu sagen, dass ein Systemwechsel kein Krieg ist, ist das gleiche wie zu sagen, dass eine Eroberung kein Krieg ist. Klar, es gab auch schon Ausnahmeannektierungen, welche friedlich von sich gingen... i.d. Regel verläuft das jedoch nicht so glimpflich. Dann bleibt da noch die Frage, was danach kommt. Ich hätte eine riesige Angst vor einem plötzlichen Systemwechsel. In Ghandies neuer Welt würde ich als Ingenieur wohl keine zwei Wochen überleben - ganz abzusehen, dass es nicht meinem Bild einer perfekten Welt entspricht. Da sind wir schon beim nächsten Problem - Perfekt ist relativ.
    Neues System - gerne. Aber erstmal müssen wir uns eines ausdenken. Eine sehr große Zahl evtl. kluger Köpfe hat aufgegeben und resigniert mit Marx und Engels. Man überlegt sich nichts neues und kommt von den alten Dogmen nicht los.
    Im Moment bin ich sehr pessimistisch, was ein neues System angeht. Immernoch schaffen es die meisten Sozialingenieure nicht, über ihren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.
    Jeder schafft das perfekte System für sich uns seine Leidensgenossen. Ein System welches wirklich alle einbezieht, darüber wird doch noch nichtmal nachgedacht. "Klassenkampf ist Bürgerpflicht". Wenn der Mörtel für das neue System schon Intoleranz und Gewalt ist - dann sind wir noch sehr weit weg von einer Alternative - so traurig das ist.

    Grundsätzlich ist es lobenswert wenn Journalisten anfangen nach Systemfehlern zu suchen, anstatt bequem auf Politiker einzudreschen. Leider bleibt diese Suche regelmäig in einer Denkschleife hängen: "Die Ursache ist das fehlende Wirtschaftswachstum".

    Warum funktioniert unser System nicht mehr wenn der Ideal-Zustand erreicht ist: Null-Wachstum, alle laufenden Bedürfnisse werden befriedigt, keine Bedürfnisse bleiben unbefriedigt.

    ... ja welchen denn? dort gab es auch schon 'geschenke', oder habe ich das etwas falsch in erinnerung?

    jedes jahr dieselbe 'alte leier', sorry, aber anders kann ich es nicht ausdruecken. stets vor weihnachten immer gesund sog. 'konsumkritik' ueben! ebenso verhaelt es sich mit den spenden - kinder sind anscheinend auch nur einmal im jahr 'beduerftig'!

    ohne 'konsum' geht es nicht! und es gaebe ohne konsum auch keinen fortschritt, da die forschung bsp. in neue sog. 'produktinnovationen' obsolet waere. wir haetten heute ohne konsum noch nicht einmal eine zentralheizung!

    was ich vermisse sind grundsaetzlich vorschlaege, wie personen, welche die sog. 'heutige form des kapitalismus'(was immer sie damit meinen) ablehnen, anders zu leben gedenken! die linke macht es ja gerade vor in deutschland - mag der porsche auch noch so alt sein...

    cheers

    • Afa81
    • 14.11.2011 um 15:53 Uhr

    ...dass Angst vor Systemwechseln nicht von irgendwoher kommt. Fast jeder Systemwechsel ging mit unvorstellbarer Gewalt einher. Zu sagen, dass ein Systemwechsel kein Krieg ist, ist das gleiche wie zu sagen, dass eine Eroberung kein Krieg ist. Klar, es gab auch schon Ausnahmeannektierungen, welche friedlich von sich gingen... i.d. Regel verläuft das jedoch nicht so glimpflich. Dann bleibt da noch die Frage, was danach kommt. Ich hätte eine riesige Angst vor einem plötzlichen Systemwechsel. In Ghandies neuer Welt würde ich als Ingenieur wohl keine zwei Wochen überleben - ganz abzusehen, dass es nicht meinem Bild einer perfekten Welt entspricht. Da sind wir schon beim nächsten Problem - Perfekt ist relativ.
    Neues System - gerne. Aber erstmal müssen wir uns eines ausdenken. Eine sehr große Zahl evtl. kluger Köpfe hat aufgegeben und resigniert mit Marx und Engels. Man überlegt sich nichts neues und kommt von den alten Dogmen nicht los.
    Im Moment bin ich sehr pessimistisch, was ein neues System angeht. Immernoch schaffen es die meisten Sozialingenieure nicht, über ihren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.
    Jeder schafft das perfekte System für sich uns seine Leidensgenossen. Ein System welches wirklich alle einbezieht, darüber wird doch noch nichtmal nachgedacht. "Klassenkampf ist Bürgerpflicht". Wenn der Mörtel für das neue System schon Intoleranz und Gewalt ist - dann sind wir noch sehr weit weg von einer Alternative - so traurig das ist.

    Grundsätzlich ist es lobenswert wenn Journalisten anfangen nach Systemfehlern zu suchen, anstatt bequem auf Politiker einzudreschen. Leider bleibt diese Suche regelmäig in einer Denkschleife hängen: "Die Ursache ist das fehlende Wirtschaftswachstum".

    Warum funktioniert unser System nicht mehr wenn der Ideal-Zustand erreicht ist: Null-Wachstum, alle laufenden Bedürfnisse werden befriedigt, keine Bedürfnisse bleiben unbefriedigt.

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