Europas Verfassung Der Traum von der Weltinnenpolitik
Jürgen Habermas arbeitet auf der europäischen Baustelle und schreibt das Buch der Stunde.
Fast könnte man ja meinen, Magie sei im Spiel: Ausgerechnet jetzt, in diesen für Europa denkwürdigen Tagen und Wochen, veröffentlicht der bekannteste lebende Philosoph der Welt einen Essay über die Verfassung ebenjenes Kontinents. Während momentan die europäischen Politiker ihren persönlichen Stresstest im permanenten Rettungseinsatz für Europa erleben, erscheint der theoretische Antikrisenplan von Jürgen Habermas. Womöglich steht die deutsche Philosophie ja doch in direktem Kontakt mit jenem von Hegel heraufbeschworenen Weltgeist. Aber anders als sein Ahnherr vermag Habermas an der Wirklichkeit kaum etwas Vernünftiges zu entdecken. Die Lage ist ernst, und Jürgen Habermas schreibt das Buch der Stunde.
Der Band mit dem ebenso unauffälligen wie in seiner Doppelbedeutung changierenden Titel Zur Verfassung Europas enthält zunächst einen bereits erschienenen Aufsatz über den konstitutiven Zusammenhang von Menschenwürde und Menschenrechten, sodann den Hauptessay über die Verfassung Europas angesichts der EU-Krise. Schließlich findet man im Anhang noch einmal drei maßgebliche publizistische Interventionen des Philosophen zur europäischen Situation aus den vergangenen drei Jahren, zuerst erschienen in der ZEIT beziehungsweise der Süddeutschen Zeitung.
Wer nun die bisherigen politischen Schriften von Habermas kennt, der wird an diesen Themen und ihrer Zusammenstellung auf den ersten Blick nichts Originelles entdecken können. Denn seit vielen Jahren treibt den engagierten Intellektuellen das Schicksal Europas um; auch in weniger atemberaubenden Zeiten diagnostizierte er stets falsche Baupläne und schwere Schäden am europäischen Haus. Für den 82-Jährigen ist es existenzieller Stoff, der in der Gewalterfahrung des 20. Jahrhunderts wurzelt. Darin ähnelt er seinem Generationsgenossen Helmut Kohl, der in der europäischen Einigung bekanntlich »eine Frage von Krieg und Frieden« sieht, und Hans Magnus Enzensberger, dessen Unmut sich in diesem Frühjahr in dem kleinen Pamphlet Sanftes Monster Brüssel niederschlug – ein Titel übrigens, in dem sich laut Habermas eine irrige »Volksmeinung« über den eigentlich schwachen EU-Apparat widerspiegelt. Jedoch gleichen sich die Diagnosen des Philosophen und seines Dichter-Genossen, wenn es um den Mangel an Demokratie in Europa geht: »Politik hinter verschlossenen Türen. Geheimniskrämerei. Kabinettspolitik.« (Enzensberger)
Die Hebel, die Habermas für seinen Rettungsschirm in Bewegung setzen will, sind zwar nicht neu. Die Demokratisierung Europas bleibt sein Mantra, doch es bekommt jetzt hochaktuelle Dringlichkeit, selbst wenn man seinen Diagnosen nicht immer folgen mag. Es geht um die Beteiligung der Bürger an den sie betreffenden Fragen, nicht nur um Billionentransfers. Vor allem wendet er sich in Auseinandersetzung mit der staatsrechtlichen Fachliteratur gegen eine sich seit dem Scheitern des Verfassungsentwurfs aus dem Jahr 2004 verselbstständigende Macht des Europäischen Rates der Staats- und Regierungschefs, in der Habermas einen »postdemokratischen Exekutivföderalismus« wittert.
Aber die Chancen für ein demokratisch verfasstes Europa sind dennoch größer geworden: Zum einen gibt es die Unterordnung der Nationalstaaten unter supranationales EU-Recht; diese teilen sich zudem die verfassunggebende Gewalt eines supranationalen Gemeinwesens – weder Bundesstaat noch Staatenbund – mit der Gesamtheit aller Unionsbürger. Die Volkssouveränität ist dabei »ursprünglich geteilt«: Jeder Europäer ist zugleich Unionsbürger wie »Angehöriger eines europäischen Volkes«. Eine »transnationale Demokratie« würde erst dann entstehen, wenn beide verfassunggebenden Subjekte – Unionsbürger und Völker – im Gesetzgebungsprozess »als gleichberechtigte Partner« auftreten.
Bei diesen Fragen sollte die öffentliche Diskussion heute einsetzen: Wie sollte eine solche Mischverfassung in parlamentarischer Form aussehen? Welche Kammern sollte es geben, wie sähe die Exekutive aus? Problematisch wäre so ein Konstrukt allemal, aber es gehört zu den Gebärprozessen einer Krise, dass plötzlich Dinge denkbar werden, die gestern noch pure Fantasie waren. Wenn alle von allem betroffen sind, braucht Europa eine stärkere Legitimität als bisher.
Für Habermas wäre so eine transnationale Demokratie in Europa nur ein erster Schritt hin zu einer demokratisch verfassten Weltbürgergesellschaft mit einer globalen Verfassungsordnung. Tatsächlich zielt Habermas so hoch hinaus, dass einem etwas schwindlig wird. Er macht sich Gedanken um die schwierige Rückkopplung eines Weltparlaments an die es wählenden Weltbürger, über eine abgestufte Aufspaltung der zwei Politikfelder – einmal sicherheitsrelevante Probleme in der Kompetenz einer Weltorganisation, zum anderen der verteilungsrelevante Rest einer Weltinnenpolitik, die »in ein transnationales Verhandlungssystem abgezweigt« würde. Man braucht allerdings schon einige Fantasie, um sich ein solches Reich der Freiheit vorstellen zu können. Dennoch: Habermas’ Interesse gilt zunächst Europa – sein Impuls sollte im Zeichen der Krise tatsächlich die Diskussion um eine erweiterte demokratische Ordnung auf dem Kontinent entfachen.
Allerdings reizt Habermas, wie so oft, zum Widerspruch – was wiederum die Lektüre mit ihren polemischen Tönen zum Vergnügen macht. Die europäische politische Klasse bekommt denkbar schlechte Noten, überall »hinhaltendes Taktieren« und »selbstdestruktives Verhalten«, man »zappelt hilflos«, an einer Stelle redet er gar von »Auftritten nationaler Potentaten« – nun ist jedoch selbst der europäische Schandfleck Silvio Berlusconi ein demokratisch gewählter Politiker. Ganz offensichtlich ist der Idealpolitiker für Habermas eine Kreuzung aus Willy Brandt, Helmut Schmidt und Joschka Fischer, inklusive ein paar Schäuble-Spurenelementen. Gegen solche überirdische Konkurrenz müssen es Merkel und Sarkozy natürlich schwer haben. Man darf da durchaus einmal die Gegenrechnung aufmachen: Gerade die momentan regierenden, recht mittelmäßigen politischen Normalbegabungen machen ihre Sache seit 2008 gar nicht schlecht; sogar Wirtschaftswachstum gibt es ja noch ab und zu, verbunden mit niedrigsten Arbeitslosenzahlen. Keine Regierung stürzt über Nacht, nirgendwo bricht Panik aus, auch wenn manchmal ein paar Autos brennen; es herrscht angesichts der Situation eine erstaunliche Solidarität und Stabilität selbst in Ländern, in denen bis vor wenigen Jahren Militärputsch und Diktatur der Normalfall waren.
Gewiss: Habermas’ Sorge vor einer krisengestützten »postdemokratischen Herrschaftsausübung« allein durch die Regierungschefs im Europäischen Rat hat gute Gründe. Eben erst hat er in der FAZ noch einmal scharf den postdemokratischen Weg kritisiert, den Merkel und Sarkozy angesichts der geplanten und dann unter Druck wieder abgeblasenen griechischen Volksabstimmung eingeschlagen hätten. Doch mit Habermas’ normativen Maßstäben lässt sich womöglich anders plausibler argumentieren: Es war mitnichten ein Großmächtediktat, sondern vielmehr jene von ihm ansonsten so ersehnte, im kollektiven Aufschrei vereinte europäische Öffentlichkeit, die angesichts der bereitwillig offerierten potenziellen Solidaritätsbillionen von den Griechen eine Gegenleistung verlangte und durchsetzte.
Der »riskante, inspirierte Kampf in der breiten Öffentlichkeit« um die europäischen Dinge mag schwächeln, zumal bei Politikern. Allerdings wundert man sich doch, wenn Habermas dagegen zum Beispiel die engagierten publizistischen amerikanischen Debatten zwischen Föderalisten und Antiföderalisten 1787/88 ins Feld führt – von den lebhaften öffentlichen Diskussionen über die europäische (Verfassungs-)Ordnung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hätte James Madison nur träumen können. Der Begriff »Internet« kommt nur ein einziges Mal vor – von einem Theoretiker, der sich einst bahnbrechend über den »Strukturwandel der Öffentlichkeit« habilitierte, hätte man sich schon ein paar Sätze zur Bedeutung der Kommunikationsrevolution für den Verfassungswandel erhofft.
Schwierig wird es auf dem Feld der Ökonomie, dem blinden Fleck der deutschen Philosophie. Nicht nur, dass Habermas den Euro nicht würdigt. Auch die einseitige Beschreibung des global entfesselten Kapitalismus als Gefahr für die Demokratie vernachlässigt, dass es gerade die enormen wirtschaftlichen Umwälzungen der letzten zwanzig Jahre waren, die entscheidend den Weg zur von Habermas erwünschten Gemeinschaft der Weltbürger gebahnt haben. Die politische Einhegung negativer Folgen bleibt natürlich die zentrale Aufgabe. Dabei überrascht, wie der früher dezidiert postnationale Denker nunmehr eine einst von ihm visionär verabschiedete Formation pathetisch feiert: Die guten alten Nationalstaaten seien »bleibende Errungenschaften und lebendige Gestalten einer existierenden Gerechtigkeit (Hegel)«.
Seine Schrift jedenfalls ist zugleich Arbeitsauftrag für die europäischen Bürger wie auch ein intellektuelles Vermächtnis einer Generation, inklusive utopischer Vision und kraftvollen Bekenntnisses zu Menschenwürde und Menschenrechten. Gut möglich, dass man wegen seines schillernden Charakters dereinst über diesen Essay sprechen wird wie heute über Immanuel Kants ähnlich programmatische, ähnlich unabgegolten visionäre Schrift Zum ewigen Frieden aus dem Jahr 1795. Faszinierend bleibt für die Nachgeborenen die nicht nachlassende Leidenschaft des Philosophen für seine politische Mission. We, the people: Ziehen wir also unsere Konsequenzen aus der Krise; engagieren wir uns nicht mehr nur gegen lokale Bahnhofsbauten, sondern auf der europäischen Demokratiebaustelle. Vertwittern wir nicht unsere knappe Zeit, sondern lassen uns ein bisschen vom konstruktiven Furor des Jürgen Habermas anstecken.
- Datum 14.11.2011 - 14:28 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.11.2011 Nr. 46
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dieses Büchlein von Habermas eine Art Stein des Anstoßes dar, welcher die europäische Philisophie, Politologie und Jurisprudenz dazu anregt, sich verstärkt Gedanken über die demokratische Zukunft Europas zu machen. Selbst wenn Habermas zu wenig auf die Ökonomiedebatte eingeht, so leistet er einen wichtigen Beitrag zur Demokratiedebatte in Europa. Vielleicht könnten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler enger zusammenarbeiten, um auch Antworten auf die ökonomische Einigung zu finden.
"Vielleicht könnten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler enger zusammenarbeiten, um auch Antworten auf die ökonomische Einigung zu finden."
Können Sie das konkretisieren?
....von Tullock und Buchanan, das die wirtschaftlichen Grundlagen für ein Staatswesen beschreibt. "Calculus of Consent" zeigt, wie sich Demokratie zu anderen Staatsformen verhält und wie die Basis der Gesellschaft davon abhängt, welche Entscheidungen man politisch macht. Ebenfalls zeigt eine Vielzahl verschiedener Schriften aus der Diskussion zu Eigentumsrechten und deren Strukturen auf, wie sich verschiedene Regeln der Wahl, der Steuern usw die Ergebnisse einer Gesellschaft verändern.
Wenn Europa mittels postdemokratischen Krisennotstandsverordnungen regiert wird wie Griechenland, erübrigen sich Ökonomiedebatten. Zum Einen, weil die Bevölkerung an der konkreten Politik eh nichts zu bestimmen hat, eine öffentliche politische Meinungsbildung also überflüssig ist, weil die folgenden wie die vorigen Entscheidungen alternativlos sind, zum Anderen weil die nächste Entscheidung eh von den akuten (finanz-)wirtschaftlichen Erfordernissen - besser Anforderungen - abhängen.
Kurz: Ohne Demokratie besteht kein Grund für Ökonomiedebatten.
Marktzwänge sind extrem gut geeignet, den Weg dorthin sehr zu verkürzen.
...Ein ganz guter Ort an dem man anfangen kann ist bei Wikipedia. Wenn man den folgenden Link aufmacht und die Artikelliste durcharbeitet, so bekommt man die relevanten Autoren und Grundkonzepte. http://en.wikipedia.org/w...
Sieht man dann die Einträge für die genannten Autore an, so hat man einen relativ guten Überblick der Ideen, die in diesem Zusammenhang entwickelt wurden. Man wird sich dabei vermutlich wundern, wie weit entfernt diese Diskussion ist, von hiesigen Vorstellungen dessen, worum es in der Politik bzw deren Ordnung geht.
"Vielleicht könnten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler enger zusammenarbeiten, um auch Antworten auf die ökonomische Einigung zu finden."
Können Sie das konkretisieren?
....von Tullock und Buchanan, das die wirtschaftlichen Grundlagen für ein Staatswesen beschreibt. "Calculus of Consent" zeigt, wie sich Demokratie zu anderen Staatsformen verhält und wie die Basis der Gesellschaft davon abhängt, welche Entscheidungen man politisch macht. Ebenfalls zeigt eine Vielzahl verschiedener Schriften aus der Diskussion zu Eigentumsrechten und deren Strukturen auf, wie sich verschiedene Regeln der Wahl, der Steuern usw die Ergebnisse einer Gesellschaft verändern.
Wenn Europa mittels postdemokratischen Krisennotstandsverordnungen regiert wird wie Griechenland, erübrigen sich Ökonomiedebatten. Zum Einen, weil die Bevölkerung an der konkreten Politik eh nichts zu bestimmen hat, eine öffentliche politische Meinungsbildung also überflüssig ist, weil die folgenden wie die vorigen Entscheidungen alternativlos sind, zum Anderen weil die nächste Entscheidung eh von den akuten (finanz-)wirtschaftlichen Erfordernissen - besser Anforderungen - abhängen.
Kurz: Ohne Demokratie besteht kein Grund für Ökonomiedebatten.
Marktzwänge sind extrem gut geeignet, den Weg dorthin sehr zu verkürzen.
...Ein ganz guter Ort an dem man anfangen kann ist bei Wikipedia. Wenn man den folgenden Link aufmacht und die Artikelliste durcharbeitet, so bekommt man die relevanten Autoren und Grundkonzepte. http://en.wikipedia.org/w...
Sieht man dann die Einträge für die genannten Autore an, so hat man einen relativ guten Überblick der Ideen, die in diesem Zusammenhang entwickelt wurden. Man wird sich dabei vermutlich wundern, wie weit entfernt diese Diskussion ist, von hiesigen Vorstellungen dessen, worum es in der Politik bzw deren Ordnung geht.
Habermas habe ich bisher (leider) noch nicht gelesen ... Was ich aber gelesen habe ist: "Umfassende Demokratie" von Takis Fotopoulos. http://www.inclusivedemoc... Ein weiterer Stein des Anstosses. Sehr empfehlenswerte Lektüre. Gruß S_R
... seit wann fällt eine Buchempfehlung unter Werbung? Kann es sein, dass Sie die Regeln hier etwas strikt und zu unserem Nachteil überinterpretieren? [...]
Es hat sich hierbei um ein Missverständnis gehandelt. Die entsprechenden Empfehlungen sind wieder verfügbar. Auf persönliche Anfeindungen bitten wir Sie dennoch zu verzichten. Danke. Die Redaktion/vn
... seit wann fällt eine Buchempfehlung unter Werbung? Kann es sein, dass Sie die Regeln hier etwas strikt und zu unserem Nachteil überinterpretieren? [...]
Es hat sich hierbei um ein Missverständnis gehandelt. Die entsprechenden Empfehlungen sind wieder verfügbar. Auf persönliche Anfeindungen bitten wir Sie dennoch zu verzichten. Danke. Die Redaktion/vn
"Doch mit Habermas’ normativen Maßstäben lässt sich womöglich anders plausibler argumentieren: Es war mitnichten ein Großmächtediktat, sondern vielmehr jene von ihm ansonsten so ersehnte, im kollektiven Aufschrei vereinte europäische Öffentlichkeit, die angesichts der bereitwillig offerierten potenziellen Solidaritätsbillionen von den Griechen eine Gegenleistung verlangte und durchsetzte."
...Herr Cammann? Hat man deshalb das Referendum abgeblasen? Ich kann mich gar nicht an eine "im kollektiven Aufschrei vereinte europäische Öffentlichkeit" erinnern. Ist es möglich, dass Teile der veröffentlichten Meinung sich hier in der üblichen Hybris üben? Die Kommentarsektionen waren voll von Lob für diesen basisdemokratischen Ansatz, der ein demokratischer Dammbruch hätte werden können und ua auch deshalb strikt unterbunden wurde.
beginnt für mich bei einem europäischen Projekt, welches Europa verbinden soll. Gerade durch das Interesse des Bürgers an den lokalen Auswirkungen beschäftigt er sich mit dem europäischen Gedanken und durch die resultierende "kommunikative Interaktion" findet eine demokratische Partizipation mit Wirkung für Europa statt.
Das Verständnis des Bürgers für solche Zusammenhänge lässt den Gedanken zu einer Weltgemeinschaft wachsen. Abgesehen davon, dass ein durch die öffentliche Meinung getragener Wandel, der jeden involviert, unumgänglich ist.
... seit wann fällt eine Buchempfehlung unter Werbung? Kann es sein, dass Sie die Regeln hier etwas strikt und zu unserem Nachteil überinterpretieren? [...]
Es hat sich hierbei um ein Missverständnis gehandelt. Die entsprechenden Empfehlungen sind wieder verfügbar. Auf persönliche Anfeindungen bitten wir Sie dennoch zu verzichten. Danke. Die Redaktion/vn
Ja, eine nette Idee, europäische Demokratie. Aber wer will die schon?
Ganz sicher nicht unsere Politiker. Für die ist Demokratie eine Sache für Sonntagsreden.
Die Entwicklung der EU war eine Entwicklung des Abbaus von Demokratie: wo der Einfluss des Bürgers störend war bei den Geschäften der Macht - und das war meistens der Fall - da hat man die Kompetenzen nach Brüssel verschoben, weil Politik dort intransparent, nach bewährt-autokratischem Muster abzuwickeln und für den Bürger unerreichbar war / ist.
Der Eiertanz um die EU-Verfassung / den Lissabonvertrag zeigte, wie sich die Politik unter Führung von Angela Merkel an allen demokratischen Instanzen und Mechanismen vorbeimogelte, z.b. durch Ausschaltung fast aller Möglichkeiten für die EU-Bürger, in einem Referendum sein Statement dazu abzugeben.
Man vergleiche einmal die "demokratische" Verfasstheit des EU-Machtapparats mit der nationalen Demokratie, den Parlamenten, die bei uns mit erheblich mehr Befugnissen und Eingriffsmöglichkeiten ausgestattet sind. Das EU-Parlament darf z.B. ein Gesetz nur dann beschließen, wenn dies zuvor von EU-Kommission oder EU-Rat auf den Tisch gelegt wurde, nicht etwa aus eigener Initiative. Es wurde zu einer Akklamationsmaschine degradiert, damit es den Polit-Autokraten an der EU-Spitze nicht lästig fallen kann.
In den wichtigsten Referenden, die stattfanden, sagten die befragten Bürger "Nein", "no", "non", "nee", weil sie verstanden, dass man sie über den Tisch ziehen wollte.
"...dessen Unmut sich in diesem Frühjahr in dem kleinen Pamphlet Sanftes Monster Brüssel niederschlug – ein Titel übrigens, in dem sich laut Habermas eine irrige »Volksmeinung« über den eigentlich schwachen EU-Apparat widerspiegelt."
...dass dieser Apparat "schwach" ist, da er wenig wirklich Kompetenzen hat. Unmut entwickelt sich aber, da dieser Apparat seine "Schwäche" scheinbar durch Blödsinn und Aktionismus kompensieren will - und das nervt die Bürger schlicht und einfach. Siehe Glühbirnen. Siehe Gurken. Usw. usf.
Noch dazu scheint dieser Apparat immerhin stark genug zu sein, Gesetze, die es durch das nationale Parlament nicht geschafft haben, auf dem Umweg EU umzusetzen. Siehe VDS.
Und bei allem fragt man sich: Wozu das Ganze? Was nutzt mir das? Abgesehen davon, dass ich im Urlaub kein Geld mehr wechseln muss...
"Vielleicht könnten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler enger zusammenarbeiten, um auch Antworten auf die ökonomische Einigung zu finden."
Können Sie das konkretisieren?
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