Zweiten Weltkriegs bis in seine letzten Tage im Bunker unter der Reichskanzlei eisern fest. »Wir können untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen«, äußerte er zu einem seiner Adjutanten Ende Dezember 1944, als die letzte deutsche Offensive in den Ardennen gescheitert war.

Kapitulieren werde er niemals, das Jahr 1918 werde sich nicht wiederholen – an diesem Grundsatz hielt Adolf Hitler vom Beginn des

Die Deutschen zahlten für den selbstzerstörerischen Amoklauf einen hohen Preis. In den letzten zehn Monaten des Krieges zwischen Juli 1944 und Mai 1945 starben weitaus mehr Zivilisten als in den vier Kriegsjahren zuvor und fast ebenso viele Soldaten wie in diesen Jahren. Erst nachdem Hitler mitsamt seiner Gefährtin Eva Braun am 30. April Selbstmord begangen hatte, war der Weg frei für die militärische Kapitulation.

Warum aber wurden Hitlers Befehle bis zuletzt befolgt? Weshalb kämpfte die Wehrmacht weiter, obwohl der Krieg längst verloren war? Und wie erklärt sich, dass das Regime seine Gewaltherrschaft noch in der Phase seiner Agonie ausüben konnte? Diese Fragen sind zwar oft gestellt, aber nie befriedigend beantwortet worden. Ebendarum bemüht sich nun der Hitler-Biograf Ian Kershaw . Anders als Joachim Fest in seinem Buch Der Untergang (2002), das die Vorlage für den gleichnamigen Film Bernd Eichingers aus dem Jahr 2004 lieferte, richtet der britische Historiker den Blick über die monströse Wahnwelt des Führerbunkers hinaus auf die ganze Gesellschaft des kollabierenden »Dritten Reiches«.

Ein solches Vorhaben wirft einige Probleme auf. Denn das »Dritte Reich« war am Ende nicht nur ein schrumpfendes, sondern auch ein hochgradig fragmentiertes Land. Die Erfahrungen der Zivilbevölkerung in einzelnen Regionen und die der Soldaten auf den Kriegsschauplätzen im Westen und Osten waren sehr unterschiedlich. Die Gefahr, allgemeine Aussagen zu treffen, die dem komplexen Geschehen nicht gerecht werden, ist groß. Kershaw hat, um ihr zu entgehen, noch einmal gründlich in den Archiven, auch in regionalen, geforscht; darüber hinaus hat er ausgiebig Gebrauch gemacht von zeitgenössischen Briefen und Tagebüchern. Gestützt auf dieses solide Quellenfundament, gelingt es ihm, die vielfältigen Facetten seines Themas in eine Gesamtgeschichte zu integrieren, die ein neues Licht auf das Drama des Untergangs wirft.

Das Buch setzt ein mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 , das insofern eine Zäsur in der inneren Geschichte des »Dritten Reiches« markierte, als es noch einmal einen Radikalisierungsschub bewirkte. In den acht chronologisch folgenden Kapiteln schildert Kershaw jeweils die Entwicklung an den Fronten – vom Vormarsch der Alliierten im Westen im Herbst 1944 bis zur letzten sowjetischen Offensive Mitte April 1945, die innerhalb weniger Tage zum endgültigen Zusammenbruch der Ostfront führte. Doch die militärische Geschichte, so kenntnisreich sie auch dargeboten wird, bildet nur den Hintergrund, vor dem der Autor eine Antwort auf seine Zentralfrage sucht: warum das NS-Regime trotz der aussichtslosen Kriegslage das Ende bis zur nahezu restlosen Zerstörung hinauszögern konnte.

Nach 1945 haben sich Hitlers Generäle gern darauf berufen, dass die Forderung der Alliierten nach »bedingungsloser Kapitulation« den Deutschen gar keine andere Wahl gelassen habe, als bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Kershaw weist diesen Vorwurf als Schutzbehauptung zurück: Zwar habe die alliierte Forderung der NS-Propaganda in die Hände gespielt, aber auf die strategischen Entscheidungen Hitlers und der führenden Militärs habe sie keinen großen Einfluss ausgeübt. Die Erklärung für die erstaunliche Bereitschaft zum Durchhalten müsse daher woanders gesucht werden: in den inneren Herrschaftsstrukturen und in den Mentalitäten der Bevölkerung.

Der britische Historiker korrigiert die in der neueren Literatur anzutreffende Vorstellung, der zufolge die »Konsensdiktatur«, also die weitgehende Übereinstimmung zwischen Führung und Volk, bis zum Schluss Bestand gehabt haben soll. Er weist nach, dass die nicht abreißende Kette militärischer Katastrophen eine tief greifende Vertrauenskrise nach sich zog. Auch Hitlers Popularität, lange Zeit das stärkste Bindemittel des Regimes, wurde durch das Attentat vom 20. Juli bloß vorübergehend belebt. Seit Herbst 1944 befand sie sich im freien Fall. Nur noch eine kleine Minderheit fanatischer Nationalsozialisten hielt an ihrem Glauben zum »Führer« fest und setzte ihre Hoffnungen auf die von ihm versprochenen »Wunderwaffen«.