Smart und geschäftstüchtig sind sie beide: Der Deutschamerikaner Nicolas Berggruen (50), der schon Karstadt sein Eigen nennt, und der Österreicher René Benko (34), der hierzulande bereits ansehnliche Immobilien besitzt. In die Quere kamen sie sich bisher nicht – bis zum Montag vergangener Woche. Seit jenem Tag ist klar: Berggruen und Benko wollen dasselbe. Sie haben ein Auge auf Galeria Kaufhof geworfen . Die Warenhauskette ist die größte Konkurrentin von Karstadt und gehört zum Handelskonzern Metro. Dessen Chef, Eckhard Cordes, sucht schon lange nach einem Käufer. Doch den Kaufhof mochte niemand haben, jedenfalls nicht zu dem geforderten Preis.

Plötzlich stehen die Bewerber Schlange. Neben Benko und Berggruen haben sich inzwischen noch zwei weitere Interessenten gemeldet, die am vergangenen Dienstag aber noch im Verborgenen blieben. Der plötzliche Andrang lässt die Metro-Gesellschafter auf ein hübsches Sümmchen hoffen. Mindestens 2,4 Milliarden Euro sind als Preis im Gespräch.

Nachdem bei der Metro zuletzt vor allem Benko als ernsthafter Bewerber galt, war am Montagabend vergangener Woche die Überraschung umso größer. Da flatterte unverhoffte Post ins Haus: vom Konkurrenten Nicolas Berggruen. Er schickte ein Angebot, angeblich sowohl für den Betrieb der 138 Kaufhof-Filialen als auch für die stattliche Zahl an Immobilien. Die liegen meist zentral, also mitten in der City, deshalb sind sie höchst attraktiv und bedeutend mehr wert als der gesamte Warenhausbetrieb.

Gebäude und Grundstücke sind es denn auch, die René Benko an Kaufhof reizen. Der Österreicher zählt zu jenen, die der Volksmund gerne Immobilienhaie nennt. In Österreich ist er einer der größten. Neuerdings scheint Benko aber auch sein Herz für den Einzelhandel entdeckt zu haben: »Das Konzept Warenhaus hat Zukunft«, sagte er vergangene Woche dem Handelsblatt. Und um die Arbeitnehmer zu beruhigen, sprach er auch noch mit Bild am Sonntag: »Wir brauchen eher mehr als weniger gute Mitarbeiter.« Er wolle nämlich expandieren, es würde kein Standort geschlossen.

Benko hat das Geschäftemachen offensichtlich im Blut. Zwar brach er die Handelsakademie, an der er Abitur machen wollte, vorzeitig ab, legte aber bereits mit 22 Jahren den Grundstein für seine heutige Unternehmensgruppe namens Signa. Die hat inzwischen nach eigenen Angaben rund 4,5 Milliarden Euro in Immobilien gesteckt, unter anderem in Deutschland. So gehört Benko das Gebäude der Deutschen Börse in Frankfurt und – ausgerechnet – jene Immobilie in München, in der Berggruen mit dem Karstadt-Edelhaus Oberpollinger zur Miete gastiert. Man kennt sich also.

Was Benko besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit, Kontakte zu schließen. Er versteht es, Menschen mit Rang und Namen für sich zu gewinnen. Im Beirat seiner Holding sitzt Österreichs Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer – und demnächst auch der frühere Chef von Porsche: Wendelin Wiedeking. Der wiederum kennt den ehemaligen Mercedes-Manager und heutigen Metro-Chef Cordes gut. Man schätzt sich aus alten Tagen in Stuttgart – und trifft sich ab und zu. Auf diese Weise soll auch der Kontakt zu Benko geknüpft worden sein. An dessen Firma hält Wiedeking selbst einen Anteil; in welcher Höhe, ist nicht bekannt.

Mit von der Partie bei Signa ist außerdem ein Investor, der wohl lieber im Hintergrund geblieben wäre: der griechische Reeder George Economou. Er gilt als vermögend und ist stets auf der Suche nach lukrativen und sicheren Geldanlagen. Ende 2009 stieg er bei Signa ein. Heute hält er fast die Hälfte der Gesellschaftsanteile.