Auch in diesem Jahr wurden wieder Versuchsfelder mit gentechnisch veränderten Pflanzen zerstört. Obwohl die Täter erstmals Menschen mit Gewalt bedrohten, ist nach allen Erfahrungen höchstens mit Bagatellstrafen zu rechnen. Das Klima in der Gentechnikdebatte ist aggressiver geworden, die Vorurteile der Technik gegenüber gefestigter. Bei den beteiligten Forschern und Unternehmen macht sich Resignation breit. Dabei spielt ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts eine gewichtige Rolle: Es hat vor einem Jahr, am 24. November 2010, in einer rechtlichen Prüfung des Gentechnikgesetzes dessen Vorschriften für materiell verfassungsgemäß erklärt.

Damit bleiben Regelungen in Kraft, die es in Deutschland de facto unmöglich machen, mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen im Freiland zu arbeiten. Im Ergebnis überrascht das Urteil nicht, spiegelt es doch die gängige Einstellung der Bevölkerung wider. Mich als Wissenschaftler überrascht jedoch, dass nach der Bevölkerung und der Politik nun auch das Verfassungsgericht den Sirenentönen der Ideologen erlegen zu sein scheint.

Sprache und Gedankenführung der Urteilsbegründung richten sich nämlich allein an der Ausdrucksweise der Gentechnikgegner aus. Die Richter sprechen von »Eingriffen in die elementaren Strukturen des Lebens, deren Folgen sich, wenn überhaupt, nur schwer wieder rückgängig machen ließen«. Die Ausbreitung einmal in die Umwelt ausgebrachten gentechnisch veränderten Materials sei nur schwer oder gar nicht begrenzbar. Das Gericht scheint der Ansicht zu sein, dass die gentechnische Veränderung an sich ein Risiko darstellt, vor dem sich die Gesellschaft schützen muss.

Der Gesetzgeber treibt die Forscher und ihr Wissen aus dem Land

Welches Risiko könnte das sein? Was wäre der GAU der Grünen Gentechnik? Eine Art Superunkraut, das die Welt überwuchert? Eine Störung des natürlichen Gleichgewichts? Die Verbreitung von Genen zwischen Nutzpflanzen und anderen Pflanzen? Das Auftreten unbekannter Allergien? All das und vieles mehr ist in Hunderten von Umweltverträglichkeitsprüfungen intensiv untersucht worden, ohne dass es bisher einen einzigen ernst zu nehmenden Hinweis darauf gibt, von gentechnisch veränderten Pflanzen gingen besondere Risiken für Mensch und Umwelt aus.