Andreas Baum, Fraktionsvorsitzender der Berliner Piratenpartei © John MacDougall/AFP/Getty Images

Berliner Abgeordnetenhaus: die Tür zum Sitzungssaal Nummer 109. In zwei Tagen, am 26. Oktober, beginnt die offizielle Amtszeit der am 18. September mit 8,9 Prozent sensationell ins Berliner Stadtparlament gewählten Piraten . Bundesweit steht die Partei bei 10 Prozent – das ist die viertstärkste politische Kraft nach den Grünen, vor den Linken und der FDP. Mit Andreas Baum haben die Berliner Piraten einen Fraktionsvorsitzenden, den man sympathisch finden muss – es geht wirklich nicht anders: Er sieht wie eine 2011-Mischung aus Rudi Dutschke, Telekom-Kundenberater und englischem Gitarrenpop aus. Bisschen schwierig ist, dass das Programm der Piraten in den Köpfen ihrer potenziellen Wähler reichlich konfus ist (»irgendwas mit Internet und mit Transparenz«) – aber auch das macht ja vor allem gute Laune. Die wunderbare Aura des Offenen, Unbekümmerten, Angstlosen, des Noch-nicht-Zugenagelten, des Uneffizienten, des Unprofessionellen: Man kann als vom Blah des deutschen Politikbetriebs ganz normal total Gequälter ja gar nicht genug von dieser Art kriegen. Legendär ist heute Baums Antwort auf die Frage eines Fernsehreporters, wie viel Schulden Berlin habe (»Viele, viele Millionen«; seither weiß ganz Deutschland, dass Berlin über 63 Milliarden Euro Schulden hat). Dass es sich bei den Piraten nicht einfach um eine neue Partei, sondern um eine neue Kultur, einen neuen Politikstil handelt, war in dem Moment klar, als der frisch gewählte Vorsitzende auf die Frage der ARD-Wahlstudio-Interviewerin mit den immer klugen, immer richtigen Worten »Keine Ahnung« antwortete und dazu sein entwaffnendes Lächeln aufsetzte. Der Vorsitzende kommt mit dem piratigen Viertelstündchen Verspätung: Rucksack, Trainingsjacke, Turnschuhe. Er ist angenehm groß. Saal Nummer 109 ist von debattierenden Parteikollegen besetzt, die neuen Räume, die den Piraten zustehen, hat die abgewählte FDP noch nicht geräumt. Wir sitzen also im Flur des Abgeordnetenhauses auf sehr hässlichen roten Ledersesseln. Dauernd kommen Anzugmenschen vorbei, gucken, grüßen: Wenn das kein transparenter Ort für ein Interview ist. Er wirkt vollkommen unaufgeregt. Ja, es waren viele Interviews in den letzten Wochen.

ZEITmagazin: BlackBerry oder iPhone?

Andreas Baum: iPhone.

ZEITmagazin: Haschisch oder Beck’s-Bier?

Baum: Beck’s.

ZEITmagazin: Geld verdienen oder Gutes tun?

Baum: Gutes tun.

Wie bei vielen zugezogenen Berlinern glaubt man bei ihm ein leichtes Berlinerisch zu hören: 2003 zog Baum, geboren und aufgewachsen in Kassel, 25-jährig nach Berlin. Man kennt sein Gesicht vielleicht aus der Zeitung, aber weiß doch praktisch noch nichts von ihm: Die folgenden Fragen sollen die Silhouette seiner Person in die Luft schießen.

ZEITmagazin: Ihre Augenfarbe?

Baum: Graugrün. Nein, braungrün, so rum war’s.