PersonenrätselLebensgeschichte

Mit 63 Jahren denken ja viele schon gern an den Vorruhestand. Nichts für ihn, ganz im Gegenteil, und das hat er zeitig angekündigt: »Arbeiten will ich bis zum 71. Lebensjahr... Aber wenn mich... (bestimmte Leute, F.D.) noch einmal ärgern, verlängere ich bis 75.« Gesagt, getan. In seinem siebten Lebensjahrzehnt drehte er geradezu turbomäßig auf und bewies damit allen, dass er noch lange nicht ins Reservistenlager gehört. Auch wenn sich manche hinterher beschwerten: Das, was er zu bieten habe, sei doch irgendwie ziemlich altmodisch. Schon allein diese Prinzipien, an denen er seit eh und je festhält und die da lauten: Sei fleißig. Sei diszipliniert und pünktlich. Sei du selbst. Und auch: Nichts ist unmöglich.

Ja, gut, ein Trendsetter war er nie. Dazu ist er zu bodenständig, schon von der Herkunft her, klassisches Arbeitermilieu, als Kind spielt er im Hinterhof. Aber vielleicht hat er ja recht, vielleicht wird in seinem Metier auch einfach zu viel »Kokolores« erzählt, auf den man gut verzichten kann: »Was vorher und nachher an Werten ermittelt und was gequatscht wird, ist absolut sekundär.« Denn letztlich zählt eben doch nur eins: dass man im entscheidenden Moment alles richtig macht. Und falls der Weg dahin holprig und nicht immer schön anzusehen war – egal, das gute Ergebnis zählt. Und das hat er, bis auf wenige Ausnahmen, all die Jahre eingefahren.

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Da waren zum Beispiel welche, die hatte man schon komplett abgeschrieben. Doch dann kam er, sprach ihnen neuen Mut zu, und eines Tages hatten sie alle anderen abgehängt. Und so lief es auch bei seinem letzten großen Coup, für den ihn Millionen Leute feierten: Nicht von null auf hundert ging es da innerhalb von neun Jahren, aber – immerhin – von 66 auf 10, wie er stolz verkündete: »Früher hat hier jeder gemacht, was er wollte. Jetzt macht jeder das, was er kann.« Sein großes Kunststück. Und doch auch: Geduld. Fleiß. Handwerk. Kein Zufall, als junger Mann verdiente er sein Geld als Maler und Anstreicher, bevor er sein Hobby zum Traumberuf machen konnte.

Erst in letzter Zeit ist es nun doch ruhiger geworden um den Mann, der sich selber als »wandelnden Vulkan« und »Feuerkopf« bezeichnet hat. Wer ihn treffen möchte, geht am besten frühstücken in der Stadt, in der er geboren wurde, aufwuchs, erste Erfolge erlebte und bis heute meistens wohnt. Da sitzt er mit seiner Frau, mit der er in absehbarer Zeit goldene Hochzeit feiern wird, in seinem Stammcafé und liest sich, vermutlich grantelnd, durch die Tagespresse. Seine Gattin soll übrigens die Einzige sein, deren Kritik er annimmt. Sie habe ihn immer kritisiert, aber konstruktiv, sie habe ihn aber auch immer verteidigt, erzählt er gern: »Sie sagt mir alles, übrigens auch, ohne mich zu fragen.« Eine schöne Vorstellung: das Urgestein, der Brausekopf, von einer Frau mit sanfter Hand gezähmt. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 45:

Victoria Kaiserin Friedrich (1840 bis 1901) war die älteste Tochter Queen Victorias. Prinz Albert war überzeugter Liberaler und suchte über die Heirat der Princess Royal mit dem späteren Kronprinzen Friedrich Wilhelm den Liberalismus in Preußen zu stärken. Dessen Vater Wilhelm I. hatte die Revolution 1848/49 niedergeschlagen. 1862, nach einer parlamentarischen Niederlage, wollte er abdanken, Friedrich Wilhelm nahm die Abdankung jedoch nicht an. Victorias Erzfeind Bismarck regierte fortan mit Notverordnungen und stellte das Kronprinzenpaar politisch kalt. Als Friedrich Wilhelm 1888 die Nachfolge seines Vaters antrat, war er schon todkrank und starb nach 99 Tagen. Ihr Sohn Wilhelm II. verdrängte sie aus Potsdam, sie zog sich nach Kronberg zurück

 
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