Erbschleicherei Der Notar kommt noch schnell ins Krankenhaus
Fragen an die Münchner Ordensschwester Maria Bernadette Brommer, die ein Buch über Erbschleicher geschrieben hat.
DIE ZEIT: Man hört viel von der Erbengeneration. Gibt es auch eine Generation der Erbschleicher?
Schwester Bernadette: Das Phänomen wird unterschätzt. Die Leute werden immer älter, viele leben allein in ihrer Wohnung, sind auf fremde Hilfe angewiesen. Viele haben Vermögen. Das ist ideal für Erbschleicher. Die meisten Fälle kommen nie an die Öffentlichkeit, weil sie juristisch schwer greifbar sind.
ZEIT: Was genau fällt unter Erbschleicherei?
Schwester Bernadette: Wenn jemand auf unlautere Weise an einen Nachlass herankommen und andere mögliche Erben ausschalten will.
ZEIT: Wie kamen Sie auf dieses Thema?
Schwester Bernadette: Ich habe bei meiner seelsorgerischen Arbeit in einer Münchner Pfarrei eine sehr selbstbewusste ältere Dame kennengelernt. Sie hatte eine schwere Lungenkrankheit, ließ sich aber nicht unterkriegen. Und sie hatte ein großes Netz an Freunden und Verwandten. Ihre nächsten Angehörigen, Mann und Sohn, waren allerdings schon verstorben.
ZEIT: Wer wollte dann an ihr Geld?
Schwester Bernadette: Ein Mann Mitte 30, also viel jünger als sie. Er tauchte plötzlich in ihrem Leben auf. Sie veränderte sich, brach den Kontakt zu ihren Freunden und Angehörigen ab, ging nicht mehr ans Telefon, öffnete nicht mal ihre Post. Nur zu mir hielt sie Kontakt. Was der Mann im Schilde führte, kam erst heraus, als sie gestorben war. Da erfuhren wir, dass er ins Krankenhaus einen Notar mitgenommen hatte, um noch schnell alles beurkunden zu lassen. Sie war noch nicht unter der Erde, als er schon die Wohnung ausräumte und ihre Habe in einen Container warf, Tagebücher, Fotos, alles. Es war furchtbar.
ZEIT: Wie konnte die Frau so auf ihn hereinfallen?
Schwester Bernadette: Das ist mir auch schleierhaft. Sie war eigentlich überaus vorsichtig, las jedes Formular x-mal durch, ehe sie unterschrieb. Aber diesem völlig fremden Menschen, der sich in ihr Leben gedrängt hatte, schenkte sie ihr Vertrauen.
- Datum 12.11.2011 - 14:02 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.11.2011 Nr. 46
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ist das natürlich so unsäglich schäbig, menschenverachtend und moralisch am Abgrund. Auf der anderen Seite bin ich immer wieder von der Bosheit, Skrupellosigkeit und Gemeinheit der Menschen fasziniert. Weil mir diese dunkle Gedankenlosigkeit gegenüber anderen so fern liegt.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Beiträge. Danke, die Redaktion/jz
Hm, ob das mit den Schläuchen tatsächlich so gewesen ist.......
Aber dennoch, das ist doch keine Überraschung und spiegelt nur das reale Leben wie es schon vor 1000 Jahren war und wie es auch in 1000 Jahren noch sein wird. Menschliche Eigenschaften und Charakterzüge wie Eifersucht, Neid, Gier, Geiz, Eitelkeit, Egoismus usw. lassen sich eben nicht abschaffen, auch wenn sie nicht immer political korrekt sind. Andererseits, wer gibt schon zu, dass er z.B. gierig oder neidisch ist. Da hilft eben nur Tarnen und Täuschen........
In vielen Familien gibt es z.B Erbstreitigkeiten. Und Erbschleicherei ist sicher auch kein Einzelfall. Die mittelfristigen Chancen für solche Leute stehen natürlich gut, da es die nächsten Jahrzehnte eben viele, vermögende oft alleinstehende ältere Leute gibt.
Wie kann die Frau darauf reinfallen? Obwohl sie so vorsichtig war? Beziehungen zwischen Menschen sind zumeist emotionale Angelegenheiten, keine rationalen wie Formulare.
Und es gibt Menschen, die ein besonderes Gespür für die tiefen Bedürfnisse anderer Menschen haben, und eine besondere Skrupellosigkeit, sie zu manipulieren und diese Sehnsüchte zum eigenen Vorteil auszunutzen, den Anderen abhängig zu machen.
Die planmäßige Isolierung und Unterminierung anderer sozialer Kontakte ist ein wichtiger Baustein dieser Strategie. Wenn so etwas passiert, sollten bei Freunden und Verwandten die Alarmglocken läuten.
Ob das noch etwas bringt, ist die zweite Frage, denn der Erbschleicher bringt sein Opfer dazu, die eigene Perspektive zu übernehmen und die Menschen, die helfen wollen, als Störenfriede wahrzunehmen, die dem "Glück" im Wege stehen. Schäbig.
...und sehr, sehr wichtig. Er gibt Einblicke in Mechanismen, die man viel genauer "durchleuchten " sollte!
...und sehr, sehr wichtig. Er gibt Einblicke in Mechanismen, die man viel genauer "durchleuchten " sollte!
pikant ist es schon, wenn eine katholische Ordensschwester von Erbschleicherei redet.
Wenn natürlich die katholische Kirche oder deren Orden sich Erbschaften zu Lasten von Waisen und Witwen unter den Nagel reissen, ist es was anderes, es dient ja dem Seelenheil des Verblichenen, der ewiger Verdammnis entgehen wollte.
Als Gegenleistung werden dem ja im Sammelkontingent für die nächsten 100 Jahre Messen gelesen. Damit sammelte die Kirche im Laufe der Jahrhunderte riesige Vermögenswerte an.
Matthäus 23. Kapitel 14. Vers: "Weh' euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Häuser der Witwen fresset für die langen Gebete, die ihr verrichtet! Ihr werdet nur umso schwerer ins Gericht kommen". = "Wort des lebendigen Gottes", wie es nach der Lesung der Evangelien in der Messe so schön heisst.
...und sehr, sehr wichtig. Er gibt Einblicke in Mechanismen, die man viel genauer "durchleuchten " sollte!
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