Dieter Zetsche posiert auf der IAA in Frankfurt neben einer Mercedes-Konzeptstudie mit dem Namen F125. © Thomas Kienzle/AFP/Getty Images

Autos haben im Leben von Peter S. immer eine besondere Rolle gespielt. Sie sollen dem Beamten die tägliche Pendelei zum Dienstort versüßen und auch bei den Tenniskumpeln oder der Mountainbikegruppe ein bisschen Eindruck schinden. Vor drei Jahren schien der Höhepunkt seiner Autoleidenschaft erreicht. Der Mittfünfziger leistete sich einen Jahreswagen der Aufsteigermarke der vergangenen Jahre: ein Audi A5 Coupé, das gerade als ultimativer Ausdruck modernen deutschen Autodesigns gefeiert wurde.

Jetzt tauschte der bekennende Autonarr seinen schwarzen Audi erneut gegen einen Jahreswagen ein: einen silbernen Mercedes der C-Klasse. »Vor drei Jahren hätte ich mir das noch nicht vorstellen können«, sagt der sportliche Schwabe. Zu konservativ sei die Marke mit dem Stern dahergekommen.

Peter S. könnte mal wieder im Trend liegen. Galten die Modelle mit dem Stern bis vor Kurzem eher als Autos für den biederen deutschen »Fahrer mit Hut und Mantel«, so wandelt sich das Bild in jüngster Zeit rapide. Gerade kürten 23.000 Leser von auto motor und sport »die schönsten Autos 2011«, und mit 67,6 Prozent erhielt das Design der Mercedes C-Klasse die mit Abstand höchste Zustimmung über alle Fahrzeugkategorien hinweg. Und nicht nur das Mittelklasseauto der Stuttgarter traf den Geschmack der autobegeisterten Leserschaft, auch in der Oberklasse mit dem schnittigen CLS Coupé und dem Supersportwagen SLS Roadster lagen die Schwaben vor Audi und BMW.

Solche Indizien eines Imagewandels kommen Dieter Zetsche zupass, hat sich der Daimler-Chef mit seinen jüngsten Ankündigungen für Stuttgarter Verhältnisse doch weit vorgewagt. Mehrfach wurden die Absatzziele nach oben gesetzt. Aus knapp 1,2 Millionen weltweit verkauften Mercedes-Benz-Pkw im vergangenen Jahr sollen 2014 schon 1,5 Millionen werden. »Wir wollen die Nummer eins der Premiumhersteller sein – bei Produkt, Marke, Profitabilität und Absatz«, tönte Zetsche im September auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. 2020 soll es so weit sein, spätestens. Als »Premiumhersteller« sehen sich alle drei, Mercedes, BMW und Audi. Schon weil sie dank ihres über Jahrzehnte erarbeiteten Images für ihre technisch hoch gerüsteten Fahrzeuge höhere Preise als etwa Ford oder Opel nehmen können.

Nur geriet Mercedes nach und nach ins Hintertreffen. Im Jahre 2005 hatte BMW die Stuttgarter beim Absatz überholt, und am Ende dieses Jahres dürfte Mercedes sogar den zweiten Rang an den Aufsteiger Audi verlieren.

Woher nimmt Dieter Zetsche also seinen Optimismus?

Für Joachim Schmidt, der weltweit den Vertrieb und das Marketing von Mercedes-Benz leitet, ist der Wiederaufstieg völlig logisch. Drei Faktoren stimmen den erfahrenen Haudegen optimistisch: Mercedes habe eine sportlich-elegante Designlinie gefunden, bringe in den kommenden Jahren zehn neue Modelle heraus, für die es bislang keinen Vorgänger gegeben habe. Beides zusammen motiviere die gesamte Mannschaft. Schmidt: »Wir sind zurück in der Erfolgsspur.«