Autoindustrie Mercedes beißt zurück
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Technisch brauchen sich die Schwaben nicht zu verstecken

Der Einstieg in die Mercedes-Welt, die bisherigen Modelle der A- und die B-Klasse sind praktische Familienkutschen, die mit ihrer hohen Sitzposition eher ältere Semester ansprechen. Aus den zwei Modellen sollen jetzt fünf mit völlig unterschiedlichen Karosserievarianten werden. Vier davon zielen auf die jüngere Kundschaft, die es gern sportlich-dynamisch mag. Unter ihnen sind ein schnittiges Coupé und ein kleiner Geländewagen. Nur die gerade neu gestartete B-Klasse soll die konservative Stammkundschaft halten. Um den erwarteten Zuwachs zu bewältigen, hat Daimler eigens ein neues Werk in Ungarn errichtet.

Die kommenden Modelle haben von der Motorpresse tatsächlich kräftig Vorschusslorbeeren bekommen. Die kleinsten Mercedes werden die schärfsten sein, titelte etwa Auto Bild. Und auto motor und sport lobte: Mercedes greift BMW an.

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Mit der Produktoffensive komme man »sportlicher, moderner, flotter und frischer daher«, verspricht auch Mercedes-Manager Schmidt. Und das zumindest bei den Einstiegsmodellen für weniger Geld. Vorbei sein sollen die Zeiten, in denen sich jüngere Stern-Fans nur einen gebrauchten Daimler leisten konnten. »Die Gebrauchtwagenkäufer sind im Schnitt circa zehn Jahre jünger als die Neuwagenkäufer«, sagt Schmidt. Die kann er nun locken.

Die »scharfe« neue A-Klasse wird es aber frühestens Mitte 2012 zu kaufen geben. Dass das Image der Marke sich verändert, muss also noch andere Gründe haben. Zum einen hat Mercedes mit neuen Spitzenmodellen wie dem 571-PS-Monster SLS, der an die Designikone 300 SL (»Flügeltürer«) der Fünfziger erinnert, neue Gefühle bei den Autofans geweckt, zum anderen haben die Stuttgarter die Pioniertat von Carl Benz, der vor 125 Jahren das erste Benzinauto patentieren ließ, mit viel Aufwand und Werbemillionen zur Imagepolitur genutzt.

Technisch brauchen sich die Schwaben ohnehin nicht zu verstecken. »Mercedes ist die weltweit innovativste Automobilmarke«, stellte Professor Stefan Bratzel vom Center Automotive Research in Bergisch Gladbach unlängst in seiner Studie AutomotiveInnovations 2011 fest, knapp vor VW, aber deutlich vor BMW und Audi. »Das Potenzial müssen sie aber auch nutzen«, mahnt Bratzel an. Noch lägen Audi und auch BMW bei jüngeren Autointeressierten vorn, doch Mercedes habe gerade in jüngster Zeit überraschend stark aufgeholt, weiß Bratzel aus seinen aktuellen Umfragen.

»Aber die jüngere Generation kommt nicht spontan zu uns ins Autohaus«, sagt der süddeutsche Mercedes-Händler, »wir müssen mit den Autos zu den Leuten.« Auf Sportveranstaltungen, Kulturevents und Modenschauen beispielsweise. Schon jetzt funken die Mercedes-Strategen auf allen Kanälen, auf denen sie die Autohausmuffel zu erreichen glauben, auf Sozialen Netzwerken wie Facebook & Co etwa. Konzernchef Zetsche geht mit gutem Beispiel voran. Zum Start des neuen Portals in Google+ tritt er in einem Video persönlich als Botschafter der verjüngten Mercedes-Welt auf, ohne Jackett und mit offenem Hemdkragen.

Auf diesen Kanälen tummeln sich auch BMW und Audi. »Wir müssen die Offensive der Stuttgarter ernst nehmen«, sagt ein BMW-Manager, »aber auch wir haben etliche Pfeile im Köcher.« Ohnehin halten die Münchner wie auch ihre Nachbarn von Audi in Ingolstadt ebenfalls den Anspruch aufrecht, der Erste unter den Premiumherstellern zu sein.

»Der Wettbewerb untereinander hat bislang alle drei deutschen Hersteller vorangebracht«, stellt Mercedes-Chefverkäufer Schmidt fest. Wer einen Führungsanspruch erhebe, müsse am Ende auch die meisten Autos verkaufen, räumt Konzernchef Zetsche ein. Er kennt das Risiko seiner ehrgeizigen Ankündigungen. Wenn er nicht liefert, könnte der Mercedes-Chef ziemlich alt aussehen.

 
Leser-Kommentare
  1. sogar ein Verlust (also von Platz 1 auf 3) als etwas gutes zu verkaufen. Gratuliere Herr Zetsche, gut aufgepasst im Seminar - nur was machen wir mit der Praxis?

    • xylant
    • 20.11.2011 um 11:39 Uhr

    In 10-20 Jahren ... vielleicht haben wir auch noch 1-2 Jahrzehnte mehr - hat sich das mit den Autos dank genügend Krisen eh erledigt...

    • rvn
    • 20.11.2011 um 11:44 Uhr

    wofür brauche ich das? Der Autoindustrie wird es bald schlecht ergehen, weil diese Ressourcenverschwendung für die Menschheit einfach nicht mehr tragbar ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sofern ich das für Deutschland beurteilen kann, wird es ganz bestimmt nicht "bald schlecht ergehen". Jedenfalls nicht, so lange es günstiger ist, ein Auto zu unterhalten, als den Fernverkehr der Bahn zu nutzen.

    sofern ich das für Deutschland beurteilen kann, wird es ganz bestimmt nicht "bald schlecht ergehen". Jedenfalls nicht, so lange es günstiger ist, ein Auto zu unterhalten, als den Fernverkehr der Bahn zu nutzen.

  2. Genau da sehe ich ein Imageproblem von Mercedes.

    Kindergarten und Premium, das ist schwer unter einen Hut zu bringen.

  3. Klar, gegenüber einem durchschnittlichen Mercedes-Kunden (56!) wirkt so ein 51-jähriger Audi-Käufer schon verdammt jung!
    Grundsätzlich scheint das wohl zu bedeuten, dass sich ein gut verdienender Mitte-dreißiger so einen Wagen kaum noch leisten kann oder will. Das mag zum Teil daran liegen, dass man noch am Anfang seiner Karriere ist, aber vielleicht auch daran, dass diese Generation durchschnittlich wesentlich weniger verdienen wird. Eine Frage wäre auch, ob das Zeitalter des Automobils als Statussymbol - in Europa - nicht generell seinem Ende entgegensieht, und ob man sich heute nicht lieber einen kleinen schicken Wagen kauft, und mehr in andere Staussymbole - Wohnung, Technologie und Design- investiert.
    Ein weiteres Problem ist, dass es in den Metropolen des 21. Jahrhunderts immer weniger Platz für diese riesige Schlitten geben wird. Nur "schärferes Design" wird da nicht langen.

  4. Ohne gehässig sein zu wollen: Dieser Herr mit seinem Schnurrbart wirkt irgendwie ulkig, wenn er das allgegenwärtige Mantra jung/sportlich/elegant predigt.
    Im Übrigen ist es schon bezeichnend, wenn gerade Daimler vor 10 Jahren das Zukunftspotenzial von hochpreisigen Autos unterschätzt hat, wie aus dem Text hervorgeht. Wenn sie sich bloß nicht diesmal in die andere Richtung verschätzen...

  5. Warum bringt Mercedes nicht mal Schönheiten, wie das Auto auf dem Bild auf den Markt?

    Aber NEIN, wir müssen mit großen Klötzen leben...

  6. Die Bemühungen unter Reuther eine Welt AG zu gründen und der Chrysler Irrweg haben die Konzentartion auf das Kerngeschäft gestört. Im Markenranking ist Mercedes-Benz aus den Top 10 ins Niemandsland gerutscht. Viel schlimmer ist der Verlust der Identität. Die Mitarbeiter brauchen Idendität zur Orientierung. Wo früher jeder - ich betone jeder - Daimler-Benz Mitarbeiter aus dem Stand eine flammende Rede auf seinen Arbeitgeber gehalten hätte, hört man heute nur noch Gejammer. Es war früher eine Ehre für Mercedes-Benz zu arbeiten. Heute ist die Daimler AG ein beliebiger Arbeitgeber. So beliebig und austauschbar wie die Produkte. Ein bisschen am Design schrauben bringt noch lange nicht das Verlorene zurück.

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