Frankreich Einer, der aus der Rolle fällt
Nicolas Sarkozy ist eitel, verletzend und von Ehrgeiz zerfressen – passt das zu einem Staatsmann? Immerhin half Frankreichs Präsident, Libyen zu befreien. Jetzt will er den Euro retten. Wiedergewählt werden will er sowieso. Ein Psychogramm
© Eric Feferberg-Pool/Getty Images

Nicolas Sarkozy
Dieser Mann hat sich nicht im Griff. Das ist sein Problem, eigentlich. Aber nicht nur seins. Denn dieser Nicolas Sarkozy ist ja kein Herr Irgendwer, der seine Gedanken nicht verbergen und seine Gefühle nicht kontrollieren kann. Er ist der Staatschef Frankreichs, einer Atommacht, einer Kriegsmacht, einer der großen Wirtschaftsmächte Europas. Mit der Nato hat er den libyschen Diktator Muammar al-Gadhafi gestürzt, mit den Deutschen will er den Euro retten – und den britischen Premierminister David Cameron schnauzte er neulich auf dem EU-Gipfel mit den Worten an: »Sie haben eine gute Gelegenheit verpasst, einfach mal die Klappe zu halten!« Und weiter: »Wir sind es leid, dass Sie uns dauernd kritisieren und sagen, was wir tun sollen. Sie hassen den Euro. Und jetzt wollen Sie sich in unsere Sitzungen einmischen?« Die Briten bezahlen bekanntlich mit Pfund.
Cameron war entsetzt – aber halb Europa frohlockte, weil da einer in seiner Wut die Wahrheit sprach. Wieder einmal hatte sich Sarkozy nicht im Griff, nicht seine Worte und auch nicht sein Gesicht, das ein Spiegel seiner Seele ist: nie entspannt, immer in grimassierender Verzerrung. Eine Katastrophe für seine Diplomaten. Ein Fest für die Fotografen. Ein furioses Faszinosum zwischen den blickdichten Mienen der Politiker, wo und wann immer sie sich zu einem Gruppenfoto aufstellen.
Nicolas Sarkozys größtes Problem macht auch seinen stärksten Reiz aus.
Wer ist dieser Mann – ein Getriebener oder ein Antreiber? Selten in Europas Nachkriegsgeschichte hat ein Politiker für so viel Wirbel gesorgt wie Sarkozy, 56, und auch Vertrauten ist nicht immer klar, ob mit Absicht oder aus Versehen, ob als Visionär oder Zappelphilipp. Im nächsten Frühjahr will Sarkozy wiedergewählt werden. Obwohl sich im Moment nur noch ein knappes Drittel der Franzosen in Umfragen zum derzeitigen Präsidenten bekennt, ist ihm das sogar zuzutrauen.
Obwohl er so ist, wie er ist? Oder weil?
Erst ein Vierteljahr ist es her, dass Frankreichs Staatschef auf der Hochzeit des monegassischen Fürsten Albert beleidigt das Abendessen schwänzte, weil er sich am Hof nicht ausreichend beachtet fühlte. Als ihn die PR-Chefin des Palastes bat, wenigstens noch eine halbe Stunde zu warten, bis das Foto mit allen Gästen gemacht werde, blaffte Sarkozy sie nach einem Bericht des Wochenblatts Le Canard enchaîné mit den Worten an: »Mir ist seit zwei Stunden scheißlangweilig in dieser Affenhitze, es reicht. Dieser Zirkus ist nicht mein Ding. Das ist was für kleine Mädchen!«
Mag sein, dass er recht hatte. Aber handelte er deshalb richtig? Sarkozy sei »psychologisch in der Adoleszenz stecken geblieben«, sagt ein Politiker, der ihn aus der Nähe kennt.
So ein Präsident ist eine Neuheit in der Geschichte der Fünften Republik. Ihr Gründer Charles de Gaulle, sein Nachfolger Pompidou, später Giscard, Mitterrand, Chirac, sie alle konnten hochmütig sein, aber Sarkozy ist anders.
Als im August 2008 zehn französische Soldaten starben, es geschah während einer Patrouille nahe Kabul, reiste der Präsident tags darauf nach Afghanistan. In einer Ansprache vor der Truppe bekräftigte er mit düsterer Miene den französischen Kriegseinsatz und sagte: »Wenn man es noch einmal tun müsste, ich würde es wieder tun...« – da brach plötzlich ein Grinsen über ihn herein – »äh, nicht die Patrouille...« Und Sarkozy lachte trocken auf. Entsetzen malte sich auf die Gesichter der Umstehenden.
Was war geschehen? Etwas war an die Oberfläche durchgebrochen. In den Worten Sigmund Freuds: »unvollkommen unterdrücktes psychisches Material«. Sarkozy wollte nicht, er musste einen Witz machen. Warum, das zeigte der folgende Tag.
Vom Blitzbesuch im Kriegsgebiet zurückgekehrt, hielt der Präsident im Ehrenhof des Pariser Invalidendoms die Trauerrede. Angehörige weinten, ein Soldat brach zitternd zusammen. Sarkozy blickte auf die Särge vor sich: »Ich will sagen, vor euren Familien, dass in diesem Moment, da ich zu euch spreche, ich noch niemals ermessen habe, was die Einsamkeit eines Staatschefs angesichts der Entscheidungen sein kann, die er auf sich nehmen muss.« Was fällt auf, abgesehen von der verqueren Grammatik? Genau: Ich. Ich. Ich.
Ein Ich, das, wenn es sich verneigen müsste, sich stattdessen aufreckt. Und wenn es mit einem Witz ist.
»Er hat sich geändert«, schnurrte seine Ehefrau Carla Bruni Anfang September in einem Fernsehinterview. »Er ist älter geworden, reifer.« Ganz im Sinn der Propaganda, die der Élysée-Palast, der Amtssitz des Präsidenten, seit einem Jahr betreibt. »Völliger Quatsch«, meint jemand, der auf eine mehr als dreißigjährige Zusammenarbeit mit Sarkozy zurückblickt: »Sarko ist genauso selbstverliebt, bösartig und unreif wie eh und je.«
Sarkozy hat den Code des Politischen verändert. Im Frühjahr 2007 war er mit dem Versprechen eines »Bruchs« angetreten, ausdrücklich. Der Kandidat hatte angekündigt, Frankreichs aus Selbstzufriedenheit, Beamtenherrlichkeit und Veränderungsangst gespeiste Reformverweigerung frontal zu attackieren und mit ihr alle, die sich bequem im Status quo eingerichtet hatten – Frankreichs große Staatskaste.
- Datum 21.11.2011 - 18:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.11.2011 Nr. 47
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Der Louis de Funes des 21. Jahrhunderts, leider ist die politische Landschaft zu ernst, sonst könnte man gut lachen, über diesen von Ehrgeiz getriebenen Menschen, aber als HB Männchen hätte er sicherlich Karriere gemacht
Aber er wird es nicht mehr lange bleiben,
Die Franzosen hat Ihn schon länger erkannt
und geholfen hat er Ihnen auch nicht
Meinen Sie das mit Bonsai-Napoleon?
http://media.economist.co...
Meinen Sie das mit Bonsai-Napoleon?
http://media.economist.co...
... einer in seiner Wut die Wahrheit sprach."
Das mag die Meinung des Schreibers sein. Ob sie so richtig ist, wie sie vorgetragen wird? Immerhin ist UK ein Nettozahler in der EU und hat damit gewisse Rechte. Auch bezahlt sie über die IWF für den Erhalt des Euro mit. Da scheint es nicht ganz richtig zu sein von "Wahrheit" zu sprechen. Vielleicht kann man von selektiver Wahrheit sprechen?
Für mich ist eine solche Aussage recht fragwürdig und benutzt eine Grundeinstellung der hiesigen Bevölkerung um emotional den Euro zu stützen. Das mag im Interesse des Autors sein. Es ist aber auch geeignet eine Störung der öffentlichen Ordnung vorzubereiten.
ist Rosinen picken. Die Subventionen z.B. für die Landwirtschaft voll abgreifen, für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, u.s.w.! In der Beitragszahlung ist man UK Mitte der 90er entgegengekommen. Nun will man sich um den Anteil des Rettungspakets, so gut wie es irgend geht, drücken. UK hat schon immer für sich eine Sonderrolle beansprucht und meistens auch bekommen. Wenn da ein Politiker, wie Mr. Sarkozy, der ohne wenn und aber zu Europa steht, mit nicht gerade schönen Worten, die Herrschaften von UK daran erinnert, daß auch sie ihr Schärflein dazu beizutragen haben. Was solls? Vielleicht haben die Briten es nun verstanden, wer weiß???
.... gut wie es irgend geht, drücken."
Können Sie erklären, wieso die UK für ein missglücktes Projekt einstehen soll, vor dem sie gewarnt hatten und daher nicht beitraten, weil es so evident schlecht gemacht war? Sie wollten das Risiko nicht haben und unterschrieben daher nicht.
Anders ist es mit Deutschland, das sehenden Auges beitrat. Man wusste, oder hätte wissen müssen, dass die Verträge substanzielle wirtschaftliche und finanzielle Risiken barg und unterschrieb.
Nun ist oder wird wahrgenommen, dass Deutschland unwillig ist die zur Rettung des Euro notwendigen Schmerzen zu tragen und bereit damit bereit ist dessen Überleben zu riskieren. Das bedeutet nicht, dass das Verhalten Deutschlands richtig oder falsch ist. Aber im Gegensatz zur UK hat man das Risiko genommen.
Dass aber nun die Leute hier wollen, dass die UK trotzdem zahlt? Ja, das ist verständlich. Gerechtfertigt ist es nicht und eine ziemliche Zumutung ist es zudem.
Auch ist zu bedenken, dass die Euroländer rechtlich nicht alles tun dürfen. Sie sind an die EU Verträge gebunden.
ist Rosinen picken. Die Subventionen z.B. für die Landwirtschaft voll abgreifen, für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, u.s.w.! In der Beitragszahlung ist man UK Mitte der 90er entgegengekommen. Nun will man sich um den Anteil des Rettungspakets, so gut wie es irgend geht, drücken. UK hat schon immer für sich eine Sonderrolle beansprucht und meistens auch bekommen. Wenn da ein Politiker, wie Mr. Sarkozy, der ohne wenn und aber zu Europa steht, mit nicht gerade schönen Worten, die Herrschaften von UK daran erinnert, daß auch sie ihr Schärflein dazu beizutragen haben. Was solls? Vielleicht haben die Briten es nun verstanden, wer weiß???
.... gut wie es irgend geht, drücken."
Können Sie erklären, wieso die UK für ein missglücktes Projekt einstehen soll, vor dem sie gewarnt hatten und daher nicht beitraten, weil es so evident schlecht gemacht war? Sie wollten das Risiko nicht haben und unterschrieben daher nicht.
Anders ist es mit Deutschland, das sehenden Auges beitrat. Man wusste, oder hätte wissen müssen, dass die Verträge substanzielle wirtschaftliche und finanzielle Risiken barg und unterschrieb.
Nun ist oder wird wahrgenommen, dass Deutschland unwillig ist die zur Rettung des Euro notwendigen Schmerzen zu tragen und bereit damit bereit ist dessen Überleben zu riskieren. Das bedeutet nicht, dass das Verhalten Deutschlands richtig oder falsch ist. Aber im Gegensatz zur UK hat man das Risiko genommen.
Dass aber nun die Leute hier wollen, dass die UK trotzdem zahlt? Ja, das ist verständlich. Gerechtfertigt ist es nicht und eine ziemliche Zumutung ist es zudem.
Auch ist zu bedenken, dass die Euroländer rechtlich nicht alles tun dürfen. Sie sind an die EU Verträge gebunden.
ist Rosinen picken. Die Subventionen z.B. für die Landwirtschaft voll abgreifen, für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, u.s.w.! In der Beitragszahlung ist man UK Mitte der 90er entgegengekommen. Nun will man sich um den Anteil des Rettungspakets, so gut wie es irgend geht, drücken. UK hat schon immer für sich eine Sonderrolle beansprucht und meistens auch bekommen. Wenn da ein Politiker, wie Mr. Sarkozy, der ohne wenn und aber zu Europa steht, mit nicht gerade schönen Worten, die Herrschaften von UK daran erinnert, daß auch sie ihr Schärflein dazu beizutragen haben. Was solls? Vielleicht haben die Briten es nun verstanden, wer weiß???
… der erst kürzlich zur Rettung des Euro eine Militärintervention in Griechenland forderte? … Link (noch ganz berauscht vom Libyen-Erfolg) Dieser Sarkoleon? (gut ein wenig übertrieben), aber immer wenn ich diesen allergrößten Zwerg Frankreichs sehe, erinnert es mich genau daran. Aber ich gestehe, als Unterhaltungskünstler würde ich ihn schon akzeptieren, weniger gerne als Präsidenten.
Die Toni Montanas kennen wir von der Schule, von der Uni, vom Arbeitsplatz.. Ein Glücksfall, dass der Widerpart Angela Merkel und nicht Toni "Schröder" Montana heisst, sonst gäbe es Dauerstress. Die Stärke von Toni Montana ist es, die günstige Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wo der Technokrat noch abwägt und die Chance wieder verschwindet. Toni Montana übernimmt Verantwortung und geht voran. Toni nervt, Toni ist ein Großmaul. Es gibt halt immer nur den ganzen Toni, mit Licht und Schatten.
Macher-Typen scheinen beim verkopften Bildungsbürgertum eine große Faszination auszuüben.
Dass diese Typen allerdings oft handeln ohne nachzudenken, scheint wohl keine Rolle zu spielen.
Dabei steht derjenige, der handelt ohne nachzudenken noch unter dem, der denkt ohne zu handeln.
Macher-Typen scheinen beim verkopften Bildungsbürgertum eine große Faszination auszuüben.
Dass diese Typen allerdings oft handeln ohne nachzudenken, scheint wohl keine Rolle zu spielen.
Dabei steht derjenige, der handelt ohne nachzudenken noch unter dem, der denkt ohne zu handeln.
Deutschland sollte mal zuerst im eigenen Bundeskanzleramt aufräumen. Merkel, die Instanz, die nie nichts sagt, ausser Floskeln.
Es ist wirklich schade mitanzusehen, wie Deutschland - wie so oft - bei eigenen Problemen einen Sündenbock sucht um mit dem Finger darauf zu zeigen.
Und ich möchte Sarko nicht mal in Schutz nehmen, im Gegenteil. Diese Rechts-Konservativen Liberal-Europäer haben alles verbockt.
Das ist richtig!
Sie sagt zu allem was:-)
>>Diese Rechts-Konservativen Liberal-Europäer<<
============================================================
Vielleicht sind es ja sogar Rechts-Links-Konservativ-Innovativ-Liberal-sozialistisch-extrem-Europäer.
Schlimmer kanns kaum noch werden, wie?
Das ist richtig!
Sie sagt zu allem was:-)
>>Diese Rechts-Konservativen Liberal-Europäer<<
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Vielleicht sind es ja sogar Rechts-Links-Konservativ-Innovativ-Liberal-sozialistisch-extrem-Europäer.
Schlimmer kanns kaum noch werden, wie?
also in der vita von herrn n.s. gibt es keinen hinweis, dass er zum thema finanz- und volkswirtschaft sooo richtig weiß, wovon er spricht (so man das von anderen themen ggf. auch vermuten kann)?! ?!
für bibel-feste leser oder ggf. zum googlen:
=> Lukas 23,34
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