"Sarkozy ist in einer verzweifelten Situation"
Dann geht es weiter nach Châteauneuf-du-Pape, noch ein Weinort. In einer Halle warten tausend Bürger. Podiumsdiskussion. Sarkozy knickt nicht ein: »Erst wollten Sie, dass wir die Sozialabgaben für Saisonarbeiter streichen. Haben wir gemacht. Jetzt fordern Sie das Gleiche für die Festangestellten – wegen der Égalité, was?« Gelächter im Saal, er hat die Winzer ertappt. Alles läuft gut für ihn, bis er am Schluss tönt: »Die Gelegenheit hatten Sie bestimmt noch nie, was, zwei Stunden lang mit einem Präsidenten der Republik über Agrarpolitik zu reden, oder?«
Diese vermaledeite Angeberei verdirbt seine besten Momente.
Anfang September, der Präsident ist wieder auf dem Land unterwegs. Er besucht eine Spedition und kommt ohne Umschweife auf den Punkt: Der ökologische Umbau verlange eine Verkehrspolitik, die nicht nur Autos und Straßen kennt. Die demografische Entwicklung wiederum habe die Anhebung des Renteneintrittsalters nötig gemacht. Das ist echter Sarkozy: Sorry, Leute, geht nicht anders. Ist mein Job. Einer muss ihn machen.
Anschließend Mittagessen mit Truckern. Große Portionen auf den Tellern, Sarkozy begnügt sich mit Eiskaffee.
Er hat ein Problem: Die Arbeiterklasse ist ihm flöten gegangen. Um zu verhindern, dass sie den rechtsradikalen Front National wählt, hatte er im vergangenen Jahr versucht, dessen Themen zu kapern. Kündigte an, Roma mit rumänischen oder bulgarischen Pässen auszuweisen. Ließ Lagerplätze räumen. Griff seine alte Idee auf, Franzosen ausländischer Herkunft ihre Staatsbürgerschaft wieder zu entziehen, falls sie sich des Angriffs auf Vertreter des Staates schuldig gemacht haben.
Punkte hat Sarkozy damit nicht machen können. Ebenso wenig mit anderen rechten Haken. Seinen größten strategischen Irrtum beging er gleich zu Beginn seiner Amtszeit. »Alle Reformen zugleich« lautete damals seine Losung: Arbeitsmarktreform, Bürokratieabbau, Budgetdisziplin, Rentenreform, Militärreform, wirklich alles.
Es hat nicht funktioniert. Zu groß waren die Widerstände. So viele Reformattacken, so viele Rückzüge.
»Sarkozy hat alle verloren«, meint einer seiner Gegner aus dem eigenen Lager. »Die Rechtsaußen, die Liberalen, die Sozialen. Die Geringverdiener sehen, dass Sarkozys Steuerpolitik die Reichen bevorzugt. Die Geschäftswelt ist enttäuscht, weil die Bürokratie nicht abgebaut wurde. In der Partei hat Sarkozy kaum noch Verbündete. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Sein eigener Parteichef sowie sein Premierminister wollen die Niederlage 2012, um 2017 selber an die Spitze zu kommen. Sarkozy ist in einer verzweifelten Situation.«
Die Analyse ist richtig. Bis auf den letzten Satz. Denn Sarkozy ist dann besonders gut, wenn er von Feinden umringt ist.
François Hollande, Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, ist ein sympathischer Mann. In den Umfragen liegt er weit vor Sarkozy. Doch sobald die Fragebögen ins Detail gehen, zeigen sich die Qualitäten des Staatschefs: Da wird ihm kaum weniger als Hollande zugetraut, das Land durch die Krise zu bringen.
Der »beschützende Präsident«, das ist das Angebot, mit dem er wiedergewählt werden will. Und zwar nicht als guter Onkel, was eher das Profil des Sozialisten Hollande ist, sondern als Ritter gegen Tod und Teufel. Sarkozy, der action man. Der 1993, als in Neuilly ein bewaffneter Irrer in einen Kindergarten eingedrungen war, allein und ohne Waffen zu diesem Verwirrten ging, wieder und wieder, und mit ihm erfolgreich über die Freilassung der Geiseln verhandelte. Der, ohne diplomatische Regeln zu beachten, während der Georgien-Krise kurzerhand ein Flugzeug bestieg, um mit den Konfliktparteien zu verhandeln. Der eine Koalition gegen Gadhafi schmiedete. Und der jetzt allenthalben Euro-Krisengipfel zusammentrommelt, weil es eben mal schnell gehen muss. In einem Buch, das soeben erschien, gibt der Publizist Bernard-Henri Lévy eine charakteristische Äußerung des Libyen-Kriegers Sarkozy wieder: »Meine Berater sagen immer: Aber am Tag danach, am Tag danach...« Sie meinen: Was wird dann in der Zeitung stehen? Was wird die Botschaft sagen? Was werden die Leute denken? »Was soll ich da antworten?«, sagt Sarkozy. »Ich bin nun mal voll in der momentanen Aktion.«
Die Krisen könnten bis zum Frühjahr ein Ausmaß erreichen, dass Frankreichs Wähler genau so einen wollen. Dass sie das bekannte Risiko einem unbekannten vorziehen. Was für eine Ironie: Sarkozy, der Streiter gegen den Konservatismus, kann immer noch auf einen konservativen Stimmungsumschwung hoffen.
- Datum 21.11.2011 - 18:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.11.2011 Nr. 47
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Der Louis de Funes des 21. Jahrhunderts, leider ist die politische Landschaft zu ernst, sonst könnte man gut lachen, über diesen von Ehrgeiz getriebenen Menschen, aber als HB Männchen hätte er sicherlich Karriere gemacht
Aber er wird es nicht mehr lange bleiben,
Die Franzosen hat Ihn schon länger erkannt
und geholfen hat er Ihnen auch nicht
Meinen Sie das mit Bonsai-Napoleon?
http://media.economist.co...
Meinen Sie das mit Bonsai-Napoleon?
http://media.economist.co...
... einer in seiner Wut die Wahrheit sprach."
Das mag die Meinung des Schreibers sein. Ob sie so richtig ist, wie sie vorgetragen wird? Immerhin ist UK ein Nettozahler in der EU und hat damit gewisse Rechte. Auch bezahlt sie über die IWF für den Erhalt des Euro mit. Da scheint es nicht ganz richtig zu sein von "Wahrheit" zu sprechen. Vielleicht kann man von selektiver Wahrheit sprechen?
Für mich ist eine solche Aussage recht fragwürdig und benutzt eine Grundeinstellung der hiesigen Bevölkerung um emotional den Euro zu stützen. Das mag im Interesse des Autors sein. Es ist aber auch geeignet eine Störung der öffentlichen Ordnung vorzubereiten.
ist Rosinen picken. Die Subventionen z.B. für die Landwirtschaft voll abgreifen, für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, u.s.w.! In der Beitragszahlung ist man UK Mitte der 90er entgegengekommen. Nun will man sich um den Anteil des Rettungspakets, so gut wie es irgend geht, drücken. UK hat schon immer für sich eine Sonderrolle beansprucht und meistens auch bekommen. Wenn da ein Politiker, wie Mr. Sarkozy, der ohne wenn und aber zu Europa steht, mit nicht gerade schönen Worten, die Herrschaften von UK daran erinnert, daß auch sie ihr Schärflein dazu beizutragen haben. Was solls? Vielleicht haben die Briten es nun verstanden, wer weiß???
.... gut wie es irgend geht, drücken."
Können Sie erklären, wieso die UK für ein missglücktes Projekt einstehen soll, vor dem sie gewarnt hatten und daher nicht beitraten, weil es so evident schlecht gemacht war? Sie wollten das Risiko nicht haben und unterschrieben daher nicht.
Anders ist es mit Deutschland, das sehenden Auges beitrat. Man wusste, oder hätte wissen müssen, dass die Verträge substanzielle wirtschaftliche und finanzielle Risiken barg und unterschrieb.
Nun ist oder wird wahrgenommen, dass Deutschland unwillig ist die zur Rettung des Euro notwendigen Schmerzen zu tragen und bereit damit bereit ist dessen Überleben zu riskieren. Das bedeutet nicht, dass das Verhalten Deutschlands richtig oder falsch ist. Aber im Gegensatz zur UK hat man das Risiko genommen.
Dass aber nun die Leute hier wollen, dass die UK trotzdem zahlt? Ja, das ist verständlich. Gerechtfertigt ist es nicht und eine ziemliche Zumutung ist es zudem.
Auch ist zu bedenken, dass die Euroländer rechtlich nicht alles tun dürfen. Sie sind an die EU Verträge gebunden.
ist Rosinen picken. Die Subventionen z.B. für die Landwirtschaft voll abgreifen, für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, u.s.w.! In der Beitragszahlung ist man UK Mitte der 90er entgegengekommen. Nun will man sich um den Anteil des Rettungspakets, so gut wie es irgend geht, drücken. UK hat schon immer für sich eine Sonderrolle beansprucht und meistens auch bekommen. Wenn da ein Politiker, wie Mr. Sarkozy, der ohne wenn und aber zu Europa steht, mit nicht gerade schönen Worten, die Herrschaften von UK daran erinnert, daß auch sie ihr Schärflein dazu beizutragen haben. Was solls? Vielleicht haben die Briten es nun verstanden, wer weiß???
.... gut wie es irgend geht, drücken."
Können Sie erklären, wieso die UK für ein missglücktes Projekt einstehen soll, vor dem sie gewarnt hatten und daher nicht beitraten, weil es so evident schlecht gemacht war? Sie wollten das Risiko nicht haben und unterschrieben daher nicht.
Anders ist es mit Deutschland, das sehenden Auges beitrat. Man wusste, oder hätte wissen müssen, dass die Verträge substanzielle wirtschaftliche und finanzielle Risiken barg und unterschrieb.
Nun ist oder wird wahrgenommen, dass Deutschland unwillig ist die zur Rettung des Euro notwendigen Schmerzen zu tragen und bereit damit bereit ist dessen Überleben zu riskieren. Das bedeutet nicht, dass das Verhalten Deutschlands richtig oder falsch ist. Aber im Gegensatz zur UK hat man das Risiko genommen.
Dass aber nun die Leute hier wollen, dass die UK trotzdem zahlt? Ja, das ist verständlich. Gerechtfertigt ist es nicht und eine ziemliche Zumutung ist es zudem.
Auch ist zu bedenken, dass die Euroländer rechtlich nicht alles tun dürfen. Sie sind an die EU Verträge gebunden.
ist Rosinen picken. Die Subventionen z.B. für die Landwirtschaft voll abgreifen, für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, u.s.w.! In der Beitragszahlung ist man UK Mitte der 90er entgegengekommen. Nun will man sich um den Anteil des Rettungspakets, so gut wie es irgend geht, drücken. UK hat schon immer für sich eine Sonderrolle beansprucht und meistens auch bekommen. Wenn da ein Politiker, wie Mr. Sarkozy, der ohne wenn und aber zu Europa steht, mit nicht gerade schönen Worten, die Herrschaften von UK daran erinnert, daß auch sie ihr Schärflein dazu beizutragen haben. Was solls? Vielleicht haben die Briten es nun verstanden, wer weiß???
… der erst kürzlich zur Rettung des Euro eine Militärintervention in Griechenland forderte? … Link (noch ganz berauscht vom Libyen-Erfolg) Dieser Sarkoleon? (gut ein wenig übertrieben), aber immer wenn ich diesen allergrößten Zwerg Frankreichs sehe, erinnert es mich genau daran. Aber ich gestehe, als Unterhaltungskünstler würde ich ihn schon akzeptieren, weniger gerne als Präsidenten.
Die Toni Montanas kennen wir von der Schule, von der Uni, vom Arbeitsplatz.. Ein Glücksfall, dass der Widerpart Angela Merkel und nicht Toni "Schröder" Montana heisst, sonst gäbe es Dauerstress. Die Stärke von Toni Montana ist es, die günstige Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wo der Technokrat noch abwägt und die Chance wieder verschwindet. Toni Montana übernimmt Verantwortung und geht voran. Toni nervt, Toni ist ein Großmaul. Es gibt halt immer nur den ganzen Toni, mit Licht und Schatten.
Macher-Typen scheinen beim verkopften Bildungsbürgertum eine große Faszination auszuüben.
Dass diese Typen allerdings oft handeln ohne nachzudenken, scheint wohl keine Rolle zu spielen.
Dabei steht derjenige, der handelt ohne nachzudenken noch unter dem, der denkt ohne zu handeln.
Macher-Typen scheinen beim verkopften Bildungsbürgertum eine große Faszination auszuüben.
Dass diese Typen allerdings oft handeln ohne nachzudenken, scheint wohl keine Rolle zu spielen.
Dabei steht derjenige, der handelt ohne nachzudenken noch unter dem, der denkt ohne zu handeln.
Deutschland sollte mal zuerst im eigenen Bundeskanzleramt aufräumen. Merkel, die Instanz, die nie nichts sagt, ausser Floskeln.
Es ist wirklich schade mitanzusehen, wie Deutschland - wie so oft - bei eigenen Problemen einen Sündenbock sucht um mit dem Finger darauf zu zeigen.
Und ich möchte Sarko nicht mal in Schutz nehmen, im Gegenteil. Diese Rechts-Konservativen Liberal-Europäer haben alles verbockt.
Das ist richtig!
Sie sagt zu allem was:-)
>>Diese Rechts-Konservativen Liberal-Europäer<<
============================================================
Vielleicht sind es ja sogar Rechts-Links-Konservativ-Innovativ-Liberal-sozialistisch-extrem-Europäer.
Schlimmer kanns kaum noch werden, wie?
Das ist richtig!
Sie sagt zu allem was:-)
>>Diese Rechts-Konservativen Liberal-Europäer<<
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Vielleicht sind es ja sogar Rechts-Links-Konservativ-Innovativ-Liberal-sozialistisch-extrem-Europäer.
Schlimmer kanns kaum noch werden, wie?
also in der vita von herrn n.s. gibt es keinen hinweis, dass er zum thema finanz- und volkswirtschaft sooo richtig weiß, wovon er spricht (so man das von anderen themen ggf. auch vermuten kann)?! ?!
für bibel-feste leser oder ggf. zum googlen:
=> Lukas 23,34
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