Privatsphäre : Endlich erwachsen

Die USA zeigen: Wenn nötig, kann man im Netz Regeln setzen.

Die Debatte, wie selbstherrlich das Internetunternehmen Facebook mit der Privatsphäre seiner Nutzer umgeht , führt in den USA nun zu einer harten Aufsicht durch den Staat: Das ist schade, aber konsequent – und am Ende richtig. Eine letzte Unterschrift steht noch aus. Dann wird Facebook wohl jede ernsthafte Veränderung seiner Dienste, die die Privatsphäre berühren, 20 Jahre lang einer Prüfkommission vorlegen müssen. Und im zweiten Schritt die Nutzer um aktive Zustimmung bitten.

Viele Menschen hatten gehofft, wenigstens im Internet könnten sie ihre Angelegenheiten ohne den Staat regeln. Und oft gelingt das ja auch: Nichtregierungsorganisationen wachen über globale Standards. Schwarmintelligenz fördert gute Ideen. Probleme lösen die Internetnutzer mit vielen Unternehmern in harten Debatten, aber doch im Dialog.

Bei Facebook reicht das nicht mehr.

Der Konzern hat es nicht vermocht, ein Gleichgewicht zwischen seinen Interessen und denen aller Mitglieder zu wahren. Kritik prallte ab , also haben sich Nutzer an den Staat gewandt. (An wen auch sonst?) Man möchte rufen: "Verdammt, Mark Zuckerberg, musste es so kommen?", und die Antwort lautet: "Ja, musste es." Weil es nicht möglich ist, eine Dienstleistung für 800 Millionen Menschen zu erbringen und es dabei allen recht zu machen. Deshalb muss Recht gesprochen werden. In Rechtsstaaten haben wir dafür Verfahren, im Internet oft nicht.

Das heißt nicht, dass es gut wäre, wenn nun der deutsche Staat auch alles und jedes ordnen würde. Das Laisser-faire hat uns im Internet weit gebracht. Aber die amerikanische Entscheidung zeigt: Wenn nötig, ist Internetpolitik eben möglich. Man muss dann nur wollen.

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Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Einsicht muss sich durchsetzen

Ein Problem ist, dass sich diese Einsicht durchsetzen muss. Die betroffenen Unternehmen können damit umgehen, das ist nur eine weitere Restriktion wie viele andere technische und rechtliche auch, innerhalb derer sie ihrem Geschäft nachgehen.

Für viele der "digital natives" ist das aber ein unangenehmer Kulturbruch. Für viele dieser Ureinwohner folgt aus bestimmtem technischem Sein immer noch ein rechtliches Soll. Ohne die ganz große persönliche Katastrophe wird die Notwendigkeit eines Regelwerkes, dass auch einen selber einschränkt, nicht akzeptiert. Aber soll man deswegen darauf warten? Und kann es diese überhaupt geben bei der Anzahl an (potentiell) betroffenen Nutzern?

Stattdessen läuft die Debatte unter diesen in Richtung von Datenfreihäfen, eine Konstruktion, die dem einzelnen Menschen so gut wie keinen Nutzen bringt, aber ein Geschenk für jedes übelwollende Unternehmen ist.

@ Gerry10

Die Übernahme der Kontrolle durch den Staat, und gar den amerikanischen Staat, bedeutet natürlich nur, dass man mal wieder den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will, aber...

Spielt das in einer Welt in der Aber-Millionen Menschen freiwillig so ein Spiel mitspielen überhaupt noch eine Rolle?
Wenn es bei so vielen Menschen nicht weiter reicht als auf diese Art wenigstens ein bischen eigenes Leben zu haben, ist dann es dann nicht sowieoso egal?

Eine Meldung worüber?

"Eine letzte Unterschrift steht noch aus" (G.Hamann, s.oben)

Wozu? Leider erfährt man in ihrem Artikel nicht, wovon sie genau berichten. Handelt es sich um eine staatlich beaufsichtigte Selbstverpflichtung? Einen Vertrag? Ein Urteil oder ein Gesetz? Wie soll diese "Absichtserklärung" umgesetzt werden?

Berichten sie etwa vom SOPA genannten Stop Online Piracy Act?
Also hiervon: http://www.forbes.com/sit...

auf Deutsch auch hier:
http://netzpolitik.org/20...

Das wäre dann aber wirklich an der Nachricht vorbei geschrieben!

Man möge mir die Spekulation entschuldigen, aber nach dem ich der Schlagzeile mein interesse gewidmet habe, würde ich jetzt auch gerne wissen, wovon sie handelt.
Etwas Schade, dass sie nur auf den Newswert des Konzern-Namens setzen, ohne uns zu verraten, wovon der Journalist berichtet.Verraten sie es uns! Nur ein bischen. Ich würde gerne auch weiterhin die Zeit lesen können und mich wenigstens ansatzweise informiert fühlen. Sonst werden wir uns in Zukunft wirklich nur noch via alternativer News-Känale wie Ustream, Livestream, Diaspora uvm. selbst informieren müssen. Unsere guten alten Traditionsmedien werden dann eben nur noch Unterhaltungskanälen. Aber die alternativen Informationskanäle im Netz zeigen: Wenn nötig, ist Information Konkret, auf den Punkt und eben möglich. Man muss dann nur wollen. pj