Politik und Lyrik Nr. 37 Zeuge X
Jede Woche veröffentlicht die ZEIT Gedichte über Politik. Diese Woche beschäftigt sich Daniela Danz mit dem Mord an dem kosovarischen Kronzeugen Agim Zogaj.
Seit dem 10. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse, wie wir sie seit Anfang dieses Jahres erleben. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell, einige am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Diese Woche beschäftigt sich Daniela Danz mit dem Mord an dem kosovarischen Kronzeugen Agim Zogaj.
Daniela Danz: Zeuge X
Der Tod im Park ist was du hältst
für Laub oktoberbraun
und wie drapiert von denen
die wir vor zwölf Jahren zärtlich
die Rebellen nannten
eingewickelt in die eigenen Sorgen
gehen wir auf den gerechten Wegen
Europa melancholisch das ist
wo die Winterlinge blühen
und sag noch einmal so wie damals
Himmelsschlüssel schöne Worte wie
Menschenrechte ethische Verpflichtung
und das schönste: Zeugenschutzprogramm
das ist kein Laub ein böser Traum
in den wir ritten
Zwiebeln unter ihm Narzissen bald
Tyrannenmord – feiern wir die Feste
wie sie fallen und nennen wir
die Pflänzchen wie sie kommen
- Daniela Danz
Daniela Danz, 1976 in Eisenach geboren, lebt nach Stationen in Tübingen, Prag, Berlin und Leipzig in Halle (Saale). Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. Ihr letzter Gedichtband Pontus erschien 2009 im Wallstein Verlag. Sie beschäftigt sich insbesondere mit der Umstrukturierung der Bundeswehr seit dem Kosovo-Einsatz und der Neuorientierung der Nato nach dem Ende des Kalten Krieges
- Datum 28.11.2011 - 11:01 Uhr
- Serie Politik & Lyrik
- Quelle DIE ZEIT, 17.11.2011 Nr. 47
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