Philosophie-Zeitschrift Philosophie in Hochglanz

Das monatlich erscheinende Magazin "philosophie" macht Denkarbeit nun auch für den Zeitschriftenmarkt massentauglich. Ob es dem Fach gut tut?

Früher war Philosophie ein hehres Wort. Wer sie betrieb, schien vom Weltgeist persönlich beseelt. Mittlerweile ist das Wort oft ein leeres. Jeder Unternehmensberater geht heute straflos mit seiner »persönlichen Philosophie« hausieren. Nun hat sich irgendwo dazwischen eine neue Publikation angesiedelt – das monatlich erscheinende Magazin philosophie.

5,90 Euro kostet das Heft. Im Editorial eicht es der Chefredakteur Wolfram Eilenberger, früher mal bei Cicero, auf den Zweifel und den »Mut zum Neuen«. Tatsächlich findet sich viel Bewährtes im Heft: hier eine Reportage, dort ein Interview, als Mittelstück ein mehrteiliges Dossier, ein paar Zeitgeistglossen, alles schön mit passenden Zitaten der Klassiker garniert. Auch bekannte Namen allenthalben: Axel Honneth wird über Anerkennung und Finanzkapital befragt, Julian Nida-Rümelin schreibt zur Aktualität Aristoteles’, und Julian Assange chattet via Skype mit dem Moral- und Tierrechtsphilosophen Peter Singer. Statt des Mutes zum Neuen scheint hier eher die verständliche Angst am Werk gewesen zu sein, ob Philosophie am Kiosk angenommen wird. Also bloß keine Experimente.

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Der eingangs beschworene Zweifel hat da einen stärkeren Stand (was man hoch anrechnen sollte in einer Zeit, die, von Unsicherheit geprägt, nach klarer Ansage giert). Im Dossier geht es um die Frage, warum wir Kinder haben. Dazu werden von Eilenberger gute Gründe genannt, aber noch bessere, keine zu haben. Bewegend ist auch ein Stück der stellvertretenden Chefredakteurin Svenja Flasspöhler, das die Geschichte der Korrespondenz zwischen Vladimir Jankelevich und einem norddeutschen Lehrer über die Verbrechen der Nazis erzählt. Ist Schuld vererbbar? ist der Artikel überschrieben, und nach seiner Lektüre weiß man einiges mehr, nur nicht die Antwort. Die muss jeder für sich selbst finden.

Nicht anders übrigens als im Fall der Grundfrage, die sich an dieses Magazin, aber auch überhaupt an alle Populär-Philosophen richten lässt: Tut es der Philosophie tatsächlich gut, wenn sie in verdünnter Form unters Volk gebracht wird? Oder setzt sich die Popularisierung am Ende an die Stelle der Sache selbst – und gehört damit in die Verfallsgeschichte der Philosophie?

 
Leser-Kommentare
  1. Ist es nicht genau dieser Punkt, welcher die Philosophie auszeichnet? Gerade in den heutigen Zeiten, in jenen es doch so vieles zu überdenken gibt. Ist nicht jede Antwort es wert überdacht zu werden? Ich werde mir meinen persönlichen philosophischen Standpunkt bilden, sobald ich diese Zeitschrift gelesen habe.

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    ...ist dann nicht alles begründbar? Also ich suche mir die Antwort raus die ich will (Beispiel: "Atomkraft ist sicher", oder eine dieser in Der ZEIT sehr beliebten Embryonen/Abtreibungs/Hirntod/Stammzellen/Organspendedebatten mit jeweils einmal Pro und Kontra) und dann kommt der Philosoph und baut eine schlüssige Argumentation drumherum die mich genau dorthin führt wo ich hinwill (Bzw. was der Auftraggeber fordert/bezahlt) Ist das dann aber nicht total beliebig?

    ...ist dann nicht alles begründbar? Also ich suche mir die Antwort raus die ich will (Beispiel: "Atomkraft ist sicher", oder eine dieser in Der ZEIT sehr beliebten Embryonen/Abtreibungs/Hirntod/Stammzellen/Organspendedebatten mit jeweils einmal Pro und Kontra) und dann kommt der Philosoph und baut eine schlüssige Argumentation drumherum die mich genau dorthin führt wo ich hinwill (Bzw. was der Auftraggeber fordert/bezahlt) Ist das dann aber nicht total beliebig?

    • Morbox
    • 22.11.2011 um 20:06 Uhr

    Warum sollte schließlich eine Popularisierung der Philosophie (also echter Philosophie, nicht irgendwelches New-Age-Blabla-fernöstliche-Philosophie-Gesalbe) schlecht fürs Fach sein? Die Philosophen haben weiterhin ihre Fachzeitschriften, Symposien, Kongresse, Seminare, etc. Berühren tut sich das ganze nur mittelbar. Wenn das Magazin schlecht gemacht ist, dann könnte man sich vielleicht beschweren, dass der Philosophen-Nachwuchs verdorben wird. Von einer "Verfallsgeschichte der Philosophie" zu reden würde aber auch dann sehr überzogen wirken. Ich halte es für eine gute Idee, eine etwas vereinfachte Version philosophischer Themen und Ideen in Magazinform zu präsentieren. Denken sollte nicht den Eliten vorbehalten sein. Und dass es keine klaren Antworten gibt ist ja schon mal ein Anfang...

  2. Der Artikel erweckt den Anschein, dass die Philosophie nur den "wahren" Philosophen vorbehalten sein sollte, einer imaginären Elite, der es gestattet ist, den Sinn und Unsinn menschlichen Daseins zu erörtern.

    Philosophie als "Liebe zur Weisheit" macht aber vor niemandem halt, der sein Denken qualitativ voran treiben möchte. Ich kenne die Zeitung zwar nicht, bin aber der Meinung, dass sie jenen Denkanregungen geben wird, die gerade auf der Suche sind, neue Idee und Inspirationen brauchen -> wer urteilt darüber, von welchem Stand jeder philosophieren sollte?

    Der Philosophie geht es schließlich nicht darum, die Menschen auszuschließen, die sie erreichen will!

    Solange der Mensch überhaupt denkt und nach Weisheit strebt...

  3. "Ob es dem Fach guttut? Welch eine Frage.
    "Die Philosophie ist für alle da, nicht nur für Fachleute und Fachidioten. Ob ein Philosophiemagazin gut für das Fach ist, ist völlig unerheblich. Außerdem wäre es nicht gerade ein Ruhmesblatt für das Fach, wenn es sich von derlei Nebensächlichkeiten wie verstärkter medialer Verbreitung beeinträchtigen ließe.

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    ...die Frage dreht sich mehr darum, ob ein solches Magazin tatsächlich zum eigenen Nachdenken anregt oder doch nur Denkschulen vorkaut und vulgär vereinfacht wieder erbricht.

    "Die Philosophie ist für alle da." klingt für mich verdächtig nach einem "Die Erkenntnisse der akademischen Philosophie sind für alle da.". Denn das Anschalten der eigenen Birne - und das ist Philosophie letztlich - kann ja wohl schwerlich "für alle da" sein.

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Hegel.

    Cellular Automaton

    ...die Frage dreht sich mehr darum, ob ein solches Magazin tatsächlich zum eigenen Nachdenken anregt oder doch nur Denkschulen vorkaut und vulgär vereinfacht wieder erbricht.

    "Die Philosophie ist für alle da." klingt für mich verdächtig nach einem "Die Erkenntnisse der akademischen Philosophie sind für alle da.". Denn das Anschalten der eigenen Birne - und das ist Philosophie letztlich - kann ja wohl schwerlich "für alle da" sein.

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Hegel.

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  4. ...die Frage dreht sich mehr darum, ob ein solches Magazin tatsächlich zum eigenen Nachdenken anregt oder doch nur Denkschulen vorkaut und vulgär vereinfacht wieder erbricht.

    "Die Philosophie ist für alle da." klingt für mich verdächtig nach einem "Die Erkenntnisse der akademischen Philosophie sind für alle da.". Denn das Anschalten der eigenen Birne - und das ist Philosophie letztlich - kann ja wohl schwerlich "für alle da" sein.

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Hegel.

    Cellular Automaton

    Antwort auf "Wen interessiert das?"
  5. Gibt es auch eine Internetseite dieser Zeitschrift ?
    Habe leider keine gefunden.
    LG

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  6. Dem Fach kann man nichts mehr schlechtes tun.
    Es gibt in der akademischen Philosophie in unserem Land keine Visionen mehr und Inspiration muss man lange suchen.
    Der Dialog zwischen philosophischen Fakultäten ist kaum vorhanden.

    Recht simple Fragen wurden bis zu Unkenntlichkeit kompliziert, und da könnten Diskussionen mit einem breiterem Publikum neuen Wind bringen.

  7. Antwort auf "Internetseite !"
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    das ist nur der Link zu einem Nachrichtenportal. Die Domain philosophie-maganzin.de steht zum Verkauf .. ich finde das Magazin auch nicht online .

    das ist nur der Link zu einem Nachrichtenportal. Die Domain philosophie-maganzin.de steht zum Verkauf .. ich finde das Magazin auch nicht online .

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