"Bertolt Brecht hat immer wieder Sprichwörter manipuliert"
ZEITmagazin: Und Barack Obama?
Mieder: Er ist das beste Beispiel, in diversen Varianten benutzt er etwa gern: »Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.« Zurzeit allerdings nicht mehr so oft, ich glaube, er hat seinen Redenschreiber ausgetauscht. Dieses Sprichwort, aus dem Kant den kategorischen Imperativ gemacht hat, ist übrigens in allen Weltreligionen bekannt.
ZEITmagazin: Kann man bei Sprichwörtern eigentlich immer den Urheber ermitteln?
Mieder: Bei den meisten Sprichwörtern wissen wir nicht, woher sie stammen. Wir wissen nur: Sie stammen immer von einem Individuum – dass Sprichwörter aus der Volksseele stammen, ist natürlich Unsinn. Einige Sprichwörter werden berühmten Leuten angehängt. Ein Beispiel: Von wem stammt »Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang«?
ZEITmagazin: Martin Luther?
Mieder: Ja, das sagen die meisten. Aber es stimmt nicht. Möglicherweise stammt es aus dem Jahr 1775, und zwar von Johann Heinrich Voß. Bei anderen Sprichwörtern klappt die Zuordnung besser, gerade bei den neueren, die man einfacher nachprüfen kann.
ZEITmagazin: »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben«...
Mieder: Da denkt natürlich jeder sofort an Gorbatschow, aber so hat er das nie gesagt. So was findet man häufiger, ich denke da an die berühmte Lincoln-Formulierung »Government of the people, by the people, for the people«. Die gab es schon vor ihm – und zwar viel besser, im Original heißt es »That government of ALL the people, by ALL the people, for ALL the people«.
ZEITmagazin: Herr Mieder, wir stellen fest, dass viele Menschen heute gern »I like« sagen, wohl wegen des gleichnamigen Facebook-Buttons. Erleben wir da gerade die Geburt eines neuen Sprichwortes?
Mieder: »I like« kann kein Sprichwort sein, denn hier fehlen das Thema und der Kommentar. »Zeit fliegt« ist hingegen ein Sprichwort, denn das Thema ist »Zeit«, und der Kommentar ist, dass die Zeit »fliegt«. »Geld spricht« geht auch, »Carpe diem« ebenso. Außerdem haben Sprichwörter fast nie das Personalpronomen ich. »I like« könnte höchstens ein Gegenstand der Phrasenforschung werden, aber nicht der Sprichwortforschung.
ZEITmagazin: Was ist der Unterschied zwischen einer Phrase und einem Sprichwort?
Mieder: Alle feststehenden Ausdrücke, die keinen vollen Satz bilden, sind Phrasen. Sprichwörter bilden immer eine Sinneinheit.
ZEITmagazin: Gibt es eigentlich irgendein brauchbares Mittel gegen Sprichwörter? Kann man ihnen irgendwie entkommen?
Mieder: Entkommen? Nein. Aber man kann sie natürlich manipulieren. Bertolt Brecht hat immer wieder Sprichwörter manipuliert, viele Aphoristiker taten das und tun das bis heute, sie entstellen sie sogar. Das zeigt aber nur, dass wir die Sprichwörter alle kennen. Wenn das Original nicht so bekannt wäre, könnte man damit nicht spielen.
- Datum 18.11.2011 - 11:51 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 17.11.2011 Nr. 47
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Genau, Sprichwörter gehören manipuliert: Morgenstund hat goldene Zähne - oder: wer andern eine Grube gräbt, braucht eine Schaufel - oder: frühe Vögel haben Würmer.
wer andern eine Grube gräbt, braucht eine Schaufel
Und ich dachte immer das Sprichwort laute:
»Wer anderen eine Bratwurst brät, der hat ein Bratwurstbratgerät.«
"der frühe vogel kann mich mal!"
wer andern eine Grube gräbt, braucht eine Schaufel
Und ich dachte immer das Sprichwort laute:
»Wer anderen eine Bratwurst brät, der hat ein Bratwurstbratgerät.«
"der frühe vogel kann mich mal!"
ist für die Katz.
wer andern eine Grube gräbt, braucht eine Schaufel
Und ich dachte immer das Sprichwort laute:
»Wer anderen eine Bratwurst brät, der hat ein Bratwurstbratgerät.«
Wer andern eine Grube gräbt, ist Baggefahrer.
Meist jedenfalls.
Aber das Bratwurstbratgerät gefällt mir auch...
Wer andern eine Grube gräbt, ist Baggefahrer.
Meist jedenfalls.
Aber das Bratwurstbratgerät gefällt mir auch...
"der frühe vogel kann mich mal!"
... wird vom Vogel gefangen.
den Vogel , der morgens singt, frisst abends die Katze .
Hat ihm der Wurm dann nix genutzt.
muss zuerst ins Bett...
PS: People who get up early in the morning cause war, death and famine (Banksy)
aber die zweite Maus bekommt den Käse.
der ist aber bitter...
Für die erste Maus. >klack<
der ist aber bitter...
Für die erste Maus. >klack<
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