»Morgenstund hat Gold im Mund«

Ich war zwölf, als ich meinen Vater frühmorgens in den Wald begleiten durfte, mit einem befreundeten Förster streiften wir durch das morgenklare Grün. Wir sprachen kein Wort und gingen dicht hintereinander, als bewegten wir uns in unsicherem Gelände. Der Förster nannte unser Gehen ein »Pirschen«, es war, als sollten wir unsichtbar bleiben, um der Welt ihr Morgendasein zu lassen und das Wild und die Vögel wie hinter Tarnkappen beobachten zu können. Die Sonne stieg eben schwach hinter den Baumwipfeln auf, der Wald war noch weich von der Nacht. Alles war Anfang, Neuheit, Frische, beinahe so, als geschähe es zum ersten Mal. Ich wagte kaum zu atmen: So schön konnte der Morgen sein, den ich sonst durchschlief! Die Tautropfen auf den Grashalmen, die feinen Nebel über den Wiesen, die sich allmählich entblätternden Wälder! Dann die ersten Rehe in kleinen äsenden Gruppen, ihr Hellbraun, pfifferlingsfarben, und die kleinen Rudel der Wildschweine, die wie aufgezogen hintereinander durch das Unterholz ratterten! Drei Stunden dauerte unsere Erkundung, ein einziges ruhiges Gehen und Schauen. Seither bin ich oft frühmorgens aufgestanden, vor allem zum Schreiben, wenn die meisten Menschen noch schlafen und die frischsten Gedanken ganz von alleine entstehen. Hanns-Josef Ortheil

Vom Autor erschien zuletzt »Liebesnähe«

»Ehrlich währt am längsten«

Der Mensch, dieser alte Homo oeconomicus, will das größte Kuchenstück für sich. Und wenn er dafür lügen muss. Er tut es gerne, wenn er meint, damit durchzukommen. Das zeigt zum Beispiel ein Experiment der Universität Konstanz: Die Studienteilnehmer saßen unbeobachtet in einem Raum und würfelten. Je höher die Augenzahl, desto mehr Geld bekamen sie. Am Ende der Untersuchung machten die Wissenschaftler Kassensturz. Sie stellten fest, dass viel öfter höhere Beträge ausgezahlt wurden als niedrige. Mit hoher Wahrscheinlichkeit musste es bei dem Experiment unehrliche Teilnehmer gegeben haben. Die gingen mit mehr Geld nach Hause, als ihnen zustand. Sie machten die Erfahrung: Lügen lohnt sich. Für den Kaufmann gilt das schon weniger: Er betrügt seinen Kunden nicht, denn der soll ja wiederkommen. Und dann gibt es noch die Moral. Markus Tiedemann vom Institut für vergleichende Ethik der FU Berlin sagt, schon Aristoteles habe gewusst, dass die Lüge dem Lügner schadet. Nur wer – bis auf Notlügen – ehrlich ist, könne ein gelungenes Leben führen. Alexander Krex

»Gegensätze ziehen sich an«

Zunächst sind Gegensätze überhaupt nicht anziehend. Im Gegenteil. In der ersten Phase des Verliebtseins frönen die Partner einer Illusion: Sie bilden sich ein, dass der andere genauso sei wie sie, ihr emotionales Spiegelbild. Erst wenn diese Illusion zerstört sei, sagt unser Beziehungsexperte Wolfgang Schmidbauer, beginne die eigentliche Beziehung. Mit etwas Glück gibt es dann Gegensätze. Die machen die Partnerschaft spannend. Tillmann Prüfer