Gummibärchen enthalten Gelatine, und Gelatine wird aus Kollagen gewonnen, einem Eiweiß, das für die Struktur von Haaren, Haut, aber auch Knorpel verantwortlich ist. In den Gelatinepillen, die als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich sind, ist aber nicht diese zähe Lebensmittel-Gelatine enthalten, sondern wasserlösliches Kollagen-Hydrolysat.

Was ist nun von der Behauptung zu halten, dass Gelatine beziehungsweise das Hydrolysat die Knorpelzellen regenerieren kann und etwa Patienten mit Arthrose Linderung verschafft? Immerhin riet schon die heilige Hildegard von Bingen bei Gelenkschmerzen zum Verzehr ausgekochter Kalbsknorpel. Findet die Gelatine auf geheimnisvolle Weise den Weg dorthin, wo sie wirken soll?

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Im Verdauungstrakt werden Eiweiße in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zerlegt und dann über das Blut im Körper verteilt. Das körpereigene Kollagen wird aus diesen Bausteinen wieder neu synthetisiert. Das (inzwischen nicht mehr existierende) Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz fand 1998 deshalb harte Worte für die Gelatinepillen: Es sei physiologisch unmöglich, ein bestimmtes Körperorgan gezielt mit einem bestimmten Nährstoff zu versorgen. "Es kann demnach keine Gelenk-Eiweißnahrung existieren."

Bis heute ist die Wirksamkeit der Gelatinepillen nicht wissenschaftlich belegt. Und solange es keine entsprechenden Studien gibt, muss man sie – wie die Gummibärchen – als Lebensmittel betrachten.

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