RechtsterrorismusVerbrecher und Versager

Die Serienmörder von Zwickau waren keine Einzeltäter. Sie hatten ein Netzwerk von Helfern und Sympathisanten. Auch die Sicherheitsbehörden geraten ins Zwielicht. von , und

Rechtsradikale demonstrieren in Frankfurt am Main. (Archivbild)

Rechtsradikale demonstrieren in Frankfurt am Main. (Archivbild)  |  © Ralph Orlowski/Getty Images

Alles scheint jetzt möglich. Erfurt schwirrt vor Gerüchten. Nach dem Selbstmord der beiden Rechtsextremisten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt und der Festnahme ihrer Kumpanin Beate Z. reißen die Fragen nicht ab. Wie konnte es geschehen, dass drei Rechtsterroristen jahrelang unentdeckt kreuz und quer durch Deutschland reisten , um Bomben zu legen, Banken zu überfallen und Menschen zu töten? Was trieb diese Täter? Wie viele Taten gehen noch auf ihr Konto? Und warum haben sie nie mit ihren Morden geprahlt?

Nur eines scheint dieser Tage sicher. Allein haben die drei Verdächtigen nicht gehandelt. Das Bild einer vollkommen abgekapselten Killer-Sekte führt offenbar in die Irre. "Es muss eine Struktur bereitgestanden haben", sagt ein hochrangiger Ermittler, der mit dem Fall befasst ist. Nur eine solche Struktur ermögliche es Tätern, "über Jahre ein Leben im Untergrund" zu führen. Einen mutmaßlichen Unterstützer, den 37-jährigen Holger G., hat die Bundesanwaltschaft bereits am Sonntag in der Nähe von Hannover verhaften lassen. Mit weiteren Festnahmen, so heißt es, sei zu rechnen. "Da kann sehr schnell noch mehr Bewegung reinkommen", sagt ein Fahnder.

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Die entscheidende Frage lautet nun: Wie weit reichte das Netzwerk der Unterstützer? Wer half der Mörderbande? Nur rechte Sympathisanten, mit Solidaritätsbekundungen, Bewunderung und Geld? Gab es darüber hinaus aktive Unterstützer, die das Leben im Untergrund zu organisieren halfen? Oder treffen die Gerüchte zu, die hartnäckig behaupten, es hätten Verbindungen der Mörderbande zu den Sicherheitsbehörden bestanden? Es wäre ein Skandal ohne Beispiel.

V-Mann Carsten S.

2000, Brandenburg: Der mehrfach verurteilte Rechtsextremist Carsten S. fliegt als V-Mann auf. Er hatte das später verbotene Neonazi-Musiknetzwerk Blood & Honour in Ostdeutschland mit aufgebaut. Als er sich den Behörden anbot, saß S. gerade eine achtjährige Haftstrafe ab, weil er versucht hatte, einen nigerianischen Asylbewerber zu ermorden.

Toni S.

2002, Brandenburg: Im Prozess gegen den Inhaber des Gubener Szenegeschäfts Hatecrime übt das Berliner Landgericht scharfe Kritik am Brandenburger Verfassungsschutz. Ihr V-Mann Toni S. habe unter den Augen des Geheimdienstes CDs der Rechtsrockband White Aryan Rebels vertrieben (Textauszug: »Hängt die Nigger, hab kein Erbarmen!«). Zudem habe der Verfassungsschutz seinen Spitzel vor einem Polizeizugriff gewarnt.

Wolfgang F.

2002, Nordrhein-Westfalen: Während des NPD-Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht kommt heraus, dass die Führung des Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen jahrelang in der Hand von V-Leuten lag. Unabhängig voneinander hatten das Bundes- und das Landesamt für Verfassungsschutz die Quellen Wolfgang F. und Udo H. geworben. Die NPD wusste zudem über die Spitzeltätigkeit der beiden Bescheid. Sie kontrollierte auch, welche Informationen an die Behörden weitergegeben wurden.

Sebastian S.

2006, Nordrhein-Westfalen: Der Dortmunder Sebastian S. wird als Spitzel des Verfassungsschutzes enttarnt. Er gehörte zum Umfeld der Naziband Oidoxie, spielte aber auch im Drogen- und Waffenhandel eine Rolle. 2008 wird er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die bislang abenteuerlichste Theorie dazu steht in einem Brief eines Hauptakteurs der Geschichte an den heutigen thüringischen Innenminister Jörg Geibert. Darin wird behauptet, Sympathisanten in den Reihen der Landespolizei hätten den drei Serienmördern im Frühjahr 1998 geholfen, in den Untergrund abzutauchen: Es habe die "sehr ernste Vermutung von illegalen Unregelmäßigkeiten bei der Polizei" bestanden, heißt es in dem Schreiben, das der ZEIT vorliegt. Der Verfassungsschutz Thüringen sei deswegen vom Erfurter Innenministerium angewiesen worden, über "bestimmte Polizeibeamte" Nachforschungen anzustellen. Polizisten als Fluchthelfer für potenzielle Schwerverbrecher? Ein ungeheuerlicher Verdacht.

Aber was ist im Moment schon undenkbar in Erfurt? Jörg Geibert will nach den Enthüllungen der vergangenen Tage gar nichts mehr ausschließen. "Wer ist davor gefeit?", sagt er der ZEIT auf die Frage, ob er es für möglich hält, dass einige seiner 7000 Beamten braune Extremisten unterstützt hätten. Am Dienstag setzte Geibert eine Kommission zur Aufklärung der Vorgänge rings um die Zelle ein. "Ohne Tabus" soll der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof Gerhard Schäfer in den kommenden Monaten ausleuchten, welche Verquickungen es zwischen Landesbehörden und den Neonazis gegeben hat.

Geschrieben hat den Anklage-Brief Helmut Roewer, von 1994 bis 2000 Präsident des Verfassungsschutzes Thüringen. Ausgerechnet Roewer. Er ist der Mann i m Zentrum der Gerüchte , eine eigentümliche Gestalt. Immer wieder fällt sein Name, wenn man heute zu rekonstruieren versucht, wie die Zwickauer Neonazi-Zelle entstehen – und plötzlich aus dem Blickfeld der Sicherheitsbehörden verschwinden konnte. Will er womöglich mit dem Hinweis auf Fehler bei der Polizei von eigenen Fehlern ablenken?

Landes-Innenminister Geibert scheint der Gedanke nicht fremd. Er habe "eine Reihe von Fragen an den Geheimdienst" – und "Zweifel", ob einwandfrei gearbeitet worden sei, sagt er. Es gebe da "so viel Schillerndes über unseren ehemaligen Landesamts-Präsidenten", erklärt Geibert; beim Verfassen seines Briefes müsse nicht unbedingt das "altruistischste Motiv im Vordergrund gestanden haben".

"Schillernd" ist die vielleicht noch mildeste Bezeichnung für die Amtszeit Roewers in Thüringen. Im Rückblick ist es schwer verständlich, wie dieser Mann sechs Jahre lang die Behörde leiten konnte. Beim Dienst arbeiten etwa 100 Beamte, Jahresetat sechs Millionen Euro. Roewer habe den thüringischen Verfassungsschutz in seiner Amtszeit an den Rande des Zusammenbruchs geführt, erklärt Heiko Gentzel, SPD-Vize-Landtagspräsident und seit vielen Jahren Mitglied im Parlamentarischen Kontrollkomitee (PKK), dem Gremium, das die Arbeit des Geheimdienstes überwacht – oder besser: überwachen sollte.

In der Ministerialbürokratie inszenierte sich Roewer gern als Exot: Die Kleidung betont leger, die Haare etwas länger als üblich, dazu eine Vorliebe für teure Restaurants und bizarre Auftritte. Sein offizieller Lebenslauf weist ihn als Panzeroffizier aus, der hinterher Jura studierte und dann "Beamter im Sicherheitsbereich des Bundesinnenministerium in Bonn und Berlin" wurde. Heute lebt er, so seine private Homepage, als "frei-beruflicher Schriftsteller in Weimar und Italien". Für eine Stellungnahme war er bis Dienstagabend nicht zu erreichen. Per E-Mail teilte er nur mit, er beschäftige sich zurzeit "bevorzugt mit zeitgeschichtlichen Problemen", als Buchautor.

© ZEIT ONLINE

Roewer, so berichten Insider heute, habe stets den Eindruck vermittelt, dass er PDS-Landtagsabgeordnete oder linke Gewerkschafter gefährlicher finde als Neonazi-Kameradschaften. Aufsehen erregte Roewer allerdings mit einer Äußerung auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Januar 1999, als er noch Verfassungsschutz-Präsident war. Er sprach damals über das "Dritte Reich" und dass man ältere Menschen verstehen müsse, die nicht nur schlechte Seiten daran gesehen hätten.

Unter einem Decknamen gründete Roewer Ende der neunziger Jahre eine Tarnfirma namens Heron-Verlag, über die Hunderttausende von D-Mark in dubiose Projekte flossen. In die Schlagzeilen geriet der Heron-Verlag, als dort im Mai 2000 ein Film über Jugendlichen Extremismus in der Mitte Deutschlands herauskam. Roewer trat darin mit der Aussage auf, rechtsextreme Straftaten seien vor allem Propagandadelikte.

Unter Roewer heuerte das Landesamt unter anderem den NPD-Funktionär Tino B. als V-Mann an – was auch dazu führte, dass den Neonazis fortan unverhältnismäßig hohe Spitzelhonorare zugutekamen.

Wie weit die Kontakte in die Szene hineinreichten, darüber legte die Amtsspitze dem Landtag in Erfurt nie Rechenschaft ab. Der SPD-Parlamentarier Gentzel berichtet, ein Fraktionskollege und er hätten mehrfach das PKK verlassen, "weil wir einfach nicht mehr informiert wurden". Unter Roewers Ägide sei es in der Behörde "drunter und drüber gegangen" – eine Unterstützung des Mordtrios hält Gentzel deshalb durchaus für möglich.

Als Roewer 1994 aus dem Bundesinnenministerium nach Thüringen kam, brachte er, so schildert es ein damaliger hochrangiger Insider, "ganz eigene, ganz moderne Vorstellungen" mit. Er habe den Verfassungsschutz in erster Linie als wissenschaftliche und aufklärende Institution verstanden, nicht so sehr als Ausspähorganisation. Als Referatsleiter habe er junge Historiker und Politologen berufen, die viel von ihren akademischen Fächern verstanden hätten, von der Geheimdienstarbeit dagegen "null". Die erfahreneren Nachrichtendienstler hätten fortan diesen Vorgesetzten zuarbeiten und das "blöde Fußvolk mimen" müssen.

Es hätte ein interessantes Experiment werden können. Wäre nicht Thüringen exakt zur selben Zeit zum Testfeld einer neuen Strategie der Rechtsextremen geworden. Überall im Land gründeten sie "Freie Kameradschaften", lose Zusammenschlüsse von Neonazis, die durch das Vereinsrecht schlüpfen, sich aber wie Klubs aufführten. Unter dem Namen Thüringer Heimatschutz schlossen sich die Kameradschaften zu einem Netzwerk zusammen. Ihr Kopf wurde 1997 der V-Mann Tino B. Statt vor der zunehmenden braunen Gefahr zu warnen, so sieht es Martina Renner, Landtagsabgeordnete der Linken, habe der Verfassungsschutz seine Aufgabe eher darin gesehen, "die Dinge kontrollieren zu wollen". Sie und ihre Fraktionskollegen sind überzeugt, dass der Verfassungsschutz die Gründung des Thüringer Heimatschutzes durch Tino B. selbst betrieben habe. Roewer bestreitet das.

Im November 1999 kommt es in Roewers Behörde zum Eklat. Das Landesamt hat es versäumt, die Polizei über ein Skinhead-Konzert in Schorba, einem Dorf bei Jena, zu informieren. Völlig überfordert müssen die anrückenden Beamten mitansehen, wie tausend Neonazis die Kneipe, in der das Treffen stattfindet, zu Kleinholz verarbeiten.

Im Erfurter Dienstsitz des Verfassungsschutzes schreibt daraufhin der Leiter des Referats Rechtsextremismus, Karl Friedrich Schrader, dem damaligen Innenminister einen Brief. Er bittet ihn, "die unerträglichen Zustände im Verhältnis von Präsident und Belegschaft" zu beenden. Der Minister, damals Christian Köckert von der CDU, schickt einen seiner Abteilungsleiter in die Behörde, um den Konflikt beizulegen. Doch der nächste große Knall lässt sich dadurch nicht verhindern: Im Juni 2000 outet sich der Neonazi Tino B. als V-Mann. Innenminister Köckert versetzt Roewer daraufhin in den einstweiligen Ruhestand.

Ein Verfassungsschutzchef, der das Unkonventionelle kultiviert, der keine Skrupel hat, aus dem Ruder laufende Extremistenführer als Zuarbeiter zu beschäftigen, der eine Behörde innerhalb der Behörde aufbaut – hat der sich womöglich auch zugetraut, ein Trio wie Mundlos, Böhnhardt und Beate Z. nachrichtendienstlich zu steuern? Es wäre nicht die einzige fatale Fehleinschätzung des Präsidenten.

Nachdem die Polizei 1998 eine Bombenwerkstatt des Trios in einer Garage in Jena ausgehoben hatte, den dreien aber die Flucht gelungen war, verkündete Roewer gegenüber einem Reporter: "Ich denke, sie befinden sich am Ende ihrer Karriere, noch bevor sie richtig begonnen hat." Ein furchtbarer Irrtum. Da hatten die drei gerade erst angefangen zu morden.

Es war nicht das letzte Versagen. Im Landesverfassungsschutzbericht von 1998 werden Mundlos, Böhnhardt und Beate Z. namentlich genannt. In den Jahren 1996 und 1997 sollen sie mindestens vier funktionsfähige Bomben besessen haben, die Polizei findet später in einer Garage 1,4 Kilo des Sprengstoffs TNT. Dann verschwinden sie im Untergrund. Die Thüringer bekommen sie nicht mehr zu fassen. Und sie versäumen auch, ihre Informationen an andere Fahnder weiterzugeben.

Auf zwei Männer und einer Frau, die Bomben basteln, Sprengstoff in einer Garage horten und plötzlich abtauchten, hätten die Ermittler der Sonderkommissionen in Köln und Nürnberg, die verzweifelt nach den Serienmördern suchten, nur zu gern einen Hinweis bekommen. "Warum haben wir nie aus Thüringen erfahren, dass da drei Verdächtige fehlen, die möglicherweise zu unserer Serie passen?", wundert sich heute Wolfgang Geier, ehemaliger Leiter der Soko Bosporus. Wer heute das Phantombild der Soko mit den Fahndungsfotos der Thüringer Polizei von 1998 vergleicht, wird eine frappierende Ähnlichkeit feststellen.

Versagen? Schlamperei? Oder doch Kumpanei?

Und beschränkte sich die Pannenserie, wenn es denn eine Pannenserie war, auf Thüringen? Längst gibt es Hinweise, die über das Bundesland hinausweisen. Im April 2006, beim letzten Mord des Zwickauer Trios, saß zumindest bis kurz vor den tödlichen Schüssen auf den Betreiber eines Internetcafés ein Beamter des hessischen Verfassungsschutzes im Nebenraum vor einem der Computer.

Vier der fünf Gäste des Cafés zur Mordzeit meldeten sich auf einen Zeugenaufruf der Polizei hin, nur der Beamte aus dem Sachgebiet Ausländerextremismus nicht. Nach 15 Tagen hatten die Ermittler ihn aufgespürt. Und bis in diese Tage gaben sie sich mit der Erklärung zufrieden, der Nordhesse sei nur zufällig dort gewesen. Er habe sich nicht offenbaren wollen, weil es ihm peinlich gewesen sei, dass er auf Sexseiten surfte, während seine Frau hochschwanger zu Haus saß, so die Erklärung. Versetzt wurde der Beamte dennoch, in das Kasseler Regierungspräsidium.

Doch heute lassen neue Erkenntnisse diese Spur in anderem Licht erscheinen. Neben einer Reihe von (angemeldeten) Waffen, die bei dem Sportschützen in der Wohnung gefunden wurden, entdeckten Ermittler dort auch brisantes Material: Pamphlete aus der rechten Szene, Papiere aus dem "Dritten Reich", Auszüge aus Mein Kampf. Nicht haufenweise, aber doch auffällig viele. Zudem soll der Verdächtige wegen rechtsradikaler Ansichten in der Nachbarschaft bekannt gewesen sein: In seinem Heimatdorf werde der Mann deshalb "der kleine Adolf" genannt. Und plötzlich kocht auch der ungeheuerliche Verdacht wieder hoch, der Beamte sei an mehr als einem der Tatorte zur Tatzeit gewesen.

Noch ist keine Verbindung zu der Zwickauer Zelle ersichtlich. Aus der damals ermittelnden Kasseler Staatsanwaltschaft heißt es, der Verdächtige, gegen den das Verfahren eingestellt worden sei, habe keine Kontakte zu neonazistischen Organisationen oder Personen gehabt. All das wird die Bundesanwaltschaft jetzt noch einmal genau überprüfen.

Von den Ergebnissen der Ermittlungen hängt viel ab. Sollte sich aus den Puzzleteilen, aus den Bruchstücken und Informationsfetzen das Bild eines Geheimdienstes ergeben, der rechten Terror unterstützt – die Republik wäre eine andere.

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Leserkommentare
  1. keine wirkliche Aufarbeitung der Kontinuität von Faschismus und BRD, parlamentarische Demokratie per Besatzung und Konsum verordnet und schmackhaft gemacht, Kolonialisierung des Ostens...ein Gebräu das mehr und mehr hervor kommt wenn der Wohlstand für die Masse Geschichte ist....Im Osten eher , im Westen später.....

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    • this.
    • 16. November 2011 16:13 Uhr

    Ein ausgeprägter Kollektivismus wie in Deutschland, ist nunmal der perfekte Nährboden für rechte wie linke Ideologien..

    Da ist sie wieder die herbei fantasierte Deutsche spezialität für Faschismus....

    Selbstgeißelung par excellence...

    • autist
    • 16. November 2011 17:52 Uhr

    obwohl Sie in der Feststellung, dass es 40 Jahre brauchte, bis man überhaupt angefangen hat, die Anfänge der Bonner Republik aufzuarbeiten, natürlich recht haben.

    Mir scheint es eher ein Ausdruck systematischer Verblödung zu sein, ein Teil des "Konsumismus" (Pasolini), der all die westlichen Länder umfängt, die ich kenne. Auch die Schweiz (Minarettverbot! u.a.) ist nicht frei davon, und da hat es zwei immer wieder als Voraussetzungen des Chavinismus und Rechtsraikalismus behauptete Dinge nicht: weder Arbeitslosigkeit und Verarmung, und bekanntlich auch keine nazisitische Vergangenheit.

    • Liman
    • 17. November 2011 14:04 Uhr

    1) 1933-Wir schauen auf die Wahlkarte in Deutschland. Die NSDAP dominiert im Norden und im gesamten Ostgebiet, der späteren DDR (mit Ausnahme des Eichsfelds). Im Westen und Süden wählt man die demokratische Zentrumspartei.

    2) Die meisten Nazis kommen nach 1945 im Osten wieder hoch. SED und die extra für Ex-Nazis gegründete Blockpartei NDPD nehmen mehr Altnazis auf als CDU, FDP und SPD im Westen.
    Die Nationale Volkarmee wird von Nazigenerälen aufgebaut.

    3) NPD-Chef in Thüringen ist hier sozialisiert worden
    Der Absolvent der SED-Bezirksparteischule war zehn Jahre Mitglied der SED und bis 1989 Sekretär der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Mehrfach berichteten Zeitungen über Dienels angebliche Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit. Anfang 1990 tauchte er als Landesgeschäftsführer einer dubiosen Deutschen Sex Liga in Weimar auf, wechselte aber bald zur NPD. Deren ostdeutsche Landesverbände befanden sich zu dieser Zeit erst im Aufbau. Dienel fungierte zuerst als Geschäftsführer, im Oktober 1990 stieg er zum thüringischen Landesvorsitzenden auf.

  2. Was tut man, wenn man vom politischen Versagen, vom Ende der Demokratie und des Rechtsstaats und vom größten Betrug am Bürger seit bestehen der Bundesrepublik ablenken will?

    [...]

    Gekürzt. Bitte achte Sie auf Ihre Wortwahl und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

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    sondern um Mörder und mögliche Unterstützer. Wenn Sie eine Auseinandersetzung damit als Kampagnenjournalismus bezeichnen, zeigen Sie damit, wes Geistes Kind Sie sind.

    • Gex83
    • 16. November 2011 15:33 Uhr

    Unerträglich sind Leute die die Gefahr der Demokratie ständig verharmlosen und mit Ablenkungsmanövern vom wahren Gesicht der rechten Szene ablenken wollen und nichts aus der Geschichte gelernt haben.Das ist dann eher ein Mangel an Intelligenz.

    Jeder aufgeklärte und vernünftige Mensch, zu denen ich die meisten Menschen hier im Lande zähle, verurteilt diese Taten auf das Äußerste.
    Somit erschließt sich mir in keinerlei Hinsicht die Annahme, diese Taten seien eine Gefahr für unsere Demokratie.
    Wiederum erschließt sich mir aus manchen Kommentaren die Annahme, dass die Bedeutung des Begriffs Demokratie nicht klar ist.
    Für mich sind diese Taten eher ein Zeichen des Versagens aufklärerischer Institutionen. Andererseits wird es in einer freien pluralistischen Gesellschaft immer Extreme geben und das kann auch seine guten Seiten haben.

    Für mich sind diese Taten hauptsächlich ein weiterer Beweis dafür, dass Terrorakte nicht (ausschließlich) durch Überwachung verhindert werden können, sondern durch Aufklärung.
    Denn dem wirklichen Willen eines Menschen ist sehr schwer Einhalt zu gebieten.

    Was wäre Journalismus ohne Unterstellungen. Nein - es hat schon ein G'schmäckle, dass ausgerechnet kurz vor dem allseits dsikutieretn "Untergang des Abendlandes" solche widerlichen Geschichten auftauchen. Ich unterstelle hier mal nichts, sondern stelle einafch fest:
    ENTWEDER hat das gesamte System Polizei, Staatsanwaltschaft, Geheimdienste und Sozialstellen komplett auf Unvermögen bereuhend versagt (da stellt sich dann schon ein wenig die Frage der Daseinsberechtigung)
    ODER nicht das System hat versagt sondern es ist bewusst so gelenkt und gesteuert worden, dass zeitlich passgenau ein Ablenkungsmanöver eingeleitet werden kann
    ODER das System steht fest in der Gedankenwelt der Ganz-Rechts-Außen-Prediger, die in unserer Gesellschaft längst die sogenannte Mitte erreicht hat - man schaue sich nur mal die Forumsbeiträge auf Welt Online, FAZ.de und, ja, - auch bei zeit.de wird man fündig, an.

    Die Folgen der "restlosen Aufklärung", die uns bevorsteht, werden weiterer Demokratieabbau und stärkere Überwachung sein.

  3. Der Verfassungsschutz erscheint immer mehr als eine vom Staat finanzierte kriminelle Vereinigung.

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    Die Frage, die man sich stellen muß: Der Verfassungsschutz scheint ja die Neonazi-Szene in Thüringen aktiv aufgebaut zu haben. So jedenfalls mein Eindruck durch die aktuelle Berichterstattung. Warum hat er das getan? War es ein Auftrag? Irgendwelche einzelne höhere Verfassungsschutz-Beamte haben doch niemals die Macht, um soetwas durchzuziehen.
    Oder war alles ganz anders?

    • Obscuro
    • 16. November 2011 18:03 Uhr

    Warum wurde einst die NPD nicht verboten? Genau weil in 90% der Straftaten V-Männer involviert waren.

    Jetzt haben wir ein Mördertrio das scheinbar ebenfalls gute Verbindungen zum Verfassungsschutz hatte.

    Kommt das noch jemanden seltsam vor? Entweder hat der Staat derartig Angst vor Nazis, ohne Basis in der Bevölkerung, das es einfach notwendig ist die Übelsten Vertreter für sich arbeiten zu lassen.
    Oder es wird Verzweifelt versucht die Braune Gefahr Medienwirksam aufzubauen.

    Natürlich könnte es auch Pure Dummheit sein. Aber derartig viele Pannen scheinen mir doch SEHR unwahrscheinlich.

    • Otto2
    • 16. November 2011 22:38 Uhr

    Haben sich die beiden Terroristen tatsächlich selbst getötet? Sie haben schon einmal auf Polizisten geschossen und eine von ihnen ermordet. Was spricht eigentlich dafür, dass sie, obwohl im Besitz von Waffen, nicht versucht haben, sich den Weg frei zu schießen?

  4. sondern um Mörder und mögliche Unterstützer. Wenn Sie eine Auseinandersetzung damit als Kampagnenjournalismus bezeichnen, zeigen Sie damit, wes Geistes Kind Sie sind.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

    • Lobel
    • 16. November 2011 15:32 Uhr

    In Thüringen laufen viele Dinge nicht rund. Vielleicht hilft ja das mediale Echo ein bisschen.

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    • DerDude
    • 16. November 2011 16:10 Uhr

    Zum Glück hat die Bundesanwaltschaft das Verfahren früh an sich gezogen.

    Das macht Manipulationen in Thüringen oder Sachsen (Stichwort Sachsensumpf http://www.zeit.de/online... ) zwar nicht unmöglich, aber zumindest ist mein Vertrauen in diese Behörde größer als jenes in die Staatsanwaltschaft Zwickau.

    Hoffentlich ist es damit etwas schwieriger geworden, die Wahrheit zu verbiegen.

    • Gex83
    • 16. November 2011 15:33 Uhr

    Unerträglich sind Leute die die Gefahr der Demokratie ständig verharmlosen und mit Ablenkungsmanövern vom wahren Gesicht der rechten Szene ablenken wollen und nichts aus der Geschichte gelernt haben.Das ist dann eher ein Mangel an Intelligenz.

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    Es ist wohl eher ein Mangel an Intelligenz, wenn man nicht in der Lage ist, die Bedeutung von Nachrichten in Relation zu setzen.

    Während mit der derzeitigen, völlig korrupten und mafiösen Parteien- und Finanzdiktatur die Freiheit, der Frieden und der Wohlstand von hunderten von Millionen Menschen verraten und verkauft wird, sprechen wir hier über eine handvoll Einzeltäter mit sehr begrenzter Reichweite.

    Offenbar ist ihnen aber nicht ganz bewusst, wie man diese Vorgänge politisch instrumentalisiert und medial verwertet?

    Sie glauben doch wohl auch nicht im Ernst, dass ein paar glatzköpfige Spinner eine Gefahr für ein Staatswesen sind? Wissen Sie eigentlich, wieviele Morde jährlich in Deutschland verübt werden?

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

    eben weil diese Spinner politisch so gut wie keinen Rückhalt haben.
    Sie werden kaum 5 % zusammenbekommen, die besonders nach dem Bekannwerden der Attentate sich mit den Spinnern politisch identifizieren können.

    Diese Leute sind kriminell und auch politisch motiviert.
    Das macht sie als Kriminelle gefährlich, nicht politisch.

    Die aktuellen Machteliten sind im Moment eine viel größere Bedrohung, deren Gesetzgebung in wichtigen Bereichen totalitäre Züge trägt, ws die totale bürokratische Überwachung angeht. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich um eine konservative oder linke Regierung handelt.
    Benutzt werden dafür Deckmäntelchen des Verbraucherschutze oder des Umweltschutzes,die getroffenen Massnahmen jedoch führen ganz wo anders hin.

    H.

    • MaxData
    • 16. November 2011 15:34 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/mk

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    • scoty
    • 16. November 2011 15:38 Uhr
    • Zadek
    • 16. November 2011 15:39 Uhr

    von "Nazis" ?

    Um Missverständnissen vorzubeugen...

    • scoty
    • 16. November 2011 15:38 Uhr

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