Nachhaltigkeit Holz für’s gute Gewissen
Waldbesitzer sollen ihre Bäume nach Ökostandards zertifizieren lassen. Die konservativen Förster wehren sich – noch.
© Gräfin./photocase.com
Die Strichbäumchen sprießen. Auf Saftverpackungen aus dem Discounter, auf Briefumschlägen, Besenstielen, ja sogar auf den Automaten-Fahrkarten der Deutschen Bahn. Die Laubbaum-Silhouetten zieren immer mehr Verpackungen und Produkte in deutschen Haushalten. Sie sind Prüfzeichen des Forest Stewardship Council (FSC), einer Organisation aller großen Naturschutzverbände wie WWF, Greenpeace, BUND, Nabu, und stehen für Holz- und Zellstoffprodukte aus umweltfreundlicher, zertifizierter Forstwirtschaft.
Für Papier und Kartons, die mit dem Siegel gekennzeichnet sind, wurden also keine Naturreservate irgendwo auf der Welt illegal gerodet – gut für das Gewissen der Verbraucher und das grüne Image der Industrie. Letztere hat ein Mitspracherecht in der Organisation, genauso wie Gewerkschaften und Vertreter indigener Völker, die über Wohl und Wehe der Wälder mitbefinden sollen. So scheint es auf den ersten Blick vorwiegend um den Schutz des Amazonas oder indonesischer Regenwälder zu gehen.
Doch wer ahnt schon, dass unter deutschen Waldbesitzern ein bizarrer, ideologischer Streit um die Öko-Zertifikate entbrannt ist? Dass ausgerechnet in der deutschen Forstwirtschaft, die sich seit dem 18. Jahrhundert des Erfindens der Nachhaltigkeit rühmt, die ökologische Nutzung im Argen liegen soll – obwohl es ein Bundesnaturschutzgesetz für Wälder und Felder gibt.
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Als einigermaßen gesichert gilt, dass Erzeuger ihr Holz mit dem Siegel zu besseren Preisen verkaufen können. Fünf Prozent der deutschen Waldfläche werden nach den zehn Grundsätzen und mehr als 50 Kriterien des FSC bewirtschaftet. Diese Vorgaben hat sich die Organisation nach dem ersten Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 gegeben. Sie sollen vor allem die negativen Auswirkungen der Holzwirtschaft auf die Umwelt beschränken, Arbeitnehmerrechte sichern, und sie verlangen regelmäßige Kontrollen. Das Prinzip: FSC-Zertifizierer prüfen die Beachtung ihrer Regeln, mit Einwilligung von Waldbesitzern und Betrieben und gegen Bezahlung.
Bis 2015 sollen 15 Prozent der deutschen Waldfläche zertifiziert sein, plant die Organisation. Sie will zertifizierte Holzprodukte begehrlich machen »wie einen iPod von Apple, für den die Leute auch deutlich mehr Geld ausgeben als für Konkurrenzprodukte«, sagt Uwe Sayer, Geschäftsführer des FSC Deutschland. Damit will er einen »gesellschaftlichen Erziehungsprozess« bewirken: Man müsse den Kunden mehr Ökologie in der Wirtschaft schmackhaft machen.
Ergibt das Sinn? Karl-Heinz Lieber findet: ja. Als Heilbronner Forstamtsleiter ist der 47-Jährige zuerst an der ordentlichen Bewirtschaftung seiner 30.000 Hektar Wald interessiert. Mit dem Holz, das hier am Neckar geschlagen wird, wollen die Kommunen Geld verdienen. Zehn Millionen Euro Umsatz macht Lieber im Jahr. Als vor vier Jahren der Agent eines skandinavischen Zellstoffherstellers bei ihm anrief, hätte er ein gutes Geschäft machen können. Doch dem Kommunalwald fehlte das entscheidende Attribut, das Zertifikat. »Schuld ist auch Harry Potter«, sagt Lieber, »der Konzern sollte das Papier für den neuen Band des Fantasy-Bestsellers produzieren, aber nur mit FSC-Holz.« Weil Lieber das Siegel nicht hatte, platzte der Deal.
- Datum 21.11.2011 - 12:52 Uhr
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- Serie Waldwoche
- Quelle DIE ZEIT, 17.11.2011 Nr. 47
- Kommentare 27
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"Natürlich fragten ihn die Bürgermeister im Landkreis auch, warum sie 7.000 Euro für eine Zertifizierung und 3.000 Euro für eine jährliche Überprüfung ausgeben sollten, »wo wir doch so gute Gesetze in Deutschland haben«."
Das sind also 10.000 Euro die man am Anfang für ein Zertifikat bezahlen soll und damit ist für mich der Status einer NPO nicht gerechtfertigt.
Übrigens wird nicht erwähnt, dass auch Plantagen zertifiziert werden sollten welche auf gerodetem Boden standen - soviel zum Thema Nachhaltigkeit.
Überhaupt ist es einfach nur unverantwortlich, derartige Souveränität auf einen Konzern zu übertragen welcher offensichtlich nicht im Allgemeinwohl handelt.
Quelle: http://www.spiegel.de/spi...
"Wo kein Wild beißt, wächst die Eiche. Das bekräftigt ihn, auf die Jäger zuzugehen und einen stärkeren Abschuss junger Rehe zu fordern. Doch damit riskiert er weiteren Streit."
Und das ist noch schlimmer! In den letzten Jahrzehnten hat doch die Erlegungsrate noch mehr zugenommen und er fordert noch mehr tote Tiere anstatt sich um Nachhaltigkeit zu kümmern...interessant.
...10 Förster und einen Jäger. Heute gibt es zwei Zertifizierer, drei Investmentmanager, zwei Kontrollbeamte, eine Initiative für esotherisches Vogelgezitscher und Anerkennung der Vogelrechte und der Förster muss für 400€ nach Feierabend im Wald schuften...
Im Zuge meiner (privaten) Studie über Waldschäden durch Klimaerwärmung/überhöhte CO2 Konzentration hatte ich auch mit eingen Forstwissenschaftlern zu tun. Ich kann die Einschätzung des Artikels „Wer sich zugunsten strengerer ökologischer Regeln und Prüfungen aus dem Fenster lehnt, muss mit herbem Widerspruch rechnen. Kaum ein Forscher will sich deshalb zur Sinnhaftigkeit von Holzsiegeln in Deutschland äußern.“ nicht bestätigen.
Es wurde vielmehr angeführt, dass speziell das FSC Siegel eher Schadet als nutzt. Es wurde angeführt, dass es für den Wald nicht immer nützlich ist, alles natürlich zu belassen. Beim Menschen würde eine Schnittwunde ab einer gewissen Tiefe eben auch desinfiziert und genäht werden. Niemand würde auf eine natürliche Heilung warten.
Der im Artikel erwähnte Borkenkäfer ist so ein Fall. Wird nicht gespritzt, vermehrt sich der Käfer erheblich schneller, vom finanziellen Schaden für die Holzwerke mal abgesehen.
Am Ende des Artikels sieht man ja, um was es geht. Wenn die Zahlen (600000 bayrische Waldbesitzer) stimmen und sich jeder zertifizieren muss um sein Holz zu verkaufen, entstehen für den FSC Einnahmen von 4,2 Milliarden EURO und jedes Jahr nochmals 1,8 Milliarden für die jährliche Überprüfung.
Und das soll sich rechnen ?
Übrigens hat der Waldbestand in den letzten 10 Jahren um ca. 10% zugenommen, Privatwald auf vormals gerodeten Flächen nicht eingeschlossen.
http://www.youtube.com/us...
ist der Borkenkäfer kein Problem.
Nur in Monokulturen ohne Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren kann der Borkenkäfer zum Problem werden.
http://www.youtube.com/us...
ist der Borkenkäfer kein Problem.
Nur in Monokulturen ohne Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren kann der Borkenkäfer zum Problem werden.
...wie ein "iPod":
Hergestellt aus Aluminium und furchtbaren Arbeitsbedingungen und das Nachfolgeprodukt kommt spätestens in 9 Monaten.
Und für den Kunden ein völlig überteuertes Produkt, die sich damit ausschliesslich das Gewissen einkaufen zu einer Sekte zu gehören, die sich als Bessermenschen und cool ansieht...
Daß der FSC in der Kritik steht, indigene Völker zu vertreiben, Monokulturen in Nordeuropa, Südamerika, Asien ua.an zulegen,Kahlschläge anlegt, wo das verhindert werden müßte und vorrangig die Holzkonzerne bedient wird nicht erwaähnt.
Warum?
Daß der PEFC für eine Holzwirtschaft der kurzen Wege steht, wird uns nicht gesagt.
Warum?
Oder steht der Verfasser des Beitrags im Dienste des FSC (5% der deutschen Waldflächen), wirbt so für dieses Landvertreibungssiegel und wird dafür noch bezahlt?
Warum steht der BUND hinter FSC und nicht hinter dem PEFC?
Dient der BUND der Amerikanisierung unserer Wälder indem er die PEFC- Anstrengungen hier einfach ignoriert als gäbe es nur die Holzkonzernfreunde?
Ich habe ein Jahr in Südafrika für eine lokale Umweltorganisation gearbeitet, die sich mit industriellen Holzplantagen beschäftigt. Aus eigener Erfahrung kann und muss ich (leider) sagen, dass FSC in vielen Aspekten alles andere als umweltfreundlich ist, sondern oft den ökonomischen Interessen Vorrang gibt. In Südafrika werden jährlich hunderte wilde Paviane in riesigen Käfigen gefangen und einer nach dem anderen erschossen, da sie angeblich einen Schaden an den Bäumen riesiger Monokulturen anrichten und damit wirtschaftlich schädlich für die Industrie sind. Diese Massenmorde an Pavianen sind FSC-zertifiziert. Dagegen haben wir eine offizielle Beschwerde bei dem FSC eingereicht, die leider von dem FSC Vorstand, einschließlich Mr Andre de Freitas, Exekutivdirektor von FSC, nicht nach den FSC-internen Vorschriften abgewickelt wurde und somit letztendlich eine Entscheidung gegen wilde Tiere aber für die mächtige Industrie getroffen wurde - schade, aber FSC ist für mich nicht mehr viel wert....
http://www.youtube.com/us...
Es ist schlimm den Deutschen Wald zu sehen
wo alles Kreuz und Quer vor sich hin Gammelt.
Das hilft der Tierwelt kaum und schadet der Menschenwelt
oder sind Holzwürmer Schlupfwespen Holzbock und Co.
vom Aussterben bedroht?
Vor Menschen, wie Ihnen wurden wir in unserem Forstwissenschaftsstudium immer gewarnt. Krass, dass es diese Meinung wirklich gibt.
Vor Menschen, wie Ihnen wurden wir in unserem Forstwissenschaftsstudium immer gewarnt. Krass, dass es diese Meinung wirklich gibt.
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