KlimawandelDer Dürre ausgeliefert

Mit den Bäumen schwinden im Sahel auch die letzten Ressourcen von Bauern und Hirten. von 

Die anhaltende Dürre in vielen Regionen rafft Pflanzen dahin.

Die anhaltende Dürre in vielen Regionen rafft Pflanzen dahin.  |  © steko7/photocase.com

Der Weiler Dan Bassa ist leicht zu finden, man sieht ihn schon aus einigen Kilometern Entfernung: eine grüne Bauminsel in der weiten, staubigen, ausgedorrten Ebene. Er besteht aus ein paar Lehmhütten, die sich in ein Trockenwäldchen ducken. Die Bauweise des Kornspeichers zeigt, dass die Bewohner aus dem Norden Nigerias stammen. "Wir sind Fulbe", sagt Kiri Mayere. Der drahtige Mann trägt das traditionelle Gewand seines Volkes, eine taubengraue Babanriga, einen weiten, bodenlangen Umhang. Er ist Oberhaupt einer 25-köpfigen Großfamilie, die seit 16 Jahren hier lebt – und oft andere Klimageschädigte abwehren muss. Denn ihre Oase weckt in der fast baumlosen Gegend im Bundesstaat Kaduna große Begehrlichkeiten. Die Leute sind stets auf der Suche nach Brennholz und Baumaterial. Schon mehrmals haben Unbekannte versucht, Bäume zu fällen oder Äste abzuhacken. "Wir haben sie selber gepflanzt. Es sind Doka, gutes hartes Holz", erklärt der Hausherr. "Ich würde bis zum Tod für sie kämpfen."

Die Bäume bilden einen Schutzwall um die Bauten, Gemüseparzellen und Viehpferche. Sie fixieren die Erde und fangen den Harmattan ab, den sandigen Wind aus der Sahara, der die fruchtbare Krume abträgt. Das Wäldchen ist für Mayere eine Art Lebensversicherung. Es soll verhindern, dass es seiner Sippe so ergeht wie einst den Großeltern, die weit oben im Norden Nigerias lebten. Sie mussten das Land ihrer Ahnen verlassen, weil die Wüste immer weiter vordrang. Sie erzählten ihren Kindern oft, wie das Unglück seinen Lauf nahm: Erst starben die Bäume, dann versiegten die Flussläufe und Wasserlöcher, das Vieh fand kein Futter mehr. Schließlich zogen sie mit ihren klapprigen Rindern in den fruchtbareren Süden, in das 800 Kilometer entfernte Gebiet um Dan Bassa. Kiri Mayeres stolze Vorfahren wurden zu Umweltflüchtlingen.

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In ihrer alten Heimat an der Grenze zum Niger sollen bereits 200 verlassene Geisterdörfer allmählich im Sand versinken. Diese Zahl stammt von der Umweltschutzorganisation Dare. Yahaya Ahmed, ihr umtriebiger Direktor, hat uns zum Anschauungsunterricht nach Dan Bassa begleitet. Für ihn ist die Ursache der Migration eindeutig: "Der Klimawandel beschleunigt die Desertifikation und raubt den Menschen die Lebensgrundlagen." Die betroffenen Regionen liegen im Sahel, im semiariden Landgürtel zwischen der Sahara und den Savannen, der sich vom Atlantik bis zum Roten Meer 6.000 Kilometer durch Afrika zieht. In jahrzehntelangen Phasen schwanken hier die Niederschläge. Deren abnehmende Tendenz fördere die Ausbreitung der Wüste, warnen Umweltschützer.

Jedenfalls tragen die Hirtenvölker in dieser kargen Welt am wenigsten zu den globalen Treibhausgasemissionen bei – und leiden am stärksten darunter , wenn sich das Klima ändert. In diesen Monaten sind die Sahel-Länder Mauretanien, Mali und Burkina Faso von einer anhaltenden Dürre bedroht. Auf Satellitenbildern ist zu sehen, dass viele Flüsse kaum noch Wasser führen. In der letzten Regenzeit fielen zu wenige Niederschläge, die Ernte ist entsprechend mager ausgefallen. Die Verknappung der Nahrungsmittel steigert die Preise, viele mittellose Familien machen sich bereits auf den Weg in die Städte. Das sind alarmierende Zeichen, die Deutsche Welthungerhilfe warnt vor einer weiteren großen Hungerkrise in Afrika.

Niemand weiß, wie viele Menschen in den vergangenen Jahren den unwirtlichen Sahel verlassen haben. "Aber wir spüren die Auswirkungen der Migration", sagt Yahaya Ahmed. "In ihrer Wahlheimat sind die Zuwanderer in der Regel nicht willkommen. Oft kommt es zu Verteilungskämpfen um Wasser, Land, Weiderechte und Brennholz." In Kaduna, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, stellt er uns zwei Männer vor, die für beide Konfliktparteien sprechen: einen sesshaften Bauern und einen umherziehenden Viehhalter. "Die großen Herden zertrampeln unsere Äcker", klagt der Farmer. "Es gibt keine Korridore mehr, durch die wir unsere Kühe treiben können", verteidigt sich der Nomade. Der Farmer: "Euer Vieh verschmutzt unser Trinkwasser." Der Nomade: "Wo sollen wir hin?" Wenn man den Kontrahenten so zuhört, fällt einem unweigerlich der biblische Bruderzwist zwischen Kain und Abel ein, zwischen dem Ackerbauern und dem Hirten.

Leserkommentare
    • Azenion
    • 30. November 2011 8:57 Uhr

    Analog zum "Peak Oil" dürfte die Erde in Kürze auch "Peak Man" erleiden. Ob durch Hunger, Krieg oder Seuchen weiß man noch nicht, aber irgendwann muß die Population der schon lange von der Substanz lebenden Menschheit einbrechen.

    Wo in Afrika, wie im Artikel beklagt, einfältiger Fatalismus vorherrscht, wird in Europa durch "Marktzwänge" und kaltblütige Interessenpolitik dasselbe erreicht: Alle Ressourcen der Erde werden verbrannt.

    Die afrikanische Methode die Erde zugrundezurichten, nämlich die des Kinder-in-die-Welt-Setzens, und dann Schauens, wieviele davon verhungern, mag die sozialdarwinistisch erfolgreichere Methode sein, mir persönlich kommt sie allerdings besonders grausam vor.

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    Sie haben Ihr persönliches co2-Volumen bereits mehr als aufgebraucht. Bitte wenden Sie sich für eine (End)Lösung an Röttgen.

    Als besonders grausam empfinde ich diejenigen, die meinen es gebe zu viele Menschen auf der Erde ohne aber dann im Umkehrschluss mit guten Beispiel voran zu gehen um das Problem aktiv anzugehen.

  1. ... Wundersames Wachstum: Die Sahelzone gilt als Inbegriff der Hoffnungslosigkeit, als Armenhaus der Erde, geplagt von Dürre, Elend und Hungersnot. ...

    ... Seit 20 Jahren kommen allein in Niger jedes Jahr etwa eine viertel Million Hektar Baumbestand dazu, mittlerweile ist eine Fläche ergrünt, groß wie die Niederlande. Insgesamt, schätzt Reij, wachsen dort derzeit rund 200 Millionen neue Bäume heran. Und in den Nachbarländern Burkina Faso und Mali sieht es ähnlich aus. ...

    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-41699.html

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    • pinero
    • 30. November 2011 12:01 Uhr

    Es gibt in der Tat in einigen Ländern des Sahel einen Vegetationszuwachs und eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion. Burkina Faso beispielsweise produziert inzwischen so viel Gemüse, dass die Produzenten in den Nachbarländern schon Probleme mit den großen Exportmengen bekommen.

    Die andere Sicht stimmt leider auch. In etlichen Gebieten des Sahel, die für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung ungeeignet sind, verschwindet weiterhin Vegetation, und da können ein paar Bäume weniger, wie im Artikel beschrieben, letztlich ganzen Dorfgemeinschaften die Lebensgrundlage entziehen.

    Das meines Erachtens wirklich dramatische Problem wird aber in beiden Artikeln nicht angesprochen, das ist das, was knapp südlich des Sahel passiert. Während an den südlichen Rändern des Sahel die neuen landwirtschaftlichen Flächen entstehen, findet in Gebiet darunter (von Liberia über Ghana bis Nigeria) eine massive Abholzung auf Rekordniveau statt. Und zwar nicht, weil die Leute Brennholz oder Ackerland für ihre Familien brauchen, sondern weil die Grundbesitzer aus den Wäldern teureres Bauland machen wollen oder weil große Konzerne ganze Landstriche dort pachten, um Energiepflanzen anzubauen und zu exportieren.

    Ich halte diese massive Entwaldung südlich des Sahel auch für einen Hauptgrund für die zunehmende Dürre im Sahel. Die Harmattan-Saisan (in der die Sahara die Winde und das Klima bringt), dauert nur 2-3 Monate, im Rest des Jahres wird das Klima des Sahel von Süden bestimmt.

  2. Sie haben Ihr persönliches co2-Volumen bereits mehr als aufgebraucht. Bitte wenden Sie sich für eine (End)Lösung an Röttgen.

    Als besonders grausam empfinde ich diejenigen, die meinen es gebe zu viele Menschen auf der Erde ohne aber dann im Umkehrschluss mit guten Beispiel voran zu gehen um das Problem aktiv anzugehen.

    Antwort auf "Peak Man"
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    • spacko
    • 30. November 2011 9:31 Uhr

    Als besonders grausam empfinde ich die scheuklappenbehaftete Begriffstutzigkeit mancher Leute.
    Ich glaube nicht, dass der von Ihnen kritisierte Beitragsverfasser 15 Kinder hat. Sie vielleicht?
    Insofern geht er das Problem passiv an - immerhin besser, als es zu leugnen...

    • spacko
    • 30. November 2011 9:31 Uhr

    Als besonders grausam empfinde ich die scheuklappenbehaftete Begriffstutzigkeit mancher Leute.
    Ich glaube nicht, dass der von Ihnen kritisierte Beitragsverfasser 15 Kinder hat. Sie vielleicht?
    Insofern geht er das Problem passiv an - immerhin besser, als es zu leugnen...

    Antwort auf "Ich finde ja auch"
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    moralisch besser gelle?

    Und wer behauptet denn das 7 Milliarden Menschen "zu viele" sind? Wer bestimmt wann es genug ist? Woran machen Sie das fest? Und welche Anzahl wäre Ihrer Meinung nach die richtige? 4 Milliarden? 3 Milliarden? 10 Milliarden? Was machen Sie mit denen die dann zuviel sind?

    Schon allein Ihre Gedanken sind so erschüttern grausam, das einem die Worte fehlen. Purer Malthusianismus frei nach den Misanthropen Malthus. Erbärmlicher neuer Rassismus.

  3. moralisch besser gelle?

    Und wer behauptet denn das 7 Milliarden Menschen "zu viele" sind? Wer bestimmt wann es genug ist? Woran machen Sie das fest? Und welche Anzahl wäre Ihrer Meinung nach die richtige? 4 Milliarden? 3 Milliarden? 10 Milliarden? Was machen Sie mit denen die dann zuviel sind?

    Schon allein Ihre Gedanken sind so erschüttern grausam, das einem die Worte fehlen. Purer Malthusianismus frei nach den Misanthropen Malthus. Erbärmlicher neuer Rassismus.

    Antwort auf "Grausam"
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    • spacko
    • 30. November 2011 9:54 Uhr

    und nicht um Moral! Ich oder sonstwer hat überhaupt nicht das Recht, "festzumachen" wie viele zu viele sind - das übernimmt die Natur von ganz allein, oder "Allah", wie Sie wollen...

    Die Zahl der Menschen KANN nicht unbegrenzt wachsen (selbst wenn wir unseren Resourcenverbrauch Richtung Steinzeit senken) , wenn der Mensch nicht in der Lage ist, sich zu begrenzen, dann wird die Natur das tun. Ganz einfach, ganz grausam.

    gutmenschelnde Realitätsverweigerung ist sicher auch nicht hilfreich.

    Der Artikel nimmt das eigentlich vorweg: semiaride Klimazone.

    Da bestimmen die lokalen Gegebenheiten über die Erträge an landwirtschaftlichen Produkten und das nutzbare Dargebot an Grundwasser.Jede Übernutzung (Vieh, Überbevölkerung) rächt sich schnell. Denn solche Übernutzung verändert eben auch fix das lokale Klimagleichgewicht, meist mehr als es sein müsste.

    MfG Karl Müller

  4. die sowieso schon nix mehr haben, waehrend die Verantwortlichen sich im warmen Wetter und Profit baden. Wir wussten ueber den Klimawandel seit den 70ern bescheid. Wir muessen JETZT was dagegen tun um die Erderwaermung auf 2 Grad zu limitieren. Alles darunter ist schon zu spaet. Alles da drueber kann nicht akzeptiert werden!

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    Oha, damals als die Welt vor einer neuen Eiszeit bibberte, haben Sie Ihr Wissen geheim gehalten und alle im Unklaren nur um heute damit aufzutrumpfen.

    Sie wollen ernst genommen werden, wenn Sie Klimaschwankungen um 2 Grad einpendeln wollen. Hahahahaha ... was für eine Hybris.

    ... was wollen Sie denn tun? Sicher kann und soll man mit der Umwelt verantwortungsbewußt umgehen. Aber andere Faktoren des Klimawandels werden dennoch wirken.

    Niemand kann das Klima steuern. Die Nazca-Kultur ist auch ohne jede Technik ausgestorben. Andere Kulturen wurden ebenso von der Natur besiegt.

    'Wir wussten ueber den Klimawandel seit den 70ern bescheid.'

    Damals erwartete man eine neue Eiszeit.

    wünschen ... dafür ist es zu spät, es sind schon mehr als zwei Grad Celsius, abhängig von der Weltgegend und von der Geländehöhe:
    http://www.freitag.de/community/blogs/kunibert-hurtig/klimawandel-und-an...
    Was derzeit belabert wird sind Placebos, sozusagen die Homöopathie der Klimawandelpolitik
    KH

    • dacapo
    • 24. Februar 2013 17:39 Uhr

    Was machen WIR ab JETZT? Wie fangen Sie z.B. damit an? Vielleicht können Sie vielen von den Lesern ein oder besser mehrere Beispiele von Ihnen geben.

  5. Oha, damals als die Welt vor einer neuen Eiszeit bibberte, haben Sie Ihr Wissen geheim gehalten und alle im Unklaren nur um heute damit aufzutrumpfen.

    Sie wollen ernst genommen werden, wenn Sie Klimaschwankungen um 2 Grad einpendeln wollen. Hahahahaha ... was für eine Hybris.

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    Also die Probleme in der Sahel-Zone sind nicht neu. Schon in den 90ern zu meiner Schulzeit sollte ich dazu einen Vortrag ausarbeiten und bin bei Recherchen auf Unmengen von Material gestoßen, das mitunter schon 15 Jahre alt war. Man konnte die Problematik in den 70ern vielleicht nicht so gut erklären wie heute, denn die Forschung stand am Anfang, aber grobe Zusammenhänge, wie zum Beispiel den zwischen globalen Klimaveränderungen und Desertifikation, kannte man schon.

    • spacko
    • 30. November 2011 9:54 Uhr

    und nicht um Moral! Ich oder sonstwer hat überhaupt nicht das Recht, "festzumachen" wie viele zu viele sind - das übernimmt die Natur von ganz allein, oder "Allah", wie Sie wollen...

    Die Zahl der Menschen KANN nicht unbegrenzt wachsen (selbst wenn wir unseren Resourcenverbrauch Richtung Steinzeit senken) , wenn der Mensch nicht in der Lage ist, sich zu begrenzen, dann wird die Natur das tun. Ganz einfach, ganz grausam.

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    Die Zahl der Menschen wächst in dem Maße wie es an Wohlstand mangelt. In allen Ländern die sich aus der Armut befreit haben gehen die Geburtenraten zurück. Wenn es also Ihr ernsthaftes Anliegen sei, was ich bezweifle, sorgen Sie dafür, das alle Menschen auf der Welt ein gewissen Wohlstand erreichen können und "Ihr" Problem hat sich von allein gelöst.

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