DIE ZEIT: Frau Prescher, Sie studieren an der Hochschule Emden im Fernstudium Medieninformatik. Wie darf man sich das vorstellen?

Jeannette Prescher: Ich muss mich nicht früh am Freitagmorgen in einem überfüllten Hörsaal einfinden. Stattdessen kann ich mich an den Schreibtisch setzen und mir den Stoff der Vorlesung selbst erarbeiten, und zwar dann, wann ich will. Ich kann auch im Zug lernen, im Wartezimmer oder im Café. Mein Studium ist nicht nur ein Fern-, sondern auch ein Onlinestudium. Der ganze Lernstoff ist im Web visualisiert, dort kann ich ihn abrufen und auf meinem Rechner speichern.

ZEIT: Warum haben Sie sich für diese Form des Studiums entschieden?

Prescher: Ich habe erst zwei Jahre als Krankenschwester gearbeitet, aber ich wusste, dass das nicht mein Beruf sein soll. Über Onlinerecherche bin ich auf das Fernstudium gestoßen. Das war für mich perfekt, weil es bedeutete, dass ich zunächst weiter arbeitete und Geld verdiente – und mir gleichzeitig abends und am Wochenende ein zweites Standbein aufbauen konnte. Als dann mein erstes Kind kam, konnte ich nicht mehr als Krankenschwester arbeiten. Aber neben dem Kind in Teilzeit zu studieren, das ging gut.

ZEIT: Wie sieht Ihr Alltag aus?

Prescher: Früher kam ich von der Schicht im Krankenhaus nach Hause und habe mich vor den Rechner gesetzt und den Stoff durchgearbeitet. Seit ich die Kinder habe, ist es nicht weniger anstrengend: Morgens bringen mein Mann und ich sie in den Kindergarten und zur Schule. Dann setze ich mich an den Computer und studiere von acht bis halb eins. Wenn unsere Söhne zurückkommen, mache ich mit ihnen Hausaufgaben und erledige die Hausarbeit. Wenn abends noch Zeit bleibt, widme ich mich meinem Nebenjob. Ich arbeite an der Hochschule in der Wissenschaftsorganisation und verdiene damit mein Geld. Zum Glück ist auch dieser Job vor allem online und kann sehr flexibel erledigt werden.

ZEIT: Woher bekommen Sie denn Ihre Arbeitsmaterialien?

Prescher: Ich melde mich online bei einem Lernraumsystem an. Dort komme ich an die Module, die enthalten dann die Texte, Videos, Erläuterungen und Übungen. Es ist ähnlich wie ein E-Book. Den Inhalt erarbeite ich mir autodidaktisch, und zwar am Bildschirm. Anfangs habe ich alles ausgedruckt, aber das wird teuer. Mittlerweile arbeite ich häufig ganz klassisch mit Stift und Papier und schreibe mir das Wichtige in Stichpunkten ab. Wir müssen auch immer wieder Übungsaufgaben einreichen. Alle paar Wochen gibt es eine Videokonferenz mit dem Professor. In einer Art virtuellem Klassenraum. Ich melde mich an und sehe dann meinen Professor und die Kommilitonen, das waren 30, als ich angefangen habe. Der Dozent lädt seine Folien hoch und hält die Vorlesung. Wenn wir eine Frage haben, können wir uns melden, und der Professor nimmt uns dran.

ZEIT: Sehen Sie die Professoren denn auch mal persönlich?

Prescher: Es gibt natürlich auch Präsenzphasen an der Hochschule, drei Mal pro Semester. Dazu müssen alle Studierenden für einen Freitag und einen Samstag nach Emden kommen und hier an der Hochschule Seminare besuchen. Für mich ist das einfach, weil ich zufällig gerade zwei Minuten Fußweg davon entfernt wohne. Aber meine Kommilitonen reisen teilweise aus Frankreich oder den Niederlanden an.