Medizintechnik boomt – zum einen, weil die Weltbevölkerung wächst, die Lebenserwartung steigt und somit auch die Häufigkeit altersbedingter und oftmals chronischer Erkrankungen; zum anderen, weil immer mehr Menschen bereit sind, viel Geld aus eigener Tasche für moderne Behandlungsmethoden zu bezahlen. Einer Forsa-Umfrage von 2010 zufolge wird der Einzug der Technik in keinem anderen Lebensbereich stärker begrüßt als in der Medizin. So glauben etwa drei Viertel der Deutschen, dass ihre Chancen auf ein längeres Leben entscheidend von der Innovationskraft der Medizintechnik abhängen. Eine Einführung für Interessierte:

Wie finde ich den Einstieg?

Es werden vor allem Ingenieure gebraucht, die sich auf Fachrichtungen wie Medizin-, Elektro- oder Verfahrenstechnik, Maschinenbau, Wirtschaft oder Mechatronik spezialisiert haben. Aber auch Physiker und Informatiker, Chemiker und Mediziner, Biologen, Pharmazeuten und Betriebswirte sind gefragt, da fast überall in interdisziplinären Teams zusammengearbeitet wird. Neben einem soliden Wissensfundament braucht es laut Olaf Dössel vom Karlsruher Institut für Technologie deshalb neben sehr guten Englischkenntnissen vor allem Teamfähigkeit, da immer über eigene Disziplinen hinaus gedacht und kommuniziert werden muss.

Wo kann man sich direkt in Medizintechnik ausbilden lassen?

Viele Hochschulen haben auf den Fachkräftemangel und das rasante Wachstum der Branche reagiert und in den vergangenen Jahren neue Bachelor- und Masterstudiengänge etabliert: Während die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg schon seit den siebziger Jahren ein Studium in Medizintechnik anbietet, sind mittlerweile zum Beispiel auch die Fachhochschulen in Lübeck, Gießen, Braunschweig, Jena, Gelsenkirchen und Aachen für ihre Studiengänge im Fach Medizintechnik bekannt. Es gibt inzwischen auch Studiengänge mit einem noch konkreteren Fokus: So kann man sich an der FH Koblenz etwa auf Sportmedizinische Technik spezialisieren, an der HAW Hamburg auf Biomedical Engineering.

Gemein ist allen Studiengängen eine stark mathematische Ausrichtung; außerdem stehen naturwissenschaftliche Fächer wie Human- und Mikrobiologie auf dem Stundenplan. Viele Unternehmen fordern darüber hinaus, dass betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Vermarktungsstrategien zukünftig eine größere Rolle während des Studiums spielen.

Ausgebildete Techniker aus dem Metall- oder Elektrobereich können sich an einer Techniker- oder Fachhochschule auch binnen zwei Jahren zum »Staatlich geprüften Techniker / Fachrichtung Medizintechnik« weiterbilden.

Was für Einsatzgebiete gibt es?

Die Beschäftigungsbereiche und Karrierechancen sind vielfältig: Gearbeitet wird nicht nur im Labor oder an Universitäten; Medizintechniker installieren, warten und reparieren beispielsweise auch technische Geräte in Krankenhäusern und Dialysezentren und dienen als Ansprechpartner für Ärzte, Patienten, Pflege- und Verwaltungspersonal. In der medizinischen Industrie verfassen sie Gutachten, prüfen Vorschriften und kümmern sich um die Zulassung neuer Produkte. Die Gehaltsentwicklung hängt stark vom jeweiligen Einsatzgebiet, der Ausbildung und dem Arbeitgeber ab. Ein Produktmanager verdient in den ersten beiden Berufsjahren im Schnitt 45.000 Euro, ebenso Controller und Außendienstmitarbeiter der Medizintechnikbranche. Wer in der Forschung arbeiten möchte, erhöht Erfolgschancen und Verdienst in jedem Fall durch eine vorangegangene Promotion.