Studenten der Hochschule Bremen © Hochschule Bremen

High Heels sind nicht die beste Wahl für die Abschlussfeier des International Graduate Center der Hochschule Bremen (IGC). Das beliebte Hütewerfen findet in den historischen Wallanlagen der Hansestadt statt. Der Rasen ist zu weich für hohe Absätze, aber davon lassen sich die Absolventinnen nicht abschrecken. Sie haben eine größere Herausforderung gemeistert – das harte Studium, das nun hinter ihnen liegt, für das viele von ihnen für einige Zeit ihre Heimat verlassen haben: Die Absolventen des International Graduate Center kommen aus der ganzen Welt, aus China, Peru, Kanada, Namibia.

Bereits seit zehn Jahren gibt es weiterbildende Masterstudiengänge an der Hochschule Bremen, das IGC wurde 2004 gegründet. Es gehört damit schon zu den etablierten Einrichtungen in Deutschland. Zehn Masterstudiengänge werden dort angeboten, die Bewerber müssen mindestens ein Jahr Berufserfahrung mitbringen. Mit dem Zentrum wollte sich die Hochschule Bremen im zunehmenden Wettbewerb ein schärferes Profil geben.

Frank Ziegele vom Centrum für Hochschulentwicklung erwartet, dass der Bereich Weiterbildung für Berufstätige in den nächsten Jahren wachsen wird. Grund dafür ist die Hochschulreform. »Die Nachfrage wird weiter steigen, wenn erst genug Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt angekommen sind. Für diese Gruppe ist eine gezielte Weiterbildung besonders interessant, da mit einem Masterabschluss auch die Karrierechancen steigen«, sagt Frank Ziegele. Auch Tim Goydke, wissenschaftlicher Leiter des IGC in Bremen, rechnet mit steigenden Bewerberzahlen: »Ich glaube, dass die große Welle noch kommen wird.«

Die Universitäten müssen sich dabei auf eine ganz neue Zielgruppe einstellen. »Diese Leute kann man nicht mit einem zweitklassigen Service abspeisen. Sie möchten etwas sehen für ihr Geld«, sagt Ziegele vom CHE. Als Studiengangsleiter des berufsbegleitenden MBA »Hochschul- und Wissenschaftsmanagement« kennt er diese Ansprüche aus eigener Erfahrung. »Wir bekommen nicht selten Beschwerden, dass die Prüfungsergebnisse zu lange auf sich warten lassen. Da entsteht ein gewisser Druck«, erzählt Ziegele.

Und auch die Dozenten müssen sich auf diesen Studententypus einstellen. »Sie können nicht als Professoren auftreten, die das letzte Wort haben. Man ist vielmehr Gleicher unter Gleichen – eher ein Moderator der Lehrveranstaltung«, sagt Frank Ziegele. Viele Studenten mit entsprechender Berufspraxis berichten, dass es für sie besonders reizvoll ist, von ihren Kommilitonen zu lernen. Sie erwarten deshalb, dass ihre Erfahrungen in den Unterricht mit einbezogen werden.

In Bremen machten vor zehn Jahren gerade einmal 40 Studenten am IGC ihren Abschluss, bei der diesjährigen Graduiertenfeier sind es rund 100 Absolventen. Und es sollen noch mehr werden. Man ist deshalb auf der Suche nach einem neuen Gebäude, denn allmählich wird es im IGC-Haus zu eng. Es befindet sich in einem Wohngebiet in der Bremer Neustadt, die Hochschule selbst ist einige Straßen entfernt. Die kleine Distanz ist durchaus gewollt. »Die räumliche Trennung war uns wichtig«, sagt Tim Goydke. »Die Studenten sollen wissen, dass sie für ihre Gebühren etwas mehr geboten bekommen und besonders intensiv betreut werden – zumal etwa 80 Prozent unserer Studenten aus dem Ausland kommen.«

Die Unis schlagen unterschiedliche Wege ein, um ihre Nische zu finden. In Bremen setzt man auf Internationalität. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Hansestadt bei der Anzahl ausländischer Studierender mit 12,5 Prozent an zweiter Stelle steht. Nur Berlin ist als Hochschulstandort noch beliebter.