World Peace Academy: Die Uni fürs Gute
An der Basler World Peace Academy lernen junge Menschen aus der ganzen Welt, wie Frieden herstellbar ist. Mit ihrer Arbeit lässt man die Basler aber ziemlich allein.
© World Peace Academy

Studenten der World Peace Academy bei einem Besuch der Vereinten Nationen in Genf
Es gibt eine Tat, an der man erkennen kann, ob es einem Schweizer wirklich ernst ist mit seinem Ansinnen: wenn er seine Pensionskasse auflöst, sich also sein fürs Altenteil Erspartes nimmt, um einen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Das hat das Basler Ehepaar Pierre und Catherine Brunner getan. Vor drei Jahren.
Aber sie haben sich damit nicht den Traum vom Auswandern nach Kanada oder den Wunsch nach einer eigenen Kunstgalerie verwirklicht. Nein, sie haben mit dem Geld und der Unterstützung von Freunden die World Peace Academy (WPA) in Basel gegründet. Eine Ausbildungsstätte, wo man den Frieden, also einen erstrebenswerten gesellschaftlichen Zustand, studieren kann.
Ein Vierteljahrhundert lang hatte das Ehepaar sein Leben in den Dienst anderer Menschen gestellt, der Theologe und die Psychologin hatten Gassenküchen, offene Kirchen betrieben, sich um Aids-Kranke gekümmert, die von ihnen gegründeten Basler Wohngemeinschaften waren immer voller Menschen, die nicht mehr ein und aus wussten. Sie kümmerten sich um diejenigen, die aus dem Arbeitsleben ausgeschieden waren, aus welchen Gründen auch immer. »Wir wollten einen Ausgleich schaffen zwischen den Gesellschaftsschichten«, sagt die 52-jährige Catherine Brunner. Dass sie dabei auch viele menschliche Enttäuschungen erlebt haben, verhehlen sie nicht. »Wir wurden so oft beklaut, dass wir gar nicht mehr gezählt haben. Aber das hat uns in unserer Menschenliebe eher bestärkt, denn wir sehen halt, woher die Menschen kommen«, sagt ihr Mann. Und die Frau ergänzt: »Ich habe mir angewöhnt, den Menschen nicht an seinen Defiziten, sondern an seinen edlen Taten zu messen.« Und, ach ja, zwei Kinder haben die Brunners in diesem Trubel, in dieser wild zusammengewürfelten Großfamilie großgezogen. Aus denen ist auch etwas geworden. Die Tochter ist Balletttänzerin, der Sohn betreibt einen Kleiderladen.
Aber irgendwann war Schluss mit Selbstaufopferung. Man fand keine Mitarbeiter mehr. Und vor allem: Die beiden wollten mehr, als im Lokalen zu wirken und dem Staat unter die Arme zu greifen.
»Jedes kleine Problem hat heute globale Ursachen. Zu deren Lösung wollten wir mehr beitragen, Multiplikatoren sein. Denn Frieden kann es nur im Verbindenden, in der Vernetzung geben. Da schien uns die Idee eine Akademie für Friedensstudien naheliegend«, sagt der 56-jährige Pierre Brunner. Man nahm Kontakt zum weltbekannten Friedensforscher Johan Galtung auf, der natürlich begeistert war – und das Ansinnen bis heute in Rat und Tat unterstützt.
Der Ort, an dem seit dem 1. März 2010 Gutes entsteht, liegt in einem Hinterhof beim Basler Bahnhof. In einem kleinen, verwinkelten, alten Haus leben und arbeiten 35 Studenten aus 25 verschiedenen Nationen. Internationale Dozenten lehren sie die Friedensarbeit. Hier wird ihnen in verschiedenen Modulen die Theorie vermittelt, es geht um direkte, strukturelle und kulturelle Gewalt – und es geht um Konfliktlösungen, darum, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit dauerhafter Frieden herrschen kann. Mit Fallstudien durchleuchtet man Konflikte und mögliche Lösungsszenarien. Hier sollen sie das Rüstzeug bekommen, um später in den Konfliktgebieten dieser Welt erfolgreich vermitteln, festgefahrene Situationen aufbrechen oder andere Wege aufzeigen zu können. In regelmäßigen Abendveranstaltungen sprechen hochkarätige Redner und Rednerinnen, die mit den Themenfeldern in Theorie und vor allem in Praxis vertraut sind.







"Aber irgendwann war Schluss mit Selbstaufopferung. Man fand keine Mitarbeiter mehr. Und vor allem: Die beiden wollten mehr, als im Lokalen zu wirken und dem Staat unter die Arme zu greifen."
Das heißt also: Wir sind an den Realitäten in unserem Umfeld gescheitert, deshalb retten wir zum Ausgleich die Welt.
Ein wenig allgemein gehalten, die Inhalte. Aber gut ist das schon. Auch die Einsicht, dass Frieden Arbeit ist, kann man nicht genug betonen. Frieden ist zwar nicht die Abwesenheit von Krieg aber immerhin schon ein Anfang, denn die Menschen und die Waffen schweigen.
Jetzt fehlt nur noch die Einsicht, dass auch nicht da unbedingt Frieden ist, wo alle das tun sollen, was einer oder einige im Namen oder im Wollen des Friedens vorschreiben.
"Jedes kleine Problem hat heute globale Ursachen. Zu deren Lösung wollten wir mehr beitragen, Multiplikatoren sein",[...] sagt der 56-jährige Pierre Brunner.
Friedlichkeit kann man meiner Meinung nach nicht multiplizieren. Es ist schrecklich mühselige Additionsarbeit, die sich über viele Generationen erstreckt. Zu sehen ist das in Afghanistan, im Irak, tlw. in Ägypten oder, um auch ein positives Beispiel zu nennen, in Südafrika. Ohne eine Mehrheit von freien, wehrhaften Menschen ist Frieden nicht möglich.
Im Umkehrschluss wird alles noch schlimmer, weil die Additionsregel nicht für die Kriegstreiber dieser Welt gilt. Sie sind tatsächlich Multiplikatoren, denn sie halten sich an keine Ethik und wenden massenhaft Propaganda und Zwang an.
Kurz gesagt: Friedensarbeit betrifft nur dich selbst, sie ist objektgebunden. Und niemand mag Missionare... außer Missionare.
»Wir haben Hunderte von Briefen geschrieben, aber nur Absagen bekommen – weil keine Stiftung die Friedensförderung als Stiftungszweck kennt. Das ist wirklich schade«, sagt der Gründervater."
Es scheint irgendwie typisch zu sein, dass bestimmte Bereiche fast gar nicht gefördert werden.
"Die 30-jährige Martha Hernandez aus Kolumbien sagt: »Ich will nicht viel Geld haben, das kann ja jeder. Ich will ein Leben, das Sinn macht.«"
Schön, dass es noch so denkende Studierende gibt. An den Unis sieht man oft nur noch Studis, denen vermeintliche Sicherheit und Karriere über alles geht und alles andere so ziemlich egal ist.
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