City Guide Istanbul Leuchtdioden aus Byzanz
Im Süleymaniye-Viertel reicht ein Kilometer Weg für eine Achterbahnfahrt durch die Epochen. Ein Spaziergang zwischen Kühen, Copyshops und Kulturschätzen
© Agata Skowronek für DIE ZEIT

In der Nachbarschaft der berühmten Süleymaniye-Moschee trifft man viele Studenten.
Ein richtiges Minarett hat keinen Fahrstuhl. Also immer die Treppe hinauf, um den Kern des Turms kreisend, gefühlte fünftausend Stufen. Im Finstern stolpere ich leise fluchend über die Kabel der Lautsprecheranlage, mit der sich der Muezzin diesen Weg erspart. Oben kommt die Belohnung, die sich Sultan Süleyman der Prächtige einst selbst geschenkt hat: der Blick auf die historische Halbinsel von Konstantinopel, ein Weltwunder im Kleinformat.
Heute könnte der Sultan meinen, zwei verschiedene Städte zu sehen. Die Aussicht nach Norden käme ihm sehr fremd vor. Dort stehen die Bürotürme von Şişli und Levent in der Istanbuler Neustadt, wo alles Alte geschleift wird. Auf der anderen Seite, im Südosten, liegt Sultanahmet mit der Hagia Sophia und dem Topkapi-Palast. Heute ist das Viertel ein Freilichtmuseum, wo alles nur alt sein darf. Wenn man dort einen Türken trifft, will er wahrscheinlich etwas verkaufen.
Die Süleymaniye-Moschee steht dazwischen als Wahrzeichen des Stadtteils, der ihren Namen trägt. Und so berühmt sie selber ist, ihre Nachbarschaft wird von den Reiseführern übergangen. Dabei eignet sie sich wie kaum eine zweite für einen Spaziergang durch die Epochen, von der oströmischen Antike zum Studentenleben der Gegenwart.
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Hier finden Sie alle Artikel aus dem City Guide Istanbul:
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Offizielles Tourismusportal der Türkei:
Die Moschee ist ein guter Ausgangspunkt, hier kommt gerade viel in Bewegung. Die Frau, der das zu danken ist, steht in der weiten Kuppelhalle unter dem Minarett und lacht über das ganze Gesicht. Die Architektin Nilgün Olgun wurde von der Türkischen Generaldirektion für Stiftungen mit einer der heikelsten Restaurationsaufgaben Istanbuls betraut. Die Süleymaniye-Moschee ist ein Hauptwerk des berühmten Sinan. Dieser Baumeister des 16. Jahrhunderts hat die Osmanen in ihren eroberten byzantinischen Bauten heimisch werden lassen. Und dabei das Muster geformt, nach dem man bis heute in der Türkei Moscheen baut: eine Kuppel unterm Himmel, hochschießende Säulen, quadratische Form.
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Leider empfanden sich auch viele seiner minder begnadeten Nachfolger als Modernisierer. Das ist der Süleymaniye-Moschee nicht gut bekommen. Nilgün Olgun, eine energische Frau von 48 Jahren, rümpft die Nase, wenn sie von der klassisch türkischen Art der Denkmalpflege spricht: yenileme – Erneuerung. »Das ist oft nichts anderes als Zerstörung«, sagt sie. In Istanbul werde zu oft abgerissen, drübergespachtelt, neu gebaut. Olgun lässt stattdessen die großartigen Details des 16. Jahrhunderts wieder freilegen. Sie zeigt auf die Kuppel. Die Säulen mündeten früher im belanglosen Dekor, jetzt werden sie von erhabenen schwarzen Rundformen gekrönt, daneben leuchten Keramikkacheln, die jahrhundertelang unter Barockgips und Zementschichten verborgen waren.
So rettet Olgun den Baumeister Sinan in die Zukunft. Eine Frau! Nicht überall in der Stadt wäre das so normal wie in Süleymaniye, wo ein liberaler Mufti der Moschee voransteht, mit einer Frau als Stellvertreter. Auch die Geschlechtertrennung beim Gebet ist nicht mehr unumstößlich. Früher mussten Frauen in einer Ecke beten, abgeschirmt von einer Wand. Jetzt sitzen sie hinter einem Paravent im Zentrum des Saales und können alle Details von Sinans Wunderwerk sehen. »Beim letzten Zuckerfest war die Moschee so voll, dass wir den Holzzaun wegnehmen mussten und Männer und Frauen durcheinander beteten«, erzählt Olgun. Eine Frau als Architektin, Frauen auf dem roten Teppich: Hierin liegt die eigentliche Modernisierung der Süleymaniye-Moschee.
- Datum 01.12.2011 - 12:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.11.2011 Nr. 48
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Man müsste dort leben können...
In Istanbul fühle ich mich lebendig. Die Stadt ist sehenswert, erlebenswert und einzigartig auf der Welt!
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