Guttenberg"Es war kein Betrug"

Zum ersten Mal nach seinem Rücktritt äußert sich der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg öffentlich. Er spricht über den Vorwurf, seine Doktorarbeit gefälscht zu haben, und eine mögliche Rückkehr in die deutsche Politik. Auszüge aus dem demnächst erscheinenden Gesprächsband "Vorerst gescheitert" von 

DIE ZEIT: Herr zu Guttenberg, seit Ihrem Rücktritt haben Sie alle Interviewanfragen abgelehnt. Nun haben Sie plötzlich eingewilligt und einen engen Zeitrahmen abgesteckt: Sie wollen, dass dieses Gespräch noch vor Jahresende erscheint. Warum diese Eile?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Es sind viele Menschen auf mich zugekommen, die mir gegenüber sehr positiv eingestellt sind, die aber noch viele Fragen an mich haben, vor allem mit Blick auf die Affäre um meine Dissertation. Mir war es wichtig, diese Fragen zu einem Zeitpunkt zu beantworten, an dem meine Erinnerung noch klar genug ist, bevor man also beginnt, die Dinge selbst zu verwischen.

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Die Doktorarbeit

ZEIT: Welche Fragen sind es denn, die Ihnen die Wohlmeinenden stellen?

Guttenberg: Es ist vor allem die Frage, wie es bei jemandem, dessen politische Arbeit man sehr geschätzt hat, zu einer so unglaublichen Dummheit wie dieser Doktorarbeit kommen konnte. Und ich hatte noch nicht die Möglichkeit, diese Fragen in aller Offenheit zu beantworten.

ZEIT: Was können Sie denn jetzt in aller Offenheit sagen?

Guttenberg: Es steht völlig außer Frage, dass ich einen auch für mich selbst ungeheuerlichen Fehler begangen habe, den ich auch von Herzen bedauere. Das ist in dieser sehr hektischen Zeit damals auch ein Stück weit untergegangen. Ebenso, wie man sich damals bereits entschuldigt hat.

ZEIT: Sie reden von sich selbst in der dritten Person, Sie sprechen davon, dass »man sich damals bereits entschuldigt hat«. Ist es für Sie schwierig, zu sagen: »Ich bitte um Entschuldigung«?

Guttenberg: Nein, im Gegenteil. Faktisch ist das ein ich. Das »man« soll auch keine Distanzierung bedeuten. Es ist ein anerzogener Sprachgebrauch, der sich bei mir wahrscheinlich über die Jahre hinweg eingeschliffen hat, der eine gewisse Form von Zurückhaltung zum Ausdruck bringen soll und den man zu Recht kritisieren kann. Tatsächlich bedauere ich, tatsächlich habe ich mich damals entschuldigt, da habe ich auch nicht von »man« gesprochen. Tatsächlich bin ich verantwortlich für das, was ich im Leben richtig und gelegentlich falsch gemacht habe.

ZEIT: Sie haben die Frage, die Ihnen so oft gestellt wird, noch nicht glaubhaft beantworten können: Wie konnte es zu dem kommen, was Sie einen »ungeheuerlichen Fehler« nennen?

Guttenberg: Der Fehler war bereits relativ früh angelegt. Ich habe im Jahr 1999 mit einer Doktorarbeit begonnen, und schon damals war eine Doppelbelastung absehbar: Ich bin bereits während des Studiums von der Familie erheblich mit in die Pflicht genommen worden, in unserem Unternehmen. Ich habe mit meinem Doktorvater Peter Häberle über diese Doppelbelastung gesprochen, und wir waren beide der Meinung, die Dissertation sei trotzdem zu schaffen. Im Jahr 2001 habe ich mich dann entschieden, in die Politik zu gehen, und bin diese Herausforderung mit voller Kraft angegangen. Darunter hat natürlich die Beschäftigung mit der Doktorarbeit sehr gelitten.

ZEIT: Was heißt das?

Guttenberg: Das heißt, dass es nach einer Anfangsphase, in der ich mich intensiver mit der Dissertation beschäftigt habe, plötzlich Zeiträume von mehreren Monaten bis zu einem Jahr gab, in denen ich mich teilweise überhaupt nicht mehr mit dieser Arbeit befasst habe und im Grunde immer wieder von vorne anfangen musste. In dieser Zeit ist bereits ein grundlegender Fehler angelegt, nämlich meine Arbeitsweise.

ZEIT: Wie haben Sie gearbeitet?

Guttenberg: Ich war ein hektischer und unkoordinierter Sammler. Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass etwas zu meinem Thema passt, habe ich es ausgeschnitten oder kopiert oder auf Datenträgern sofort gespeichert oder direkt übersetzt.

ZEIT: Wie sind Sie denn dabei vorgegangen? Haben Sie Copy und Paste gedrückt und die Bausteine abgespeichert? Oder haben Sie die Zitate eigenhändig eingetippt?

Guttenberg: Ganz unterschiedlich, in allen Formen. Ich habe Dinge abgeschrieben und in den Computer eingegeben; ich habe Kopien gemacht, abgelegt und gesagt, das wird später noch bearbeitet. Oder ich habe es sofort bearbeitet. Später habe ich gewisse Textstellen auch mal aus dem Internet herausgezogen, auch diese abgespeichert, wieder auf unterschiedlichen Datenträgern. Eigentlich war das eine Patchworkarbeit, die sich am Ende auf mindestens 80 Datenträger verteilt hat.

ZEIT: 80 Datenträger?

Guttenberg: Ich habe für jedes Kapitel eine Diskette angefertigt, ich habe unterschiedliche Ordner angelegt, ich habe über die Jahre hinweg auf vier unterschiedlichen Computern gearbeitet, die an unterschiedlichen Orten waren. Übersetzungen habe ich manchmal auf langen Flügen vorgenommen. Ich habe auf Reisen an der Dissertation gearbeitet, manchmal in Universitätsbibliotheken oder wenn ich bei einem Thinktank unterwegs war. Irgendwann hatte ich einen Wust an Informationen, der allerdings, abgesehen von den Gliederungspunkten, keinerlei innere Ordnung mehr hatte.

ZEIT: Und was genau war Ihrer Meinung nach der Fehler?

Guttenberg: Dass ich auf diesen Datenträgern sowohl an eigenen Texten gearbeitet als auch fremde Texte übernommen habe. Ich wollte diese Quellen später entsprechend aufarbeiten. Tatsächlich ist das nur sehr mangelhaft geschehen. Ich hatte einen großen Text- und Gedankensteinbruch, habe immer mal wieder von Datenträger zu Datenträger gewechselt, eigene und fremde Texte nach Themen aufgegliedert und an unterschiedlichen Stellen als Rohlinge geparkt. Ich habe nie chronologisch, sondern immer an einem Kapitel gearbeitet. Dann war ein Jahr Pause, und ich habe im Grunde wieder von vorn begonnen. Der größte Fehler war, dass ich den Zitaten- und Fußnotenapparat nicht gleichzeitig oder wenigstens zeitnah abgeschlossen hatte. Ich wusste offensichtlich später auch nicht mehr, an welchem Text ich selbst bereits gearbeitet hatte, welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war, insbesondere beim Zusammenfügen dieser Bruchstücke.

ZEIT: Haben Sie so von Anfang an gearbeitet, auch als Sie noch nicht in der Politik waren?

Guttenberg: Ja, auch in den ersten eineinhalb bis zwei Jahren, als ich sehr viel Zeit und Kraft in die Doktorarbeit investiert habe und sie für mich Priorität hatte. Mit Blick auf diese Arbeitsweise kann man mir fraglos mehrere sehr berechtigte Vorwürfe machen, die ich mir selber auch mache.

ZEIT: Nämlich?

Guttenberg: Der erste Vorwurf ist der, dass ich während meines vollen beruflichen Engagements komplett den Zeitpunkt verpasst habe, zu sagen: Ich schaffe diese Arbeit nicht mehr. Ich hatte nicht die Kraft, das mir selbst und meinem Professor gegenüber einzugestehen.

ZEIT: Welches Verhältnis hatten Sie zu Ihrem Doktorvater?

Guttenberg: Ich mochte und mag ihn sehr. Zwischen uns ist damals ein großes Vertrauensverhältnis gewachsen. Dass ich ihm Schmerzen zugefügt habe, ist etwas, das mich tief bewegt und erschüttert.

ZEIT: Was ist der zweite Vorwurf, den Sie sich machen?

Guttenberg: Der zweite Vorwurf ist, dass ich die Augen vor der Überforderung verschlossen habe. Das politische Leben hat mich nicht überfordert, wohl aber die parallele wissenschaftliche Arbeit. Das hätte ich sehen müssen. Nachdem ich in die Politik gegangen war, konnte ich, wenn überhaupt, nur noch in den Nachtstunden an der Dissertation arbeiten. Meine Arbeitsweise konnte man dann irgendwann nur noch chaotisch nennen. Insbesondere in der Endphase der Arbeit lag der Schwerpunkt nicht mehr auf der notwendigen wissenschaftlichen Sorgfalt, sondern auf Inhalt und Schlüssigkeit meiner Aussagen. Ich wollte mit dem Ineinanderfügen der unterschiedlichen Kapitel ein geschlossenes intellektuelles Ganzes abliefern. Ich hätte mir die wissenschaftliche Kärrnerarbeit antun müssen. Die sorgfältige Detailarbeit, gerade das korrekte Einarbeiten und Zitieren fremder Quellen, ist wiederholt unterblieben. Diese Arbeiten hätten niemals unter Zeitdruck stattfinden dürfen.

ZEIT: Hat Ihnen die ganze Zeit über niemand dabei geholfen?

Guttenberg: Mein Doktorvater hat sicher sein Bestes versucht. Allerdings hatte ich viel zu wenig Zeit, mich mit ihm rückzukoppeln.

Leserkommentare
    • Zyklo
    • 26. November 2011 10:23 Uhr

    und kein Schuldbewußtsein ist gescheitert und zwar im Charakter.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    Solche Aussagen sind wahrlich unglaublich und von solchen Menschen werden wir regiert.

    Wobei mir auffällt in regiert steckt das Wort Gier, ob dass wohl was zu bedeuten hat...

    Das hat er nicht verdient. Er beginnt doch schon wieder, ein schöngefärbtes Bild von sich aufzubauen. und die Zeit ist ihm behilflich!

    Andreas Klamt, Leverkusen

    Dass G.d.L. Guttenberg eine Plattform bietet, ist erschreckend. Hat Die ZEIT das nötig?

    Was hat uns diese ganze Charade gezeigt? Die unfassbare Anmaßung bis Hybris der Presse (Ultimatum der Süddeutschen Zeitung an Guttenberg bis 15 Uhr Stellung zu beziehen) der Presse, die aktuelle irrationale "Aufwiegelbarkeit" des Wutbürger-Mobs und die Fassade des Titel-Status-Wahns der Pseudo-Intellektuellen bzw. der vermeintlichen Oberschicht. Furchtbar und Peinlich für ALLE Beteiligten!

    • Mike M.
    • 29. November 2011 10:57 Uhr

    Der Nachfolger von seinem Doktorvater hat ihn zwar als "Betrüger" bezeichnet. Das war aber ganz offensichtlich untechnisch gemeint - im Sinne von "Hochstapler". Dass Guttenberg sich genausowenig wegen Betrugs strafbar gemacht hat, wie derjenige der seinen Ehepartner "betrügt", weiß jeder Jurastudent. Herr Guttenberg sollte seine peinlichen Belehrungen für sich behalten. Viel spricht übrigens für den Verdacht, dass auch Guttenberg betrogen wurde - und zwar von seinem Ghostwriter. So dumm kann in der Tat niemand sein, ein solch dreistes Plagiat anzufertigen.

    ich kann nur sagen, Herr di Lorenzo weiß, wie man ein Buch verkauft.
    Ach, ich würde auch gern mal 3 Tage in einem Londoner Luxushotel Tee trinken und plaudern.
    Viel interessanter als irgendwelche faden Doktorarbeiten wären jedoch die Fragen: Gab es Scones mit Erdbeer- oder Johannisbeermarmelade oder gar mit clotted cream? War schon Christmas Pudding zu haben? Und bestellte Lady Bracknell Cucumber Sandwiches? Bitte um Details im nächsten Zeit Magazin.

    Entfernt. Bitte üben Sie Kritik ausschließlich auf einer sachlichen, respektvollen Ebene. Danke. Die Redaktion/vn

  1. wenn ein Sozialhilfeempfänger "vergisst", ein Vermögen oder ein Einkommen anzugeben. Oder wenn jemand "aus Versehen" dem Finanzamt gegenüber bestimmte Einkommen nicht erwähnt.
    GLEICHES RECHT FÜR ALLE!
    Keiner, der dem mit den endlich mal gewaschenen Haaren eine lässliche Sünde zubilligt, hat noch das Recht, sich aufzuregen über "Sozialhilfebetrüger", "Steuerbetrüger" und "Ausländer", die angeblich nur hier leben, um den deutschen Sozialstaat zu schröpfen.
    Im Übrigen ist die im Artikel dargestellte Arbeitsweise so planlos, so unsystematisch, so chaotisch, dass der Erzähler sich selbst für JEDES öffentliche Amt diskreditiert.
    Thema erledigt!
    Schluss damit!
    Für immer!

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    Aber, aber - Guttenberg zählt sich doch zur "Elite" - und fordert für sich "andere Wertmaßstäbe" ein, als sie - um es mit Thomas Manns Romanfigur Felix Krull zu sagen - für "Kreti und Pleti" gelten.

    Kritik daran wird von den Kritisierten als das Wort der Neider dargestellt - und zwar oft auch in einer Form, wie es vor nicht all zu langer Zeit ein gewisser Karl-Heinz Grasser in Österreich vor nicht all zu langer Zeit gemacht hat:

    http://www.youtube.com/wa...

    Und da gibt es dann eben auch keinen "Betrug", denn vor den angeblich allgegenwärtigen "Neidern" muss man sich schließlich schützen - in "Notwehr".

    • saverem
    • 27. November 2011 22:48 Uhr

    "Die Universität Göttingen entschied im Juni 2009, Kasper den Doktorgrad abzuerkennen, nachdem sie Kaspers Dissertation als Plagiat bewertet hatte.
    Zusätzlich leitete die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz ein. Dabei berief sie sich auf ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung, da Kasper ein hohes Amt bekleidete." Bitte um Aufklärung.
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. Da bereitet Gutti mit offensichtlich professioneller Beraterunterstützung nach viel zu kurzem Wegtauchen sein Comeback vor - und die Zeit unterstützt ihn mit gefühligen Interviews und gaaaaanz viel Raum.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

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    4. "Au Backe
    Da bereitet Gutti mit offensichtlich professioneller Beraterunterstützung nach viel zu kurzem Wegtauchen sein Comeback vor - und die Zeit unterstützt ihn mit gefühligen Interviews und gaaaaanz viel Raum."

    Die freie Meinungsäußerung gilt auch für Zeit.
    Und über KTG werden über kurz oder lang die Wähler entscheiden!

    • Hermez
    • 26. November 2011 10:36 Uhr

    ist gut jetzt.Bitte kein Guttenberg mehr. Danke.

  3. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

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    • joG
    • 26. November 2011 12:36 Uhr

    ....erklärt zu bekommen, wieso es kein Betrug ist, seinen Kollegen und dem Wähler einen Titel mit offiziellen Dokumenten
    vorzutäuschen, der Fähigkeiten bestätigt, die für gewisse Tätigkeiten erwünscht sind. Immerhin hat er nach dieser Selbstdarstellung den Job bekommen und dafür Geld erhalten. Wenn das kein Betrug ist, so weiß ich nicht, ob jedem klar ist, was Betrug ist. Das wäre schlecht, wenn keiner weiß, was Betrug ist, dies aber glaubt zu wissen. Solch schlecht informierte Menschen könnten sogar auf den verfassungsfeindlichen Gedanken kommen, dass Betrug zu tun manchen Personengruppen schlicht unmöglich ist, weil das nicht sein darf.

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    Als langjähriger Leser der "Zeit" empört mich dieses Interview schon sehr. Was (oder wer) treibt das letzte seriöse Wochenblatt in Deutschland dazu, diesem unfähigen und kriminellen Politikschauspieler Raum zu geben für seine abstrusen Sprechblasen ? Oder will Herr di Lorenzo der "Bunten" Konkurrenz machen? So kann man Leser gewinnen aber auch vergraulen !

    • tbw
    • 26. November 2011 20:22 Uhr

    Sie schreiben: "Muss man diesem Mann eine Plattform bieten? Ich denke nicht".

    Tja - Sie denken.

    Aber Giovanni di Lorenzo handelt!

  5. "Es steht völlig außer Frage, dass ich einen auch für mich selbst ungeheuerlichen Fehler begangen habe, den ich auch von Herzen bedauere."

    So, so, er bedauert also seinen "ungeheuerlichen Fehler".

    Das hörte sich zu Anfang aber ganz anders aus seinem Munde an:

    "Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone, vorübergehend auf das Führen des Titels verzichten - allerdings nur bis dahin. Anschließend werde ich ihn wieder führen" - Zitat zu Guttenberg kurz nach Aufkommen der Vorwürfe.

    Herr zu Guttenberg ist nicht nur ein skrupelloser Plagiator, er ist zudem auch noch ein übler Wahrheitsverdreher. Diese ganze Verharmlosungstaktik können nur noch stramme Parteisoldaten glauben oder Einfältige, die es schlicht nicht besser wissen wollen.

    Dieses Interview ist eine einzige Frechtheit eines wissenschaftlichen Möchtegernnapoleons!

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    Wie jeden Donnerstag kaufte ich mir DIE ZEIT und war schon über das Titelbild erstaunt, gerade weil zur Zeit so viele Dinge passieren die uns betreffen. Das vehemente abklären, dessen was passiert ist, ist eine reine Farce. Mal abgesehen davon, ist der Artikel zum einschlafen langweilig; zu Ende habe ich ihn garnicht gelesen. Wie von und zu Guttenberg sein handeln darstellt, entzieht sich jeder Vernunft. Dazu muss man aber sagen, dass die BRD seit dem 23.05.1949 etliche Skandale hatte. Nur ging es da immer um handfeste (salopp gesagt) Skandale. Man erinnert sich nur an das Thema Presse / Meinungsfreiheit mit FJS und dem SPIEGEL. Praktisch bis heute jagt ein Skandal den nächsten. Hier geht es aber nicht um Interessensvertretung, also Geld, sondern um Selbstbeweihräucherung; dass kaschieren der eigenen Person. Ich würde mich nicht wundern, wenn man andere Personen und deren Dr.-Grade untersucht, dass man ähnliches finden würde

    • Webro
    • 03. Dezember 2011 19:31 Uhr

    Es war einmal – vor einem halben Jahrhundert - ein junger Mensch, ein Gymnasiast, der sich mit dem ersten selbstverdienten Geld als Ferienarbeiter zwei Abonnements kaufte: das des „Spiegels“ und das der „Zeit“. Diese beiden Blätter haben fürderhin – bis in die jüngste Zeit – sein Leben begleitet, sein politisches Bewusstsein und auch sein berufliches Wirken geprägt. Dieser junge Mensch war ich . . .

    Vor 43 Jahren war ich, in meinem Denken geführt von den beiden Blättern, ein Achtundsechziger. Heute bin ich – durch den Geburtsschein dazu verdammt – wieder ein Achtundsechziger. Und etwas hat sich jetzt entscheidend geändert seit wenigen Tagen: Ich habe nur noch einen der beiden Wegbegleiter, den Spiegel. Um den anderen trauere ich. Lesen werde ich ihn künftig nicht mehr.

    • zelotti
    • 26. November 2011 10:46 Uhr

    Ich glaube das ist eine kulturelle Frage. Bei einem preussischen Protestanten erwartet man, dass er dafür einsteht und reinen Tisch macht. Wie Engholm sagte, wat mutt, dat mutt. Bei einem katholischen Lausbub ist das dagegen nicht wesentlich, man kann, man darf nie Klartext reden, die Heuchelei wird selbst dann noch öffentlich vertreten, wenn es nicht mehr geht und alle Angehörigen werden gezwungen das so öffentlich loyal mitzutragen, obwohl sie wissen, dass es auf tönernen Füssen steht.

    Was sich Guttenberg vor dem Bundestag erlaubt hat, das war schlimm für die Institution. Es war gleich am Anfang für jeden gebildeten Menschen nach dem FAZ-Bericht klar, dass er seinen Titel los ist. Es war auch sofort klar, dass er formal zurücktreten musste, wegen seiner Verantwortung des Amtes für die Bundeswehruniversitäten. Trotzdem liess ihn Merkel im Amt. Medien und Parteifreunde wollten nicht reintreten, das hat er ausgenutzt. Dann auf ochlokratischen Grundlage die Basis gegen die Leute aufzuhetzen, die das offen aussprachen, was die Eliten wussten oder andere Parteifreunde zu einer unmöglichen heuchlerischen Unterstützung zu zwingen, das war unwürdig. Man hat ihm alle Brücken gebaut, etwa spekuliert, er habe das nicht selbst verzapft. Das hat er ausdrücklich ausgeschlagen, schlichtweg zu hoch gepokert. Dass er seine unhaltbare Position weiter vertritt, macht deutlich, dass er für ein politisches Amt nicht mehr geeignet ist.

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    Als Katholik sehe ich überhaupt keine Veranlassung das Verhalten zu Guttenbergs zu tolerieren. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie mancher Protestant keine Gelegenheit auslässt, seinem Ressentiment gegen die Katholische Kirche Ausdruck zu geben. Das ist alles andere als redlich!

    Unsere derzeitigen Politiker können sie ohnehin konfessionsunabhängig alle in einen Sack stecken, weil ihnen unisono jede Sittlichkeit abhanden gekommen ist.

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