Ökofonds"Schlechte Windjahre"

Anleger reißen sich derzeit um Ökofonds – doch die ersten verlieren schon Geld. von 

Man konnte die Groschen regelrecht fallen hören: Mit jedem Satz, in dem die Wörter Atomausstieg , Energiewende oder Fukushima vorkamen, klingelte es in den Kassen der Fondsanbieter. Sie finanzieren mit dem Geld von Privatinvestoren den Bau neuer Ökostromanlagen. Ob Solaranlagen, Windräder oder Biomassekraftwerke – schon 2010 floss den geschlossenen Fonds aus dem Ökobereich so viel Geld zu wie noch nie, 920 Millionen Euro. Derzeit könnten sie schneller Geld einsammeln, als Ökostromanlagen gebaut werden können.

Das überrascht selbst Fondsinitiatoren. In den vergangenen Jahren hatten sie oft Mühe, Gelder für solche Anlagen einzuwerben. Die New-Energy-Fonds waren nur ein winziger Teil im Segment der geschlossenen Fonds, die üblicherweise Containerschiffe oder Bürohochhäuser mit Privatkapital finanzieren. Mittlerweile machen die Ökofonds 15 Prozent des Gesamtmarktes aus, jeder vierte verkaufte geschlossene Fonds ist ein New-Energy-Papier. Obwohl immer mehr Anbieter auf den Markt drängen und 2010 mit 103 Fondsinitiatoren knapp doppelt so viele mitmischten wie noch im Jahr zuvor, kommen sie mit dem Auflegen neuer Fonds nicht hinterher. »Das Thema Neue Energien ist zwar nicht neu, wohl aber die Dynamik, mit der es sich entwickelt«, sagt Eric Romba vom Verband Geschlossener Fonds. »Die Nachfrage von Privatanlegern ist riesig.«

Anzeige

Ausgerechnet bei den geschlossenen Fonds, in der Verbraucherschützer und Anlegeranwälte wie Peter Mattil »keine unproblematische Anlageklasse« sehen und die schon viel Kapital von Kleinanlegern verbrannt haben. Bei geschlossenen Fonds sind die Investoren gleichzeitig Mitunternehmer: Sie werden an Gewinnen beteiligt und, wenn ein Fondsprojekt nicht läuft wie geplant, auch an den Verlusten. Das mussten gerade erst die Anleger von Containerschiffen erfahren. Etliche Schiffsfonds sind in der jüngsten Wirtschaftskrise untergegangen. Als die Charterraten für Container rapide einbrachen, fuhren viele Frachter keine Gewinne mehr ein – die Kosten aber liefen weiter.

Auch viele geschlossene Immobilienfonds der neunziger Jahre floppten. Gebäude stellten sich im Nachhinein als Schrottimmobilien heraus, die Mieteinnahmen blieben aus. Später verkaufte die Branche mit Vorliebe Filmfonds als Steuersparmodelle. Auch davon sind inzwischen etliche abgewickelt, Anleger und Fondsverantwortliche streiten sich vor Gericht um Schadensersatz.

Und nun fangen auch die New-Energy-Fonds an, Probleme zu machen: Einige Windfonds etwa gerieten in Schwierigkeiten. Mit großartigen Erträgen hatten die Anlagenbauer gerechnet, doch viele Fonds erzielten nur einen Bruchteil davon. Schuld seien »einige schlechte Windjahre«, in denen die Natur nicht lieferte wie gedacht, vermeldeten die Fondsbetreiber. »Da ist schlicht und ergreifend zu optimistisch kalkuliert worden«, sagt Tilman Welther, Geschäftsführer des Vergleichsportals Fondstelegramm. »Die prognostizierten Erträge flossen nicht, und gleichzeitig sind den Betreibern die Kosten davongelaufen, weil die Technik noch nicht ausgereift war.«

Die Ironie der Anlegergeschichte: Viele Kleinsparer machten mit den gefragten Windparkfonds am Ende Verluste, denn die teuren Anlagen wurden am Ende der Fondslaufzeit zu Tiefstpreisen verkauft – an Stadtwerke und Energiekonzerne, die die Windräder heute mit Gewinn betreiben. Mittlerweile hat der Ansturm der Anleger auf Windfonds schwer nachgelassen, und es gibt auch kaum noch welche für Privatanleger. »Weil die Anlagen inzwischen gut laufen und 5,5 Prozent Rendite abwerfen, werden die gleich von institutionellen Anlegern gebaut oder gekauft«, sagt Jörg Weber, Chefredakteur des Onlineportals Ecoreporter für ökologische Geldanlagen.

Längst haben Kleinanleger einen neuen Favoriten entdeckt: Solarfonds. Die machen inzwischen 81 Prozent der verkauften New-Energy-Fonds aus. Doch auch die Solaranlagenbauer haben turbulente Zeiten hinter sich. Ihre Gewinne hängen vor allem von den Einspeisevergütungen ab, die laut Gesetz für den Sonnenstrom gezahlt werden. Über deren Höhe streitet die Politik immer wieder, in Deutschland und anderswo. Spanien etwa deckelte die Beträge jüngst rückwirkend. Das bringt nun viele Spanien-Fonds in Bedrängnis. Mitte des Jahres diskutierte auch die Bundesregierung, die Vergütung für deutsche Anlagen kräftiger als vorgesehen zu kürzen. Der Plan wurde wieder verworfen, sorgte aber für heftige Irritationen in der Branche. »Die Verunsicherung der Anleger war spürbar. Aber seit dem zweiten Halbjahr zieht die Nachfrage wieder deutlich an«, heißt es bei der Rating-Agentur Scope.

Leserkommentare
  1. ...aber Blasen sind Blasen. Bei aller Liebe zur Umwelt sollte man sich genau überlegen, wie man sein Geld investiert.

  2. <em>[...] plus einer Rendite von vier Prozent. Das wiederum ist eher mäßig.</em>

    Vielleicht steckt da schon die Berücksichtigung des Risikos drin. Ich finde einen Fond, bei dem im Schnitt 4% Rendite prognostiziert werden, immer noch glaubwürdiger als einen Fond, der mit "bis zu 8% Rendite" beworben wird. So macht das zum Beispiel <em>Prokon</em>, die ihr Produkt zwar äußerst seriös, vielversprechend und solide geben, aber das bei näherer Betrachtung eine sehr riskante Kapitalanlage ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    „Prokon, … bei näherer Betrachtung eine sehr riskante Kapitalanlage...“
    Was genau haben Sie näher betrachtet, dass bei diesem Unternehmen „sehr riskant“ sein soll? Transparenz wie bei Prokon sucht Ihresgleichen: Gehen Sie auf die Homepage des Unternehmens, dort finden Sie äußerst detailliert Unternehmenskennzahlen herunter gebrochen bis auf die Ebene des einzelnen Windparks. Die Höhe der Einnahmen pro Kilowattstunde ist durch das Umlageverfahren des EEG für jeden Windpark auf 20 Jahre festgeschrieben. Von „sehr riskant“ kann bei diesem Geschäftsmodell kaum die Rede sein.

    Im Übrigen schüttet das von Ihnen angegriffene Unternehmen seit vielen Jahren in dieser und ähnlicher Höhe Renditen aus und, so wenig das zu Ihren Unterstellungen passt, Geld hat dort noch niemand verloren. Möglicherweise hat dieses solide Wirtschaftsgebaren dazu geführt, dass mittlerweile über 40.000 (!) Investoren diesem Unternehmen vertrauen.

    Sie versuchen den Eindruck zu erwecken, dass 8% eine nicht realistische Renditeerwartung ist?! Das diskutieren Sie bitte mal mit Herrn Ackermann, der für die Deutsche Bank ein Renditeziel von 25% ausgegeben hat.

  3. Die Windenergieanlagen werden in verschiedener Form reichlich subventioniert, die Strommengen werden zu Überpreisen abgenommen, wenn zuviel Strom geliefert wird, sollen andere Kraftwerke abschalten und Verluste machen. Niemand in Deutschland ist bereit, die notwendigen Pumpspeicheranlagen zu errichten bzw. zuzulassen und den über das normale Maß hinausgehende standortbedingt zusätzliche Netzausbau wollen Aktivisten, Demonstranten und Anleger auch behindern. Woher kommt bei diesen Kosten da überhaupt die Rendite?

    • lef
    • 30. November 2011 14:47 Uhr

    Was viele Anlegern nicht begreifen, ist,
    dass Investition in Sachwerte zeitgebundenen Verlust bedeutet,
    also sind das z.B. bei 20 Jahren Förderungsdauer je Jahr (linear) 5%
    (in der Realität natürlich unbedingt stark degreessiv zu kalkulieren).
    Bei 8 % sind das netto 3%, und die kriegt man bei der Laufzeit bei jeder Bank günstiger.
    (den gleichen Denkfehler finde ich auch bei privaten Photovoltaikbesitzern.)

    Zudem gibt es kaum EE-Anlagen, die schon 20 Jahre standen,
    im Gegenteil
    sind praktisch alle älteren WKW längst vorzeitig stillgelegt,
    aus etlichen PV-Anlagen wuchert schon Unkraut
    http://solarresearch.org/sk2010/images/stories/Loeschke_PVSolar_Markrans...
    oder haben wenig Leistung, weil die Glasflächenreinigung sich nicht lohnt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hadebe
    • 03. Dezember 2011 12:32 Uhr

    Ich habe 2004 eine PV-Anlage mit 21 kW peak auf ein Zweifamilienhaus gebaut.
    Gleichzeitig heize ich mit einer Elektrowärmepumpe das ganze Jahr.
    Der Gesamtstromverbauch liegt -mit Haushaltsstrom bei 16Tsd kWh/a.
    Ich behaupte nun, dass ich - wenn ich das Geld 2004 auf 20 Jahre angelegt hätte mit dem Versuch - mit den Zinsen meine Stromrechnung zu bezahlen nach 20 Jahren weniger Geld in der Kasse ist - wie wenn ich
    aus den Solarerträgen meine Stromrechnung bezahle und den Überschuß anspare.
    Soviel zum Denkfehler bei Pv-Besitzern.
    Und - nach 20 Jahren macht man es wie die Windmüller -
    man reißt die PV-anlage runter und installiert eine neue -
    zu den dann gültigen Einspeisekonditionen.

    Sonnige Grüße
    Hadebe

    • hadebe
    • 03. Dezember 2011 12:32 Uhr

    Ich habe 2004 eine PV-Anlage mit 21 kW peak auf ein Zweifamilienhaus gebaut.
    Gleichzeitig heize ich mit einer Elektrowärmepumpe das ganze Jahr.
    Der Gesamtstromverbauch liegt -mit Haushaltsstrom bei 16Tsd kWh/a.
    Ich behaupte nun, dass ich - wenn ich das Geld 2004 auf 20 Jahre angelegt hätte mit dem Versuch - mit den Zinsen meine Stromrechnung zu bezahlen nach 20 Jahren weniger Geld in der Kasse ist - wie wenn ich
    aus den Solarerträgen meine Stromrechnung bezahle und den Überschuß anspare.
    Soviel zum Denkfehler bei Pv-Besitzern.
    Und - nach 20 Jahren macht man es wie die Windmüller -
    man reißt die PV-anlage runter und installiert eine neue -
    zu den dann gültigen Einspeisekonditionen.

    Sonnige Grüße
    Hadebe

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wd
    • 05. Dezember 2011 23:00 Uhr

    Ich hoffe, dass man Ihnen in der Zukunft nur noch 5ct/kWh für eingespeisten Strom bezahlt!
    Mehr ist die Energie bei der Erzeugung derzeit nicht wert.
    Ferner müssen Sie in der Zukunft dafür dann auch noch Netzgebühren bezahlen, denn andere Kraftwerke versorgen Sie wenn Ihre Anlage zeitweise keinen Strom liefert!
    Werden Sie dann noch eine neue Anlage installieren lassen?
    Sie können sich freuen, dass jeder Ökowahnsinn derzeit auf Kosten der Allgemeinheit subventioniert wird:
    Da wir uns deswegen immer weiter verschulden ist ein Ende bald in Sicht!

    • wd
    • 05. Dezember 2011 23:00 Uhr

    Ich hoffe, dass man Ihnen in der Zukunft nur noch 5ct/kWh für eingespeisten Strom bezahlt!
    Mehr ist die Energie bei der Erzeugung derzeit nicht wert.
    Ferner müssen Sie in der Zukunft dafür dann auch noch Netzgebühren bezahlen, denn andere Kraftwerke versorgen Sie wenn Ihre Anlage zeitweise keinen Strom liefert!
    Werden Sie dann noch eine neue Anlage installieren lassen?
    Sie können sich freuen, dass jeder Ökowahnsinn derzeit auf Kosten der Allgemeinheit subventioniert wird:
    Da wir uns deswegen immer weiter verschulden ist ein Ende bald in Sicht!

    Antwort auf "Widerspruch"
  4. „Prokon, … bei näherer Betrachtung eine sehr riskante Kapitalanlage...“
    Was genau haben Sie näher betrachtet, dass bei diesem Unternehmen „sehr riskant“ sein soll? Transparenz wie bei Prokon sucht Ihresgleichen: Gehen Sie auf die Homepage des Unternehmens, dort finden Sie äußerst detailliert Unternehmenskennzahlen herunter gebrochen bis auf die Ebene des einzelnen Windparks. Die Höhe der Einnahmen pro Kilowattstunde ist durch das Umlageverfahren des EEG für jeden Windpark auf 20 Jahre festgeschrieben. Von „sehr riskant“ kann bei diesem Geschäftsmodell kaum die Rede sein.

    Im Übrigen schüttet das von Ihnen angegriffene Unternehmen seit vielen Jahren in dieser und ähnlicher Höhe Renditen aus und, so wenig das zu Ihren Unterstellungen passt, Geld hat dort noch niemand verloren. Möglicherweise hat dieses solide Wirtschaftsgebaren dazu geführt, dass mittlerweile über 40.000 (!) Investoren diesem Unternehmen vertrauen.

    Sie versuchen den Eindruck zu erwecken, dass 8% eine nicht realistische Renditeerwartung ist?! Das diskutieren Sie bitte mal mit Herrn Ackermann, der für die Deutsche Bank ein Renditeziel von 25% ausgegeben hat.

    Antwort auf "4% Rendite"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Bundesregierung | Spanien | Fukushima
Service