Sängerin Kate Bush "Ich bin doch kein Yeti!"

Die Sängerin Kate Bush, für ihre Schweigsamkeit und lange Arbeitspausen berühmt, hat nun doch zwei neue Werke vorgelegt. Befragen lässt sie sich aber weiterhin nur am Telefon.

Gerade ist Kate Bush Album "50 Words For Snow" erschienen.

Gerade ist Kate Bush Album "50 Words For Snow" erschienen.

DIE ZEIT: Mrs. Bush, Sie meiden Interviews, und wenn es gar nicht anders geht, wird man von Ihnen angerufen. Von Angesicht zu Angesicht lassen Sie sich nicht befragen. Warum eigentlich?

Kate Bush: Es ist einfach praktischer, wenn ich Interviews am Telefon absolviere, das kann ich von zu Hause aus und verliere keine Zeit.

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ZEIT: Versuchen Sie, den Musikbetrieb so weit wie möglich auf Abstand zu halten?

Bush: Das kann ich wohl kaum abstreiten. (lacht) Da ist etwas in mir, das Distanz vorzieht. Der Wirbel um meine Person macht mich nervös.

ZEIT: Zuletzt ließen Sie sich bis zu zwölf Jahre Zeit für ein neues Album. Nun erscheint mit 50 Words For Snow nach Director’s Cut bereits Ihr zweites Werk innerhalb eines Jahres. Was ist in Sie gefahren?

Bush: Seit Langem muss ich mich dafür rechtfertigen, dass ich mir zu viel Zeit nehme für meine Platten. So lag ein gewisser Reiz darin, schnell zu sein, allein um für Verwirrung zu sorgen. Künftig kann ich immer damit prahlen, 2011 zwei Alben veröffentlicht zu haben. Ich habe mich beeilt wie noch nie in meinem Leben.

ZEIT: Sie haben sich in Ihrer 30-jährigen Karriere noch nie unter Druck setzen lassen. Was trieb Sie?

Bush:50 Words For Snow ist eine Winterplatte, es wäre selbst für meine Verhältnisse seltsam, sie im Sommer zu veröffentlichen. Gut, ich hätte ein Jahr warten können, aber dafür war ich wieder zu ungeduldig.

ZEIT: Sie sind Perfektionistin. Angeblich lassen Sie, sogar wenn Sie mit prominenten Kollegen zusammenarbeiten, selbst kleinste Details endlos wiederholen. Auf dem neuen Album ist Elton John dabei. Wie oft musste Sir Elton ran, bis Sie zufrieden waren?

Bush: Elton wollte nicht vorbereitet werden. Er wollte weder den Song vorab hören noch irgendwelche Details wissen. Als ich ihn anrief, sagte er nur: »Ich komme einfach vorbei und tue, was du verlangst!« So viel Vertrauen ehrt mich, aber es erzeugt auch enormen Druck. Denn Elton hat nur sehr, sehr wenig Zeit. Aber er ist ein vorbildlicher Profi. Er hat seinen Part dann einige Male gesungen, bis es für mich passte. Und ich war wirklich schnell zufrieden.

ZEIT: Der Song Snowed In At Wheeler Street, auf dem Elton John mit Ihnen singt, handelt von Zeitreisen. In welche Zeit würden Sie gerne reisen?

Bush: Auf die Schnelle fällt mir nur Atlantis ein. Alle Beschreibungen klingen faszinierend.

ZEIT: Ein Album mit Liedern nur über Schnee ist ein typisches Kate-Bush-Projekt. Was ist mit dem Schnee?

Bush: Schnee ist magisch auf vielen Ebenen. Für die meisten Erwachsenen sind Erinnerungen an die Kindheit damit verknüpft. Aber Schnee ist auch schnell vergänglich, nimm ihn in die Hand, und er schmilzt. Er hat keinen Bestand. Das macht auch seine Faszination aus.

ZEIT: Der Titel des Albums bezieht sich darauf, dass Eskimos fünfzig Wörter für Schnee haben sollen. Aber das stimmt leider nicht, oder?

Bush: Ich weiß, aber mich reizte die Idee, dass es so viele Wörter für eine Sache geben könnte. Allein in der englischen Sprache gibt es mehrere für Schnee. Und mich faszinierte die Herausforderung, noch viele weitere zu finden: passende, aber auch unsinnige. Ich hatte einen großen Spaß daran, mir Quatsch auszudenken – »faloopnjoompoola« ist toll, oder?

ZEIT: Bauen Sie noch Schneemänner?

Bush: Ich liebe Schneemänner. Jeden Winter baue ich mindestens einen. Ich warte immer auf diesen klebrigen Schnee, mit dem es am meisten Spaß macht. Ich habe einen Plastikhut, den meine Schneemänner jedes Mal aufgesetzt bekommen. Und einen Schal bekommen sie auch. Wenn sie schmelzen, bin ich traurig.

ZEIT: Auf der neuen Single Wild Man besingen Sie einen Yeti, der von Menschen gejagt wird, die ihm sein Geheimnis entreißen wollen. Fühlen Sie sich ihm manchmal ähnlich?

Bush: Das wäre übertrieben, ich bin doch kein Yeti. (lacht) Die Geschichte, um die es geht, ist auf vielerlei Arten auslegbar. Vor allem ist es ein Lied, das von meiner Zuneigung für dieses arme, verfolgte Wesen handelt. Der Yeti ist ein scheues Individuum, das eben allein gelassen werden will. Ist das so schwer zu verstehen?

Leser-Kommentare
  1. "Musik ist Kunst, wie Literatur oder Film. Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um Respekt."

    Das sollte sich die Raubkopierfraktion mal zur Brust nehmen. Ihr geht respektlos mit den Künstlern um.

    Ich finde es gut, dass sie über iTunes so viel Einfluss auf ihre Werke nimmt und sie nicht in billige kleine Häppchen verhackstückeln lässt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • maja m
    • 25.11.2011 um 14:44 Uhr

    nun ja, "künstler" und plattenfirmen sollten sich vllt fragen, ob sie die konsumenten respektieren... konsum und kapitalismus stehen in der kritik; der respekt vor künstlern ist nach wie vor hoch. wie aber in kontakt kommen mit einem konzeptalbum, mit liedern, die zehn minuten lang sind, wenn plattenfirmen nur 30 sekundenschnipsel als hörproben anbieten? wenn musik ansonsten nach schema f produziert wird, drei radiokompatible minuten, ohne ecken und kanten, und man sich fragt: hat das komponieren überhaupt irgendwie gedauert? "50 Words For Snow" ist anders; hier ist ein künstlerischer anspruch, leichtigkeit und schwere, naja und elten john ist auch nicht leicht zu konsumieren - aber wir sollten dem internet dankbar sein, dass alle menschen die möglichkeit haben, sich dieses album in gänze auf dem heimischen sofa anhören zu können und sich von musik endlich mal wieder respektiert zu fühlen. der gang in den plattenladen (oh wie altmodisch!) kommt dann ganz von allein.

    • maja m
    • 25.11.2011 um 14:44 Uhr

    nun ja, "künstler" und plattenfirmen sollten sich vllt fragen, ob sie die konsumenten respektieren... konsum und kapitalismus stehen in der kritik; der respekt vor künstlern ist nach wie vor hoch. wie aber in kontakt kommen mit einem konzeptalbum, mit liedern, die zehn minuten lang sind, wenn plattenfirmen nur 30 sekundenschnipsel als hörproben anbieten? wenn musik ansonsten nach schema f produziert wird, drei radiokompatible minuten, ohne ecken und kanten, und man sich fragt: hat das komponieren überhaupt irgendwie gedauert? "50 Words For Snow" ist anders; hier ist ein künstlerischer anspruch, leichtigkeit und schwere, naja und elten john ist auch nicht leicht zu konsumieren - aber wir sollten dem internet dankbar sein, dass alle menschen die möglichkeit haben, sich dieses album in gänze auf dem heimischen sofa anhören zu können und sich von musik endlich mal wieder respektiert zu fühlen. der gang in den plattenladen (oh wie altmodisch!) kommt dann ganz von allein.

    • maja m
    • 25.11.2011 um 14:44 Uhr

    nun ja, "künstler" und plattenfirmen sollten sich vllt fragen, ob sie die konsumenten respektieren... konsum und kapitalismus stehen in der kritik; der respekt vor künstlern ist nach wie vor hoch. wie aber in kontakt kommen mit einem konzeptalbum, mit liedern, die zehn minuten lang sind, wenn plattenfirmen nur 30 sekundenschnipsel als hörproben anbieten? wenn musik ansonsten nach schema f produziert wird, drei radiokompatible minuten, ohne ecken und kanten, und man sich fragt: hat das komponieren überhaupt irgendwie gedauert? "50 Words For Snow" ist anders; hier ist ein künstlerischer anspruch, leichtigkeit und schwere, naja und elten john ist auch nicht leicht zu konsumieren - aber wir sollten dem internet dankbar sein, dass alle menschen die möglichkeit haben, sich dieses album in gänze auf dem heimischen sofa anhören zu können und sich von musik endlich mal wieder respektiert zu fühlen. der gang in den plattenladen (oh wie altmodisch!) kommt dann ganz von allein.

    • k2
    • 25.11.2011 um 15:08 Uhr

    9 Sekunden nach Audiostart und Kate Bush am Anapurna : Vegleichen Sie dazu denselben
    Soundtrack nach etwa 4 Minuten 32 - 37 ff. Sekunden !

    http://www.youtube.com/wa...

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