Rio, Kyoto, Bali, Kopenhagen, Cancún – zählt noch jemand mit? Die Erwartungen an die 17. Klimakonferenz der Vereinten Nationen sind minimal. Eines der wichtigsten, man könnte auch sagen: der anmaßendsten, Projekte der Menschheit steht vor dem Scheitern. Nämlich der Versuch, die menschgemachte Klimaerwärmung in einem halbwegs verträglichen Rahmen zu halten.

Wieso anmaßend? Weil es hier nicht um Handelsschranken oder Grenzkonflikte geht, die sich durch Regierungshandeln leicht regeln lassen, sondern darum, den Lebensstil von Milliarden Menschen zu ändern. Weniger Benzin und weniger Fleisch, weniger Wachstum und weniger Wohlstand, jedenfalls für eine lange Übergangszeit auf dem Weg in die schöne neue Welt voller grüner Technik.

Seit vier Jahren verhandeln die Klimadiplomaten über zwei Vertragswerke zugleich. Das Kyoto-Protokoll , bislang bei aller Unzulänglichkeit das einzige internationale Klimaabkommen, läuft aus. Die Vertragsstaaten – zu denen weder die USA noch die schnell wachsenden Schwellenländer China und Indien zählen – streiten um eine Fortschreibung der Regeln, die sie selbst sich 1997 in Japan auferlegt haben. Parallel dazu bemühen sich Vertreter aller UN-Staaten um ein neues, umfassendes Klimaabkommen. Für alle. Aber mit unterschiedlichen Vorschriften für Industrienationen und Entwicklungsländer, gemäß ihrer »gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung« – das ist ein Schlüsselbegriff der Klimadiplomatie.

Vor zwei Jahren in Kopenhagen ist so ein neues Abkommen spektakulär gescheitert . Die Nachfolgekonferenz im mexikanischen Cancún hat Ende 2010 so etwas wie eine Gebrauchsanweisung beschlossen . Es gibt nun ein gemeinsames Ziel: die Erwärmung der Erde im Durchschnitt unter zwei Grad zu halten. Es gibt eine Revisionsverpflichtung mit Blick auf zukünftige Ergebnisse der Klimaforschung. Es gibt ein Verfahren, um zu prüfen, ob die Vereinbarungen eingehalten werden. Ja, es gibt sogar eine Regelung für die Verwaltung eines erst noch zu schaffenden Fonds, der Klimaschutz und Anpassung in armen Ländern finanzieren soll. All dies sind keine geringen Fortschritte, doch es fehlt der politische Wille, etwas Derartiges dann auch irgendwann einmal endlich zu beschließen.

In den USA, dem Land der weitaus schlimmsten Klimasünder, weigert sich eine Mehrheit der Bürger, das selbst verursachte Problem auch nur anzuerkennen. Präsident Obama , innenpolitisch ohnehin unter Druck, kann so den klimaschädlichen American Way of Life kaum ernsthaft zum Gegenstand internationaler Verhandlungen machen. In China, andererseits, sieht die Führung des Landes wenig Grund, ihren Bürgern den Verzicht auf Wachstumschancen zuzumuten, um ein Problem zu lösen, zu dem jeder einzelne von ihnen nur vergleichsweise wenig beiträgt.

Und nun? Die Klimadiplomatie selbst ist in den fast zwanzig Jahren ihres Bestehens zu einem Moloch angewachsen. Kein Mensch überblickt sie mehr, sagen selbst Insider, die dazu noch am ehesten imstande sein müssten. Unvorstellbar, dass ein Apparat dieser Größe sein eigenes Scheitern eingestehen wird. Das wahrscheinlichste Ergebnis in Durban ist darum ein Formelkompromiss: eine kurze Verlängerung des Kyoto-Abkommens unter Ausscheiden einiger wichtiger Unterzeichner, etwa Japans, verbunden mit einem unverbindlichen Zeitplan, nach dem allerspätestens beim übernächsten Mal ein echter Klimavertrag zu beschließen wäre. Wahrscheinlicher, als er es gegenwärtig ist, wird ein solcher Durchbruch aber nach Durban nicht sein.

Ein sehr schwacher Trost dürfte bleiben: Mit ihrem Scheitern verlängert die Klimadiplomatie das Problem, das zu lösen sie antrat, weit in die Zukunft. Auch in fünfzig Jahren wird es in der dann schon erheblich wärmeren Welt Klimakonferenzen geben. Dann wird man, vielleicht, den Misserfolg in Durban im Rückblick für einen Anfängerfehler halten.