MetroEs geht voran – aber wohin?

Das neue Spitzenduo des Handelsriesen Metro steuert in heftige Turbulenzen. Allein der Verkauf des Kaufhofs birgt schon jede Menge Zündstoff. von 

Jetzt, so scheint es, kann sich beim drittgrößten Handelskonzern der Welt alles zum Guten wenden. Die lähmenden Führungsquerelen sind beendet. Vorstandsvorsitzender Eckhard Cordes und Aufsichtsratschef Jürgen Kluge konnten einfach nicht miteinander. Sie arbeiteten gegeneinander und quittierten schließlich beide ihren Job . Für die Metro und ihre 280.000 Mitarbeiter geht es wieder voran. Aber wohin?

Seit vergangenem Freitagabend hat der Metro-Aufsichtsrat einen neuen Chef: Franz Markus Haniel. Er ist der Sprecher des gleichnamigen Industrieclans , dem gemeinsam mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck der größte Anteil an der Metro gehört.

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Zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns wurde der bisherige Finanzchef Olaf Koch gekürt. Nur mit knapper Mehrheit, wie man hört, und auch erst im zweiten Wahlgang, in dem Haniel seine Zweitstimme nutzen musste, um Koch durchzusetzen. Das ist kein guter Start für den 41-Jährigen.

Gemessen an der zuvor chaotischen Gemengelage verlief die Grenze diesmal klarer: Die meisten Arbeitnehmervertreter waren gegen Koch. Sie hätten es lieber gesehen, wenn Joel Saveuse den Spitzenposten bei der Metro bekommen hätte. Der 58-Jährige gilt nicht nur in ihren Reihen, sondern auch in der Fachwelt als angesehener Handelsprofi. Allerdings eilt ihm der Ruf voraus, eher bewahren als umstoßen zu wollen. Das hat etlichen Anteilseignervertretern offensichtlich nicht gefallen. Jetzt bleibt Saveuse einfaches Vorstandsmitglied.

Mit der Entscheidung für Koch hat die Kapitalseite im Aufsichtsrat ein eindeutiges Zeichen gesetzt: für die Zerlegung des Konzerns. Denn nur die verspricht jenen Geldsegen, auf den die Anteilseigner schon lange warten. Für den Kaufhof gibt es inzwischen mehrere Interessenten . Schon allein der Verkauf dieser Warenhauskette wird die Kasse füllen und eine Sonderdividende möglich machen, auch für die großen Anteilseigner. Ein schönes Weihnachtsgeschenk also für die vielen Hundert Haniel-Gesellschafter und die Familie Schmidt-Ruthenbeck.

Auf die Mitarbeiter kommen harte Zeiten zu. Koch ist ihnen als derjenige bekannt, der die Kosten fest im Griff hat und die Sparprogramme überwacht, ein kühler Rechner also. Das stärkt ihn in Verhandlungen mit Bankern und Börsianern ebenso wie im Gespräch mit Investoren. Ob er dabei auch die Mitarbeiter im Blick behält, muss sich noch zeigen.

Im Fall Kaufhof spielt es für die Beschäftigten kaum noch eine Rolle, wer von den Bewerbern den Zuschlag erhält. Wichtiger für sie ist eher die Frage, ob es Beschäftigungsgarantien oder andere Zusagen geben wird. Ansonsten droht ein Kampf um jedes Haus: Welche Filialen werden geschlossen, wie viele Jobs gestrichen?

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