Das schier Unmögliche muss ab 2012 möglich sein. Jeder für die USA bestimmte Schiffscontainer soll dann schon im Verladehafen kontrolliert werden. Auch am anderen Ende der Welt. In Hamburg. In Shanghai. In Dubai. Die USA wollen sich besser vor Terroranschlägen schützen. So gut, dass sie ihre eigene Wirtschaft bremsen. Das Paradoxe: Genau das wollen die islamistischen Terroristen.

Das behauptet zumindest Ulrich Schäfer in seinem Buch Der Angriff. Wie der islamistische Terror unseren Wohlstand sprengt. Die These des früheren Wirtschaftschefs und heutigen Ressortleiters der Regionalteile der Süddeutschen Zeitung lautet: Um ihrem Ziel eines islamistischen Gottesstaats näherzukommen, führen die Terroristen einen Wirtschaftskrieg.

Schäfer analysiert detailliert und meistens mit guten Belegen, warum terroristische Anschläge uns in den vergangenen Jahren so stark getroffen haben. Die Terroristen hätten erkannt, dass sie oft mit wenigen Mitteln viel erreichen können, wenn sie wirtschaftliche Ziele attackieren. Al-Qaida greift die Lebensader der globalisierten Wirtschaft, die internationalen Handelswege, an. Ein Anschlag auf einen wichtigen Hafen oder Flughafen kostet die Terroristen einige Tausend Euro. Die Reaktion darauf erfordert Milliarden an zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Das nenne man Hebelwirkung, zitiert Schäfer aus einem Al-Qaida-Online-Magazin.

Der Hass auf den Kapitalismus sitze bei den Terroristen tief, analysiert der Autor. Sie empfänden die Wirtschaftsweise des Westens als demütigend und dekadent, weil er den Reichtum in den Händen weniger konzentriere. Beispielhaft beschreibt Schäfer dieses Gefühl an Osama bin Laden. Der langjährige Anführer von Al-Qaida habe sich von seiner Heimat Saudi-Arabien abgekehrt, weil der Staat den Reichtum der Region, das Öl, an den Westen verscherbelte.

Schäfer kommentiert aber auch die Reaktionen auf die Anschläge. Sie waren falsch, sagt er. Die USA stecke in ihrem Umgang mit Gefahren noch im Kalten Krieg fest. Dort habe man auf Bedrohung mit militärischer Macht und Abschreckung reagiert. Dies funktioniere heute nicht mehr, weil klare Strukturen, ein sichtbarer, greifbarer Feind fehle.

Interessant ist die geschichtliche Einordnung. Ähnlich wie das spanische Reich um 1600 oder das Britische Empire um 1900 hätten die USA strategische Verpflichtungen aus den vorherigen Jahrzehnten übernommen. Für die Langlebigkeit einer Weltmacht sei ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen selbst auferlegten Verteidigungspflichten und den verfügbaren Mitteln entscheidend. Für die Kriege in Afghanistan und im Irak hätten sich die USA aber so stark verschuldet, dass der Anspruch und die wirtschaftliche Realität nicht mehr übereinstimmten.

Schäfer spitzt in seinem Buch stark zu. So erklärt er etwa die Angriffe auf Libyen und die ausgebliebenen Angriffe auf Syrien nur mit dem Öl. Libyen hat welches, Syrien nicht. Dass etwa die geografische Lage Syriens mit Grenzen zu Israel oder dem Irak ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnten, erwähnt er nicht.

Was stört, ist die teilweise unklare Struktur der Argumentation. Doch geht man darüber gerne hinweg, weil man viel lernt über den internationalen Terrorismus. Beeindruckend ist auch so manche Zahl. Etwa diese: Mehr als die Hälfte aller importierten Waren der Amerikaner kommen auf dem Seeweg. Sieben Millionen Container jährlich. Und die sollen ab 2012 alle kontrolliert werden.