Stilkolumne: Frau am Steuer
Es gibt ihn noch, den heroischen Look der Autopionieren, aber jetzt trägt Frau ihn. Tillmann Prüfer über Autos und Mode

Autofahrerjacke von Uman
Seit es Autos gibt, beeinflussen sie die Mode. Zunächst nicht, weil sie so schick waren, sondern weil sie so schmutzig machten. Man benutzte sogenannte Automäntel. Das waren weite Schutzmäntel, die die meist recht feine Kleidung von Insassen offener Automobile vor dem Dreck der Straße schützen sollten.
In den fünfziger Jahren war der Schmutz nicht mehr das Problem. Nun war ein Automantel ein halblanger Mantel, der hinten den sogenannten Autoschlitz hatte, sodass es nicht knitterte und spannte, wenn man sich in den Wagen setzte. Gleichzeitig hatte der Autoschlitz noch eine andere Funktion. Er machte kenntlich, dass man ein Auto besaß, auch wenn man gar nicht damit unterwegs war. Autos waren schließlich mit Wohlstand verbunden. Vor allem Rennfahrer mit ihren eng geschnittenen Lederjacken waren Vorbilder.
Später wurde das Auto zur Selbstverständlichkeit, und sein Einfluss auf die Mode sank. Man ist eher peinlich berührt, wenn man heute noch jemandem in einer Autofahrerhose begegnet: einem Beinkleid, bei dem sich zugunsten der Bequemlichkeit beim Fahren der Bund verstellen lässt. Ohnehin hat das Auto als Statussymbol schwer gelitten . Dementsprechend ist das Fahrrad heute in der Männermode stilbildend . Designer lassen sich von der Radlerhose inspirieren, und sogar das Cape kommt zurück. Unlängst hat Marc Jacobs den Klassiker von K-Way neu gestaltet. Ist es aus für PS in der Mode?
Keineswegs. Nur greifen diesmal nicht die Männer, sondern vor allem Frauen zu Autoaccessoires. In seiner ersten Kollektion für Hermès stattete Christophe Lemaire Frauen diesen Herbst mit Rennfahrerkappen aus – und nächstes Jahr wird richtig aufgedreht: Albert Kriemler hat sich für Akris vom Rennfahrermythos Monaco Grand Prix inspirieren lassen und Kleider mit aufgedruckten Formel-Eins-Oldtimern entworfen. Miuccia Prada hat ihre ganze Kollektion dem Thema »Cars and Girls« gewidmet. Pumps mit Heckflossen und sogar Rücklichtern. Taschen mit Autoprints.
Frauen heften sich also rücksichtslos die Insignien einer ehemaligen Männerdomäne an. Da ist für Herren Vorsicht angesagt. Wenn man als Mann nächsten Sommer stolz mit den knielangen Leggins vor die Tür geht, kann es sein, dass man einfach überfahren wird.











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