Tomi Ungerer wird 80Als Zeichner fand er die Freiheit

Ein lebenstrunkener, erwartungsvoller Mann: Tomi Ungerer schuf unzählige Kinderbücher, aber auch satirische Bände für Erwachsene. Nun wird er 80 Jahre alt. Gratulation!

Tomi Ungerer ist eine Jahrhundertgestalt, die sich den Anschein des Narren gegeben hat, um das Jahrhundert zu überstehen. Er wurde 1931 in Straßburg geboren und lernte unter deutscher Besatzung, den Deutschen zu spielen, nach dem Krieg erwarteten die Lehrer von ihm, dass er das Deutsche aus seinem Sprachschatz tilge. Ungerer zog daraus die höhere Lehre, sich keiner Nation zugehörig zu fühlen und ein freier, innerlich vogelfreier Mann zu werden. Diese Freiheit fand er als Zeichner.

Zu den entscheidenden Kunsterfahrungen seiner Jugend gehörten der Isenheimer Altar des Matthias Grünewald, den er in Colmar immer wieder betrachtet hatte, und die Zeichnungen des Amerikaners Saul Steinberg – und beides gefiel ihm: die überbordende Fülle des großen Kunstwerkes und die zum Zeichen verknappte geniale Skizze. Ungerer schuf unzählige Kinderbücher, aber auch satirische Bände für Erwachsene; unter ihnen The Party und Fornicon – das erste ein Totenbuch über die High Society, das zweite die eiskalte Höllenvision einer automatischen Sexualität.

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Ungerer hat den Tod einmal seinen großen Antrieb genannt, und in seiner Kunst kommt es immer wieder zu Orgien zwischen Skeletten und Wesen, die noch warm und selbstgewiss in Fleisch gepackt sind. Drei Herzinfarkte hat Ungerer überstanden, und wenn man ihn heute sprechen hört, in seinem wunderbaren Deutsch, wirkt er wie ein lebenstrunkener, erwartungsvoller Mann. Am 28. November wird er 80 Jahre alt.

 
Leserkommentare
    • Varech
    • 28.11.2011 um 7:09 Uhr

    ... dass Tomi Ungerer lesen wird, was wir hier schreiben.

    Seine Arbeit ist nicht französisch, nicht deutsch, nicht amerikanisch, sondern einfach grossartig menschlich!

    Meine Enkelkinder auf ferner Südseeinsel haben das Bilderbuchalter hinter sich, halten aber immer wieder Ungerers Grosses Liederbuch in Händen.

    Ungerers Zeichnungen sind Kultur, die prägt. DANKE !!

    2 Leserempfehlungen
  1. und meinen aller größten Respekt, Tomi Ungerer.

    Eine Leserempfehlung
  2. Saul Steinberg, ein so großer Zeichner, wird in unserer Kultur viel zu wenig beachtet, schade.

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    • dacapo
    • 28.11.2011 um 16:26 Uhr

    Hat Saul Steinberg denn auch Geburtstag?

    • dacapo
    • 28.11.2011 um 16:26 Uhr

    Hat Saul Steinberg denn auch Geburtstag?

    • dacapo
    • 28.11.2011 um 16:26 Uhr
    5. wieso?

    Hat Saul Steinberg denn auch Geburtstag?

    Antwort auf "Das Vorbild"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    er lebte von 15.06.1914-12.05.1999,nur so nebenbei.
    Aber Ungerer bezeichnet ihn als sein Vorbild, deshalb der Bezug.

    er lebte von 15.06.1914-12.05.1999,nur so nebenbei.
    Aber Ungerer bezeichnet ihn als sein Vorbild, deshalb der Bezug.

  3. El sonido
    candoroso, el
    tierno pasado
    que canta en
    el sol regalando
    una rima.

    Francesco Sinibaldi

  4. er lebte von 15.06.1914-12.05.1999,nur so nebenbei.
    Aber Ungerer bezeichnet ihn als sein Vorbild, deshalb der Bezug.

    Antwort auf "wieso?"

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