Zu den Eingriffen mit dem höchsten Risiko in der Schönheitschirurgie gehören Operationen im Bauchbereich. Eine 2011 veröffentlichte Studie der Medizinischen Universität Graz ergab, dass jede fünfte Patientin wegen schwerer Komplikationen nachoperiert werden musste.

Annemarie G. war sich der möglichen Gefahren einer Schönheitsoperation nicht bewusst. Heute sagt die 52-jährige Angestellte aus Niederösterreich: »Hätte ich das gewusst und wäre ich seriös über die Risiken aufgeklärt worden, hätte ich keine Bauchdeckenstraffung machen lassen.« Seit ihrer Operation im April 2009 ist ihr Bauch verunstaltet, und sie leidet ständig an Schmerzen und Missempfinden – und das Bundessozialamt stuft sie nun als invalid ein.

Im Februar 2009 sucht Frau G. die Ordination von Rafael Walzer im 8. Wiener Gemeindebezirk auf, um sich ihren Bauch verschönern zu lassen. Sie ist in Begleitung ihres Mannes. Gleich von Anfang an gibt es zwei verschiedene Versionen der Krankengeschichte. Prof. Walzer behauptet, Frau G. habe ihn bereits am 12. Februar aufgesucht – und legt als Beweis eine von ihm ausgefüllte Karteikarte vor.

Frau G. kann anhand von Indizien und Zeugen belegen, dass sie erst am 13. Februar in der Ordination war. Weiters behauptet Prof. Walzer, er habe Frau G. umfassend über Risiken und Komplikationen aufgeklärt und ihr am Ende der Beratung einen Aufklärungsbogen mitgegeben. Auch das bestreitet Frau G.

Jedenfalls stimmen Frau G. und Professor Walzer darin überein, dass er ihr beim Beratungsgespräch empfohlen habe, bis zum Operationstermin am 24. April 2009 möglichst viele Kilos abzunehmen und das Rauchen einzuschränken. Als Frau G. und der sie begleitende Ehemann die Praxis wieder verlassen, haben sie den Eindruck, dass es sich bei der geplanten Bauchdeckenstraffung um einen harmlosen kleinen Eingriff handelt. Mit viel Disziplin schafft es Frau G., bis zur Operation zehn Kilogramm abzunehmen. Auch ihren Zigarettenkonsum schränkt sie ein.

Die Operation wird im Wiener Spital Goldenes Kreuz in Vollnarkose vorgenommen. Frau G. hat zur Vorbereitung bereits ein Beruhigungsmittel erhalten und befindet sich im Operationssaal, als ihr noch ein schriftlicher Aufklärungsbogen vorgelegt wird, der sie über Risiken und Nebenwirkungen aufklärt. Frau G. unterschreibt.

Aus dem Operationsbericht geht hervor, dass der Eingriff anders verläuft, als ursprünglich geplant war.

Nach der Entlassung aus dem Spital beobachtet Frau G. mit zunehmender Besorgnis, dass die Wunde nicht heilt, sondern zunehmend schmerzt, Flüssigkeit absondert und größer wird, sieben Zentimeter, acht Zentimeter, neun Zentimeter. Auch für Laien ist anhand der vorliegenden Fotos erkennbar, dass es sich um keine oberflächliche Wunde, sondern um ein tiefes Loch im Bauch handelt, das immer größer wird.