Afghanistan-Einsatz: "Nach dem Anschlag war ich einfach wütend und hatte Hass auf alle"
Zehn junge Männer erzählen, wie es ist, in den Krieg zu ziehen. Hauptgefreiter Roman Kuchar ist einer von ihnen.
ZEITmagazin: Haben Sie ein Testament gemacht?
Roman Kuchar: Nee. (lacht) Ich hoffe, ich komme zurück. Ich glaube an eine Zukunft.
ZEITmagazin: Sie waren 2009 schon im Einsatz, gab es gefährliche Situationen?

25 Jahre, Hauptgefreiter. Kuchar ist Scharfschütze. Er war 2009 mit Thorsten Förster (siehe Seite 14) im Afghanistaneinsatz und wurde dort bei einem Selbstmordattentat verletzt. Trotzdem wollte er wieder nach Afghanistan. Der Nürnberger ist unverheiratet und kinderlos.
Kuchar: Ja, im Einsatz mit Hauptfeldwebel Förster, als sein Panzer in die Luft gesprengt wurde. Ich war im zweiten Fahrzeug hinter ihm und stand über der Luke. Der Dingo ist quasi vor meinen Augen explodiert, und von der Druckwelle wurde ich bewusstlos. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Boden des Panzers, meine Haare haben leicht gebrannt.
ZEITmagazin: Was war Ihre erste Reaktion?
Kuchar: Also, ich war einfach wütend, kurz habe ich Hass auf alle gehabt. Aber dann war ich froh, dass alle überlebt haben.
ZEITmagazin: Sie sind Scharfschütze, mussten Sie auf Menschen schießen?
Kuchar: Ja.
ZEITmagazin: Haben Sie getroffen?
Kuchar: Weiß ich nicht.
ZEITmagazin: Wollen Sie’s nicht wissen, oder wissen Sie es nicht?
Kuchar: Ich will einfach dazu nichts sagen...
ZEITmagazin: Konnten Sie das einfach wegstecken?
Kuchar: Bis jetzt ja.
ZEITmagazin: Sie träumen nicht davon in der Nacht?
Kuchar: Nein, Gott sei Dank nicht.
ZEITmagazin: Oder denken Sie: Hätte ich doch nicht schießen sollen?
Kuchar: Entweder ich oder die. Und ich war ja nicht alleine. Wenn ich nicht schieße, kann es sein, dass meinen Kameraden und mir was passiert. Das ist quasi Instinkt, dass ich mich selber schütze und meine Kameraden, also meine Freunde.
ZEITmagazin: Reden Sie untereinander, wenn Sie jemanden getroffen haben?
Kuchar: Keine Ahnung. Wir haben ja keinen getroffen. Es wurde nicht bestätigt. Vielleicht doch, vielleicht nicht. Man weiß es nicht. Es ist nicht so, dass ich nach Afghanistan fahre und mich freue, jemanden umzubringen. Aber es ist schon etwas anderes, als auf Zielscheiben zu schießen.
ZEITmagazin: Was macht einen guten Soldaten aus?
Kuchar: Ein guter Soldat muss Befehle befolgen. Wenn zum Beispiel der Gruppenführer oder Zugführer irgendwas befiehlt, dann muss ich den Befehl ausführen, ob mir das gefällt oder nicht.
ZEITmagazin: Was ist besonders an Scharfschützen?
Kuchar: Ich bin Soldat, das ist einfach ein ganz normaler Job, wie Verkäufer. Es ist meine Arbeit.
ZEITmagazin: Warum sind Sie Soldat geworden?
Kuchar: Ich bin kein Typ, der seine Zukunft im Büro vor dem PC verbringt. Ich wollte was anderes ausprobieren und ein bisschen Action haben.
ZEITmagazin: Was fasziniert Sie an Action?
Kuchar: Na, der Adrenalinkick. Etwas, das du im zivilen Leben nicht kriegst.





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