FinanzkriseDie zweite Bankendämmerung

Die Commerzbank ist nur ein Beispiel: Europäischen Geldhäusern fehlt Kapital.

Der Commerzbank-Hauptsitz in Frankfurt am Main

Der Commerzbank-Hauptsitz in Frankfurt am Main

Wenn die 20 Chefkontrolleure der Commerzbank an diesem Freitag in Frankfurt zusammentreten, müssen sie einen neuen Finanzvorstand benennen. Und vor allem mit der Frage ringen, ob die  Bank es vermeiden kann, nach 2008 ein zweites Mal beim Staat um Hilfe bitten zu müssen.

Mit 18,2 Milliarden Euro hatte der Bund die Commerzbank in der Finanzkrise gestützt. Mehr als die Hälfte davon zahlte das Institut in diesem Jahr zurück . Zwar hielt und hält der Staat weiter mehr als 25 Prozent an der Bank, aber der entscheidende Schritt gen Unabhängigkeit schien getan. Dann eskalierte die Euro-Krise . Und die Summen, die Banken vielleicht noch abschreiben müssen, stiegen in den Himmel.

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Angesichts der neuen Ungewissheit fordert die europäische Bankenaufsicht (EBA) von den Finanzhäusern, bis zum 30. Juni 2012 ihre Kapitalquote auf neun Prozent zu erhöhen – also das Verhältnis von Kapital zu Geschäftsvolumen. Je mehr Kapital eine Bank vorhält, desto mehr Verluste verkraftet sie. Das klingt gut. Mit ihren Forderungen erzeugt die Aufsicht aber neue Sorgen. Auf einmal scheint es möglich, dass bei der Commerzbank und anderen europäischen Finanzhäusern erneut der Staat einspringen muss. Oder dass viele Banken ihr Geschäft so zurechtstutzen müssen, dass die Wirtschaft keine Kredite mehr erhält.

Beispiel Commerzbank: Noch vor ein paar Wochen sah die EBA bei ihr einen Kapitalbedarf von 2,9 Milliarden Euro – nicht wenig, für die Bank aber zu schaffen. »Ich gehe da nicht noch mal hin«, tönte Vorstandschef Martin Blessing mit Blick auf den Staat. Dann aber verschärfte die Aufsicht ihre Berechnungen. Und nun, so heißt es, beträgt die Lücke bei der Commerzbank rund fünf Milliarden. Neben ihr sollen danach auch die Deutsche Bank, die DZ Bank sowie zwei Landesbanken Löcher im Kapitalpolster aufweisen. Insgesamt soll der Kapitalbedarf in Deutschland in zweistelliger Milliardenhöhe liegen.

Genaue Zahlen, heißt es in Aufsichtskreisen, liegen frühestens kommende Woche vor. Weil die Banken jedoch Ende des Jahres sagen sollen, wie sie die Vorgaben erreichen wollen, arbeiten die Zentralen fieberhaft. Der einfachste Weg – das Einsammeln neuen Kapitals an den Finanzmärkten , wie es aktuell Unicredit aus Italien versucht – dürfte vielen versperrt bleiben. Weltweit machen Investoren einen Bogen um sie. Für die Commerzbank, der Anleger erst im Frühjahr viele neue Milliarden anvertrauten, gilt dies erst recht.

Also erwägt die Commerzbank, Gewinne einzubehalten und Kapital, über das sie bereits verfügt, so zu wandeln, dass die Aufsicht es als haftendes Kapital anerkennt. Zudem vergibt die Bank derzeit nur noch neue Kredite, wenn diese für das Geschäft in Polen und Deutschland relevant sind. Auch der Verkauf von Geschäftsfeldern ist geplant. Beides mit dem Ziel, von vornherein weniger Kapital als Sicherheit vorhalten zu müssen und in Summe die Vorgaben zu erfüllen.

Ob all das reicht? Bankmanager sagen Ja, unter großen Anstrengungen. In Aufsichtskreisen ist man skeptischer. Es sei gut möglich, dass der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin der Commerzbank helfen müsse, entweder direkt, mittels einer Kapitalspritze, oder indirekt, indem er ihr das große Sorgenkind, den Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo, abnehme. Im März könnte die Gesetzesänderung, die für die Reaktivierung des zwischenzeitlich stillgelegten Soffin nötig ist, durch sein, ist in Berlin zu hören.

Doch die Eurohypo auf den Staat zu übertragen brächte die Bank in neue Schwierigkeiten. Setzt man dabei den aktuellen – niedrigen – Wert der Tochter an, reißt dies bei der Bank tiefe Löcher. Kalkuliert man hingegen nicht mit Marktpreisen, beschwert sich die EU-Kommission über staatliche Beihilfe. Dem Vernehmen nach werden derzeit mit Brüssel Gespräche geführt, deren Ausgang aber ist offen. Bisher gilt seitens der EU die Auflage, die Eurohypo zu verkaufen. Bis 2014. Aber wer soll kaufen, wenn nicht der Staat?

Viele Institute überdenken ihr Geschäft. Die Deutsche Bank prüft, ob sie ihre Vermögensverwaltung verkaufen soll – unter Hinweis auf die »jüngsten regulatorischen Veränderungen«. Die HypoVereinsbank will sich aus Überseemärkten zurückziehen. In Paris überlegt die BNP, Randgeschäfte abzustoßen. Und auch in Österreich ringen Banken mit der Kapitalquote von neun Prozent. Zudem setzt die nationale Aufsicht ihnen neue Grenzen im Osteuropageschäft.

Quer durch Europa schrumpfen die Banken. Das könnte irgendwann die Industrie treffen. Experten der Investmentbank Barclays sehen bereits das Risiko einer Kreditklemme, etwa in Südeuropa. Und selbst in Deutschland, berichtet Daniel Flaig vom Finanzinvestor Capvis, hielten sich die Banken seit dem Sommer stark zurück, »die neuen Kapitalvorschriften verstärken dies noch«. Mehr als 15 bis 20 Millionen Euro rücke derzeit keine Bank heraus, für den Kauf einer Firma mehr als 100 Millionen Euro einzusammeln sei schwer.

Es ist auch die Angst vor einer Kreditklemme, die viele über neue Staatshilfen nachdenken lässt. Verschärft sich die Euro-Krise, »werden wir flächendeckend Interventionen des Staates sehen«, sagt ein Topbanker. Ohne große Vorwarnung, übers Wochenende könnten Banken gestützt werden, »vor allem in den Staaten, deren Institute in den Strudel hineingerissen werden, in Italien, Spanien, Portugal, vielleicht auch Frankreich«. Und am Standort D? Abwarten.

 
Leserkommentare
  1. ...des Geldwechslers im mittelalterlichen Italien: Das drohte dem Bankier ohne Geschäft im mittelalterlichen Italien. Höchste Zeit, diesen Brauch wieder einzuführen.

    5 Leserempfehlungen
    • Zecher
    • 02.12.2011 um 7:45 Uhr

    dass die Banken unter Druck geraten und gezwungen werden ein dickeres Polster anzulegen. Beim Platzen der Subprime - Blase gab es deutsche Landesbanken, die mit dem 60 - fachen ihres Eigenkapitals spekuliert und verloren haben.

    man stelle sich vor ein Arbeitnehemr mit 2000€ / Monat leiht sich 120.000€ und geht damit ins Spielcasino >>> unverantwortlich.

    2 Leserempfehlungen
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    kann leider nicht kontrolliert werden. USA und GB haben etwas dagegen. Selbst die Spekulanten wundern sich doch, dass da nichts passiert.

    kann leider nicht kontrolliert werden. USA und GB haben etwas dagegen. Selbst die Spekulanten wundern sich doch, dass da nichts passiert.

  2. kann leider nicht kontrolliert werden. USA und GB haben etwas dagegen. Selbst die Spekulanten wundern sich doch, dass da nichts passiert.

    Antwort auf "Ich finde es gut,"
  3. ...bei der Bundesbank oder der EZB ihr Geld leihen.

    Eine Leserempfehlung
  4. Die letzte Kapitalerhöhung hat die COMBA mit 4,20 € gut verkauft, kurz danach rumpelte der Kurs nach unten!

  5. Es gibt nur eine Rettung, wenn wirklich gerettet werden will; und das ist der Neustart mit einem zinsfreien Geldsystem. Erst wer verstanden hat, das keine 10 Prozent der Menschen Gewinner aus dem zinsbasierendem Zinssystem sind – aber es über 90 Prozent Verlierer und Draufzahler gibt, der weiß wovon ich rede.

    Aber schauen Sie selbst dieses kurze Video, denn dann sind auch Sie ein Wissender:
    vimeo.com/25605881

    Herzliche Grüße
    Alexander P.

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    Denken Sie nicht, die Abschaffung von Zinsen würde das gesamte Geldsystem kollabieren lassen? Oder die Banken würde auf Transaktionstätigkeiten so heftige Geühren erlassen, dass es sich nicht mehr lohnt auch nur irgendwas unter einem Wert von ca 20€ per Banküberweisung zu bezahlen.
    Die Banken sind zum verwöhnten Kleinkind des Staates mutiert. Kennen Sie solche Kinder? Sie sind frech, überaus dreist, beleidigend, arrogant, kommen aber trotzdem mit jedem scheiß durch. Weil (Groß-)Mütterchen Staat nicht auf sie verzichten kann. Es hieß schon immer, "Geld regiert die Welt", doch zu keiner Zeit war es so verdammt offensichtlich wie heute. Banken müssten wieder mindestens so scharf wie im Mittelalter kontrolliert werden. Vom Finanzamt, vom Staat, vom Bürger.

    Denken Sie nicht, die Abschaffung von Zinsen würde das gesamte Geldsystem kollabieren lassen? Oder die Banken würde auf Transaktionstätigkeiten so heftige Geühren erlassen, dass es sich nicht mehr lohnt auch nur irgendwas unter einem Wert von ca 20€ per Banküberweisung zu bezahlen.
    Die Banken sind zum verwöhnten Kleinkind des Staates mutiert. Kennen Sie solche Kinder? Sie sind frech, überaus dreist, beleidigend, arrogant, kommen aber trotzdem mit jedem scheiß durch. Weil (Groß-)Mütterchen Staat nicht auf sie verzichten kann. Es hieß schon immer, "Geld regiert die Welt", doch zu keiner Zeit war es so verdammt offensichtlich wie heute. Banken müssten wieder mindestens so scharf wie im Mittelalter kontrolliert werden. Vom Finanzamt, vom Staat, vom Bürger.

  6. Denken Sie nicht, die Abschaffung von Zinsen würde das gesamte Geldsystem kollabieren lassen? Oder die Banken würde auf Transaktionstätigkeiten so heftige Geühren erlassen, dass es sich nicht mehr lohnt auch nur irgendwas unter einem Wert von ca 20€ per Banküberweisung zu bezahlen.
    Die Banken sind zum verwöhnten Kleinkind des Staates mutiert. Kennen Sie solche Kinder? Sie sind frech, überaus dreist, beleidigend, arrogant, kommen aber trotzdem mit jedem scheiß durch. Weil (Groß-)Mütterchen Staat nicht auf sie verzichten kann. Es hieß schon immer, "Geld regiert die Welt", doch zu keiner Zeit war es so verdammt offensichtlich wie heute. Banken müssten wieder mindestens so scharf wie im Mittelalter kontrolliert werden. Vom Finanzamt, vom Staat, vom Bürger.

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