Brontë-Verfilmungen Sturm der Gefühle

Die Romane der Brontë-Schwestern bescheren uns gleich zwei Filme, "Jane Eyre" und "Sturmhöhe" – ein Glück.

Dieser Stoff, wie oft ist er gedreht und gewendet worden! Die Bücher der Brontë-Schwestern sind dramatische Gefühlsverdichtungen, Klassiker der englischen Literatur. Man findet darin Sentenzen, die so berühmt sind wie die legendären Monologe von Shakespeare, dem Emily und Charlotte Brontë viel verdanken, selbst das Setting erinnert an Shakespeare: eine raue Heidelandschaft wie jene Gefühlswüste, in der König Lear zu Boden geht. Die Brontës wuchsen auf im düsteren Yorkshire, mutterlos, in einem feuchtkalten Pfarrhaus, umzingelt von Grabsteinen, eine nach der anderen wurde von Schwindsucht dahingerafft. Aber ihre Romane überlebten. Charlottes Jane Eyre und Emilys Sturmhöhe sind 1847 erschienen, und kaum ein Jahr später war Emily tot, und Charlotte starb 1855, nur 39 Jahre alt.

Die Romane wurden unter männlichem Pseudonym veröffentlicht, es reichte auch so für einen Skandal. Welche Töne! Von Frauen, die herausschreien, was sie denken, dann diese Männer, die aus Sehnsucht nach solchen Frauen ihr Leben ruinierten. Seither: 18 Filmversionen alleine von Jane Eyre , die erste schon zur Stummfilmzeit, später, unvermeidlich, unzählige Fernsehserien. Und schon wieder: Am 2. Dezember kommt Jane Eyre neu in die Kinos. In London, wo der Film im Sommer lief, sind noch die jubelnden Kritiken präsent, da flimmert bereits Sturmhöhe überall, Brontëmania! ruft der Independent. Was treibt uns im 21. Jahrhunderts zu diesem 150 Jahre alten Stoff?

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Jane Eyre erzählt von einem Waisenkind, abgeschoben in ein sadistisches Pensionat für arme Mädchen (Dickens Oliver Twist war zehn Jahre zuvor erschienen). Kaum entronnen, wird Jane Opfer ihres Herzens, nämlich ihrer Liebe zu Mr. Rochester, Schlossbesitzer, dessen Mündel sie unterrichtet. Eine Schauergeschichte, in deren Verlauf sein Schloss abbrennt und er zum Krüppel wird. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die ihrem Gegenüber, über alle Klassen- und Genderschranken hinweg, Respekt abverlangt. »Glauben Sie, ich hätte weder Seele noch Herz, nur weil ich arm, unbedeutend, hässlich und klein bin? Da irren Sie sich!«, schleudert sie ihrem Boss entgegen.


Wie kann es sein, dass in der Abgeschiedenheit der Welt lebende Frauen solche Gefühlsgewalt, derart heftig empfinden, hat Elsemarie Maletzke in ihrer wunderbaren Brontë-Biografie gefragt.

Im Strudel der Leidenschaft wirbeln sie ihrem Ende zu

Sturmhöhe, der Roman von Emily, handelt von der zerstörerischen Kraft einer Leidenschaft, in deren Strudel zwei junge Menschen einem bösen Ende zuwirbeln. »Ich bin Heathcliff«, ruft Catherine, die Tochter eines Moorbauern, gequält. »Er ist immer, immer in meinen Gedanken, nicht zum Vergnügen, genauso wenig, wie ich mir selbst stets ein Vergnügen bin, sondern als mein eigenes Ich.« Sie siecht dahin in Sehnsucht nach diesem Findelkind Heathcliff, er verliert darüber den Verstand.

Charlotte über Emily: »Ihr Wille war nicht sehr anpassungsfähig. Ihr Temperament war großmütig, lebhaft und jäh, ihr Geist unbeugsam.«

Herzensqualen also. In einer Welt, die ihre Versprechen nur durch dornige Hecken schimmern lässt. Wer also wagt es, in die Fußstapfen von Orson Welles zu treten, der 1943 glutäugig den Rochester gab, an der Brust eine seufzende Joan Sutherland? Sturmhöhe wurde schon mit Laurence Olivier bestückt, es haben sich Luis Buñuel, Jacques Rivette, Yoshishige Yoshida auf den Stoff geworfen, alles ganz schön einschüchternd.

Nun, heute treten das urenglische Erbe an: als Regisseur von Jane Eyre ein Amerikaner, der in Japan und Frankreich aufgewachsen ist, Cary Joji Fukunaga, es ist erst sein zweiter Film; der erste dramatisiert die Welt der Illegalen an der mexikanischen Grenze, Sin Nombre, preisgekrönt. Als Jane findet sich eine Australierin aus polnischstämmiger Familie, Mia Wasikowska, ein deutschstämmiger Ire, Michael Fassbender, gibt Rochester. Und Sturmhöhe wird nun immer auch ein Film von Andrea Arnold sein, die bislang zwei Unterschicht-Movies machte, Red Road (2006), dann Fish Tank (2009), ein Kultfilm, in dem übrigens Michael Fassbender einen maskulinen Typen spielt, der sich an einer Minderjährigen vergreift. Fassbender, der sich als Bobby Sands in Hunger zu Tode quält und Inglourious Bastards zum starken Auftritt nutzte. Welch ein Gegenüber für Wasikowska, die aus The Kids Are All Right bekannt wurde. Übers Moor weht jetzt in diesen Verfilmungen ein noch härterer Wind.

Leser-Kommentare
  1. so wie die Filme (und die Bücher), kann sich die von mir aus jemand anderes antun.

    Rosamunde Pilcher für verklemmte Viktorianer...nee, lass man.

  2. Ihr Kurzfilm "Wasp" für den sie 2005 den Oscar gewonnen hat ist umwerfend:

    http://www.youtube.com/wa...
    oder
    http://vimeo.com/27862959

    Wow und "Fish Tank" ist schon ein Kultfilm?! das freut mich =)

  3. Ich habe mich wirklich gefreut, dass Susanne Mayer den beiden jüngsten Brontë-Verfilmungen einen Artikel gewidmet hat. Allerdings hätte ich mir etwas mehr Sorgfalt beim Schreiben gewünscht. In der von ihr kurz erwähnten Version von „Jane Eyre" aus dem Jahre 1943 ist es nicht Joan Sutherland (die war Sopranistin und hat nie in einem Kinofilm mitgespielt), die sich aufseufzend an Orson Welles' Brust schmiegt, sondern die Schauspielerin Joan Fontaine (sie lebt tatsächlich noch und wurde letzten Oktober 94).

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