Der Name klingt zwar international, aber außerhalb Deutschlands ist das Krankheitsbild Burn-out wenig bekannt. In anderen Ländern gelten eigene Bezeichnungen für Erschöpfungszustände im Zusammenhang mit Arbeit. Sie beziehen sich meist nur auf Gesundheitsberufe. In den USA ist vor allem die compassion fatigue häufig, die Mitleidserschöpfung.

Bezeichnend ist folgendes Beispiel: Als der Freiburger Psychiater Mathias Berger seinen amerikanischen Kollegen David Kupfer auf das Burn-out-Syndrom ansprach, verstand dieser zunächst nicht, wovon der Deutsche sprach. Kupfer ist maßgeblich beteiligt an der Neufassung des US-Klassifikationssystems für psychische Störungen (DSM-V). Berger wollte wissen, ob das Burn-out Eingang in das neue System finden würde. Die Antwort lautete Nein – »no global future« fürs deutsche Syndrom. Eine länderübergreifende Referenz findet sich lediglich in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10). Dort steht unter Ziffer Z73.0: Ausgebranntsein, Burnout, Zustand der totalen Erschöpfung. Eine genaue Definition fehlt jedoch.

Burn-out ist somit ein kulturelles Konstrukt. Es dient vor allem als ein Konzept, das widrige Lebensumstände für chronische Müdigkeit verantwortlich macht. Hinter Erschöpfung im Beruf stecken aber manchmal auch psychische Besonderheiten, die eine Zusammenarbeit mit Kollegen erschweren. So fühlen sich Menschen mit Schwierigkeiten, die Stimmungen anderer wahrzunehmen wegen einer Alexithymie (Gefühlsblindheit), oft stark ermattet. Gleiches gilt für Patienten, die nur schwierige Beziehungen eingehen können wegen einer Persönlichkeitsstörung.

Der häufigste psychische Faktor, der Erschöpfung auslöst, sind die Depression und die Dysthymie. Letztere ist eine chronische depressive Verstimmung, die über zwei Jahre anhalten kann. Eine finnische Studie hat 2005 gezeigt, dass bei 53 Prozent der Arbeitnehmer mit schwerem Burn-out eine behandlungsbedürftige Depression die Ursache war.