Personalpolitik: Das Zitat... und Ihr Gewinn
Thomas Carlyle sagt: Erfahrung ist der beste Lehrmeister. Nur das Schulgeld ist teuer.
Der Geschäftsführer des Zulieferers verpackte seine Hiobsbotschaft in Zuckerguss: »Wir wollen den Jüngeren die Chance geben, mehr Verantwortung zu übernehmen.« Im Klartext hieß das: Mitarbeiter von über 55 Jahren sollten mit einer Abfindung vom Hof gejagt werden. Die Logik dahinter breitet sich in Firmen wie eine Seuche aus: Weil ältere Arbeitnehmer die höchsten Gehälter bekommen , scheint ihre Entlassung die höchste Einsparung zu bringen.
Hat mal jemand überlegt, dass man mit derselben Logik auch das gesamte Top-Management rauswerfen könnte? Vielleicht wäre das die bessere Idee, denn die Milchmädchen-Manager übersehen: Je älter ein Mitarbeiter ist, je länger er für die Firma arbeitet, desto kostbarer ist seine Erfahrung . Wer weiß, wie der schwierige Großkunde tickt? Nur derjenige, der ihn seit Jahrzehnten betreut und ihm die Wünsche von den Augen abliest. Wer weiß, welche Projektideen schon vor Jahrzehnten gescheitert sind, weil sie sich mit der Kultur der Firma stoßen? Nicht der Neuling, der mal eben an Bord der Firma springt, sondern derjenige, der schon etliche Tiefs durchsegelt und für seinen Lehrmeister, die Erfahrung, viel teures Schulgeld bezahlt hat (um es mit Thomas Carlyle zu sagen).

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".
Die älteren Mitarbeiter sind die Einheimischen im Land der Firma. Sie können jüngeren Mitarbeitern, auch frischen Managern, mehr über die Firma, die Fettnäpfe und das Fach vermitteln, als es der beste Trainer von außerhalb könnte. Wer Teams aus erfahrenen und jungen Mitarbeitern bildet, schafft eine glückliche und nachweisbar effektive Symbiose. Der Pioniergeist paart sich mit der Erfahrung. Daraus können Spitzenleistungen wachsen.
Dagegen gleicht die Entlassung der Älteren einer Selbstzerfleischung. So habe ich in einem norddeutschen Konzern erlebt, dass ältere Ingenieure reihenweise in die Frührente gescheucht wurden. Doch ein halbes Jahr später stand ein schwieriges Projekt mit einem Stammkunden aus Fernost an. Und die Nachwuchs-Ingenieure bekamen es einfach nicht auf die Reihe. Wen hätten sie auch fragen sollen? Also ging der Konzern auf die frisch Verrenteten zu und bekniete sie, als freie Berater das Projekt zu begleiten. Die Honorare, die jetzt gefordert wurden, lagen weit über den ehemaligen Gehältern. Doch das Projekt, das um ein Haar zum Verlust des Kunden geführt hätte, lief bald wieder rund. Und die Jungen hatten viel fürs nächste Mal gelernt.









Gilt der Vorschlag auch für den öffentlichen Dienst? Er könnte ein Schritt in Richtung Schuldenabbau des Staates sein. Die Pensionen wird die Folgegeneration nicht zahlen wollen.
Das wurde in der Tat viel zu lange praktiziert und ist ungesund - nicht nur für das Unternehmen und die Betroffenen, sondern auch die gesamte Gesellschaft!
Ein passender Film: Reine Chefsache
http://www.imdb.com/title...
Wohl bekomm's !
das riecht fuer mich ein bisschen nach Anbiederungsartikel. Klar kann man nicht alle erfahrenen Mitarbeiter rauswerfen und erwarten, dass die Niedriglohnneulinge den Laden mit frischer Energie allein am Laufen halten. Aber schon nach fuenf bis zehn Jahren im Beruf/ in der selben Firma ist man im Grunde (je nach Branche und Position muss es natuerlich manchmal etwas mehr sein) sehr erfahren; dieses Attribut kann durchaus auf eine Menge Unter-30-Jaehrige zutreffen - ab einem gewissen Punkt bringt steigendes Alter eben mehr Nachteile als Vorteile mit sich, vor allem was Flexibilitaet und Anpassungsfaehigkeit an eine sich extrem schnell veraendernde Arbeitswelt angeht. Ich arbeite in einer ca. 350 Mann/Frau starken Firma, da sind 60% unter dreissig, und der grossteil des Rests noch unter vierzig. Nur in der Fuehrungs- und Gruendungselite finden sich die Fuenfziger. Die Firma waechst seit ihrer Gruendung vor mehr als zehn Jahren bestaendig und hat auch schwierige Zeiten gemeistert. Das im Artikel beschriebene Beispiel ist natuerlich ein Fall von Missmanagement. Wie gesagt, wer alle Erfahrenen rausschmeisst kann nicht erwarten, dass der Laden dann noch laeuft. Aber ein paar gestandene Leitwoelfe reichen da zur Festigung schon aus. Mehr allgemeine Ehrfurcht vor dem Alter als man sie in unserer Gesellschaft derzeit sehen kann ist aus menschlicher Sicht schon wuenschenswert - aber wirtschaftlich notwendig in der von Herrn Wehrle beschriebenen Form ist sie meiner Ansicht nach nicht.
Auch Sie müssen bis 67 arbeiten.
Haben Sie sich mal überlegt, wie dies möglich ist in einer Firma wie der Ihrigen?
Ich bin selbst unter 30ig, aber in einer Firma wo es keine Mitarbeiter über 40ig gibt, würde ich niemals freiwillig arbeiten.
Da kann man ja noch nicht mal einen Kredit für ein Auto aufnehmen, ohne Bauchschmerzen, da man ja schnell aus Alters- oder Flexibilitätsgründen bald entlassen werden kann.
Wo arbeiten Sie überhaupt, bei einem Internetversandhandel, oder wo? Das würde mich mal interessieren.
... wenn Sie dann auch bereit sind die Rente mit 45 (50) einzuführen und zu bezahlen. (was aber utopisch ist). Aber Ihr Bericht gibt die Denkweise des Managements exakt wieder. Nur für die Folgekosten will keiner aufkommen. Am wenigsten das Management.
Auch Sie müssen bis 67 arbeiten.
Haben Sie sich mal überlegt, wie dies möglich ist in einer Firma wie der Ihrigen?
Ich bin selbst unter 30ig, aber in einer Firma wo es keine Mitarbeiter über 40ig gibt, würde ich niemals freiwillig arbeiten.
Da kann man ja noch nicht mal einen Kredit für ein Auto aufnehmen, ohne Bauchschmerzen, da man ja schnell aus Alters- oder Flexibilitätsgründen bald entlassen werden kann.
Wo arbeiten Sie überhaupt, bei einem Internetversandhandel, oder wo? Das würde mich mal interessieren.
... wenn Sie dann auch bereit sind die Rente mit 45 (50) einzuführen und zu bezahlen. (was aber utopisch ist). Aber Ihr Bericht gibt die Denkweise des Managements exakt wieder. Nur für die Folgekosten will keiner aufkommen. Am wenigsten das Management.
Neben der Erfahrung ist ein weiterer Aspekt die Karrierechancen die man dem Nachwuchs bietet. Viele höher qualifizierte Arbeitnehmer planen durchaus voraus. Und in einem Unternehmen, in dem sie jung voran kommen, aber das ihnen ja keine Zukunft bietet, kehren sie leicht den Rücken. Auch sollte man bedenken, dass Unternehmen, die sich ihren Mitarbeitern gegenüber illoyal verhalten, umgekehrt auch keine Loyalität, also kein "Commitment" erwarten dürfen.
Dann noch die Kosten durch die Schuldgefühle der "Überlebenden" usw.
Problematisch ist natürlich, wenn eine Organisation nur noch durch Seniorität gelenkt wird und sich nicht mehr anpassen kann. Warum aber den Status der Älteren nicht explizit zu dem der Mentoren der jüngeren Generation machen? Eine Unternehmenskultur schaffen, die jüngere Ideen auf traditionell gewachsenem Wertefundament lebt. Stabilität im Kern und Flexibilität in der Ausführung und langfristigen Entwicklung. Macht Sinn, oder?
... wenn jüngere Vorgesetzte Kompetenz und Wissen hätten:-)
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Ich finde es immer wieder lustig, wenn ich Situationen vorfinde, wo der "Star" es nicht begreift, das seine "Leistung" nur deswegen möglich ist, weil VIELE mit HOHER Kompetenz dazu bei tragen :-)
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Aber Teamfähigkeit in festen Bezügen (Firmen) ist im Gegensatz zu freiberuflicher Projektarbeit wohl eine ausgestorbene Eigenschaft!
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Grinsegruesse
Sikasuu
(Flohzirkusdirektor)
Diesen Satz in ähnlicher Form hatte ich Jahrelang vor meiner Rente bei den Gesprächen zur Mitarbeiterbeurteilung (Zielfindungsgespräch) gehört.
Auch die "Raus-ekler" werden mal älter. Dann geht die Saat auf. Hihihi...
Viele der Jungmanager haben sich während ihres Studiums vollknallen lassen mit Theorien und Zahlenspielereien. Die Wirklichkeit sieht anders aus; und das bitte schön, haben sie nicht gelernt.
Unternehmen lassen sich nun mal nicht ausschließlich anhand der Zahlen führen. Unternehmen bestehen aus Menschen, ihren Leistungen und Kunden, die diese Leistungen honorieren. Wenn ein Unternehmen ausschließlich anhand der Zahlen geführt wird, zerfällt es langsam aber sicher, weil erst die Menschen im Unternehmen und dann auch noch die Kunden wegfallen.
Eine ausgewogene Unternehmensführung, wie sie in der Vergangenheit von den Unternehmern, denen der Betrieb auch noch gehörte, vorgenommen wurde, kann man heute von den Managern nicht mehr feststellen, diese sehen in einem Unternehmen meist ein Zahlengerüst und das war es!
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