Fast doppelt so viel Lohn wie eine Erzieherin im staatlichen Kindergarten
»Ich ermögliche ein Unternehmen«
Anne Groß*, 27 Jahre, betreut zwei Kinder:
Ich mache alles für meine Familie – nur atmen müssen sie noch selbst. Ich telefoniere mit dem Gärtner, buche Flüge, weise die Putzfrau an und kümmere mich um die Kinder. Wenn abends noch Zeit bleibt, putze ich das Tafelsilber. Gewissermaßen bin ich ein Privatpersonalvorstand.
Geplant hatte ich das nicht. Ich bin da mehr so reingerutscht. Gleich nach meiner Erzieherinnen-Ausbildung war ich zwei Jahre lang stellvertretende Leiterin eines Kindergartens. Erst dachte ich: Super, dass ich gleich so einen Job bekomme! Aber mein Kreuz dankt es mir noch heute, dass ich mit meinen Einsfünfundsiebzig stundenlang auf Kinderstühlen sitzen musste. Dazu Stress, Lärm und das Gefühl, bei so wenigen Erzieherinnen pro Gruppe den Kindern hinten und vorne nicht gerecht zu werden. Außerdem musste ich samstags zusätzlich acht Stunden bei Mediamarkt arbeiten, um meine Wohnung finanzieren zu können. Irgendwann habe ich mich daran erinnert, dass ich als Kind immer so werden wollte wie die Nanny in Peter Pan. Das muss ein toller Job sein, dachte ich. Im Internet bin ich auf eine Nanny-Vermittlungsagentur gestoßen und habe mich beworben. Jetzt verdiene ich fast doppelt so viel wie als Erzieherin im Kindergarten. Wenn ich Überstunden mache oder meine Familie in den Urlaub begleite, wird das extra vergütet. Schließlich wollen meine Chefin und mein Chef auch mal Zeit füreinander haben. Deshalb schlafen die Kinder bei mir im Zimmer. Es gehört viel Feingefühl dazu, zu merken, wann für die Kinder »Eltern-Zeit« ist und wann »Anne-Zeit«, weil die Eltern ihre Ruhe haben wollen. Wenn mir die Kinder ein Gute-Nacht-Bussi geben wollen, ist das okay. Trotzdem muss für alle Beteiligten klar sein, dass ich keine Ersatzmutter bin. Als Familienmanagerin muss man schon aufpassen, dass man sich genügend abgrenzt. Sonst kommt es nur zu Konkurrenz und Konflikten.
Bisher ist das zum Glück aber nicht vorgekommen in meiner Familie. Ich habe mir zwölf Familien angeguckt, bevor ich meine Stelle angetreten habe. Viele wollten ein Schürzenmädchen mit Häubchen wie beim englischem Adel. Nicht meine Welt – auf dem Spielplatz sind Jeans und Turnschuhe viel praktischer. Meine Chefin und mein Chef duzen mich. Sie leiten zusammen ein großes Unternehmen, man kennt sie aus den Medien. Deshalb darf auch keiner wissen, für wen ich arbeite und wo die Familie wohnt. Am Klingelschild steht ein anderer Name, auf der Kindergartenliste sind nur mein Vorname und meine Telefonnummer angegeben. Viele halten mich für die Mutter, und ich lasse die meisten in dem Glauben. Wenn mich jemand anspricht, muss ich immer überlegen: Mit welchen Hintergedanken tut er das möglicherweise? Weiß er, wessen Kinder ich betreue? Es gibt sonst einfach zu viele Neider mit schlechten Absichten. Wenn es um Verabredungen zwischen den Kindern geht, treffe ich mich irgendwo auf einem Spielplatz oder schiebe einen Termin vor. Der Größere von meinen beiden hat ohnehin jeden Tag Programm: Fußball, Tennis, Hockey, Schwimmen, musikalische Früherziehung.
Eltern in Führungspositionen wollen oft auch die Woche des Kindes genau durchplanen. Wenn ich mit dem Kind bei schönem Wetter auf den Spielplatz statt wie geplant ins Hallenbad gehe, muss ich das abends vor meiner Chefin rechtfertigen. Aber wenn ich das mit erzieherischem Fachwissen begründen kann, funktioniert das. Insgeheim wissen meine Chefs nämlich, dass genau genommen ich es bin, die ihr Unternehmen ermöglicht – weil das deutsche Kinderbetreuungssystem überhaupt nicht funktioniert. Es gibt einfach zu wenige Plätze, und die Betreuungszeiten reichen nicht aus. Deshalb ist eine Frauenquote in Unternehmen gar nicht durchsetzbar: Für viele wären die Kosten für einen Rund-um-Service, wie ich ihn anbiete, viel zu hoch.
* Name von der Redaktion geändert
- Datum 03.12.2011 - 17:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.12.2011 Nr. 49
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Da verdienen Familienmanagerinnen 600 Euro mehr als Erzieherinnen im Kindergarten, aber wenn sich eine Mutter genau diesen Aufgaben in der eigenen Familie widmet, gilt sie im moderen Deutschland schnell als Heimchen, die es sich daheim bequem macht.
Am besten wäre es doch, wenn einfach alle Mütter ihre Kinder untereinander zur Betreuung austauschen und sich gegenseitig als Tagesmütter beschäftigen. Auf diese Weise hätte man endlich keine Hausfrauen mehr und eine 100% Beschäftungsquote von Frauen. Damit wären doch die wesentlichen Staatsziele erreicht, oder?
Am besten wäre es doch, wenn einfach alle Mütter ihre Kinder untereinander zur Betreuung austauschen und sich gegenseitig als Tagesmütter beschäftigen. Auf diese Weise hätte man endlich keine Hausfrauen mehr und eine 100% Beschäftungsquote von Frauen. Damit wären doch die wesentlichen Staatsziele erreicht, oder?
aber werden von den Müttern leider nicht direkt benannt. Hinder der Fassade vom Kindeswohl dienen die "Managerinnen" vor allem den Vater (besser gesagt: Zahlesel und Samenspender) zu ersetzen. Dazu reich entweder ein Blick auf die stetig wachsende Zahl Alleinerziehender oder den Film von Douglas Wolfsperger "Der entsorgte Vater". Leider ist die ZEIT feministisch zu indoktriniert um die Sache aus dieser Perspektive zu betrachten.
Ich empfinde den Artikel als diskriminierend und männerfeindlich. Es wird nirgends nur im Ansatz daraufhingewiesen, dass auch Männer gute Kinderbetreuer und Haushälter sein können. Offensichtlich wird die Gleichberechtigung der Männer wieder einmal mit Füßen getreten.
..., denn ganz sicher hat sich Frau Meister bei der Recherche für diesen Artikel kategorisch geweigert, mit einem der vielen Dutzend Männer zu sprechen, die ihr von ihrer Tätigkeit als Kinder-/ Familienbetreuer berichten wollten. Pf...
..., denn ganz sicher hat sich Frau Meister bei der Recherche für diesen Artikel kategorisch geweigert, mit einem der vielen Dutzend Männer zu sprechen, die ihr von ihrer Tätigkeit als Kinder-/ Familienbetreuer berichten wollten. Pf...
..., denn ganz sicher hat sich Frau Meister bei der Recherche für diesen Artikel kategorisch geweigert, mit einem der vielen Dutzend Männer zu sprechen, die ihr von ihrer Tätigkeit als Kinder-/ Familienbetreuer berichten wollten. Pf...
wozu ein solcher Artikel nötig war. Weil es wirklich so weit von meiner Lebenswirklichkeit entfernt ist. Ich will gar nichts wissen von Familien von Spielern des FC Bayern oder von Prinzen. Ich will nichts wissen von Fotografen oder Erziehern, die sofort stellvertretende Leiterin werden und sich ihre Stellen aussuchen können und ihrer Chefin, von der niemand etwas wissen darf und Fachwissen, das bei Bedarf als Rechtfertigung dient. Ich will nicht wissen wie viel höher der Verdienst dafür ist einkaufen zu gehen, Essen zu kochen und mit sein Kunden auszukommen verglichen mit dem, was jemand bekommt, der am Fließband steht und das Essen herstellt mit dem der Kühlschrank gefüllt wird.
Sicher kann man sagen, dann lies es doch nicht, wenn es dich nicht interessiert. Aber solange nichts ordentliiches kommt werde ich für Zeitungen, die man kaufen kann nichts ausgeben sondern nur hier etwas lesen in der Hoffnung jemand interessiert sich für Verbesserungsvorschläge, die man hier im Gegensatz zu anderen Diktatur-Blättern wenigstens noch kundtun darf, weil ich eh nicht solch pädagogisch wertvoll tätig bin wie in diesem Artikel und sonst nichts zu tun habe und damit ich nicht dumm dastehen muss, wenn ich in der Familie oder in der Schule gefragt werde ob ich denn Zeitung lese und wenn irgendein Lehrer der Meinung ist seinen Schülern! einen intelligenten Zeitungsartikel zum Lesen geben zu müssen, damit man auch mal über anderes lesen kann als realitätsferne Situationen.
Ich verstehe die Nörgler (in their own words!) nicht, die sich über einen solchen Artikel beschweren; ich fand ihn ganz amüsant.
Besonders gefreut hat mich der Ausdruck "eine ganz normale Familie" von Frau Zissler. Ein Service der, wie Frau Groß feststellt, für ein Vorstandmitglied im Großunternehmen (da wo die Quote diskutiert wird) zu teuer ist, aber genau richtig für ganz normale Familien...
Ich verstehe die Nörgler (in their own words!) nicht, die sich über einen solchen Artikel beschweren; ich fand ihn ganz amüsant.
Besonders gefreut hat mich der Ausdruck "eine ganz normale Familie" von Frau Zissler. Ein Service der, wie Frau Groß feststellt, für ein Vorstandmitglied im Großunternehmen (da wo die Quote diskutiert wird) zu teuer ist, aber genau richtig für ganz normale Familien...
wohl einfach nicht zur Zielgruppe. Denn jemand, der sich davon angesprochen fühlt kauft diese Zeitung bestimmt auch und muss entsprechend bedient werden, damit er dann jenen, die sich nicht angesprochen fühlen vorhalten kann, dass aus ihnen ja nichts werden kann, wenn sie keine Zeitung lesen, in denen über sie als leuchtendes Beispiel berichtet wird. ;-)
... sollte die Autorin noch etwas ausschmücken, und fertig wäre ein wunderschöner Heftchen-Roman. Man müsste dann sowas nicht aus Versehen in der Zeit lesen.
und eine Firma, die Haushaltgeräte herstellt, wählt seit Jahren unter diesem Motto die Hausfrau des Jahres.
Ich vermute, dass es Verwirrung geben könnte, wenn man zum einen eine hochqualifizierte Fachkraft mit diesem Titel beglücken will und bereits seit längerem dilletierende Nicht-Erwerbstätige damit bezeichnet werden.
Vielleicht sollte man noch mal schauen, ob es im deutschen Sprachraum für solche Profis nicht eine bessere Bezeichnung geben könnte.
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