Angela Merkel gibt sich bei Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy entschlossen. © Eric Feferberg/AFP/Getty Images

Man hätte jetzt doch gern eine Fernbedienung. Einfach vorspulen könnte man dann, zum Showdown der Euro-Krise. Mal sehen, wie das Ganze ausgeht. Und vor allem: ob es gut ausgeht. Nur ein paar Tage müsste man vorspulen, bis zum nächsten Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am 8. und 9. Dezember in Brüssel.

Auf diesem Gipfel werden die Staaten weitreichende Änderungen der EU-Verträge beschließen; dazu wird es einen konkreten Plan geben, welche Änderung wann und wie umgesetzt werden soll.

Nach dem Beschluss der Politiker sind die Notenbanker am Zug. Die Europäische Zentralbank (EZB) beginnt dann massiv die Staatsanleihen der kriselnden Euro-Staaten aufzukaufen. Die Intervention der Notenbank lässt die italienischen, spanischen und portugiesischen Anleihezinsen sinken.

Im Laufe des kommenden Jahres werden die Vertragsänderungen so weit fortgeschritten sein, dass auch gemeinschaftlich garantierte Anleihen herausgegeben werden können, die sogenannten Euro-Bonds . Spätestens dann fassen die Investoren wieder Vertrauen.

Drei Schritte sind es – und am Ende hätten die Staaten der Euro-Zone zusammen mit der Notenbank alles aufgeboten, was sie aufbieten können, um die gemeinsame Währung zu retten. Es ist ihre letzte, die alles entscheidende Karte.

Dies ist das Drehbuch des Endspiels um den Euro. Ein Szenario, auf das die Bundesregierung jetzt hinarbeitet. Es gibt dieses Drehbuch nicht in schriftlicher Form, und alle Beteiligten müssten auch öffentlich leugnen, dass sie genau diesen Ablauf planen. Denn ist das Vorhaben erst in der Welt, dürfte es sich in dieser Form kaum noch verwirklichen lassen. Aber aus Gesprächen mit Regierungsmitgliedern, Notenbankern und Diplomaten ergibt sich das Drehbuch auch so.

Der neue Plan setzt da an, wo die alten Pläne versagten. Entweder konzentrierten sie sich auf langfristige Strukturreformen, die kurzfristig nicht halfen und die Wirtschaftsprobleme der Krisenländer sogar noch vergrößerten. Oder sie setzten auf kurzfristige Finanzhilfen – und weckten damit Zweifel an der langfristigen Stabilität der Währungsunion , weil der Anreiz für Reformen sank. Jeder Rettungsgipfel vergrößerte so nur die Unsicherheit. Nun aber könnte erstmals Gewissheit herrschen, weil der langfristige Umbau per Vertragsänderung durch die schnelle Finanzierung der Notenbank ergänzt wird.

Nur wenige Tage bleiben bis zum Brüsseler Gipfel, und das macht die Operation so schwierig. Wie können sich die Staaten Europas bis dahin auf konkrete Vertragsänderungen einigen – also auf etwas, zu dem man normalerweise nicht Wochen braucht, sondern Jahre?

Wie bekommt man die unabhängige EZB dazu, auch wirklich mitzumachen?

Wie erklärt die Kanzlerin, die offiziell weder Anleihenkäufe noch Euro-Bonds will , ihren Schwenk?

Was bedeutet das Überschreiten aller bisherigen roten Linien für die Stabilität der schwarz-gelben Koalition, wie reagieren FDP und CSU ?

Die Hürden, die alle überwinden müssen, sind extrem hoch. Es geht aber auch um sehr viel. Europa droht der Geld-GAU.

Nur noch wenige Länder können sich zu annehmbaren Konditionen mit frischem Geld versorgen. Auch den Banken wird der Zugang zum Kapitalmarkt zunehmend versperrt, weshalb die Gefahr einer Kreditklemme steigt. Da braucht es nicht viel, um das System an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu bringen. Der Fall einer großen Bank oder ein Käuferstreik für neue Staatsanleihen könnte es kollabieren lassen.