EurokriseMerkels großer Plan

Lange hat die Kanzlerin gezaudert. Nächste Woche will sie Europa mit einem Schlag retten.

Angela Merkel gibt sich bei Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy entschlossen.

Angela Merkel gibt sich bei Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy entschlossen.

Man hätte jetzt doch gern eine Fernbedienung. Einfach vorspulen könnte man dann, zum Showdown der Euro-Krise. Mal sehen, wie das Ganze ausgeht. Und vor allem: ob es gut ausgeht. Nur ein paar Tage müsste man vorspulen, bis zum nächsten Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am 8. und 9. Dezember in Brüssel.

Auf diesem Gipfel werden die Staaten weitreichende Änderungen der EU-Verträge beschließen; dazu wird es einen konkreten Plan geben, welche Änderung wann und wie umgesetzt werden soll.

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Nach dem Beschluss der Politiker sind die Notenbanker am Zug. Die Europäische Zentralbank (EZB) beginnt dann massiv die Staatsanleihen der kriselnden Euro-Staaten aufzukaufen. Die Intervention der Notenbank lässt die italienischen, spanischen und portugiesischen Anleihezinsen sinken.

Im Laufe des kommenden Jahres werden die Vertragsänderungen so weit fortgeschritten sein, dass auch gemeinschaftlich garantierte Anleihen herausgegeben werden können, die sogenannten Euro-Bonds . Spätestens dann fassen die Investoren wieder Vertrauen.

Drei Schritte sind es – und am Ende hätten die Staaten der Euro-Zone zusammen mit der Notenbank alles aufgeboten, was sie aufbieten können, um die gemeinsame Währung zu retten. Es ist ihre letzte, die alles entscheidende Karte.

Dies ist das Drehbuch des Endspiels um den Euro. Ein Szenario, auf das die Bundesregierung jetzt hinarbeitet. Es gibt dieses Drehbuch nicht in schriftlicher Form, und alle Beteiligten müssten auch öffentlich leugnen, dass sie genau diesen Ablauf planen. Denn ist das Vorhaben erst in der Welt, dürfte es sich in dieser Form kaum noch verwirklichen lassen. Aber aus Gesprächen mit Regierungsmitgliedern, Notenbankern und Diplomaten ergibt sich das Drehbuch auch so.

Der neue Plan setzt da an, wo die alten Pläne versagten. Entweder konzentrierten sie sich auf langfristige Strukturreformen, die kurzfristig nicht halfen und die Wirtschaftsprobleme der Krisenländer sogar noch vergrößerten. Oder sie setzten auf kurzfristige Finanzhilfen – und weckten damit Zweifel an der langfristigen Stabilität der Währungsunion , weil der Anreiz für Reformen sank. Jeder Rettungsgipfel vergrößerte so nur die Unsicherheit. Nun aber könnte erstmals Gewissheit herrschen, weil der langfristige Umbau per Vertragsänderung durch die schnelle Finanzierung der Notenbank ergänzt wird.

Nur wenige Tage bleiben bis zum Brüsseler Gipfel, und das macht die Operation so schwierig. Wie können sich die Staaten Europas bis dahin auf konkrete Vertragsänderungen einigen – also auf etwas, zu dem man normalerweise nicht Wochen braucht, sondern Jahre?

Wie bekommt man die unabhängige EZB dazu, auch wirklich mitzumachen?

Wie erklärt die Kanzlerin, die offiziell weder Anleihenkäufe noch Euro-Bonds will , ihren Schwenk?

Was bedeutet das Überschreiten aller bisherigen roten Linien für die Stabilität der schwarz-gelben Koalition, wie reagieren FDP und CSU ?

Die Hürden, die alle überwinden müssen, sind extrem hoch. Es geht aber auch um sehr viel. Europa droht der Geld-GAU.

Nur noch wenige Länder können sich zu annehmbaren Konditionen mit frischem Geld versorgen. Auch den Banken wird der Zugang zum Kapitalmarkt zunehmend versperrt, weshalb die Gefahr einer Kreditklemme steigt. Da braucht es nicht viel, um das System an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu bringen. Der Fall einer großen Bank oder ein Käuferstreik für neue Staatsanleihen könnte es kollabieren lassen.

Leserkommentare
    • keibe
    • 01.12.2011 um 19:01 Uhr

    "Wie erklärt die Kanzlerin, die offiziell weder Anleihenkäufe noch Euro-Bonds will, ihren Schwenk?

    Was bedeutet das Überschreiten aller bisherigen roten Linien für die Stabilität der schwarz-gelben Koalition, wie reagieren FDP und CSU?"

    Dazu zum Vergleich:

    "Artikel 65

    Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung."

    http://dejure.org/gesetze...

    Ganz große -über Deutschland weit hinaus weisende- Führungskompetenz.

    3 Leserempfehlungen
  1. dass Frau Merkel, also der oberste Repraesentant der wichtigsten Wirtschaftsnation Europas einen Vorschlag zu machen hat, um die Situation dieses Kontinents auf einen Schlag zu verbesseren (ich erwarte keine Wunder), denn wird mir, mit Verlaub, etwas flau im Magen. Die Situation ist derart verfahren, dass es wirklich einem Wunder bedarf, die entgueltige Kernschmelze des Euros und des gesamten Geldsystems zu verhindern.

    7 Leserempfehlungen
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    Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

    die Stimmung dreht total, Merkel hat zu dicke Backen gemacht, so was kann nicht gut gehen, da hat Helmut Schmidt durchaus recht. Dies ist ein noch eher freundlicher Artikel zu diesem Thema.

    http://www.francesoir.fr/...

    Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

    die Stimmung dreht total, Merkel hat zu dicke Backen gemacht, so was kann nicht gut gehen, da hat Helmut Schmidt durchaus recht. Dies ist ein noch eher freundlicher Artikel zu diesem Thema.

    http://www.francesoir.fr/...

  2. linksrum, rechtsrum, atom ja, atom nein ...

    sie setzt einstein's theorie einfach außer kraft und dreht sich mit > lichtgeschwindigkeit.

    5 Leserempfehlungen
    • knuham
    • 01.12.2011 um 19:10 Uhr

    kennt man schon zu Genüge.
    Kommentar eigentlich überflüssig, wenn da nicht wieder der Versuch unternommen würde, intelligent erscheinen zu wollen.

    13 Leserempfehlungen
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    "Dies ist das Drehbuch des Endspiels um den Euro. Ein Szenario, auf das die Bundesregierung jetzt hinarbeitet. Es gibt dieses Drehbuch nicht in schriftlicher Form, und alle Beteiligten müssten auch öffentlich leugnen, dass sie genau diesen Ablauf planen. Denn ist das Vorhaben erst in der Welt, dürfte es sich in dieser Form kaum noch verwirklichen lassen.
    Aber aus Gesprächen mit Regierungsmitgliedern, Notenbankern und Diplomaten ergibt sich das Drehbuch auch so..." (Wow!!!)

    ----
    Nun ist ja das Vorhaben dank ZEIT in der Welt.
    Wird also demnach nicht verwirklicht.
    Mir stellte sich beim Lesen die Frage, ob die bereitwillig plaudernden "Regierungsmitglieder", "Notenbanker" und "Diplomaten" sich nicht womöglich des "Geheimnisverrats" schuldig gemacht haben?

    "Dies ist das Drehbuch des Endspiels um den Euro. Ein Szenario, auf das die Bundesregierung jetzt hinarbeitet. Es gibt dieses Drehbuch nicht in schriftlicher Form, und alle Beteiligten müssten auch öffentlich leugnen, dass sie genau diesen Ablauf planen. Denn ist das Vorhaben erst in der Welt, dürfte es sich in dieser Form kaum noch verwirklichen lassen.
    Aber aus Gesprächen mit Regierungsmitgliedern, Notenbankern und Diplomaten ergibt sich das Drehbuch auch so..." (Wow!!!)

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    Nun ist ja das Vorhaben dank ZEIT in der Welt.
    Wird also demnach nicht verwirklicht.
    Mir stellte sich beim Lesen die Frage, ob die bereitwillig plaudernden "Regierungsmitglieder", "Notenbanker" und "Diplomaten" sich nicht womöglich des "Geheimnisverrats" schuldig gemacht haben?

  3. ... sind die Aussagen in dem Artikel. Zum einen wird suggeriert, dass die Deutschen bisher eine Lösung der Krise verhindert hätten und zum anderen wird zugestanden, dass bis jetzt alle anderen Staaten ihr eigenes Süppchen gekocht haben und erst jetzt sich wohl bewegen werden...

    6 Leserempfehlungen
  4. Der "Klub-Med" hat sie, die Frau Merkel, geschafft, Barroso saniert die totale Pleite von Portugal und Griechenland.

    Die noch finanzstarken Länder dürfen jetzt das "Dolce-Vita" und die "Siesta" fürderhin bezahlen, bis sie auf dem Niveau der "Club-Med" Staaten sind.

    Die Schalmeienklänge über Stabilität, Strafen für die Sünder und dergleichen mehr, sind noch vor dem kompletten Aussprechen Makulatur.

    Sie ist ein Kind Honneckers, die Angela Merkel und dessen späte Rache an der Bundesrepublik.

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    ...wurde schon vor einiger Zeit in diesem Artikel vorhergesagt, allerdings aus anderen Gründen:

    http://www.fr-online.de/m...

    "Die USA wollen die Position des Dollar als globale Leitwährung bewahren. Diese ist dreifach gefährdet: durch die Auslandsverschuldung der USA, durch die Forderung Chinas nach einem neuen Währungssystem und durch den „Arabischen Frühling“, der die Saudis und damit den Dollar als Ölwährung bedroht. Fazit: Die USA haben ein massives Interesse an einer Schwächung des Euro als Reservewährung.
    [...]
    In der EU wird das positive Zins-Wachstums-Differenzial überhaupt nicht als systemische Ursache der Staatsschuldendynamik begriffen. In neoliberaler Einfalt haben Ökonomen die dynamische Budgetbeschränkung nur dem Staat vorgehalten, den wichtigeren Unternehmenssektor vergessen.
    [...]
    Populistische Politiker und Medien in den „ordentlichen“ Ländern stärken alte Ressentiments („Südländer“), neoliberale Grundwerte („Geiz ist geil“) und damit die Zinsvorteilsgesinnung. In den Krisenländern wird die Aktivierung antideutscher Ressentiments nicht auf sich warten lassen.
    Eine solche Schubumkehr im europäischen Einigungsprozess haben sich die USA gar nicht erhofft, sie ist auch mehr Verdienst europäischer Dummheit."

    Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg und merken es noch nicht einmal.

    ...wurde schon vor einiger Zeit in diesem Artikel vorhergesagt, allerdings aus anderen Gründen:

    http://www.fr-online.de/m...

    "Die USA wollen die Position des Dollar als globale Leitwährung bewahren. Diese ist dreifach gefährdet: durch die Auslandsverschuldung der USA, durch die Forderung Chinas nach einem neuen Währungssystem und durch den „Arabischen Frühling“, der die Saudis und damit den Dollar als Ölwährung bedroht. Fazit: Die USA haben ein massives Interesse an einer Schwächung des Euro als Reservewährung.
    [...]
    In der EU wird das positive Zins-Wachstums-Differenzial überhaupt nicht als systemische Ursache der Staatsschuldendynamik begriffen. In neoliberaler Einfalt haben Ökonomen die dynamische Budgetbeschränkung nur dem Staat vorgehalten, den wichtigeren Unternehmenssektor vergessen.
    [...]
    Populistische Politiker und Medien in den „ordentlichen“ Ländern stärken alte Ressentiments („Südländer“), neoliberale Grundwerte („Geiz ist geil“) und damit die Zinsvorteilsgesinnung. In den Krisenländern wird die Aktivierung antideutscher Ressentiments nicht auf sich warten lassen.
    Eine solche Schubumkehr im europäischen Einigungsprozess haben sich die USA gar nicht erhofft, sie ist auch mehr Verdienst europäischer Dummheit."

    Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg und merken es noch nicht einmal.

    • BerndL
    • 01.12.2011 um 19:17 Uhr

    das kann nur bedeuten, dass D sich aus der kommenden Transferunion des Euroraumes zurückzieht und zur DM zurückkehrt. Glückwunsch Frau Merkel!

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  5. Alle wissen es und jeder tut so als wüsste er von nichts.

    Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum die Bundeskanzlerin immer wieder für ihre Zurückhaltung gerügt wird. Nur weil sie die Zockermentalität nicht noch weiter unterstützt oder besser weil es den "Investoren" nicht in den Kram bei ihren Machenschaften passt.
    Ansonsten ist auch zu dieser These jeder Kommentar überflüssig und reine Zeitverschwendung.

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    Wir sind am Punkt angelangt,wo entweder Deutschland und die skandinavische Länder + Österreich Resteuropa alimentieren müssen,oder der Euro einfach zusammenbricht.Ein Mittelweg scheint es nicht zu geben.Entweder Transferunion oder gar keine Union.

    Wenn Angela Merkel diese harte Wahrheit dem deutschen Volk schmackhaft genug macht,dann hat sie ein Platz neben Winston Churchill verdient,wenn nicht...ja,das können Sie sich ausdenken.

    Nur wer die Euro-Steuerugnssystem- und Überschuldungskrise evolutionslogisch zu Ende denkt, kommt zur Erkenntnis, dass wir in einer vorrevolutionären Lage sind, die auf den Sturz des glboal herrschenden 2%Wachstumszwang-Regime drängt, das man verschleiernd KAPITALISMUS nennt.

    Es ist ein Glück für Deutschland und die Welt, dass eine einzige Spitzenpolitikerin sich traut, zu Ende zu denken, und von dem Ergebnis her auf oberster Ebene zu handeln.

    Wir sind am Punkt angelangt,wo entweder Deutschland und die skandinavische Länder + Österreich Resteuropa alimentieren müssen,oder der Euro einfach zusammenbricht.Ein Mittelweg scheint es nicht zu geben.Entweder Transferunion oder gar keine Union.

    Wenn Angela Merkel diese harte Wahrheit dem deutschen Volk schmackhaft genug macht,dann hat sie ein Platz neben Winston Churchill verdient,wenn nicht...ja,das können Sie sich ausdenken.

    Nur wer die Euro-Steuerugnssystem- und Überschuldungskrise evolutionslogisch zu Ende denkt, kommt zur Erkenntnis, dass wir in einer vorrevolutionären Lage sind, die auf den Sturz des glboal herrschenden 2%Wachstumszwang-Regime drängt, das man verschleiernd KAPITALISMUS nennt.

    Es ist ein Glück für Deutschland und die Welt, dass eine einzige Spitzenpolitikerin sich traut, zu Ende zu denken, und von dem Ergebnis her auf oberster Ebene zu handeln.

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