Sie zweifeln inzwischen am Sinn, Ihr Geld in Aktien anzulegen? Sie sind nicht allein, ich tue es auch. Dafür sind nicht so sehr die wiederkehrenden Börsencrashs verantwortlich, die Investoren seit der Jahrtausendwende regelmäßig die Laune verderben. Es ist mehr die Erinnerung an die Bonmots von Aktiengurus wie André Kostolany – und das, was daraus geworden ist. »Kaufen, halten, dann Gewinne einstreichen«, lautete sinngemäß Kostolanys Ratschlag; gemeint war damit, Aktien nach ihren fundamentalen Aussichten zu beurteilen und sie auf längere Sicht ins Portfolio zu nehmen.

Aus diesem buy and hold ist allerdings mittlerweile ein buy and pray (kaufen und beten) oder ein buy and hope (kaufen und hoffen) geworden. Schuld daran ist auch die Tatsache, dass an den Börsen zunehmend die Computer regieren. In den USA entfallen auf den sogenannten ultraschnellen Hochfrequenzhandel mittels Algorithmensteuerung heutzutage mehr als zwei Drittel aller Umsätze, in Frankfurt sind es etwa 40 Prozent. Was das heißt? Dass es auf Fundamentaldaten wie Wirtschaftskraft und Gewinn wenig ankommt, sondern fast nur noch darauf, wer von den Händlern den kürzesten Draht zur Börse hat.

Damit aber wird der vornehmste Grund des Aktieninvestments in Frage gestellt, also die Beteiligung an einem (hoffentlich) langfristig wachsenden und prosperierenden Unternehmen. Auf Dauer setzten sich im Auf und Ab der Börse zwar die wichtigsten Kennzahlen eines Unternehmens durch, sagt Herr K., mein Finanzberater – aber erstens muss er das sagen, weil er sonst seinen eigenen Job in Frage stellen würde, und zweitens: Wie lange ist »auf Dauer«?

Eigentlich wäre es höchste Zeit, mittels einer Finanztransaktionssteuer oder mit Mindesthaltepflichten wieder ein bisschen Tempo aus dem Börsengeschehen zu nehmen. Die Händler, formuliert Herr K., müssten zurückgedrängt, die Anleger dagegen gestärkt werden. Ob aus dieser Forderung was wird? Let’s hope and pray.