SchiffsfondsKlar zum Kentern

Schiffe galten lange als sichere Kapitalanlage. Bis mehr gebaut als gebraucht wurden. von Daniel Schönwitz

Der 19. Oktober war ein trauriger Tag für mehr als 1.000 Anleger aus ganz Deutschland: Der Schiffsfonds DS 111, in dem sie investiert hatten, musste Insolvenz anmelden. Jetzt zittern die Anleger um 44,7 Millionen Euro, die sie vor sechs Jahren in den Fonds und damit in zwei Öltanker namens Performer und Power gesteckt haben. Ein Totalverlust sei »nicht völlig auszuschließen«, sagt Holger Römer, Sprecher des Fondsanbieters Dr. Peters.

Wie konnte es so weit kommen? Im Jahr 2005 schien der Fonds eine sichere Anlage zu sein: Zwei Tanker, die angesichts einer weltweit wachsenden Ölnachfrage nicht um Aufträge bangen müssen. Hohe Charter-Einnahmen, für fünf Jahre garantiert vom dänischen Reederei-Giganten A.P. Møller-Mærsk. Und jetzt: die Pleite.

Anzeige

Der Fall illustriert, wie riskant Schiffsfonds als Kapitalanlage sein können. Investoren sind hier, anders als etwa bei Aktienfonds, keine reinen Kapitalanleger, die jederzeit problemlos aussteigen können. Bei Schiffsfonds werden sie Miteigentümer einer Gesellschaft und damit echte Unternehmer – mit allen entsprechenden Risiken bis hin zur Insolvenz. Mit dem Fonds kaufen sie Schiffe und vermieten sie. Zusätzlich zum Kapital der Anleger nehmen die Fonds in der Regel dabei noch hohe Kredite auf.

Charter

Schiffsfonds sammeln Geld von Investoren ein, um damit den Bau von Schiffen zu finanzieren. Diese vermieten sie dann an Reedereien, die dafür eine Charter zahlen. In den ersten Jahren sind meist fixe Raten vereinbart, danach orientieren sich die Zahlungen am aktuellen Marktniveau. Seit der Eskalation der Finanzkrise im Jahr 2008 bewegen sich die Charterraten auf extrem niedrigem Niveau, was zahlreiche Schiffsfonds in Bedrängnis bringt

Wegen der hohen Risiken müssen Anleger darauf vertrauen, dass die Fondsgesellschaft richtig kalkuliert. Was nicht immer der Fall ist: Beim DS 111 prognostizierte Dr. Peters, dass die beiden Tanker nach fünf Jahren 24.000 Euro täglich einnehmen würden. Tatsächlich verdienten sie mit Ablauf der garantierten Charter ab März 2010 gerade mal rund 5100 Euro – nicht annähernd genug, um den Kredit von rund 70 Millionen Euro weiter zu bedienen, den der Fonds aufgenommen hatte.

In den vergangenen Monaten sind bereits etliche Fonds pleitegegangen, etwa der Marnavi Splendor des Fondshauses KGAL oder der MS Pacific Sun vom Elbe Emissionshaus. Und viele weitere dürften folgen, glauben Marktkenner. »Die niedrigen Charterraten werden in den nächsten Monaten zahlreiche Fonds in Bedrängnis bringen«, prognostiziert Christian Salamon, Vorstand und Mitinhaber des gleichnamigen Fondshauses.

Die meisten der jetzt insolventen Fonds wurden noch vor Ausbruch der Finanzkrise aufgelegt, als die Güterschifffahrt goldene Zeiten erlebte. Der Aufstieg Chinas und der boomende Welthandel ließen Investitionen in Tanker, Containerschiffe und Massengutfrachter als sichere Sache erscheinen. Fondsanbieter orderten Hunderte von Schiffen, um sie in Fonds einzubringen und mit lukrativen Aufschlägen an Privatinvestoren zu verkaufen. Und diese griffen beherzt zu: Allein 2007 steckten Anleger hierzulande fast 3,6 Milliarden Euro in Schiffsfonds, wie Zahlen des Analysehauses Feri zeigen. Zum Vergleich: 2010 waren es gerade mal noch 0,75 Milliarden Euro.

Auf den Rausch folgte der Kater. Zunächst gingen in der Finanzkrise die Charterraten drastisch zurück. So sank der Baltic Dry Index, der die Raten für Massengutfrachter abbildet, 2008 von fast 12.000 auf weniger als 1.000 Punkte. Im Folgejahr erholte er sich ein wenig, bis der Index im Mai 2010 erneut einbrach. Derzeit notiert er bei rund 2.000 Punkten. Der Grund für die jüngste Talfahrt sind Überkapazitäten: Vor der Finanzkrise wurden sehr viele Schiffe bestellt, die nun fertig gebaut sind, aber nicht mehr alle gebraucht werden. Reedereien, die früher kaum passende Schiffe fanden, haben heute die Wahl und können günstige Konditionen durchsetzen. Fondsanbieter und ihre Anleger werden somit zu Opfern eines Booms, den sie selbst mit ausgelöst haben.

Leserkommentare
  1. Aktien- und Rentenfonds kann man auch an der Börse kaufen, dann fallen die üblichen 3 bis 5 % ganz weg.
    Das kostet dann nur die üblichen Börsengebühren.
    Wer die Zeit lißt kann auf die "Beratung " auch verzichten.

    Nur bei der Verwaltungsgebühr halten die Banken wieder die Hand auf.

  2. ich berichten, das der Steuerfreibetrag auf Schiffsbeteiligungen das schlagende Verkaufsargument war.
    Also wie so oft, die staatliche Fehlallokation von Kapital, zu ungewünschten Nebeneffekten führt.

    • an-i
    • 06. Dezember 2011 22:58 Uhr

    es gibt einfach im verhältnis zu realwirtschaft(nicht zu wenig) sondern einfach viel zu viel geld im umlauf.
    das hat nie funktioniert, und wird nie funktionieren, so einfach ist das.

  3. ..."zittern" (...) um 44,7 Millionen Euro"

    Hach Gott, wie dramatisch...sorry, aber wer es sich leisten kann, 40.000€ in eine einzige, im wesentlichen steuermindernde ANLAGE zu stecken, der wird auch bei Totalausfall dieses Weihnachten vermutlich NICHT in einem Pappkarton unter einer Brücke verbringen müssen.

    Hier von "zittern" zu sprechen ist eine zynische Verhöhnung eines immer größeren Anteils von Menschen in diesem Lande, die sich wirklich um ihre LEBENSGRUNDLAGEN sorgen müssen.

    Auch hier gilt wieder: Sprache ist Herrschaft!

    • Beebo
    • 07. Dezember 2011 9:08 Uhr

    Dieser Boom der Schiffsfonds ist zum großteil durch die Einführung der Tonnagesteuer entstanden. Mit der Tonnagesteuer werden die Erträge nur sehr gering besteuert.

    Durch diesen Steuernachlass wollte man die die Deutsche Schiffsindustrie fördern. Die Deutschen Werften hatten schon damals gegen die Hochsubventionierten Asiatischen Werften keine Chance. Daher waren diese Schiffsfondindustrie Staatlich erwünscht. Dummerweise sind Schiffe trotzdem weitgehend in Asien bestellt worden.

    Außer Spesen nichts gewesen, kann man heute sagen.

    Auf die Werften in Asien kommen in den nächsten Jahren auch noch sehr harte Zeiten zu. China hat seine Kapazitäten massiv ausgebaut, obwohl es schon massive Überkapazitäten gibt. Da wirds eine Menge Pleiten in Asien geben.

    • TDU
    • 07. Dezember 2011 14:04 Uhr

    Hohe Provisionen gabs immer. Aber dennoch machts die Masse. Von denen in kann man in der Regel einen Monat leben, nach Steuern. Denn die Verkäufer, früher Verteter, heute Berater genannt, bekommen ausserdem nur die Provision von der Provision.

    Eigentlich müssten die Provisionen also sinken, da das Angebot billiger werden müsste. Und selbst wenn die Bank andes rechnet. Die Anleger werden nicht gezwungen.

    Würde man die Qualität von Staubsaugern der Firma Vorwerk kritisieren, würde man auch nicht auf die Provisionen verweisen. Abgesehen davon, dass diese Firma durch Vertreter groß geworden ist. Wer meint, es sei einfach, Produkte zu verkaufen, versuche es.

    Natürlich haben Banken mehr Mittel. aber der ehrliche hart arbeitende Verkäufer hat ja keine Anhung und ist im Zeifel eh der Betrüger. Nur die Großen sind auf den Parties, z. B. nach den Konzerten der Scorpions.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Franz Beckenbauer | Aktienfonds | Bundestag | Euro | Finanzkrise | Fonds
Service