Der 19. Oktober war ein trauriger Tag für mehr als 1.000 Anleger aus ganz Deutschland: Der Schiffsfonds DS 111, in dem sie investiert hatten, musste Insolvenz anmelden. Jetzt zittern die Anleger um 44,7 Millionen Euro, die sie vor sechs Jahren in den Fonds und damit in zwei Öltanker namens Performer und Power gesteckt haben. Ein Totalverlust sei »nicht völlig auszuschließen«, sagt Holger Römer, Sprecher des Fondsanbieters Dr. Peters.

Wie konnte es so weit kommen? Im Jahr 2005 schien der Fonds eine sichere Anlage zu sein: Zwei Tanker, die angesichts einer weltweit wachsenden Ölnachfrage nicht um Aufträge bangen müssen. Hohe Charter-Einnahmen, für fünf Jahre garantiert vom dänischen Reederei-Giganten A.P. Møller-Mærsk. Und jetzt: die Pleite.

Der Fall illustriert, wie riskant Schiffsfonds als Kapitalanlage sein können. Investoren sind hier, anders als etwa bei Aktienfonds, keine reinen Kapitalanleger, die jederzeit problemlos aussteigen können. Bei Schiffsfonds werden sie Miteigentümer einer Gesellschaft und damit echte Unternehmer – mit allen entsprechenden Risiken bis hin zur Insolvenz. Mit dem Fonds kaufen sie Schiffe und vermieten sie. Zusätzlich zum Kapital der Anleger nehmen die Fonds in der Regel dabei noch hohe Kredite auf.

Wegen der hohen Risiken müssen Anleger darauf vertrauen, dass die Fondsgesellschaft richtig kalkuliert. Was nicht immer der Fall ist: Beim DS 111 prognostizierte Dr. Peters, dass die beiden Tanker nach fünf Jahren 24.000 Euro täglich einnehmen würden. Tatsächlich verdienten sie mit Ablauf der garantierten Charter ab März 2010 gerade mal rund 5100 Euro – nicht annähernd genug, um den Kredit von rund 70 Millionen Euro weiter zu bedienen, den der Fonds aufgenommen hatte.

In den vergangenen Monaten sind bereits etliche Fonds pleitegegangen, etwa der Marnavi Splendor des Fondshauses KGAL oder der MS Pacific Sun vom Elbe Emissionshaus. Und viele weitere dürften folgen, glauben Marktkenner. »Die niedrigen Charterraten werden in den nächsten Monaten zahlreiche Fonds in Bedrängnis bringen«, prognostiziert Christian Salamon, Vorstand und Mitinhaber des gleichnamigen Fondshauses.

Die meisten der jetzt insolventen Fonds wurden noch vor Ausbruch der Finanzkrise aufgelegt, als die Güterschifffahrt goldene Zeiten erlebte. Der Aufstieg Chinas und der boomende Welthandel ließen Investitionen in Tanker, Containerschiffe und Massengutfrachter als sichere Sache erscheinen. Fondsanbieter orderten Hunderte von Schiffen, um sie in Fonds einzubringen und mit lukrativen Aufschlägen an Privatinvestoren zu verkaufen. Und diese griffen beherzt zu: Allein 2007 steckten Anleger hierzulande fast 3,6 Milliarden Euro in Schiffsfonds, wie Zahlen des Analysehauses Feri zeigen. Zum Vergleich: 2010 waren es gerade mal noch 0,75 Milliarden Euro.

Auf den Rausch folgte der Kater. Zunächst gingen in der Finanzkrise die Charterraten drastisch zurück. So sank der Baltic Dry Index, der die Raten für Massengutfrachter abbildet, 2008 von fast 12.000 auf weniger als 1.000 Punkte. Im Folgejahr erholte er sich ein wenig, bis der Index im Mai 2010 erneut einbrach. Derzeit notiert er bei rund 2.000 Punkten. Der Grund für die jüngste Talfahrt sind Überkapazitäten: Vor der Finanzkrise wurden sehr viele Schiffe bestellt, die nun fertig gebaut sind, aber nicht mehr alle gebraucht werden. Reedereien, die früher kaum passende Schiffe fanden, haben heute die Wahl und können günstige Konditionen durchsetzen. Fondsanbieter und ihre Anleger werden somit zu Opfern eines Booms, den sie selbst mit ausgelöst haben.