"Armani ist keine Modemarke, sondern eine Lifestylemarke"
1975 stellte er seine erste Kollektion vor, seitdem hat er sein Portfolio stetig ausgebaut. Es gibt die Linien Giorgio Armani, Emporio Armani und Armani Collezioni, Interieur von Armani Casa, Blumen von Armani Fiori, Pralinen von Armani Dolci, gerade ist er mit Aqua Armani ins Mineralwasser-Geschäft eingestiegen. »Armani ist keine Modemarke, sondern eine Lifestylemarke«, sagt er.

Eine der Suiten des neuen Hotels Armani in Mailand
Giorgio Armani steht für das Italien des Wirtschaftswunders. Für die Generation der Männer, die das Land nach dem Krieg wieder reich gemacht haben. Und er ist einer von denen, die ihre Heimat seit einigen Jahren nicht mehr verstehen.
Italien? »Malissimo«, sagt Armani. Ganz schlimm. Er sei froh, dass er nicht viel durch Europa reisen müsse, ansonsten wäre ihm das sehr unangenehm. In den letzten Jahren sei nicht mehr zu erkennen gewesen, was das Private und was das Politische sei. »Das betrifft nicht nur Berlusconi, sondern die ganze Generation.« Jetzt müsse Italien sich aus dem Bann lösen , der es so lange paralysiert habe, »das Land braucht wieder einen Sinn für Einheit und Willenskraft, damit die Dinge in Gang kommen. Ohne diesen Sinn für Gemeinsamkeit und Hoffnung erscheint mir die Zukunft ungewiss.« Dem Neuanfang unter Mario Monti traut er noch nicht: »Es ist schwer zu glauben, dass Berlusconi einfach eine Niederlage akzeptiert und abtritt«, sagt Armani. »Man darf nicht vergessen, dass er wirkliche Macht hatte, vielleicht ist sein Rücktritt nur Teil eines neuen Projektes.«
Man merkt schon: Armani verlässt sich nur auf sich selbst. Der Designer ist ein bekennender Kontrollfreak. Jedes Produkt, das in seinem Namen auf den Markt kommt, begutachtet er persönlich. Er ist bekannt dafür, dass er sogar selbst in die Schaufenstergestaltung seiner Boutiquen in Mailand eingreift. Dabei kann er der Glamour-Welt, die er bedient, selbst nicht viel abgewinnen. Partys, die er gibt, verlässt er meist als Erster. Reisen vermeidet er möglichst. Armani zeigt sich gerne mit seinem typischen Lächeln Arm in Arm mit Filmstars. Doch in zwischenmenschlichen Beziehungen gilt er als schüchtern. An seinen Mitarbeitern hält er lange fest, in seinen Mailänder Boutiquen trifft man Verkäufer, die schon seit 20 Jahren dort arbeiten. Er schätzt das Familiäre, die Intimität, die Sicherheit.
Giorgio Armani ist einer der wenigen Designer, die noch ein Europa erlebt haben, in dem der Krieg wütete. Als Kind erlitt er bei der Verpuffung eines Blindgängers so schwere Verbrennungen, dass er 40 Tage im Krankenhaus lag. Die Kriegserfahrung habe ihn sehr geprägt, sagt er, »ich habe gelernt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Und es hat mich vielleicht auch ein bisschen zynisch gemacht.«
Man muss diese nach innen gekehrte Seite Armanis kennen, um seinen Stil zu verstehen. Er machte nie Mode wie Karl Lagerfeld, der ein Motiv aufnimmt, über den Laufsteg schickt und es sofort wieder ablegt. Armani verkauft Beständigkeit, weil er selbst danach sucht. »Mein Leitgedanke war immer, einen konstanten Stil in einer sich ständig wandelnden Modewelt zu bieten«, sagt er. Das hat nicht jeder goutiert. Der schillernde Designer Gianni Versace, der 1997 ermordet wurde, spottete einmal: »Was, schon wieder ein beiger Anzug auf dem Laufsteg? Er zieht die Mütter Italiens an!«
Über die Mitte der siebziger Jahre, die Ära von Armanis Aufstieg, hat die italienische Modekritikerin Natalia Aspesi gesagt, es sei »nicht mehr die Zeit der Bourgeoisie oder der Revolution« gewesen. Französische Couturiers wie Dior und Yves Saint Laurent waren nicht mehr Träger des Zeitgeistes, auch die bunte Hippie-Mode passte kaum noch zum Lebensgefühl. Die Wirtschaft ging durch die erste Nachkriegskrise, es herrschte Verunsicherung. In diese Stimmung hinein inszenierte Armani in seiner ersten Show das Revival eines Kleidungsstückes, das Sicherheit versprach: des Blazers. Armani hat ihn neu interpretiert, ihn von seinen Schulterpolstern und seiner Kastigkeit befreit. Seine Entwürfe waren cool und elegant, sie schienen um den Körper des Mannes zu fließen. Eine Saison später präsentierte er den Blazer für die Frau.








Armani hat eben Stil, wie seine Produkte. Hatte vor vielen Jahren eine stilsichere und bequeme (Lieblings)jeans von Armani.
Die wollte ich auch später unbedingt wieder kaufen, und - es gab sie noch !
Mit 14 wollte ich unbedingt einen weißen Armani Anzug, genau den von Don Johnson auf dem Foto auf Seite 3. Leider hat das Taschengeld nur für das rosa Esprit T-Shirt gereicht; musste mich mit irgendeinem weissen Leinensakko begnügen und habe mich auf Erwachsensein vertröstet.
Als Erwachsener macht man dann in Deutschland aber irgendwann die Erfahrung, dass der neu gekaufte Armani Anzug einfach zu overdressed wirkt. Das Produtkt wäre toll. Doch selbst mit T-Shirt sieht so ein Anzug einfach zu edel im Vergleich zu dem aus, was die Leute um einen herum tragen. Wäre vielleicht schön, wenn sich die ganze Welt in ein großes Armani-Hotel verwandelt.
Entfernt. Bitte diskutieren Sie ausschließlich zum Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/vn
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hier blüht der Kapitalismus und lässt einen beim Lesen schon strahlen.
Schöner Artikel über einen interessanten Mann in einem interessanten Leben mit tollen Produkten!
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Habe meine Armani-Sachen noch alle, sie sind zeitlos und haben eine hervorragende Qualität, das Geld ist gut investiert. Dagegen erlebe ich mit Sorge, wie gerade jetzt in meinem Umfeld Schnäppchen- und Rabatt-Bons sowie Aktionstage wie Lottoscheine gehandelt werden, die dann für Billigstprodukte eingehandelt werden. Gutverdienende Bürger schleppen dann geradezu säckeweise Kleidungsstücke in entsprechender Qualität an, die man garnicht alle anziehen kann. Die "Beute" wird dann stolz vorgezeigt, wer am wenigsten zahlt hat gewonnen. Der Gipfel: nach dem Kauf eines Kleides wird bekannt, dass das Geschäft am nächsten Tag Aktionstag hat. Das Kleid wird noch am gleichen Tag zurückgebracht und dann am nächsten Tag billiger erworben. Man sieht das dann alles in Deutschland jeden Tag auf der Straße: geschmacklos und billig.
anziehsachen für armgeistige yuppies die den immergleichen anzug für mode und das höchste der gefühle halten. ein jammer.
wie gesagt - es gibt auch geschmacklose und billige Kommentare
Weil er Armani als das bezeichnet was es ist: eine Imagemarke! Es mag ja sein, dass einem der Stil zusagt etc. Wer sich aber für beständige, qualitativ hochwertige Herrenmode interessiert, sollte nicht bei Armani stehen bleiben. Gerade in der Preisklasse eines Standard-Armani-Anzugs (Armani Collezioni, 800-1.000 Euro) bekommt man von anderen Anbietern (Tonello, Canali, etc.) besseres geboten.
die selbstverständlichkeit mit welcher schlipse die herrenmode dominieren und ein stil-konvolut beanspruchen. designer solchen formats kreieren keine mode, sie bedienen clichees.
Weil er Armani als das bezeichnet was es ist: eine Imagemarke! Es mag ja sein, dass einem der Stil zusagt etc. Wer sich aber für beständige, qualitativ hochwertige Herrenmode interessiert, sollte nicht bei Armani stehen bleiben. Gerade in der Preisklasse eines Standard-Armani-Anzugs (Armani Collezioni, 800-1.000 Euro) bekommt man von anderen Anbietern (Tonello, Canali, etc.) besseres geboten.
die selbstverständlichkeit mit welcher schlipse die herrenmode dominieren und ein stil-konvolut beanspruchen. designer solchen formats kreieren keine mode, sie bedienen clichees.
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