Armani erfand den roten Teppich als Laufsteg neu
Armani hatte auch das richtige Publikum für diese Mode ausgemacht: Hollywood-Schauspieler. Als einer der ersten Designer begann er, Filmstars einzukleiden. Er erfand den roten Teppich als Laufsteg neu: »Ich habe meinen Stil nicht Hollywood angepasst. Im Gegenteil: Hollywood wollte unbedingt meine Kleider!« Armani wurde der Code für Glamour. In den achtziger Jahren stattete er Filme wie American Gigolo und die Fernsehserie Miami Vice aus. Es war der Beginn der Massenmedien, die Schauspielerinnen mussten sich nicht mehr nur vor der Filmkamera zeigen, sondern auf allen Kanälen, und nicht immer hatten sie den nötigen Geschmack dafür. Da war Armani die Rettung. Er verhalf den Stars zu dem Gefühl, gut angezogen zu sein. Sophia Loren sagte über ihn: »Wenn ich vor Publikum stehe, habe ich weiß Gott viele Zweifel – aber wenn ich seine Stücke trage, dann verfliegen sie.«

MIt seinen Entwürfen für Miami Vice machte Armani körperbetonte Männermode groß.
Jodie Foster und Michelle Pfeiffer – viele Stars zeigen sich fast nur in Armani-Kleidung. Trotzdem hat der Designer sich innerlich von Hollywood abgewendet. »Ich hasse es«, sagt er. »Alle Beziehungen sind durch das Geschäft ersetzt worden – und ich spreche nicht nur von den Escort-Services.« In Hollywood haben die Stylisten die Macht übernommen, und Stars lassen sich für ihre Werbedienste fürstlich bezahlen. Es ist nicht mehr Armanis Welt. Überhaupt interessieren ihn Modetrends immer weniger: »Stil kann zeitlos sein, wenn er eine präzise Philosophie der Ästhetik wiedergibt.« Das Armani-Hotel ist wie eine Dauerausstellung über diese Philosophie. In der Lobby riecht es nach Bois d’Encens, dem Duft, den Armani für sich selbst kreiert hat. Vor dem Interview hat er sich damit demonstrativ die Hände besprüht. Im Restaurant gibt es sein Besteck, an der Decke seine Leuchten, im Bad sein Duschgel. Und es fällt auf: Das Haus wirkt verschlossen, nur die Präsidentensuite hat einen Balkon, auf dem etwas Bambus wächst. Die Draußen-Welt ist nichts für Giorgio Armani.
Mit diesem Projekt hat er eine Erlebniswelt aus sich gemacht. Alles ist so sehr auf ihn zentriert, dass man sich fragt, ob er sich überhaupt vorstellen kann, dass einmal jemand seine Nachfolge antritt. Und wer? Armani sagt: »Es werden viele kleine Armanis in meinem Unternehmen sein, die meine Arbeit fortführen. Aber es wird kein Genie kommen, das all dies einmal übernehmen kann. Das würde Betrug an mir selbst und meiner Ernsthaftigkeit bedeuten.« Für ein anderes Ego ist hier ganz offensichtlich kein Platz.
Armani entschuldigt sich, es gibt noch so viel zu überprüfen an diesem letzten Abend. Er winkt seine Mitarbeiterwolke herbei, um weiterzumachen. Er wendet sich ab, dreht sich dann aber noch einmal um und zeigt auf die Tischplatte: ein Kratzer. Das Personal guckt betroffen.
Am Abend des nächsten Tages ist die Eröffnungsparty. Im siebten Stock des Hotels strömt der Champagner. Die Schauspielerinnen Jessica Alba und Maggie Gyllenhaal sind da. Giorgio Armani steht unten am Eingang seines Hotels im Blitzlichtgewitter. Im schwarzen Anzug lacht er in die Kameras. Er begrüßt jeden der 200 Gäste bei der Eröffnungsfeier einzeln und verbindlich. Später auf der Party ist er nicht zu entdecken.










Armani hat eben Stil, wie seine Produkte. Hatte vor vielen Jahren eine stilsichere und bequeme (Lieblings)jeans von Armani.
Die wollte ich auch später unbedingt wieder kaufen, und - es gab sie noch !
Mit 14 wollte ich unbedingt einen weißen Armani Anzug, genau den von Don Johnson auf dem Foto auf Seite 3. Leider hat das Taschengeld nur für das rosa Esprit T-Shirt gereicht; musste mich mit irgendeinem weissen Leinensakko begnügen und habe mich auf Erwachsensein vertröstet.
Als Erwachsener macht man dann in Deutschland aber irgendwann die Erfahrung, dass der neu gekaufte Armani Anzug einfach zu overdressed wirkt. Das Produtkt wäre toll. Doch selbst mit T-Shirt sieht so ein Anzug einfach zu edel im Vergleich zu dem aus, was die Leute um einen herum tragen. Wäre vielleicht schön, wenn sich die ganze Welt in ein großes Armani-Hotel verwandelt.
Entfernt. Bitte diskutieren Sie ausschließlich zum Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/vn
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hier blüht der Kapitalismus und lässt einen beim Lesen schon strahlen.
Schöner Artikel über einen interessanten Mann in einem interessanten Leben mit tollen Produkten!
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Habe meine Armani-Sachen noch alle, sie sind zeitlos und haben eine hervorragende Qualität, das Geld ist gut investiert. Dagegen erlebe ich mit Sorge, wie gerade jetzt in meinem Umfeld Schnäppchen- und Rabatt-Bons sowie Aktionstage wie Lottoscheine gehandelt werden, die dann für Billigstprodukte eingehandelt werden. Gutverdienende Bürger schleppen dann geradezu säckeweise Kleidungsstücke in entsprechender Qualität an, die man garnicht alle anziehen kann. Die "Beute" wird dann stolz vorgezeigt, wer am wenigsten zahlt hat gewonnen. Der Gipfel: nach dem Kauf eines Kleides wird bekannt, dass das Geschäft am nächsten Tag Aktionstag hat. Das Kleid wird noch am gleichen Tag zurückgebracht und dann am nächsten Tag billiger erworben. Man sieht das dann alles in Deutschland jeden Tag auf der Straße: geschmacklos und billig.
anziehsachen für armgeistige yuppies die den immergleichen anzug für mode und das höchste der gefühle halten. ein jammer.
wie gesagt - es gibt auch geschmacklose und billige Kommentare
Weil er Armani als das bezeichnet was es ist: eine Imagemarke! Es mag ja sein, dass einem der Stil zusagt etc. Wer sich aber für beständige, qualitativ hochwertige Herrenmode interessiert, sollte nicht bei Armani stehen bleiben. Gerade in der Preisklasse eines Standard-Armani-Anzugs (Armani Collezioni, 800-1.000 Euro) bekommt man von anderen Anbietern (Tonello, Canali, etc.) besseres geboten.
die selbstverständlichkeit mit welcher schlipse die herrenmode dominieren und ein stil-konvolut beanspruchen. designer solchen formats kreieren keine mode, sie bedienen clichees.
Weil er Armani als das bezeichnet was es ist: eine Imagemarke! Es mag ja sein, dass einem der Stil zusagt etc. Wer sich aber für beständige, qualitativ hochwertige Herrenmode interessiert, sollte nicht bei Armani stehen bleiben. Gerade in der Preisklasse eines Standard-Armani-Anzugs (Armani Collezioni, 800-1.000 Euro) bekommt man von anderen Anbietern (Tonello, Canali, etc.) besseres geboten.
die selbstverständlichkeit mit welcher schlipse die herrenmode dominieren und ein stil-konvolut beanspruchen. designer solchen formats kreieren keine mode, sie bedienen clichees.
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