DesignerArmani und wie er die Welt sieht

Was denkt der Designer über Italiens Zukunft? Und über den Stil des modernen Hollywood? Eine Begegnung in seinem neuen Hotel

Eigentlich ist alles fertig im neuen Hotel Armani in Mailand, am Vorabend der Eröffnung: die Lobby mit den champagnerfarbenen Sitzecken, die Wandelemente aus sanft durchleuchtetem Onyx. Die Bar mit den graubraunen Tischen. Doch jetzt wirkt es, als wollten sie gerade anfangen, mal richtig umzuräumen. Alles ist in Bewegung, denn der Chef ist gekommen, um die hohen Räume zu besichtigen. Um ihn herum huschen etwa 20 Mitarbeiter, die, seinen leisen Kommandos und sparsamen Handbewegungen folgend, Stühle verrücken, Tische umhertragen, Bänke umstellen. Es sieht aus wie eine Wolke aus umherwirbelnden Möbeln und Menschen. Im Zentrum: Giorgio Armani. Diese letzten Visiten des Designers sind gefürchtet. Als er vor einigen Jahren ein Armani-Spa in Tokyo inspizierte, ließ er kurz vor der Eröffnung die komplette Beleuchtung verändern. Diesmal geht es dagegen vergleichsweise gemütlich zu. Giorgio Armani hat nur sämtliche Flaschen der Bar auswechseln lassen. Sie waren blau, das gefiel dem Meister nicht.

Giorgio Armani setzt sich an einen der Tische in der Bar. Dass er seine Heimatstadt mit einem Hotel bereichern wird, macht ihm sichtlich gute Laune. Gerade will er zum Gespräch ansetzen, da unterbricht ihn sein Handy. Es schmettert einen Discosound, der gut zu einem 17-Jährigen passen würde. Er entschuldigt sich, wendet sich ab. »Pronto?«

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Armani trägt einen dunkelblauen Blazer und eine runde Brille.

Er sieht gealtert aus, aber wahrscheinlich fällt das bei dem 77-jährigen Designer nur auf, weil er lange so wirkte wie gemeißelt, als hätte er mit 40 das Älterwerden eingestellt. Noch mit Ende 60 trat er gerne am Ende einer Schau mit T-Shirt und engen Jeans auf. Vor zehn Jahren hat er der Zeitschrift Vanity Fair ein Interview gegeben. Er sprach über das Altern und über seine Zweifel, ob er noch lange auf dem Laufsteg werde posieren können. »Mode ist für junge Leute gemacht, nicht für ältere Gentlemen«, sagte er. Heute ist Armani tatsächlich der ältere Gentleman geworden. Er wirkt nun weicher, nahbarer.

Was nicht bedeutet, dass er die Dinge nun ruhiger angehen würde: Das Hotel Armani in der belebten Via Manzoni soll neue Luxus-Standards setzen. Jedes Zimmer hat einen »Lifestyle Manager«, einen eigenen Concierge, der dem Gast während seines Aufenthalts zur Seite steht, ihn bereits beim Einchecken betreut und sein Spa-Programm erstellt. Es gibt Zimmer ab 550 Euro, die Präsidentensuite kostet 11.000 Euro pro Nacht.

Mittlerweile hat Giorgio Armani das Telefongespräch beendet und fängt an, von den Superlativen des Hotels zu erzählen. Die Präsidentensuite sei nur die drittgrößte. Das größte Apartment habe 200 Quadratmeter und sogar eine Freitreppe.

Wer will das bezahlen? Mitten in der europäischen und italienischen Krise? »Gehen Sie mal raus auf die Via Montenapoleone, und schauen Sie, was da eingekauft wird!« Er macht mit dem Handgelenk eine Bewegung, die fette Klunker symbolisiert. »Dann sehen Sie, was hier von der Krise zu spüren ist.«

Giorgio Armani, einer der wichtigsten Modedesigner der Welt, gehört auch zu den wirtschaftlich erfolgreichsten. Sein Konzern machte vergangenes Jahr 1,59 Milliarden Euro Umsatz und steigerte den Gewinn wegen des boomenden Chinageschäfts um 80 Prozent. Armani ist Designer, CEO und Eigner in einem.

Leser-Kommentare
  1. Armani hat eben Stil, wie seine Produkte. Hatte vor vielen Jahren eine stilsichere und bequeme (Lieblings)jeans von Armani.
    Die wollte ich auch später unbedingt wieder kaufen, und - es gab sie noch !

    2 Leser-Empfehlungen
    • 2sheba
    • 02.12.2011 um 10:46 Uhr

    hier blüht der Kapitalismus und lässt einen beim Lesen schon strahlen.
    Schöner Artikel über einen interessanten Mann in einem interessanten Leben mit tollen Produkten!

    2 Leser-Empfehlungen
  2. Habe meine Armani-Sachen noch alle, sie sind zeitlos und haben eine hervorragende Qualität, das Geld ist gut investiert. Dagegen erlebe ich mit Sorge, wie gerade jetzt in meinem Umfeld Schnäppchen- und Rabatt-Bons sowie Aktionstage wie Lottoscheine gehandelt werden, die dann für Billigstprodukte eingehandelt werden. Gutverdienende Bürger schleppen dann geradezu säckeweise Kleidungsstücke in entsprechender Qualität an, die man garnicht alle anziehen kann. Die "Beute" wird dann stolz vorgezeigt, wer am wenigsten zahlt hat gewonnen. Der Gipfel: nach dem Kauf eines Kleides wird bekannt, dass das Geschäft am nächsten Tag Aktionstag hat. Das Kleid wird noch am gleichen Tag zurückgebracht und dann am nächsten Tag billiger erworben. Man sieht das dann alles in Deutschland jeden Tag auf der Straße: geschmacklos und billig.

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  3. wie gesagt - es gibt auch geschmacklose und billige Kommentare

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