Den Spuren der Erfinder und Erneuerer wie Thomas Alva Edison oder Benjamin Franklin folgt Louv zurück zu den Seen, Wäldern und Feldern ihrer Kindheit. Man könnte auch Einstein anführen, der auf die Frage, welchem Umstand er sein Genie verdanke, antwortete, »dass ich immer das ewige Kind geblieben bin«.

Louv gibt einen interessanten, leider nur angedeuteten Hinweis, was den Erfindergeist in der Kindheit fördert, »Loose-parts«. Das Wort bleibt im Buch unübersetzt. Gemeint ist frei verfügbares Material . Dinge, die sich neu arrangieren lassen, Dinge, die, man muss es wiederholen, auf unvollkommene Weise vollkommen sind. Anders als die Prothesen, die heute die Kinderzimmer füllen.

Und nun? Was ist zu tun, um einer verklumpten Kindheit wieder Spielräume zu geben? Den Masterplan hat auch Louv nicht, das Buch wird im letzten Drittel, wenn es um Abhilfe geht, schwächer. Das ist der Ohnmacht geschuldet, aber auch dem Versuch, sie etwas vorschnell mit großen Worten (»die spirituelle Notwendigkeit von Natur für die Jugend«) und Ratschlägen (»Helfen Sie, Stadtparks zu renaturalisieren«) zu vertreiben. Wie bei jedem guten Buch über Bildung führen wir bei der Lektüre ständig Selbstgespräche darüber, wie wir leben wollen. Wenn Louv eine »Schule des Staunens« verlangt, dann wird es sie nur geben, wenn wir mehr staunende Erwachsene haben, die mit ihrer Neugier Kinder anstecken und die sich vor allem ihrerseits von deren Lust auf Neues anstecken lassen. In die Schule des Staunens müssen vor allem die Erwachsenen gehen. Sie müssen wirklich etwas mehr werden wie die Kinder. Unter dem geht es nicht.